Gute Vorsätze!

„Und alle Jahre wieder ein neuer Versuch!“

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Habe ich etwas verpasst oder ist denn schon Silvester?

So wie bereits mittlerweile Ende Mai eines jeden Jahres der Sommerschlussverkauf beginnt, wir im Hochsommer Ski- Stiefel kaufen können und pünktlich ab Ende August Dominosteine und Lebkuchen erhältlich sind, beginnt in diesem Jahr offensichtlich ein weiteres Phänomen extrem früh: Die Überlegungen hinsichtlich der möglichen Auswahl eventuell guter Vorsätze für das kommende Jahr! Inwieweit diese Vorhaben, die zumeist immer recht vollmundig, umso mehr Publikum und Zuhörer, umso besser und offensichtlich auch gefühlt glaubhafter für den eigenen Kampfgeist, angekündigt werden, dann auch tatsächlich realisiert werden, spielt dabei zunächst keine übergeordnete Rolle. Hauptsache ein guter Vorsatz zum Jahreswechsel und das ganze bitte mit viel Getöse und noch mehr Überzeugungskraft in die launige Runde geworfen!

Weshalb überhaupt gute Vorsätze zum Jahreswechsel, wie auch kollektiv verordnet fröhlich und lustig sein müssen, nur weil der Kalender als Datum in jedem Jahr den 11.November und die Uhr 11.11h anzeigt und eine echte Spaß- Bremse, der da nicht begeistert mitmacht? Warum eigentlich in jedem Jahr das gleiche Geblubber mit genau denselben Absichts- Beteuerungen um exakt die gleichen Themen, von denen man zumeist bereits im voraus genau weiß, dass man das ganze spätestens vierzehn Tage nach Jahresbeginn unisono in die Tonne getreten und aufgrund eigenem Unwillen oder völliger Undurchführbarkeit beerdigt hat?

Tja, weil es sich irgendwie gegenüber anderen, die sich sowieso noch nie an ihre guten Neujahres- Vorsätze gehalten haben, erst einmal genial gut und heldenhaft anhört und vor allen Dingen zunächst so kinderleicht und easy peasy anfühlt! Träume sind nach Auffassung von Sigmund Freud Schäume und sieht das mit Worten aus? Oder heißt es da nicht doch eher: Was gebe ich schon auf mein Gequatsche von vorgestern oder letzte Woche, respektive dem Silvester- Abend so kurz vor Mitternacht!

Aus solch einer Diskussion kann man dann schon mal aufgrund der dann noch vorhandenen eigenen Überzeugung und vollmundiger Absichts- Bekundungen gefühlt als echter Held hervorgehen. Die Außenwirkung wird zumeist ebenfalls in der eigenen anfänglichen Begeisterung und Euphorie überidealisiert und fast ähnlich einer Nominierung auf dem Weg zum Oscar für die Rolle des besten Hauptdarstellers wahrgenommen. Tja, wenn man´s denn wirklich komplett durchzieht und vor allen Dingen auch dabei bleibt … Zumeist fatal unterschätzt wird hierbei die enorme Fallhöhe des fast vorausberechenbaren Scheiterns!

Ich denke, so ausnahmslos jeder – nun ja, wir laufen nun mal nicht über´s Wasser und müssen uns auch nicht bücken, um morgens nicht mit dem Heiligenschein und den Engels- Flügelchen am Türrahmen hängen zu bleiben – kennt das alljährliche Spielchen. Am letzten Tag des Jahres noch hoch- motiviert und zu wirklich großen Heldentaten wild entschlossen, wird dann die vermeintlich letzte Zigarette unter dem mitleidigen Blick aller anderen anwesenden Raucher im Aschenbecher mit den Worten „Das war meine letzte Kippe, ich schwör´s; ab jetzt ist endgültig Schluss mit der Quarzerei und das lebenslang!“ ausgedrückt. Ein steiles Statement und eine todesmutige Absichtserklärung, bei dem jedem gestandenen Genuss- Qualmer die gerade angezündete Zigarette wieder ausgeht, zumal fast jeder Raucher zumeist bereits eine beachtliche „Das war meine letzte Fluppe- Karriere“ hinter sich hat und daher weiß, dass das Vorhaben zwar zunächst gut klingt, aber dieses bisher immer bereits nach einer Woche Entzugs- Kriechgang bis auf weiteres verworfen und wieder aufgegeben wurde.

Spätestens am nächsten Morgen kündigen wir selbstlos und altruistisch an, freiwillig einen ganz langen Spaziergang mit dem familieneigenen Wuffi zu unternehmen, schließlich braucht der Kleine ja auch mal Auslauf, um sich sofort an der Tanke an der nächsten Strassenecke flugs eine Packung der Lieblings- Zigarettenmarke zu besorgen. Wir übersehen dabei dezent, dass das Wetter sich mittlerweile von einem anfänglich leichten Nieselregen in einen ausgemachten Dauerregen verschlechtert hat und unser Wuffi schon recht kläglich und triefnass aus der Wäsche guckt und immer wieder zurück in Richtung warme Wohnung zieht. Nix da, eine Runde geht noch, das reicht gerade mal für noch ´ne Fluppe und damit keiner was merkt, denn das wäre ja echt peinlich, haben wir uns vorsorglich an der Tankstelle gleich noch das hammerharte Eukalyptus- Mundspray besorgt. Sicher ist sicher und man weiß ja schließlich nie!

Oder die wirklich kernige Ansage „Ab morgen gehe ich 3x in der Woche ins Fitness- Studio!“. Wow, was für ein Statement, das jeden überzeugten Couch- Potatoe mit hartnäckigem Hüftgold vor Neid erblassen lässt! Um zu bekräftigen, dass wir´s wirklich ernst meinen, ziehen wir lässig den bereits ausgefüllten Vertrag für das Sport- Studio aus der Schreibtisch- Schublade, unterschreiben ihn vor Zeugen, legen ihn gefaltet in ein vorfrankiertes Briefkuvert und bitten einen Anwesenden, den Brief auf dem Nachhauseweg für uns in den nächsten Briefkasten zu versenken. Am 1. Januar gibt´s dann noch ein bisschen Schonfrist, weil das Sport- Studio ohnehin am Neujahrstag geschlossen ist, aber morgen geht´s ganz bestimmt los und wir freuen uns schon wirklich riesig drauf!

Im Laufe des Nachmittags des ersten Arbeitstages im neuen Jahr stellt sich dann bereits bei dem Gedanken, dass nach Feierabend das anvisierte Sport- Studio seinen mahnenden Ruf in unsere Richtung aussendet, ein leises Unwohlsein ein. Nach dem Verlassen des Büros auf dem Weg zum Auto fällt uns dann blitzartig ein, dass zuhause dringend der Kühlschrank gefüllt werden muss. Also fahren wir noch ganz schnell zum Einkaufen und weil es zu dieser Uhrzeit dort ziemlich voll ist, gestaltet sich die Shopping- Tour auch dementsprechend zeitaufwendig. Beim Einpacken der Einkäufe nehmen wir verstärkt das überdeutliche Grummeln unseres Magens zur Kenntnis, das eindeutig Hunger signalisiert. Sofort stellt sich die Frage: „Hungrig Sport treiben? Neee, geht mal garnicht!“ Also erst einmal nachhause und etwas essen. Dort angekommen werden dann erst einmal in aller Ruhe die Einkäufe ausgepackt und in die Schränke geräumt und dann die Bratpfanne angeheizt. Nach einer Stunde genüsslicher und höchst dekadenter Völlerei liegen wir neben einem leeren Teller auf der Couch, und entscheiden uns mit dem für uns sehr einleuchtenden Argument „Morgen ist auch noch ein Tag und pappensatt bringt Sport ohnehin nichts und schlägt außerdem total ungesund auf den Magen und belastet nur den Kreislauf!“ gegen das Sport- Studio.

Am nächsten Tag bremsen uns dann leider völlig unerwartet zwei Überstunden aus. Am übernächsten Tag ist es leider die überraschende Einladung zu einem kleinen Umtrunk mit Kollegen. Am darauffolgenden Tag hat die beste Freundin Geburtstag und lädt zum Pizza- Essen ein, usw.. So gerät das gesamte Vorhaben im Laufe der kommenden Tage nach und nach im Dunkel der Vergessenheit. Tja, bis wir die Abbuchung des fälligen Monatsbeitrages für das Sport- Studio auf dem Kontoauszug entdecken. Richtig, da war doch noch was! Lassen wir mal den ersten Monat des neuen Jahres vorüberziehen und fangen am besten am nächsten Ersten an, fest in die innere Ghetto- Faust versprochen! Na ja, und weil irgendwie immer irgendetwas dazwischen kommt, das uns vom Gang ins Sport- Studio abhält, zieht auch der zweite und der dritte Monat sportlich ungenutzt ins Land.

So kommt es, dass wir Monat für Monat einen Club für sportliche Aktivitäten und Leibesertüchtigung sponsern ohne diesen ein einziges Mal von innen gesehen zu haben, zumal wir in unserer anfänglichen Selbstüberschätzung und Euphorie gleich einen Jahres- Vertrag unterschrieben haben. Also wird der Vertrag sofort gekündigt, für ein Jahr Mitgliedsbeiträge entrichtet und damit hat sich das ganze wieder bis auf weiteres erledigt. Wie sagte meine Omi immer? „Irgendwas ist immer, das uns davon abhält das zu tun was wir tun wollten!“

Oder die Sache mit dem Abnehmen! Nach endloser Völlerei und reichlich Alkohol- Genuss entsagen wir an diesem Abend öffentlich vor allen anwesenden Silvester- Gästen jeglichen kulinarischen Ausreißern bis wir 15kg abgenommen haben. Ein echt starkes Statement, das man für voll nehmen sollte, schließlich meinen wir das ganze sehr ernst! Am ersten Tag des neuen Jahres fällt es aufgrund leichter Übelkeit und einem mittelschweren Kater noch relativ leicht sich ausschließlich von übrig gebliebenen Salaten und Mineralwasser über Wasser zu halten. Doch am ersten Arbeitstag geht´s schon los, was ein Durchhalten wirklich fast zur Unmöglichkeit macht. Hatte der Chef doch am 31.Dezember seinen runden Geburtstag und lädt nach Feierabend die gesamte Belegschaft zu dem neuen und super- schicken Italiener zum Essen ein. Völlerei und Genuss pur! Das anschließend große Versprechen, nachdem wir wie ein gestrandeter Wal im Bett liegen und nur noch darauf warten, dass Greenpeace klingelt, um uns ins Meer zurück zu rollen, dass Morgen wirklich und endgültig Schluss mit der ungehemmten Fresserei ist. Versprochen und das so was von …

Nach insgesamt drei Tagen nebst allen Begleiterscheinungen, wie chronischer Übellaunigkeit und einer leichten Tendenz zur Aggression ist es dann erneut soweit. Die Schwiegereltern haben die gesamte Familie am Wochenende zum Raclette eingeladen. Unabhängig davon, dass Raclette schon ewig nicht mehr auf der heimischen Speise- Karte zur Disposition stand und sich das immer so gemütlich gestaltet, kann man hier unmöglich absagen ohne dabei sehr unangenehm aufzufallen. Eine Absage oder der Verweis auf eine Diät würde von Ihrer Schwiegermutter als persönliche Schwerstbeleidigung interpretiert und schließlich haben Sie auch noch Ihren guten Ruf als „Best Schwiegertochter forever!“ zu verteidigen. Also was soll´s, der eine Raclette- Abend wird schon nicht so sehr ins Gewicht fallen! Doch, das tut er und das Ergebnis sehen Sie bereits am nächsten Morgen mit dem Ausschlag Ihrer Waage und einem deutlichen Plus von 1,5 kg! Donnerschlag, das hat gesessen, aber es war auch wirklich so lecker!

So könnte man die Aufzählung der kleinen und großen Erfolglosigkeiten der alljährlich pünktlich zu Silvester gefassten guten Vorsätze endlos weiterführen und so wird es erneut im neuen Jahr wie auch in diesem Jaht den würdigen Nachruf auf all das, was wir uns so vorgenommen und nicht gehalten haben, geben und dieser lautet:

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Empirisch belegt, scheitern rund 92% aller gemachten guten Vorsätze in den ersten 10 Tagen eines neuen Jahres. Da stellt sich die Frage: Was machen die übrigen 8% richtig oder anders? Ganz einfach: Eine fast Geling- Garantie erlangen diejenigen, die ihre Ziele und Vorhaben exakt konkretisieren! D.h. es genügt bei weitem nicht, vage und eher ungenau zu signalisieren mit dem Rauchen aufzuhören, 15kg abzunehmen oder drei Mal wöchentlich ins Sport- Studio zu gehen. Da muss eindeutig schon ein bisschen mehr Butter an die Fische! Ein kleines Beispiel anhand eines echten Klassikers: Das Abnehmen! Umso konkreter das ganze formuliert wird und umso mehr Sie für Ihr wirklich realistisches Vorhaben brennen, es tatsächlich und nicht nur halbherzig erreichen wollen, umso dramatischer steigt die Chance, das Ziel auch zu erreichen.

Also sollte Ihr guter Vorsatz folgendermaßen lauten: Ich werde täglich eine halbe Stunde stramm spazieren gehen; keinen Aufzug mehr nehmen, sondern dafür zu Fuß gehen; auf Fast- Food und Süßigkeiten verzichten; Alkohol meiden und täglich Salat und Obst in meinem Ernährungsplan berücksichtigen. Um mein Ziel zu erreichen, plane ich monatlich X Kilogramm abzunehmen. Das ganze am besten schriftlich formulieren, ausdrucken und gut sichtbar am Kühlschrank befestigen. Nehmen Sie Einladungen ruhig an, aber essen Sie bereits zuhause einen großen Teller Salat, dann können Sie auch gegenüber der bisherigen Völlerei weitgehend standhalten.

Die erste Grundregel für´s Abnehmen: Nie mehr hungrig einkaufen gehen und nur noch einmal in der Woche Lebensmittel einkaufen! … und bitte nur das einkaufen, was auch auf dem Einkaufszettel steht, der Rest ist „No Go!“.

Für alle diejenigen, die sich trotz schriftlicher Absichtserklärung an der Kühlschrank- Front beim Anblick des Kühlschrank- Inhalts nicht bremsen können, rate ich gleich zu Beginn zu einem Besuch im Baumarkt zwecks Erwerbs einer handlichen langen Stahlkette und eines großen Schlosses zum Sichern der Kühlschrank- Tür. Den Schlüssel deponieren Sie am besten bei einem unbestechlichen Freund, der null Mitleid kennt und allen Überredungskünsten widerstehen kann. Für alle, die denn doch nicht so weit gehen möchten, gibt es als Merkhilfe im Kampf gegen den inneren Schweinehund das Diät- Piggy Schweinchen, das man in den Kühlschrank stellt und das laut anfängt zu grunzen, wenn sich das Licht im Kühlschrank einschaltet.

Sie haben jetzt noch exakt 13 Tage Zeit, um pünktlich bis zur Silvesternacht Ihr Ziel, für das Sie brennen und das Sie im neuen Jahr tatsächlich erreichen wollen, und das nicht nur mittels vager und ungenauer guter Vorsätze, die Sie ohnehin nicht einhalten werden, genauestens zu konkretisieren. Also ran, die Uhr tickt …

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Haben Sie ebenfalls keine Lust auf die alljährlichen guten Vorsätze, rate ich Ihnen, machen Sie es einfach alternativlos ebenso wie ich: Niemals gute Vorsätze zu Silvester, never ever, und nicht einmal unter Androhung schwerer Folter! Nicht etwa weil ich meine eigenen guten Vorsätzen nicht einhalte, sondern vielmehr deshalb weil ich noch weitere 364 Tage im Jahr Zeit habe genau das effizient und erfolgreich umzusetzen und zu realisieren, was ich mir vorgenommen habe, und ich mich nicht mit Vorsatz selbst zum Gesinnungs- Sklaven eines einzigen Tag des Jahres mache!

Herzlichst

Jutta Lotz- Hentschel

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About juttalotzhentschel

Jutta Lotz- Hentschel Schriftstellerin & Autorin Autoren- Kollektiv "WortKUNST"

One response to “Gute Vorsätze!”

  1. julinero says :

    Du hast wieder mal voll ins schwarze getroffen. Vielen Dank!

    Gefällt mir

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