Wann ist wann?

„Später oder doch eher irgendwann einmal?“

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„Irgendwann“ und „später“ bedeutet zumeist NIEMALS!

Das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss und kaum etwas entlarvt Menschen so sehr, wie ihre Sprache und dabei verwendete sehr ungenaue und vage Begriffe, insbesondere wenn es sich dabei um die Notwendigkeit des Konkretisierens handelt!

Wer von seinem Liebsten gefragt wird, ob man gemeinsam zwecks Eheschließung vor den Traualtar treten möchte und „Ja!“ sagt, wird wohl kaum ein Problem damit haben, ein konkretes Datum für den Startschuss beim Standesamt festzulegen. Nicht so hingegen, wenn es sich um die Realisierung der eigenen anvisierten Visionen und Ziele und den Start einer grundlegenden Neu- und Umorientierung handelt. Wird es hier konkret, weichen die meisten dann in den Tieftauch- Bereich der kreativen Ausreden und des Nebulösen aus.

Da ich Menschen, mit denen ich mich unterhalte oder die ich berate, immer und grundsätzlich meine vollumfängliche Aufmerksamkeit schenke, laufen bei mir selbstverständlich alle Äußerungen, Aussagen und dabei verwendeten Begriffe zwecks Analyse des Gesagten hinsichtlich der Überprüfung einer Kompatibilität in Bezug auf klare Überzeugung und eine unverhandelbare Absichtserklärung durch eine Art Nano- Feinfilter. Neben den Begriffen „eventuell“, „vielleicht“ und „eigentlich“, mein ganz persönliches Lieblings- Unwort, gehören zu meinen absoluten Favoriten die wenig konkreten Aussagen „irgendwann“ und „später“. Irgendwann einmal? Später? Wann bitte ist irgendwann und wann findet später tatsächlich statt?

Das beste „Spielfeld“ in punkto Sprach- Analyse, unser Sprachgebrauch ist immer ein Spiegel unserer wahren inneren Überzeugung und Haltung, bietet da ausnahmslos meine Praxis. Zu mir kommen keine Menschen, um mir davon zu berichten, wie gut es ihnen geht oder wie erfolgreich und effizient sie ihre Visionen und Planungen umgesetzt haben. Nein, zu mir kommen Menschen, die sich um- und neuorientieren möchten, die eine erlebte Katastrophe als neue Chance wahrnehmen, die endlich den Sprung von einem Angestellten- Verhältnis in die Selbständigkeit realisieren und hierbei meine fachliche Beratung in Anspruch nehmen möchten.

Nach einer akribischen Analyse nach dem was ist, was bleibt und was beendet werden darf, kommt dann zumeist eine klare Zielsetzung in einzelnen Schritten, um aus einer Vision Realität und Effizienz entstehen zu lassen. Solange Mann/Frau sich noch im Bereich der grauen Theorie bewegt, sprudeln hier innovative Ideen, Gedankenspiele, kreative Planungen und Visionen ohne Limit und in nahezu unbegrenzter Fülle. Bis zu diesem Punkt bewegt man sich in der Regel zumeist noch auf dem Level des Konjunktivs: Man sollte, müsste, könnte …!

Ideen, Planungen und Visionen sind durchaus mit Blick auf Vorhaben, Um- und Neuorientierungen durchaus wünschenswert, ja sogar notwendig, um alle sich bietenden Möglichkeiten und Potenziale ausschöpfen zu können. Kommt das Gespräch dann jedoch zu dem Punkt, an dem es um Entschlossenheit, Eindeutigkeit, Überzeugung und eine klare Absichtserklärung geht, wird es in der Regel wahlweise sehr kreativ bis recht still und bemerkenswert leise. Da nun aber jeder noch so innovativen und kreativen Theorie auch die Vollendung in der Praxis folgen sollte, stellt sich in der letzten Etappe einer Beratung logischerweise auch immer die Frage nach einem realisierbaren Zeitplan, um die einzelnen Schritte des geplanten Vorhabens in Richtung des Ziels auch erfolgreich umsetzen zu können. Die überdeutliche und klare Frage nach dem „Wann?“.

Bleibt eine klare Antwort auf diese wichtige Frage aus oder weicht mein Gegenüber dann einer Konkretisierung aus, ist dies dann zumeist auch der „point of death“, der ultimative Schlußpunkt hinter jeder theoretisch noch so ausgefeilten Vision. Fallen dann im Verlauf einer diesbezüglich folgenden Antwort die beiden Zauberworte „irgendwann“ und/oder „später“, stellt sich für mich nur noch die Frage: „Spielen Sie etwa noch immer oder machen Sie bereits ernst? Wann ist genau und konkret wann?“ „Irgendwann“ oder „später“ kann bedeuten in vier Wochen, in einem Jahr, in zehn Jahren, auf dem Sterbebett oder – und das ist meistens der Fall – bedeuten diese beiden Begriffe nur das eine: „Niemals!“. Die Vision und das anvisierte Ziel fühlen und hören sich zwar theoretisch zunächst sehr gut an, aber das ganze wird in der Praxis zumeist niemals realisiert und umgesetzt werden!

Ein vages, ungenaues und unkonkretes „irgendwann“ oder „später“ signalisiert nicht nur ein „Niemals!“, sondern überdies eindeutig fehlende Überzeugung, einen Mangel an intrinsischer Motivation, ein Ausweichen gegenüber dem Ziel und das Fehlen einer deutlichen und überzeugten Absichtserklärung. Der Schritt von einem „Ich könnte eventuell und müsste eigentlich …!“ hin zu einem überzeugten „Ich will …!“.

„Irgendwann“ und „später“ bedeutet im Prinzip nichts anderes als ein „vielleicht“ oder „eventuell“, ein „Schaun wir mal!“ und „Jein!“ und schlussendlich entsteht daraus ein schleichendes „Niemals!“. Ein „irgendwann“ und „später“ signalisiert keine eindeutige und überzeugte Haltung, sondern vielmehr die sorgsam tapezierte Hintertür des Seelenhauses: Für andere unsichtbar, aber der Hausbesitzer weiß ganz genau, wo er sie findet, wenn sie denn gebraucht wird, um sich selbst und seinen Visionen und theoretischen Zielen erfolgreich auszuweichen! Ich gehe jedoch noch weiter: Mit einem vagen und unkonkreten „irgendwann“ und „später“ verraten wir immer auch Stück weit uns selbst und treten die sich uns bietenden Chancen und Möglichkeiten unser Potenzial auszuleben und die beste Version von uns zu leben mit Füssen. Ein Leben gelebt im Konjunktiv, und im undeutlichen Nebel eines „Ich könnte, würde und sollte …!“. Nur bedenken Sie bitte: Ein jedes vage „später“ und „irgendwann“ erfährt irgendwann zumeist völlig unerwartet einen Schlusspunkt, an dem sich die Frage nach dem „Wann?“ für Sie nicht mehr stellen wird!

Und da das Beste wirklich immer zum Schluss kommt, hat mich zur Frage nach einem grundsätzlichen und konkreten „Wann?“, nicht nur in Bezug auf berufliche Ziele, sondern mit Blick auf ausnahmslos alle Veränderungen in unserem Leben, ein kleiner Filmbeitrag gefunden. Ilja Grzeskowitz ist ein wunderbarer Vortragsredner und er erzählt hier eine kleine, sehr berührende und sehr zu denkende gebende Geschichte aus seinem Leben über das „irgendwann“ und „später“.

 

Stellen Sie sich jetzt bitte selbst die kritische Frage, wann für Sie „Wann?“ ist! Für mich persönlich gilt: „Wann“ ist nicht morgen, nicht übermorgen und nicht in einem Jahr. „Wann“ ist für mich immer und grundsätzlich HEUTE und JETZT, denn es wird niemals einen besseren und günstigeren Zeitpunkt für das wirklich wichtige geben: Uns selbst und unser Leben!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

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About juttalotzhentschel

Jutta Lotz- Hentschel Schriftstellerin & Autorin Autoren- Kollektiv "WortKUNST"

One response to “Wann ist wann?”

  1. julinero says :

    Was für eine Geschichte,vielen Dank für´s aufrütteln. Ich sage nie mehr später und irgendwann!

    Gefällt mir

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