Ja, geht´s noch?!!!

„Verwaltete Armut in Deutschland!“

Wenn sogar mir persönlich die Worte fehlen …

Folgt man aufmerksam der medialen Berichterstattung, die sich täglich über Deutschland erbricht, hat man fast den Eindruck, wir leben in unserem Land tatsächlich in nahezu paradiesischen Zuständen mit All inclusive- Wellness- Faktor und Rundum- Kuschel- Service: Deutschland ist ein reiches Land; Deutschland ist weiterhin Export- Weltmeister; in 2016 weit über € 50 Milliarden an Steuer- Mehreinnahmen; die Arbeitslosenzahlen befinden sich angeblich auf dem ultimativen Sinkflug und die Konjunktur erfährt zur Zeit einen absoluten Höhenflug! Das hört sich doch wirklich alles supi an! Dazu erklärt uns die Politik aus dem Elfenbeinturm selbstverliebter Egomanen: Allen geht es wirklich so gut wie nie zuvor! Fazit: Ein echtes Superlativ und wer jammert und sich beschwert, jault auf extrem hohem Niveau!

Beschäftigt man sich hingegen kritisch mit den harten Fakten, sieht es tatsächlich weitaus nüchterner und reduzierter aus, also „Herzlich willkommen im weiten und bunten Reich der Sagen, Märchen und Legenden deutscher Medien und hauseigener, sich in der Selbstbeweihräucherung gegenseitig überbietender, Politiker!“

Kleine Anmerkung am Rande: Na, Herr Maas, wie war das nochmal mit den Fake- News oder haben etwa in diesem Land Politiker und Medien nach den Kriterien des Wahrheits- Ministeriums und diverserer staatlich geförderter Blockwart- Institutionen Narrenfreiheit ohne Limit?!!! Zu diesem Thema später gerne mehr! Denn, wissen Sie, bei mir ist aktuell etwas Zeit- Straffing angezeigt, ich ziehe nämlich gerade um!

Nun zu den eher unappetitlichen Tatsachen und die eiskalt serviert: Rund 800.000 Menschen in Deutschland geht es wirtschaftlich so schlecht, dass sie ihre Einkäufe bei den Tafeln tätigen müssen! Nahezu jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut und nahezu 300.000 Menschen sind so mittellos, dass sie sich noch nicht einmal eine Wohnung leisten können und obdachlos auf der Strasse leben. Ganz zu schweigen von den zahllosen Rentnern, die mittlerweile nicht einmal mehr von ihren Altersbezügen angemessen leben können und daher gezwungen sind, ihre Einkünfte mittels Mini- Jobs oder noch weitaus schlimmer Flaschensammeln aufzubessern! Tatsache ist, noch nie zuvor gab es so viele mittellose und arme Menschen in Deutschland wie heute!

… und nun zur heutigen Ausnüchterung! Ich ziehe demnächst bekanntlich um und im Zuge des allgemeinen Aufräumens möchte ich mich von Dingen, wie Möbel, Bekleidung und vielem mehr, was ich definitiv nicht mehr brauche, trennen. Wohlgemerkt alles Dinge, die völlig in Ordnung, fast neuwertig, völlig intakt, liebevoll gepflegt und allesamt unbeschädigt sind. Mein Grundgedanke: Mit Sicherheit gibt es noch Menschen in Deutschland, die sich über den Besitz, von dem ich mich trennen werde, freuen und denen ich mit der kostenlosen Überlassung vielleicht sogar ein kleines Stück weiterhelfen kann, zumal ein eventuell zu führendes Bewerbungsgespräch in einem erstklassig und absolut neuwertigem dunkelblauen Windsor- Anzug oder einem Kostüm nun mal selbstbewusster und sicherer geführt werden kann, als in dem geliehenen Teil einer Freundin, das man anschließend gereinigt der Besitzerin wehmütig wieder zurückgeben muss.

Mein erster Gedanke: Ich biete den gesamten Fundus einem Sozial- Kaufhaus, der Caritas, den Johannitern oder einer anderen sozialen Institution oder privaten Initiative an und stifte einfach alles. Mit Sicherheit wird das ganze dort neue und glückliche Besitzer finden, die genau das suchen und brauchen, was ich nicht mehr benötige.

Also habe ich in den vergangenen Tagen so ziemlich alle ortsansässigen Institutionen per eMail angeschrieben oder angerufen, um das ganze reibungslos in die Wege zu leiten. Und? Hört und fühlt sich doch im Prinzip sehr gut durchdacht an: Simplify your life, tu damit was Gutes und mach andere zum Nulltarif glücklich! Ja, hört sich in der Theorie eindeutig Klasse an! In der Praxis hingegen: Effekt gleich Null!

Aber zunächst zurück zu meinen Aktivitäten! Die erste Antwort einer bekannten sozialen Einrichtung, die sich in den abendlichen Sendepausen zur Prime- Time des Mainstream- Fernsehens in punkto Spendenaufrufen á la „Nur Bares ist wahres!“ was Gutes gönnt und sich dabei so richtig den Allerwertesten aufreißt: „Ja, aber klar doch gerne! Das können Sie uns alles gerne vorbei bringen, aber …!“

„Bitte nur Möbel, die maximal 3-5 Jahre alt, respektive die neu sind, keinerlei Gebrauchspuren aufweisen und in absolut einwandfreiem Bestzustand sind. Antike Stücke lassen wir erst einmal auf deren Wert taxieren und dann überlegen wir uns, ob wir sie annehmen, wenn diese einen sehr hohen Wert darstellen! Kleidung bitte nur gebügelt, gereinigt und am besten neu und ungetragen, modisch und aktuell, in sehr guter Qualität, in ansprechenden Farben und Mustern, was immer das auch bedeuten mag, und am liebsten nur bekannte Markenware. Schuhe bitte ausschließlich neu und ungetragen, zumindest aber neu besohlt, 1A- gepflegt, aktuelle Modelle und ohne jegliche Trage- und Gebrauchsspuren. Ach, und die nur einmal benutzten Inline Skates inklusive Tragetasche nehmen wir garnicht an, da sieht man ja auf der Oberfläche der Rollen, dass sie schon mal benutzt wurden! Am besten wird sein, wir schicken mal demnächst jemanden vorbei und suchen uns dann alles das aus, was wir gerne haben möchten; den Rest können Sie ja anschließend noch im Sperrmüll und im Altkleiner- Container entsorgen!“ Nur am Rande bemerkt: Ich habe so vieles zu verschenken, das absolut neuwertig und sehr gepflegt ist, ich könnte damit meinen eigenen Sozialladen „Top- Shopping zum Nulltarif!“ eröffnen!

Leute, ja geht´s noch?!!! Die erhaltene Antwort und weitere zumindest nahezu identische, stehen stellvertretend für ausnahmslos alle von mir kontaktierten Institutionen und Initiativen und sind meines Erachtens an Überheblichkeit und Arroganz nicht mehr zu überbieten. In meinem anfänglichen Enthusiasmus war ich tatsächlich der Ansicht, man würde sich über mein Angebot, bzw. meine Spende ehrlich freuen, allerdings bin ich aufgrund der Statements mittlerweile mehr als geerdet: In Deutschland wird Armut und Bedürftigkeit offensichtlich nur noch verwaltet, zur Statistik reduziert und kommerziell ausgeschlachtet! Überall wird vollmundig über Essen- Retter; schont wertvolle Ressourcen; teilen und verschenken, anstatt teuer konsumieren und „Kein deutscher Müll für die Dritte Welt!“ berichtet – oder sollte ich eher sagen „schwadroniert“ – beschäftigt man sich jedoch ernsthaft und kritisch mit der Materie, kommt als Abgesang die eiskalte Ausnüchterung! Die von mir kontaktierten angeblich so sozialen Institutionen, Einrichtungen und Initiativen sind überhaupt nicht daran interessiert, bedürftigen und von der Armut bedrohten Menschen wirklich altruistisch zu helfen und das noch nicht einmal, wenn es sich dabei um Top- Spenden im Überfluss zum Nulltarif handelt, die man sicherlich recht einfach entsprechend verteilen und weitergeben könnte!

Mein ganz persönliches Fazit: Von mir gibt es zukünftig mit Sicherheit nicht einen einzigen Euro als Spende an karitative Institutionen mehr! Das örtliche Tierheim freut sich über ausnahmslos jede Futterspende, und seien es nur 5 Dosen Hunde- oder Katzenfutter, mehr, als jede soziale Institution oder Initiative, die den Namen noch nicht einmal ansatzweise verdient hat, bzw. diesem Anspruch gerecht wird.

Aber, ich habe verstanden, es geht auch gerne anders! Die Möbel lasse ich  jetzt tatsächlich vom Sperrmüll entsorgen und die Kleidung verkaufe ich an das Unternehmen „Momox- Fashion“. Summasummarum € 1.000,– kommen da nach ersten Einschätzungen mindestens zusammen und das Geld spende ich dann an das Tierheim unserer Stadt. Die brauchen es nämlich wirklich dringend, freuen sich ehrlich über ausnahmslos jede Spende und sagen anschließend sogar noch „Danke!“.

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

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About juttalotzhentschel

Jutta Lotz- Hentschel Schriftstellerin & Autorin Autoren- Kollektiv "WortKUNST"

2 responses to “Ja, geht´s noch?!!!”

  1. Daniela Bieber says :

    Zu diesem Artikel kann ich nur sagen: Den Nagel auf den Kopf getroffen! Deine Erfahrungen decken sich da ganz mit meinen. Interessant zu wissen, dass es eine bundesweite Praxis zu sein scheint, nur “ edelste “ Spenden anzunehmen. Wobei ich mich bei einem Gang durch das Sozialkaufhaus auch wundere, warum dort hauptsächlich ältere Möbel und Haushaltsgeräte mit Gebrauchsspuren zu finden sind. Wo bitteschön sind denn da die “ elitären “ Spenden geblieben?
    Der Grundgedanke, Spenden an Bedürftige zu verteilen scheint schon vor Jahren untergegangen zu sein.
    Leider sieht es für mich so aus, als seien karikative Institutionen mittlerweile ebenfalls zu florierenden Wirtschaftsunternehmen mutiert.
    Ja, ja, wie schaffen auch das!

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    • juttalotzhentschel says :

      … und wie wir das schaffen und im schlimmsten Fall schafft uns das, liebe Dany! Auch bei uns in den Sozial- Läden sehe ich ausschließlich genau das, was ich mir nicht wagen würde anzubieten und was bei mir gleich im Sperrmüll landet, nämlich Schrott, uralt, abgewohnt und zu 100% reif für die Müllkippe.

      Ich könnte mir gut vorstellen, dass solche Ware, die wirklich noch einen Wert hat und gut veräußerlich ist, bei Ebay & Co. landet und so unter der Hand verkauft wird!

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