… jetzt bitte klatschen!

„Gut gelaunt auf allen Bühnen zuhause!“

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Omnipräsenz wider den geistigen Sink- und Tiefflug! 

Mit was Sie mich wirklich beeindrucken können? Ein beispielsweise hohes Maß an Intelligenz ohne sich dabei besserwisserisch oder schulmeisternd über andere Menschen zu erheben, dazu ein großer Löffel naturgegebener und gut präsentierter, nicht verletzender Humor zumeist zum Nachteil und auf Kosten anderer, das ganze, bitte gerührt und nicht geschüttelt, mit einer ordentlichen Prise philosophischem Tiefgang und zum Schluss, perfekt geschmacklich abgerundet, mit einer kleinen Messerspitze Selbstironie gewürzt. Für mich persönlich die perfekte Mischung, um ein inspirierendes und nachhaltig bereicherndes Gespräch mit meinem Gegenüber zu führen oder jemandem mit tiefer Begeisterung zu lauschen.

Was sich für mich als ultimativer Abtörner, nervend bis zum ausgeprägten, ansonsten für mich ursächlich völlig unerklärlichem, jedoch deutlich spürbarem und anhaltendem Zahnschmerz auswirkt, sind Menschen mit einer medialen Omnipräsenz als letzte Bastion eines vermeintlich geistigen Widerstands gegen die Intelligenz im Stil eines dauerkalauernden Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Sein medialer Auftritt in so ziemlich allen nur erdenklichen Talk- Runden, die kein Mensch wirklich braucht und die lediglich als Einschlafhilfe dienen bis hin zur aktuellen Prime Time- Sendung „Frag doch mal die Maus!“, mit der man allerhöchstens noch Fünfjährige wirklich bespassen kann. Massenkompatibler geistiger Tieftauchgang, zu 100% anspruchslos, oberflächlich und platt, inhalts- und nahezu jugendfrei, gerne als Selbstdarsteller mit ausgeprägtem Hang von der Kamera- Verliebtheit bis hin zum öffentlich ausgelebten mittelschwerem Narzissmus in seiner Rolle als Entertainer, Comedian, Bestseller- Autor eher dünner Literatur, Quiz- Master und Kabarettist mit eigener Bühnen- Show, Fernsehmoderator, Vortragsredner auf wissenschaftlichen Kongressen und Gute Laune- Zauberer, war Dr. med. Eckart von Hirschhausen im Laufe seiner Karriere irgendwann auch mal etwas richtig respektables.

Als vermeintlicher und selbsternannter Allround- Genius und medialer Tausendsassa, der das ganz große Erbrechen über so ziemlich alle öffentlich- rechtlichen und privaten Fernsehsender kultiviert hat, präsentiert er sich gerne als Sex- Experte, Ernährungs- Spezialist, Zauberer und, ja klar, das betont er besonders gern und oft, wie um sich irgendwie selbst gelegentlich daran zu erinnern, auch mal was durchaus gescheites gelernt, bzw. studiert zu haben, natürlich fachlich versierter und universell kundiger Mediziner! Gerne mutiert er dann auch mal zum Allesbesserwisser, wie im März 2015 in Frank Plasberg´s „Hart aber fair!“ zum Thema Impfkritik und ist sich hier auch nicht zu schade, einer anwesenden Mit- Talkerin aufgrund einer eher konträren Meinung zum Thema „Impfen“ blanken Egoismus und Fahrlässigkeit vorzuwerfen, wobei er eine mehr als unterirdische Diskussionskultur pflegt, generell keinerlei Argumente zulässt und Diskutanten immer wieder brachial ins Wort fällt. Fachliche Ausführungen einer Teilnehmerin werden dann auch gerne mal von ihm mit dem Totschlag- Argument unterhalb der Gürtellinie „Das ist doch Bullshit hoch zehn!“ beschieden und mit bereits von ihm gewohnter Überheblichkeit und Arroganz als schulmedizinisches Allround- Genie abgewürgt. Die Sendung heißt zwar „Hart aber fair!“, von Fairness war hier allerdings vonseiten Dr. med. Eckart von Hirschhausen eher weniger wahrzunehmen, dafür, eher weniger überzeugend, im ganz großen Auskeilen. Last but not least wurde Dr. med. Eckart von Hirschhausen sogar, welch eine hohe Weihe, zum „Krawattenmann 2009“ gekürt! Dies alles wird überstrahlt von einem gloriengleichen Karriere- Aufstieg von der Kleinkunst- Bühne zum glückshumorigen Dauergrins- Apostel der launigen und teilweise recht anspruchslosen Mittelschicht.

Ich habe mir tatsächlich, heute erachte ich das ganze fast eines Pokals würdig ob meines geistigen Masochismus bis hin zur mentalen Selbstkasteiung, diesen Dr. med. EvH (Nennen wir ihn etwas reduzierter der Einfachheit halber mal so!) in diversen Fernsehsendungen, u.a. in der Talkrunde „3 nach 9“, respektive „Tietjen und Hirschhausen“, die er glücklicherweise Ende 2014 verlassen hat und die man sich mittlerweile endlich wieder mal anschauen kann ohne dabei schlechte Laune zu bekommen, angetan und mich durch zähflüssige, gefühlt ellenlange Talk- Shows gequält, um wenigstens fachlich kompetent mitreden und mir angesichts angeblich rauschender und stehender Ovationen begeisterungstrunkener, sich brüllend auf die Schenkel schlagender, Zuhörerschaft, ein eigenes Bild mit im nachhinein besehen, niederschmetterndem Ergebnis in Form von absoluter Lebenszeit- Verschwendung, machen zu können.

Neben seinen diversen, teilweise wirklich gesundheitlich bedenklichen Gewichtszu- und abnahmen, deutlich zu erkennen an den fast zum Zerreißen spannenden Westen und Sakkos in teilweise gruseligen Farben und Mustern, die bereits seit langem in Verdacht stehen Netzhautkrebs zu verursachen, einem seiner Ansicht nach offensichtlich kameratauglichen festgetackerten Dauergrinsen als Gute- Laune- Bär und enervierend aufgesetzter Fröhlichkeit, seinem latenten Hang sich zu allem und vor allen Dingen nichts fast zwanghaft, weitgehendst inhalts- und substanzfrei, äußern zu müssen und eines sich, nachdem ich mir nach rund einem Dutzend Talk- Shows mit ihm als Mitwirkenden angetan habe, angesichts seines medialen Anblicks permanent intensiv einstellenden Gefühls des Fremdschämens, habe ich schlussendlich entnervt aufgegeben, um mich endlich wieder wirklich wichtigem zu widmen. Irgendwie komme ich nicht von der Vorstellung los, dass Herrn Dr. med. EvH irgendwann mal, als Auftakt zum omnipräsenten medialen Rampenferkel auf allen Bühnen und in Erweckung desselben, eine persönliche Sternstunde in Form eines Buddies ereilt haben muss, der ihm selbstlos geraten hat: „Ecki, die Welt wartet auf Dich; mit dem Scheiß, den Du hier an der Theke erzählst, gehörst Du unbedingt auf die Bühne und vor die Kamera!“

Was mich wirklich an dem Menschen Dr. med. EvH, der meines Erachtens absolut null und nichts zur geistigen Erbauung und Weiterentwicklung beiträgt, besonders interessiert hat, ist der Umstand, dass er Mediziner (Dr. med.) ist. Genau an diesem Punkt stellt sich für mich die Frage, inwieweit er sich hier selbst als beständige und unentbehrliche Größe am Himmel etablierter Komödianten sieht oder ob zwischenzeitlich unser Gesundheitssystem tatsächlich so marode ist, um sein Auskommen nicht mehr als praktizierender Arzt verlässlich und stabil verdienen zu können. Forscht man einmal genau nach und begibt sich hier in die Tiefen des Internet, erfährt man, dass Dr. med. EvH, nunmehr seit rund 16 Jahren auf offensichtlich allen nur denkbaren Bühnen dieser Welt zuhause zu sein scheint, in 1994 magna cum laude an der Universität Heidelberg zum Thema „Wirksamkeit einer intravenösen Immunglobulintherapie in der hyperdynamen Phase der Endotoxinanämie beim Schwein“ zum Dr. med. promovierte, anschließend ein Jahr bis 1995 Wissenschaftsjournalismus an der Freien Universität Berlin studiert hat und sage und schreibe sogar eineinhalb Jahre als Arzt gearbeitet hat. Ein kleiner Schelm derjenige, der angesichts dieser Tatsache kritisch hinterfragt, was hier wohl (… eventuell auch besser Gott sei Dank !) den Patienten erspart geblieben sein mag!

Zur allerletzten Ehrenrettung von Dr. med. EvH mag nicht unerwähnt bleiben, dass er es tatsächlich immer wieder schafft, jeglichen Rest von substantiierten Inhalten und geistigem Tiefgang rückstandslos zu verdampfen. Immerhin handelt es sich hierbei fast um eine Kunst, die nicht wirklich jedem zuteil wird und für die sich andere Comedians relativ hart ins Zeug legen müssen. Dr. med. EvH schafft das immer wieder mit fast spielerischer Leichtigkeit und daher nimmt man ihm auch sofort wahre Authentizität ab, zumal er sich offensichtlich in seiner Rolle als schulmedizinerischer Populist mit latent mental erhobenem und belehrendem Zeigefinger gegenüber dem offensichtlich seiner Ansicht nach unwissendem Plebs mehr als zu gefallen und sehr wohl zu fühlen scheint.

Nachdem Dr. med. EvH in einer seiner medialen geistigen Sinkflug- Auftritte sehr anschaulich eine Reanimation, unterlegt mit dem Bee Gee- Songtitel „Stayin Alive“ als idealen Takt- Geber für eine Herzmassage, demonstrierte, schlägt er nunmehr in seiner One Man- Show mit dem mehr als bezeichnenden Titel „Wunderheiler“ die ganz große Pseudo- Informations- und Humor- Keule gegen alles und jeden außerhalb schulmedizinischer Erkenntnisse. Hier wird aus dem weiten Feld der alternativen Heilung so ziemlich alles jenseits der Grenzen zur Lächerlichkeit ausgeschlachtet, was nicht in den meines Erachtens recht simplifizierten, einseitig geprägten und gestandenen Schulmediziner- Horizont passt. Angesichts dieser Tatsache sollte man sich schon fragen, weshalb ein Dr. med. EvH, der sich augenscheinlich wissenstechnisch und aufgrund seiner überaus fundierten Fähigkeiten öffentlich als Fixstern am Heilerhimmel der evidenz- basierenden Medizin präsentiert, dann nicht selbst erfolgreich praktiziert und selbstlos und altruistisch wenigstens einen Teil der krank siechenden und von der alternativen Heilung offensichtlich heillos verarschten, anscheinend grenzdebilen Bevölkerung rettet. Haben wir irgendwie zum Ende des Studiums festgestellt, dass die Sache mit der Humanmedizin wohl doch irgendwie nicht so das richtige und wahre ist, wie?!!! Ja klar, als Comedian geht´s auch nicht unbedingt um wasserdichte Diagnosen und Therapieansätze, dafür kann man in diesem Genre erheblich besser denn als Mediziner mal so richtig ungehindert ohne Rücksicht auf Verluste und eventuell drohende Kollateralschäden die ganz wilde Wutz gegen alles und jeden auf der Bühne rauslassen und wenn wir ganz ehrlich sind, verdient wird hier auch erheblich besser als beim Buckeln zugunsten des gemeinen Volkes Wohl. Drum sei´s ihm von ganzem Herzen gegönnt und mal ganz ehrlich, möchten Sie von einem Mediziner behandelt werden, der Ihnen anstatt einer haltbaren Diagnose den letzten Brüller aus dem knietief seichten Niveau seiner aktuellen Wunderheiler- Show präsentiert? Wohl eher nicht wirklich!

Besonders kritisch stimmt mich, dass Dr. med. EvH in seiner Bühnen- Show „Wunderheiler“ selbstgefällig, besserwisserisch und mit überheblicher Schulmediziner- Arroganz die gesamte alternative Heilung durch den mittlerweile nur noch lauwarmen und längst abgestandenen Kakao zieht, selbst jedoch kommerziell genau die von ihm so fachlich belächelte und ausgeschlachtete Schiene der Glücksbärchi- Szene und des esoterischen Dschungelcamps bedient. Ganz nach dem Motto: „Scheiß drauf, lach Dich einfach glücklich, sei glücklich und die Welt ist für Dich in Ordnung!“ Besonders herausragend zu erwähnen sei hier seine Glücks- Box mit Glücks- Tagebuch, einer angeblich „magischen“ Glückstasse mit der Aufschrift „Nicht abwarten, Tee trinken!“ und der Beigabe einer obskuren Glücks- Kräuterteemischung mit dem tiefgründigen Namen „Jugendherbergstee“.  Was sich mir ein wenig verschließt, ist allerdings die Deutung der Definition „magisch“ in Bezug auf eine Tasse; zumindest die diesbezüglich sehr tiefgründige Metapher „Wenn man was rein tut, ist was drin!“ lässt bereits tief blicken und vielleicht versteht man tatsächlich erst dann, was „magisch“ wirklich bedeutet.

Besonders enervierend hierbei die beigefügte Glücks- CD mit von Dr. med. EvH umständlich erklärten Pointen, damit auch der Allerletzte der Aufforderung  „Ja, und jetzt kräftig in die Hände klatschen und ganz laut lachen!“ nachkommt. Wahrlich glücklich darf sich meines Erachtens ein jeder schätzen, an dem dieser Kelch in Form der Dr. med EvH´schen Glücks- Box vorübergegangen ist. Mein Tipp für all diejenigen, die dennoch anlässlich des letzten Weihnachtsfestes von einem gutmeinenden Freund oder der sich sorgenden Tante mit diesem ganz besonderen Präsent bedacht wurden: Relativ anonym an Rebuy oder Momox weiterverkaufen und den Erlös an den Tierschutzverein spenden oder bei Nacht und Nebel heimlich, still und leise in der Mülltonne des immer so muffligen und unsympathischen Nachbarn entsorgen!

Mein persönliches Fazit: Wir leben in einer Welt der Dualität, die sowohl die Ebbe und Flut, Tag und Nacht, die Weisheit und Intelligenz, aber auch die Arroganz und den geistigen Tief- und Sinkflug aushält und genau aus diesem Grund hat auch ein Dr. med. EvH durchaus seine Existenzberechtigung und sei es hier nur als grottenschlechtes Beispiel dafür, dass sich auch Humor und Comedy durchaus mit einer großen Schippe Tiefgang und Substanz vertragen, jedoch kein unbedingtes „MUSS“ sind!

Wie Herr Dr. med. E. von Hirschhausen so überaus treffend in einem Interview bereits aus dem September 2012 mit „Der Zeit“ anmerkte: „Ich gehe mir ja selbst auch auf den Zeiger!“. Meine Empfehlung: „Ja, mein Gott, wenn Ihnen das schon damals selbst aufgefallen ist, warum quälen Sie uns dann auch heute noch in Form von geistiger Diarrhoe und Ansammlung schlechten Geschmacks mit unterirdischem Null- Unterhaltungswert zwecks kommerzialisierter Massenbespaßung auf schulmedizinischem Stammtisch- Niveau? Ich schlage daher vor: Etwas weniger wäre zukünftig bedeutend mehr und einfach mal eine zeitlang die Klappe halten!

 

Herzlichst

Jutta Lotz- Hentschel

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About juttalotzhentschel

Jutta Lotz- Hentschel Schriftstellerin & Autorin Autoren- Kollektiv "WortKUNST"

One response to “… jetzt bitte klatschen!”

  1. Marion Bach says :

    Na den hast Du ja mal ordentlich seziert. Danke für diese wunderbare neue Sichtweise. Leider kommen aber genau diese Leute, wie E.v.H, in den Medien vor, weil sie zur Verdummung der Menschen und zur platten Unterhaltung passen.

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