Urteile nie vorschnell

„Wahr ist nicht immer das, das wir als wahr betrachten!“

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Eine kleine, jedoch sehr berührende Geschichte zum Thema „Schein und Sein“: Eine alte Dame setzt sich am Nachmittag eines warmen Sonnenscheintages in ein Café. Die Kellnerin kommt kurz darauf an ihren Tisch und überreicht ihr die Menü-Karte und erkundigt sich, was sie denn gerne bestellen möchte. Die alte Dame fragt daraufhin: „Wie teuer ist denn bei ihnen ein Stück von der Torte?“

Die Kellnerin antwortet: „Das Stück kostet fünf Euro!“ Die gebrechliche alte Dame holt daraufhin einige Münzen aus ihrer Tasche und beginnt diese ganz langsam und gemächlich zu zählen. Sie schaut die Kellnerin an und fragt sie erneut: „Und was kostet bei ihnen ein ganz einfaches Stück Kuchen?“ Die Kellnerin schon merklich gestresster, da sie noch viele Gäste bedienen muss, antwortet sehr ungeduldig in unfreundlichem Tonfall: „Das kostet bei uns vier Euro!“ Die alte Dame daraufhin: „Das ist gut so, dann nehme ich gerne einmal den ganz einfachen Kuchen für vier Euro!“ Die Kellnerin serviert der Dame mit genervtem Gesichtsausdruck den Kuchen und legt ihr sogleich die Rechnung dafür hin. Leise, aber deutlich hörbar, murmelt sie dabei vor sich hin: „Immer diese geizigen Leute; es kann nie billig genug sein!“

Die alte Dame blieb eine ganze Weile in dem Café sitzen und aß ganz langsam und genussvoll den Kuchen. Dann stand sie langsam auf, legte das Geld neben die Rechnung auf den Tisch und ging davon ohne sich noch einmal umzudrehen. Als die Kellnerin zurückkam, um den Tisch aufzuräumen, stellte sie zu ihrer Überraschung fest, dass die alte gebrechliche Dame ihr neben dem Geld für den Kuchen, den sie ihr gebracht hatte, zusätzlich einen Euro Trinkgeld hingelegt hat. Ihr stiegen vor Rührung die Tränen in die Augen, aber es war bereits zu spät, um sich bei der alten Dame für das, was sie deutlich hörbar zu ihr gesagt hatte, zu entschuldigen. Sie begriff schmerzhaft und fühlte sich dabei ganz klein und schrecklich schlecht, dass die alte Dame sich mit einem einfachen Stück Kuchen zufrieden gegeben hatte, nur um ihr ein Trinkgeld zu schenken!

(Autor leider unbekannt)

 

Diese kleine und sehr berührende Geschichte zeigt uns wieder einmal ganz deutlich und auch aufrüttelnd, dass wir niemals über andere Menschen vorschnell urteilen sollten! Bevor wir über einen anderen Menschen urteilen und werten, uns damit über ihn erheben, sollten wir zunächst einmal mit ganz viel Sensitivität und Empathie hinter die Mauern sehen, um dahinter seine Ängste und Sorgen zu erkennen. Erst dann können wir erkennen, wie zerbrechlich und verletzlich dieser Mensch hinter seiner Maske ist …

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis Ansavita

 

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About juttalotzhentschel

Jutta Lotz- Hentschel Schriftstellerin & Autorin Autoren- Kollektiv "WortKUNST"

One response to “Urteile nie vorschnell”

  1. julinero says :

    Klasse geschrieben. Die Geschichte hat mich voll gepackt!

    Gefällt mir

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