Einfach anders sein …

„Außergewöhnlich gewöhnlich und abnormal normal“

sheep-1767171_1280

Das Märchen vom kleinen schwarzen Schaf, das so gerne wie alle anderen sein wollte!

Und wie alle Märchen, beginnt auch dieses mit: Es war einmal …

Ein kleines schwarzes Schäfchen wurde in eine große Herde von weißen Schafen geboren. Seine Eltern waren ebenfalls beide schneeweiß wie all die anderen Schafe, und niemand konnte sich so recht erklären, weshalb ausgerechnet dieses kleine Lämmchen als einziges von unendlich vielen schwarz war.

Nachdem sich das kleine Lämmchen von der anstrengenden Geburt etwas ausgeruht und noch ein wenig in der warmen Mulde mit seiner Mutter gekuschelt hatte, nahm es all seinen Mut zusammen, und lief freudig neben ihr über die Wiese, um dort endlich alle anderen zu begrüßen. Es sprang fröhlich auf die anderen kleinen Lämmchen zu, überglücklich gleich so viele ebenso kleine neue Freunde gefunden zu haben.

Zunächst hatten alle das kleine Schäfchen neugierig, wenn auch etwas reserviert, aus der Ferne beobachtet. Als es ihnen jedoch näher kam, flüchteten alle zu ihren Müttern und liefen dann gemeinsam mit all den anderen ans äußerste Ende der Weide. Das kleine Schäfchen dachte zunächst an ein lustiges Spiel und rannte allen anderen Schafen und Lämmern hinterher. Doch wieder passierte genau das gleiche. Alle anderen liefen sofort in die genau entgegengesetzte Richtung.

Das kleine Schäfchen kam mit seinen noch so kurzen Beinen garnicht hinter den anderen her und rief deshalb laut: „Hey, wartet doch auf mich. Ich will doch mitspielen!“ Da blieb das Leittier, ein großer und mächtiger Schafsbock, stehen. Er drehte sich nach dem kleinen Lämmchen um, schaute es sehr böse an und sagte laut: „Verschwinde, wir wollen nichts mit Dir zu tun haben!“ Das kleine Lämmchen blieb erschrocken stehen, sah ängstlich den großen Schafsbock an und sagte verständnislos:“ Aber warum denn nur? Ich bin doch einer von Euch. Ich bin doch nur ein Schaf und genauso wie Ihr alle!“ Der große Schafsbock, schon merklich ruhiger, aber noch immer sehr abweisend und feindselig, sah das kleine Schäfchen ruhig an und sagte nach einer ganzen Weile: „Nein, das bist Du nicht! Wir alle sind weiß, das siehst Du ja wohl, und Du als einziger bist schwarz und deshalb wirst Du niemals einer von uns sein!“

Das kleine Lämmchen lief ganz langsam zu seiner Mutter zurück, sah sie traurig an und sagte mit leiser Stimme: „Mama sag, warum darf ich nicht einer von ihnen sein? Ich bin doch ebenso ein Schaf wie sie alle, nur eben noch ganz klein!“ Die Mutter stupste das Lämmchen an, sah ihm tief in die Augen: „Ja, mein Kleines, Du bist ein Schaf wie alle anderen. Aber alle weißen Schafe werden immer nur sehen, dass Du schwarz bist. Für sie bist Du anders und deshalb lehnen Dich alle ab. Für mich allerdings bist Du außergewöhnlich und etwas ganz besonderes eben weil Du schwarz bist.“

Das kleine Schäfchen dachte lange nach und sagte dann: „Mama, werde ich deshalb niemals zu allen anderen gehören?“ Die Mutter blickte ihrem Lämmchen liebevoll in die Augen: „So ist es, mein Kleines! Du wirst für immer anders sein, ein schwarzes Schaf, und aus diesem Grund werden Dich auch alle anderen immer ablehnen. Sie sehen nicht in Dein großes Herz, und sie wollen nicht sehen, dass Du genauso bist wie sie alle. Sie werden immer nur als Besonderheit Dein schwarzes Fell sehen!“

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Text: © Jutta A. Lotz- Hentschel

Schlagwörter: , ,

About juttalotzhentschel

Jutta Lotz- Hentschel Schriftstellerin & Autorin Autoren- Kollektiv "WortKUNST"

2 responses to “Einfach anders sein …”

  1. julinero says :

    Vielen dank und auch ich bin gern ein schwarzes Schaf!

    Gefällt mir

  2. Gerda Brinkmann says :

    Die Geschichte macht einerseits traurig, weil das schwarze Schaf so früh und mit aller Wucht mit der Realität konfrontiert wird, dass er anders ist und auch immer bleiben wird.
    So bleibt nur die Hoffnung, dass er anfängt zu sehen, dass gerade diese Andersartigkeit sein ganz großes Potential ist. Aber wie lange hat es bei mir gedauert, dass ich meine Hochsensibilität als ganz große Chance gesehen habe und mich nun nicht mehr darüber wundere, dass ich einfach anders bin.
    Auf die Andersartigkeit, auf die Einzigartigkeit

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: