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Giftige Spezies!

„Vorsicht: Toxische Menschen“

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Hohes Gefährdungspotenzial und absolut unverträglich!

Ausnahmslos jeder kennt mindestens einen, wenn nicht sogar mehrere Menschen, dieser ganz besonderen Spezies: Toxisch, giftig, sozial unverträglich, extrem anstrengend und überaus kräftezehrend, Egomanen wie man es sich schlimmer nicht vorstellen kann, besserwisserisch, abgehoben ob der eigenen Grandiosität, und definitiv nicht gerade das, was man einen Menschenfreund nennt, sondern eher vergleichbar mit einem schnell wirksamen Brechmittel auf zwei Beinen. Menschen, denen man nur allzu gern aus dem Weg geht und es sehr ratsam ist, muss man sich unvermeidbar mit ihnen zwangsweise austauschen, dies auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und in äußerst überschaubaren Grenzen zu halten. Toxische Menschen möchte man nicht zum Freund haben und noch weitaus weniger zum Feind, zumal dies recht anstrengungsfrei und sehr schnell möglich ist.

Eines verbindet ausnahmslos alle toxischen Menschen: Sie schlagen zumeist unerwartet zu, sind äußerst giftig, enorm schädlich mit nachhaltiger Wirkung und auch in homöopathisch dosierten Mengen absolut unverträglich! Die ganz schlechte Nachricht: Gegen toxische Menschen gibt es, schon aufgrund des Umstandes, dass es nur möglich ist aus dem wirksamen Gift ein wirkungsvolles Gegengift herzustellen, leider kein verlässliches Serum. Wird man von einer Schlange gebissen, ist es in den seltensten Fällen möglich, die exakte Spezies zu identifizieren. Aus diesem Grund ist man heute durchaus in der Lage, polyvalente Anti-Seren die aus den verschiedensten Schlangengiften als Gegengift, auch ohne vorherige Bestimmung der genauen Gattung, herzustellen und sehr erfolgreich und lebensrettend einzusetzen.

Anders hingegen bei toxischen Menschen. Das einzige, was Sie rettet, wenn Sie dieser gefährlichen und leider auch sehr weit verbreiteten Spezies begegnen? Laufen und zwar ganz schnell und möglichst weit, denn der toxische Mensch hat Sie bereits im Visier und ist jederzeit bereit, Sie in den Würgegriff zu nehmen und dann, oftmals mit bleibenden Spätschäden für den Selbstwert, ohne jegliche Skrupel zuzuschlagen.

Bei einer giftigen Schlange könnte man noch entschuldigend anmerken, dass man sie provoziert hat oder versehentlich auf sie getreten ist, man sie beim Schlafen gestört hat oder sie einfach einen ganz miesen Tag hatte. Bei einem toxischen Menschen bedarf es keinerlei nachvollziehbare Gründe, um sein hochwirksames Gift zu verbreiten. Was diese Menschen höchst toxisch und absolut unverträglich macht, ist allein ihre Lebensphilosophie, die sie gegenüber allem und jedem mit der sprichwörtlich mentalen und emotionalen Brechstange nach der Maxime „… und bist Du nicht willig, brauch ich Gewalt!“ und „Steter Tropfen höhlt auch den härtesten Stein!“ durchsetzen!

Auf den ersten Blick sind toxische Menschen zunächst anfangs immer nett und freundlich, man könnte ihnen, kennt man sie nicht näher, sogar den Anflug von Empathie und Emotionalität unterstellen, auf den ersten Blick zunächst noch recht harmlos, jedoch leider bei näherer Betrachtung und infolge der Spuren, die sie bei ihren Opfern nachhaltig hinterlassen, hoch- giftig und absolut tödlich! Seien Sie sicher: Einem toxischen Menschen sind Begriffe wie Empathie, Mitgefühl oder Skrupel völlig fremd. Etwaige Anflüge von Emotionalität und Empathie sind lediglich gut geschärfte Waffen gegen Sie und sollen Ihnen lediglich den Eindruck vermitteln, man bewege sich mit Ihnen auf mentaler Augenhöhe. Dass dem definitiv nicht so ist, werden Sie sehr schnell feststellen sobald ein Toxiker Ihnen den sprichwörtlichen Absatz ins Genick stellt, um sie zu Fall zu bringen.

Toxische Menschen bewegen sich gegenüber anderen Menschen niemals auf Augenhöhe, sondern sie sehen grundsätzlich auf ihr Gegenüber herab, zumal sie bedenkenlos ausschließlich Opfer links und rechts ihres Weges hinterlassen. Bedauern oder läuternde Einsicht? Eine Entschuldigung und gar ein schlechtes Gewissen oder Bewusstsein angesichts des eigenen Verhaltens? Wo denken Sie denn hin! Ein toxischer Mensch hat zum einen immer und grundsätzlich Recht, daran lässt er keinerlei Zweifel aufkommen, und zum anderen ist er gefühlt die Sonne, um das sich das gesamte Universum, und damit selbstverständlich auch Sie, dreht. Basta und für ihn Ende der Durchsage! Ein toxischer Mensch diskutiert niemals, er befiehlt grundsätzlich und ordnet an. Haben Sie damit im Hinblick auf die Sinnhaftigkeit ein Problem, ist dies eindeutig ihres, jedoch niemals das des Toxikers. Aber er erklärt Ihnen das gerne auf Anfrage, gegebenenfalls auch schriftlich, nochmals ganz langsam, damit auch Sie das ganze verstehen, denn schließlich kann es nur einen geben: Ihn, ihn und nochmals ihn!

Um zu toxischen Menschen einen möglichst weiten Abstand zu halten, stellt sich zunächst die kritische Frage nach deren Identifizierung. Wie erkennt man diese „Toxic People“, um ihnen erst gar keine Chance zu geben, ihr Gift wirksam und nachhaltig zu übertragen? Nachfolgend einige untrügliche Merkmale, die alle toxischen Menschen eint und sie zu Brüdern und Schwestern im Geiste, aber damit auch zur Interessengemeinschaft der ultimativen Kotzbrocken jenseits dieser Hemisphäre werden lässt!

Toxische Menschen sind zumeist große und raumgreifende Rhetoriker, aber in der Regel auch immer pathologische Lügner und Manipulateure par excellence. Gerade weil sie selbst immer das glauben, was sie anderen Menschen als ihre mitunter sehr schräge und äußerst kreative Sicht auf das, was man gemeinhin als Wahrheit bezeichnet, erzählen, sind sie nur dann wirklich zu entlarven, wenn eine Lüge schlussendlich auffliegt. Aber selbst dann werden toxische Menschen noch bestens geübt in der Lage sein, sogar einen kapitalen Absturz zum eigenen Nachteil in eine Gegenoffensive zum eigenen Vorteil zu verwandeln. Bei diesen Menschen gilt grundsätzlich: Treffer und punktgenau versenkt!

Bestens im Dauer- Training beherrschen toxische Menschen auch die besonders perfide Version des Intrigierens, der schamlosen Verleumdung bis hin zum Rufmord auf Raten und die bemerkenswerte Fähigkeit immer wieder die Gerüchteküche ordentlich anzuheizen, um anderen zum Selbstzweck zu schaden, der in der Regel über ausnahmslos alles gestellt werden. Ziel des ganzen Aufwandes: Um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, den eigenen Status, der gefühlt immer deutlich über dem aller anderen Menschen liegt, hervorzuheben und um die eigenen Ziele gnadenlos gegen alle Widerstände durchzusetzen. Hierbei überschreiten toxische Menschen ausnahmslos alle sich bietenden Grenzen. Ein „Nein!“, auch noch so klar und überdeutlich geäußert, gilt für sie nicht, wird von ihnen geflissentlich überhört und schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Für diese Menschen gilt immer und grundsätzlich: Geht nicht, gibt´s generell nicht, alles ist immer möglich!

Das problematische im Umgang mit toxischen Menschen: Sie können niemals Kompromisse eingehen; sie kennen ausschließlich ein schwarz oder weiß, nur ein entweder oder, jedoch niemals ein sowohl als auch. Es geht ihnen hierbei nicht darum, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden, toxischen Menschen geht es nur um das Gewinnen und um den eigenen Standpunkt, den es für sie unter allen Umständen umzusetzen gilt.

Wer im Umgang mit toxischen Menschen auf echte Authentizität, Emotionalität und Empathie hofft, wird bitter enttäuscht werden. Derlei Gefühlsregungen sind ihnen weitgehend unbekannt und werden von ihnen lediglich als äußerst hinderlich hinsichtlich der Durchsetzung ihrer Ziele betrachtet. Auch sind sie an einem ehrlichen Austausch mit anderen Menschen nicht interessiert, ihnen geht es hierbei lediglich um Aufmerksamkeit und schlussendlich die vollumfängliche Zustimmung und das Einknicken ihres Gegenübers.

Was das Thema Egoismus anbelangt, könnte man schon fast behaupten, es wurde von toxischen Menschen erfunden. Nicht nur, dass sie sich immer und grundsätzlich anderen gegenüber überlegen fühlen, nein, sie lassen dies andere Menschen auch deutlich spüren und aufgrund von Konsequenzen erfahren. Wer ihnen widerspricht, wird nicht nur argumentativ so gut wie mundtot gemacht, sondern geht es in einer Diskussion einmal ganz hoch her, wird dieser auch mit Provokationen, Beleidigungen und wüsten Beschimpfungen eingedeckt, damit das eigene grandiose Selbstbild nicht ins Wanken gerät. Toxische Menschen ertragen weder Kritik, noch können sie Zweifel an der eigenen Unantastbarkeit, Grandiosität und Genialität ertragen, geschweige denn dulden. Seine immense Kraft nährt der toxische Mensch nicht etwa aus gemeinsam zu feiernden Erfolgen, sondern immer nur aus den vermeintlichen Fehlern anderer, die dann zu einem gigantischen Weltereignis aufgeplustert und überdramatisiert werden, insbesondere weil Toxiker Neid- zerfressen auf ausnahmslos alles sind, was nicht auf ihrer eigenen Feder stammt.

Hoffen Sie bitte nie, aber auch wirklich niemals darauf, dass Sie einen toxischen Menschen mittels einer Beschwerde mental erreichen oder zur Einsicht hinsichtlich seiner Fehlentscheidung bewegen können. Ganz im Gegenteil bedeutet ausnahmslos jede Kritik gegenüber einem Toxiker ein kapitales Eigentor für Sie selbst, das dann weidlich ausgeschlachtet und weiterhin gegen Sie verwendet wird! Ein kleiner Vergleich, den Sie im Umgang mit einem toxischen Menschen immer beherzigen sollten: Das echte Mitgefühl eines australischen Taipans, der mit zu den giftigsten Schlangen unserer Erde zählt, hält sich ebenfalls mehr als in Grenzen falls er zubeißt, weil Sie ihm versehentlich beherzt auf das Schwanzende getreten haben. Ähnlich gnadenlos verhalten sich toxische Menschen!

Welches Phänomen ausnahmslos allen toxischen Menschen ebenfalls zu eigen ist: Sie selbst ziehen enorme Kraft und Energie aus von ihnen verursachten negativen Situationen und destruktiven Ereignissen, und kontaminieren damit ihr gesamtes Umfeld. Umso mehr Menschen von ihnen klein gemacht, bewusst provoziert und zerstört werden, umso übergriffiger und grenzverletzender wird ihre Aura der Unantastbar- und Unbesiegbarkeit. Man fühlt sich neben solchen Menschen automatisch sehr klein, permanent bedroht, äußerst verletzlich und befindet sich einer latenten Habacht- Position, deren Berechtigung in der Regel sich dann zumeist ganz schnell bestätigt.

Über was man sich grundsätzlich im Umgang mit toxischen Menschen im Klaren sein sollte: Man kann ihnen nicht vertrauen und sollte niemals zuviel von sich selbst preisgeben. Machen Sie sich bewusst: Sie werden immer und überall akribisch durchleuchtet und bei passender Gelegenheit wird Ihnen ausnahmslos jede Schwachstelle, jede Vertraulichkeit und jede noch so mickrige Kleinigkeit um die Ohren geschlagen, schamlos ausgenutzt und gegen Sie verwendet und Ihnen zum Verhängnis werden! Bedenken Sie bitte immer: Toxische Menschen sind wie eine Schmarotzer- Pflanze – sie nähren sich von der Energie ihres vermeintlichen Kontrahenten, und hierzu zählen so ziemlich ausnahmslos alle Menschen auf dieser Erde, zumal Toxiker niemals Freunde, sondern ausschließlich Feinde und Gegner haben. Toxische Menschen werden sich nicht nur über Ihren Niedergang und Ihr vermeintliches Versagen enorm freuen und sich anschließend selbst vor Begeisterung einen Orden verleihen, sie werden ihre Opfer für deren Niederlage sogar aufs tiefste verachten.

Wie Sie einem toxischen Menschen überdeutlich klar machen, dass Sie mit ihm nichts zu tun haben wollen? Ganz einfach: Sagen Sie es ihm und zwar ebenso barrierefrei und unumwunden! Stehen Sie zu Ihrer inneren Wahrheit und Klarheit und sagen Sie ihm: „Ich will mit Dir nichts zu tun haben, weil Du mir nicht gut tust!“. Dieser Mensch wird niemals zu Ihrem bevorzugten Freundeskreis gehören und Sie wären auch niemals sein Freund geworden, sondern eher das nächste auserwählte und potentielle Opfer. Also bitte endgültig Schluss mit einem netten „Wir müssen uns doch alle ganz toll lieb haben und Du darfst niemals werten und beurteilen!“. Doch das dürfen wir ebenso, wie schon alleine die Strasse überqueren und genau das nennt man: Authentizität!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Menschenkinder!

„Kinder der neuen Zeit“

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Mensch, lass Dein Kind doch endlich wieder Kind sein!

Sie wurden vor 1970 geboren? Wie haben Sie es eigentlich geschafft unbeschadet, heil und noch halbwegs am Stück Ihre Kindheit und Jugend zu überleben? Meinen herzlichsten Glückwunsch zu dieser nahezu unschlagbaren Leistung

Im Prinzip lehne ich pauschalierte Sprüche á la „Früher war sowieso alles besser!“ oder „Bei uns war die Welt noch in Ordnung!“ grundsätzlich und konsequent ab. Es gibt jedoch Begegnungen und Ereignisse, die auch mich gelegentlich dazu veranlassen, zurückzublicken und kritisch zu hinterfragen, wie ich es eigentlich geschafft habe, ohne nennenswerte Schäden davonzutragen, meine Kindheit und Jugend zu überleben, und dabei auch noch alleine und eigenverantwortlich gelernt habe, geradeaus zu laufen und täglich aufs neue meine Schule zu finden ohne dabei versehentlich im Dschungel- Dickicht des Amazonas zu landen. In Anbetracht der heute offensichtlich allerorts und permanent lauernden immensen Gefahren und offenbar tödlichen Bedrohungen, zusätzlich befeuert durch die allgegenwärtige Medien- Berichterstattungen, ein für mich greifbares wahres und kaum noch nachvollziehbares Wunder!

Denke ich an meine eigene Kindheit und Jugend zurück, fallen mir sofort unzählige Begegnungen und Erlebnisse, Abenteuer und Erinnerungen ein, die nach elterlichen Maßstäben vielleicht nicht immer ungefährlich und risikoarm waren, die jedoch maßgeblich dazu beigetragen haben, mich zu dem werden zu lassen, was ich heute bin: Spontan, sicher, offen, mutig, tolerant, eigenverantwortlich, selbständig und mit gnadenlosem Optimismus und viel Selbstironie gesegnet. Mal richtig auf die Nase legen? Ja klar und? Krönchen gerade rücken, Pflaster aufs Knie, aufstehen und weiter geht’s!

Für uns war kein Baum war zu hoch; die Untermieter in Form von Zecken und Flöhen haben wir beim gemeinsamen Igel- Kuscheln dezent übersehen; die an den Waden festgesaugten Blutegel beim Angeln im Bach sind irgendwann von alleine abgefallen und die plattgewalzten Pfennigstücke, die wir auf die Schienen einer Bimmelbahn gelegt hatten, habe ich noch jahrelang wie einen Schatz gehütet. Ein verlassenes Haus war der aufregendste Abenteuer- Spielplatz; wir haben, wenn wir durstig waren, Wasser aus dem Bach im Wald getrunken; ungewaschene Himbeeren direkt vom Busch und Kirschen vom Baum, dabei großzügig die proteinreiche Fleischeinlage in Form von Würmchen ignoriert; hingebungsvoll haben wir mit dem Einmachglas Froschlaich aus dem Weiher gefischt, um zu studieren, wie daraus Frösche entstehen und mein Haustier war ein selbstgefangener grottenhässlicher grau- brauner Molch in einem bepflanzten Terrarium.

Kein Mensch hat sich Gedanken hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung und eventuellen Toxizität und drohenden Gefahren von Fingerfarben, Knetgummi, Klebstoffen (Richtig, da gab´s doch mal einen in einer silbernen Blechdose, der roch so unwiderstehlich nach Marzipan, da musste doch auch unbedingt mal probiert werden, ob der auch so schmeckt, wie er riecht!) und Lacken, geschweige denn der Ernährung gemacht. Gegessen wurde das was schmeckt – egal ob vom heimischen Tisch oder direkt vom Obstbaum und Strauch! Unsere Ernährung wurde nicht misstrauisch und kritisch aufgrund der Inhaltsstoffe beäugt und hinsichtlich des Nährwertes mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln aufgepeppt; Laktose-, Fruktose- und Gluten- Unverträglichkeiten, heute fast schon ähnlich der Erhebung in den Adelsstand, gab´s auch nicht; unser IQ und EQ stand noch nicht auf dem Prüfstand und zur öffentlichen Diskussion und es gab auch noch keine angeblich verhaltensauffälligen Kinder, die täglich mehrfach mittels Ritalin & Co. auf Empfehlung eines Arztes ruhiggestellt werden mussten.

Keiner von uns hat jemals eine kinderpsychologische Praxis von innen gesehen (Gab´s das damals überhaupt schon?) und niemandem wurde vorgehalten, er sei zu laut und zu hyperaktiv, geschweige denn deshalb verhaltensauffällig: Wir waren Kinder, durften uns auch noch als solche (daneben) benehmen und die ganz große weite Welt für uns meistens allein und unbeaufsichtigt entdecken!

Wir haben bei Wetten für fünf D- Mark ein Wasserglas mit fünf Kaulquappen leergetrunken; mindestens ein Knie war immer mit einem Pflaster bedeckt oder gerade verschorft und wir waren stundenlang verschwunden, ohne dass unsere Eltern genau wussten, wo wir eigentlich genau waren und was wir so alles anstellten; wir haben mit wildfremden Menschen für zehn D- Mark pro Eimer Weinbergschnecken eingesammelt und wir sind am Wochenende und in den Ferien erst nachhause gekommen, wenn es draußen dunkel wurde.

Wir hatten noch das, was man echte Freunde nennt und nicht wie heute anonyme Follower auf Facebook, Twitter und Instagram; wir haben dicht- und zusammengehalten wie Pech und Schwefel und kein Mensch hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, inwieweit unsere Kumpel intellektuell akzeptabel und mit dem eigenen gesellschaftlichen Status kompatibel sind oder eben nicht. Man hat uns weder per Auto in die Schule gebracht, noch abgeholt, sondern wir sind mit dem Fahrrad gefahren oder gelaufen; es gab keine allmächtige Nabelschnur in Form eines Handys und unsere Zeit nach der Schule war nicht von unseren Eltern verplant, sondern gehörte uns allein. Für uns gab es genau zwei Dinge, die unser Leben bestimmten: Schule und Freizeit und letzteres haben wir ausgiebig genossen!

Nur am Rande bemerkt: Meine Eltern haben mich weder verwahrlosen lassen, noch mich vernachlässigt; ich komme auch nicht aus einer bildungsfernen Familie, in der die Kinder sich selbst überlassen waren und meine Eltern waren auch keine Anhänger der damals vielfach propagierten anti- autoritären Erziehung. Wofür ich meinen Eltern jedoch heute noch dankbar bin: Sie waren für mich da, wenn ich sie gebraucht habe, aber sie haben mich frühzeitig abgenabelt, mich an der langen Leine ins Leben geschubst und einfach nur Kind sein lassen!

Ich bin mir absolut sicher, auch unsere Eltern haben sich Sorgen um uns gemacht, des öfteren mit Blick auf unsere eigene Risikobereitschaft die Luft angehalten und sich ganz bestimmt Gedanken gemacht, wenn wir wieder einmal spurlos und unauffindbar verschwunden waren. Unsere Eltern haben jedoch niemals versucht, uns unsere Lernerfahrungen – positiv wie auch negativ – zu nehmen, uns einzuschränken, zu gängeln und über Gebühr zu bevormunden. Das einzige Sicherheitsnetz war meine Familie, mein Zuhause und eine von meinem Vater sicherheitshalber abgeschlossene Haftpflichtversicherung nachdem ein Bauarbeiter, der einen leeren Bierkasten geschultert hatte, versehentlich auf ein Paar abgestellte Rollschuhe auf dem Treppenabsatz eines Supermarktes getreten war und dabei eine unfreiwillige Landung in den Eingang des Ladens hingelegt hatte, wobei ein ordentlicher Kollateralschaden entstanden war.

Alles in allem war es, sicherlich auch für meine Eltern, eine höchst aufregende, spannende und ereignisreiche Zeit, die ich keinesfalls missen möchte und auf die ich richtig stolz bin, denn ich habe sie unbeschadet überstanden und überlebt und ich habe sie als Kind erlebt und gelebt!

Nahezu ein jeder wird schon einmal dieses wundervolle Zitat, das ich sehr liebe, gehört oder gelesen haben:

Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern sie nur von unseren Kindern geliehen.
(Indianisches Sprichwort)

So schön dieses indianische Sprichwort jedoch auch ist, haben wir uns jemals kritisch und objektiv gefragt, was für Menschen wir unserer Erde mit den von uns heute geborenen Kindern schenken? Wir hinterlassen mit unseren Nachkommen, Kindern und Enkelkindern, unübersehbar Spuren in unserer Welt.

Sind diese Spuren es jedoch wirklich wert, erneut begangen zu werden, ihnen zu folgen oder ist die Zeit eher reif, endlich neue Pfade zu suchen? Machen wir aus unseren Kindern wirklich mit dem, was wir Ihnen zeigen, sagen und in ihre Zukunft mitgeben, selbständige, bewusste, achtsame und eigenverantwortliche Menschen? Geben wir unseren Kindern tatsächlich das bestmögliche mit auf ihren Weg ins Leben und ihre Zukunft? Oder sind wir auf dem besten Weg aus ihnen passive, unsichere und angepasste, ängstliche und verhuschte Wesen, unselbständige und zögerliche Duckmäuschen zu machen, die sich bei Risiken und Herausforderungen lieber mit zugehaltenen Augen in die hinterste Ecke verkriechen in der Hoffnung von allerorts lauernden Gefahren und Bedrohungen verschont zu bleiben? Oder bescheren wir der Welt mit unseren Kindern mit ihren iPods, iPhones und iPads die Generation „i“ oder etwas reduzierter: Die Generation ICH, ICH, ICH?

Wird unsere Welt zukünftig mit unseren Kindern zu dem werden, was wir uns für sie wünschen und was wir alle in Zukunft überlebensnotwendig brauchen? Werden unsere Kinder überhaupt die Kraft und Stärke entwickeln können, unser aller Hoffnungen und Erbe zu tragen und schlussendlich auch umzusetzen und zu realisieren? Oder ist es nicht eher so, dass wir in unserer Unfähigkeit und unserem Unwillen zur Veränderung, Weiterentwicklung und zu mehr Bewusstsein, diese Last an unsere Kinder weitergeben?

Die besten Fragen an das Leben und die Gesellschaft, bzw. deren Entwicklungsstand, stellt das bewusste Erleben des Lebens selbst – nackt, schonungslos, kritisch und konfrontierend mit dem eigenen Selbst und dem eigenen aufgestellten Weltbild. Auch nach jahrelanger härteerprobter Praxisarbeit und unzähligen, manches Mal wirklich kuriosen und denkwürdigen Begegnungen mit den unterschiedlichsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten und Charakteren, gibt es auch bei mir noch Situationen und Ereignisse bei denen mir wirklich die Worte fehlen und ich zunächst einmal über das soeben Erlebte gründlich und intensiv nachdenken muss, um mir selbst plausibel erscheinende Antworten auf drängende Fragen geben zu können.

Was mich zu der kleinen Rückschau in Richtung meiner Kindheit veranlasst hat, war ein kleines Erlebnis, das widersprüchlicher und gegensätzlicher nicht hätte sein können, eigentlich fast unbedeutend und doch sehr aufschluss- und erkenntnisreich, fast sogar aufrüttelnd. Diese Begegnungen, teilweise wirklich schräg und fast schon gruselig, veranlasste mich dazu kritisch zu hinterfragen: In welcher Welt leben wir eigentlich heute und was hinterlassen wir für die Zukunft in unseren Kindern?

Ein jeder der Kinder im Zahnspangenalter hat, wird sicherlich den allgemeinen Run auf die bunten Sammelbildchen, angeboten von einer bekannten Supermarkt- Kette, kennen. Obwohl ich selbst keine Kinder im Zahnspanngen- Alter habe, hatte ich mir nach getätigtem Einkauf immer die Karten von der Kassiererin aushändigen lassen und sie an gut sichtbar vor der Kasse und im Eingang des Ladens postierte Kinder verschenkt, die einen jeden Kunden bereits mit glänzenden Augen angesichts der Vorfreude auf die zu erwartenden Sammelkarten fixierten. Ein besonders ertragreicher Tag schien für die Kiddies grundsätzlich samstags zu sein, da an diesem Tag offensichtlich besonders viele Kunden Lebensmittel einkaufen und die zu erwartende Ausbeute an erhamsterten Sammelkarten erheblich größer zu sein schien.

Also ließ ich mir, sofern ich einmal an einem Freitagabend in den Supermarkt ging, die Karten aushändigen und hortete sie bis zum nächsten Samstag- Einkauf. Nachdem ich also meinen Einkauf bezahlt hatte, erhielt ich eine Handvoll der begehrten Karten. Am Ende der Kasse in Richtung Ausgang stand ein kleines Mädchen, ca. 6 Jahre alt, erwartungsfreudig strahlend, Handy griffbereit im Anschlag und sprach mich sofort an, ob ich ihr die Sammelkarten schenken würde. Ich habe ihr die Karten in die Hand gedrückt und meinte: „Wenn Du einen Moment wartest, ich habe im Auto noch einen ganzen Stapel davon liegen, wenn Du die auch haben magst, gebe ich sie Dir gerne!“ Was antwortet die Kleine mir da todernst mit absoluter Todesverachtung im Blick: „Ja, die Karten nehme ich gern, aber ich darf mit Ihnen nicht sprechen und auch nichts von Ihnen annehmen, meine Mutter hat gesagt, dann werde ich von Ihnen sofort entführt und missbraucht, das machen alle Erwachsenen mit Kindern!“ Meine Reaktion, ansonsten eher nicht mit Wortfindungsstörungen gesegnet? Null! Meine Kinnlade klappte in diesem Moment nach unten und mir blieb jeder weitere Kommentar im Hals stecken! Mein erster Gedanke: „Ja, geht´s denn noch?“

Da steht ein kleines Mädchen ganz allein stundenlang im Einkaufsgetümmel in einem Supermarkt, um ihr völlig fremde Menschen anzusprechen und die heißbegehrten Sammelbildchen einzusammeln (Damit hat ihre Mutti offensichtlich keinerlei Problem!). Im Gegenzug wird dem Kind jedoch bereits im Vorfeld suggeriert, bloß mit niemandem zu sprechen und nichts von Fremden anzunehmen, da sie sonst garantiert entführt und missbraucht wird! Wie paradox und widersprüchlich ist das denn? Was mich an dem ganzen Vorfall zutiefst geschockt und getroffen hat war die Tatsache, dass hier die Angst und Befürchtung im Hinblick auf eine eventuell drohende Entführung, sowie eines fiktiven Missbrauchs nicht als vage Möglichkeit oder aber rein fiktive mögliche Bedrohung in den Raum gestellt wurde, sondern nach dem „wenn-/dann- Prinzip“ und „So isses!“ als unumstößliche Tatsache: „Wenn Du mit jemandem sprichst oder etwas annimmst, dann wirst Du entführt und missbraucht!“

Schlagartig ist mir kurioserweise in diesem Moment sofort der ehemals nahezu täglich im Fernsehen zu sehende Clip „Na, Du hast aber einen schönen Hasen; komm ich zeig Dir mal einen richtigen Hasen!“ eingefallen. Unabhängig davon, dass dieser Kurzfilm, der die latente Gefahr von Entführung und Missbrauch aufzeigen und davor warnen soll, nahe der Grenzdebilität angesiedelt ist, dürften aller Wahrscheinlichkeit hier Wahn und Wirklichkeit relativ realitätsfern auseinander liegen. Mal ganz ehrlich: Welche verantwortungsvolle und resolute Mutter überlässt freiwillig einem derart schmierigen Typen, der so ziemlich jedwedes schräge Klischee hinsichtlich eines Entführers und Kindesmissbrauch- Täters bedient, ihre kleine Tochter, um ihr von ihm einen „richtigen Hasen“ zeigen zu lassen?

Die Kleine wartete dann geduldig im Eingang des Supermarktes bis ich mit den Karten in der Hand zurückkam, nahm diese freudestrahlend entgegen und erklärte mit ernsthaft, wenn ich wieder einmal Karten gesammelt hätte, könnte ich sie auch gerne unter ihrer Handynummer anrufen. Wenn ich nicht zu weit weg wohnen würde, könnte sie auch gerne bei mir zuhause vorbeikommen und die Sammelkarten direkt abholen oder sie könnte sich auch samstags zu einer fest verabredeten Uhrzeit mit mir auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt treffen, da könnte ich ihr dann die Karten geben. Es versteht sich von selbst, dass ich das Angebot sofort dankend abgelehnt habe, aber wie war das an dieser Stelle noch mal mit dem Thema Angst vor Entführung und Missbrauch?

Nachdem ich diese denkwürdige Begegnung für mich persönlich vorerst abgehakt hatte, setzte ich meinen Wochenendeinkauf fort, dieses Mal die große Filiale einer Drogeriemarkt- Kette in der Innenstadt. In der langen Schlange vor der Kasse stehend, wartet direkt hinter mir eine Mutter mit ihrer ca. 4- jährigen Tochter. Nun ja, ich gebe gerne zu, man hört anderen Menschen nicht uneingeladen bei Gesprächen zu, aber manches Mal sehe auch ich über solche Prinzipien dezent hinweg, zumal sich das Gespräch zwischen Mutter und Tochter sehr interessant gestaltete.

Die Kleine: „Duuu, Mama, sag mal, wie heißt meine kosmische Mutter noch mal?“ (Wie bitte, was für eine Mutter? Kosmisch? Jetzt verspricht es aber wirklich interessant zu werden!) Die Mutter: „Lena, das weißt Du doch, das habe ich Dir doch schon so oft erzählt, das war Miranlaya, das ist doch die Frau von Metatron!“ (Aaah ja, jetzt wird es so richtig spannend!) Töchterchen an Mama: „Und wo hat mich Miranlaya gekriegt?“ Mutti todernst: „Aber das weißt Du doch auch schon lange, das war auf dem Stern Centra- R!“ (Häää, wo bitte?) Neue Frage an Mama: „Und wo ist das?“ (Tja, kluges Kind, das würde mich jetzt aber auch brennend interessieren!) Mutti: „Na das liegt doch gleich neben Sirius und das gehört zu Aldebaran!“ Mäuschen an Mama: „Und wo ist das?“ Mutti hinter mir: „Das weißt Du doch, da warst Du doch schon einmal, das ist ganz weit weg im Universum!“ (Ich glaub´s doch jetzt nicht wirklich!)

Neugierig geworden, was da gerade offensichtlich von einem anderen Stern genau hinter mir steht, drehte ich mich zu Mutti mit Töchterchen um. Auf den ersten Blick eigentlich recht normal aussehend, aber nach diesem Statement kann ich mich gewisser Zweifel doch nicht so recht erwehren. Die Mutter lächelt mich leicht verstrahlt und etwas weltentrückt an und meint dann doch ernsthaft: „Wissen Sie, meine Tochter ist ein echtes Sternenkind aus dem Universum und sie ist, nachdem sie ihr letztes Leben auf ihrem Heimatstern verbracht hat, als inkarnierte Lichtsaat in diesem Leben zu mir auf die Erde gekommen. Sie will immer wieder wissen, wer ihre kosmischen Eltern sind und wo sie herkam! Ist doch irgendwie süß, gell?!“

Mein erster Gedanke: „Aaaah ja, passt schon! Wahrscheinlich doch nicht ganz so normal, wie sie auf den ersten Blick aussieht!“ Ich bemühte mich wirklich redlich um einen ernsten Gesichtsausdruck ohne in schallendes Gelächter auszubrechen und fragte die stolze Lichtsaat- Mutti: „Und Sie selbst stammen von der Erde?“ Mama: „Neiiin, wo denken Sie hin! Ich war bereits vor zweieinhalbtausend Jahren auf Centra- R ihre Ur- Mutter und jetzt haben wir uns endlich nach langer Suche wiedergefunden! Diese Kinder sind ganz anders, als die von der Erde, so hochsensibel und empfindsam, eben echte Lichtsaaten- Kinder. Sie erziehen sich selbständig, denn sie ganz allein wissen, was gut für sie ist und was sie wirklich brauchen. Sie hüten schließlich das Ur- Wissen der Menschheit und bringen Millionen Jahre altes elementares Wissen zu uns auf die Erde!“

Okay, jetzt ist es wirklich amtlich: Eindeutig nicht normal! Um das ganze nicht weiter ausufern zu lassen, zumal wir bereits einige höchst interessierte Mithörer mit begeistertem Grinsen im Gesicht in der Warteschlange begrüßen durften, habe ich mich entschieden, Mutti nicht zu fragen, was es denn bitteschön mit der kosmischen Mutter Miranlaya auf sich hat und wer denn nun eigentlich tatsächlich der Erzeuger ihrer auf einem anderen Stern zwischen Sirius und Aldebaran als Lichtsaat geborenen Tochter ist.

Ich unterscheide niemals in Bezug auf Menschen zwischen Kulturen, Nationalitäten, Religionszugehörigkeit oder Hautfarbe, für mich ist alles und allein entscheidend, dass ich mit einem Menschen kommuniziere, ihn dabei achte, wertschätze und respektiere. Ich liebe nichts mehr, als Begegnungen mit anderen und andersdenkenden Menschen, den kommunikativen Austausch mit ihnen, das immer weiter von und mit ihnen Lernen, das gegenseitige Verstehen, auch wenn man nicht immer eine gemeinsame Sprache spricht.

Die beiden Erlebnisse an diesem Samstag hätten gegensätzlicher und widersprüchlicher nicht sein können. Was jedoch die beiden Begegnungen gemeinsam haben: Zwei Mütter, völlig unterschiedlich, eine davon zwar körperlich nicht anwesend, jedoch fast spürbar präsent in ihrer völlig überzogenen, eingrenzenden und nahezu paranoiden Angst vor drohender Entführung und Missbrauch, offensichtlich überbehütend, nahezu mit panischen Wahnvorstellungen gesegnet, die ihrer Tochter offenbar suggeriert hat, dass unsere Welt und damit unsere Gesellschaft gefährlich, uneinschätzbar und überaus schlecht ist und allerorts uneinschätzbare Gefahren lauern.

Die zweite Mutter: Offensichtlich mit einer unfassbaren Realitätsferne gesegnet, augenscheinlich infiziert mit einem, den klaren Blick schwer eintrübenden Virus des esoterischen Kuriositätenkabinetts, dabei völlig weltentrückt und in der Realität ver- rückt, redet ihrer kleinen Tochter ein, sie stamme nicht von der Erde, sondern sei in Form einer Sternenstaubsaat, mit immensem Millionen Jahre altem Wissen gesegnet, als Sternenkind einer Miranlaya und eines Vaters namens Metatron von einem, gleich neben Sirius und Aldebaran, zu ihr gekommen.

Keine Frage, man kümmert sich aufopferungs- und hingebungsvoll um seine Kinder. Bereits die Kleinsten besitzen ein kindergerechtes Handy, zumeist auch einen altersgerechten Computer, gelegentlich sogar schon eine Prepaid- Kreditkarte, haben einen Facebook- Account, Xing wird bereits anvisiert, besuchen einen elitären Kindergarten, der allen Bedürfnissen gerecht wird, in dem sie bereits mit zwei Jahren Chinesisch lernen und für den man sich bereits gleich nach der Geburt auf die ellenlange Warteliste setzen ließ. In der anspruchsvollen Schule für Hochbegabte wurden die lieben Kleinen bereits angemeldet, als sie gerade mal krabbeln konnten und der Weg durch´s Studium auf einer Elite- Uni ist ebenso, wie der spätere Karriere- und Beruf(ung-)sweg in Forschung, Finanzen und Wirtschaft dank Papi´s Vitamin- B (= Beziehungen) bereits bei der Einschulung in Planung.

Neben der „richtigen“ Schule und Universität, wird sich darüber hinaus auch aufopferungsvoll und vollumfänglich um die Freizeit der Kinder gekümmert. Selbstverständlich werden die Freunde und vor allen Dingen deren Eltern der Kleinen hinsichtlich der Kompatibilität des eigenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status hinterfragt und vorsorglich ausgesiebt. Man bleibt eben lieber unter sich und sorgt dafür, dass dies auch so bleibt, schließlich soll aus dem eigenen Kind ja mal was werden und früh genug ist niemals zu früh!

Was man früher etwas geringschätzig und leicht abwertend als „Eislauf- und Ballett- Mütter“ bezeichnete, wird heute von gleichgesinnten profilierungssüchtigen Über- Mami´s begeistert gegenseitig beklatscht. Da werden Kinder im Krabbelalter bereits zum Baby- Casting für die trendy Kinderpflege- Linie geschleppt, Fotos an jede nur erdenkliche Kinder- Modell- Agentur verschickt, und die Kleinen zum nächsten Fotoshooting dorthin geschleift und spätestens mit sechs Jahren wird der Nachwuchs beim Casting zu „DSDS- Kids“ und „Supertalent“, angesichts des in den Augen (Und vor allen Dingen im Gehör!) der stolzen Eltern förderungswürdigen und überragenden Gesangstalents, vorgestellt, sowie täglich der Facebook- Account mit Bildern aus jeder Lebenslage gefüttert. Bereits zum Recall werden mit stolz geschwellter Brust die ersten Interviews gegeben und vorsorglich Ausschau nach einem zukünftigen Pressesprecher und Medienberater gehalten.

Der Nachwuchs wird weitgehendst verplant für Nachhilfestunden, Musik- und Gesangsunterricht, zusätzliche Fremdsprachen werden gelernt, Reiten gilt schon aus nahezu nicht mehr zu tolerierende Ausnahme, dafür steht jedoch Tennis, Golf und Tanzen ganz hoch im Kurs und in Malkursen wird der perfekte Pinselstrich und das stilsichere Anmischen von Farben alter Meister geübt. Blockflöte und Schlagzeug werden heute eher der pöbeligen Unterschicht zugeschrieben, wenn schon ein Musikinstrument, dann muss es wenigstens Geige, Oboe, Cello oder Piano sein und dies darüber hinaus möglichst virtuos gelehrt von einem empfohlenen unglaublich bekannten und sündhaft teuren Privat- Lehrer, der mindestens ebensolche Erfolge ausschließlich in den ersten Opernhäusern und auf angesehenen Bühnen und Festspielen vorweisen muss.

Heimliches Standardwerk in Bezug auf Erziehung und Förderung ist hierbei oftmals Amy Chua´s „Die Mutter des Erfolgs: Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte“. Dass Amy Chua den Inhalt Ihres zu Papier gebrachten geistigen Ergusses in punkto Militär- Drill in ihren Augen erziehungsresistenter Kinder bereits revidiert hat und das ganze sich als Fake erwiesen hat, wird von den Über- Mami´s hierbei gerne übersehen. Kritik- resistent wird weiter das Leben der lieben Kleinen in die richtigen Bahnen gelenkt, komme da was wolle!

Glücklich darf sich ein jedes dieser Kinder schätzen, wenn Mutti noch nicht auf die grandiose Idee gebracht wurde, die in den USA so verbreiteten und gern genutzten Peilsender zwecks 24- Stunden- Rundum- Überwachung, in die Kleidung der Kinder einzunähenden oder ein Armbändchen mit GPS- Sender anzulegen, die dann ganz bequem von der heimischen Couch aus per Satelliten- System über ein Labtop kontrolliert werden können. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die eigenen Kiddies sich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort aufhalten und bloß keine Dummheiten machen. Das ganze ist nur noch steigerungsfähig durch einpflanzbare RFID- Chips, die mittels einer Injektion unter der Haut platziert werden. Genau, jetzt bewegen wir kommunikativ uns auf Augenhöhe; wir sprechen genau über den lesbaren Chip, den man auch Ihrem Familien- Wuffi beim Tierarzt Ihrer Wahl eingepflanzt hat!

Das Phänomen der mittlerweile völlig abstrusen und ins monströse überzogenen Angst der Eltern vor Gewalt, Entführung und Missbrauch im Hinblick auf Ihre Kinder hat bereits so sehr um sich gegriffen, dass Wissenschaftler dafür einen Namen kreiert haben: Die Eltern- Paranoia oder –Hysterie! Was die meisten Eltern und vor allen Dingen insbesondere Mütter dabei völlig außer acht lassen: Sie projizieren damit nicht nur ihre eigenen, vielfach in medialen Berichterstattungen ausgeschlachteten Entführungsfälle wie z.B. im Fall der kleinen Madeleine McCann, zumeist völlig überzogenen und wahnhaften Ängste auf Ihre Kinder, sondern suggerieren den Kleinen, die Welt sei immens schlecht und ausnahmslos alle Menschen sind abgrundtief böse.

Aus einem wünschenswerten und vertretbaren Maß an Misstrauen, Kritikfähigkeit und Skepsis, einer gesunden Aufmerksamkeit und natürlichen Wachheit, wird hier eine hoch- neurotische und nahe der Grenzen zur Paranoia befindliche Angst erzeugt. Durch die Überwachung der Kleinen, möglichst rund um die Uhr, damit den überbesorgten Eltern auch bloß kein Schnieferchen entgeht, bauen sich die Eltern ein Kontroll-System auf, das sich beim näheren Hinsehen als eine illusionäre Pseudo- und Scheinsicherheit erweist.

Was diesen Wandel im Hinblick auf unsere Kinder bewirkt hat? Heute werden in vielen Familien die Kinder stellvertretend für das eigene oftmals fehlende Glück angesehen. Kinder tragen bereits frühzeitig die Verantwortung, die verlorenen Träume ihrer Eltern für sie leben und verwirklichen zu müssen. Sie werden als eine Art von Besitz oder Bestandteil ihrer Eltern angesehen, den es mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht zu behüten und zu bewahren gilt. Hierbei wird den Kindern vielfach eine so hohe Bedeutung, ähnlich einem unermesslichen persönlichen Schatz, beigemessen, dass die Entwicklung, das Handeln und Entscheiden wie ein Augapfel gehütet und entsprechend akribisch kontrolliert wird.

Kinder brauchen keine Rund- um- die Uhr- Kontrolle, sondern die liebevolle Anleitung und Hilfe ihrer Eltern. Ganz im Gegenteil wirkt sich die permanente Kontrolle in nahezu wahnhafter Angst- Paranoia vor dem, was alles geschehen könnte, äußerst negativ auf den normalen Drang nach Selbständigkeit und Autonomie aus. Wir nehmen unseren Kindern damit jede Chance gegenüber kommenden Herausforderungen und ersticken das natürliche Bedürfnis, zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln, selbst zu erleben und zu entscheiden, sich im Vergleich und Wettbewerb mit anderen Kindern zu messen und sich gegenseitig herauszufordern, bereits im Keim.

Die Welt braucht keine „neuen“ Kinder mit einem „neuen“ Bewusstsein, sondern vielmehr Eltern mit Weitblick, Mut und Verständnis für deren naturgegebenen Bedürfnisse. Wir sollten ganz schnell verinnerlichen, dass unsere Kinder weder unser Privatbesitz, noch verantwortlich für unser eigenes unerfülltes Lebensglück und unsere eigenen verpassten Chancen und Möglichkeiten sind. Durch eine permanente Rundum- Kontrolle können wir sie niemals vor dem beschützen, vor was wir selbst uns fürchten. Unsere Kinder haben ein Recht darauf, frei von Ängsten, Befürchtungen ihrer Eltern zu leben und zu starken, selbstbewussten und achtsamen Menschen mit Durchsetzungsvermögen und Eigenverantwortung heranzuwachsen.

Herzlichst
Jutta A. Lotz- Hentschel
Praxis „Ansavita“

Bewahrer oder Gestalter?

„Bewahrer und Hüter oder Gestalter und Reformer“

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Was beide Gruppen grundlegend voneinander unterscheidet!

Ich lerne immer wieder Menschen kennen, die sich pausenlos, unablässig und zumeist ausschließlich nur mit einem beschäftigen: Mit dem Lösen von Problemen, die erst dann zum Problem werden, weil sie das eigentliche Problem nicht angehen und einer möglichen adäquaten Lösung dauerhaft und vehement ausweichen. Die ultimative Lebensverweigerung wird somit zur universellen Lebensphilosophie kultiviert!

Da wird unter Aufbietung aller Kräfte und unter Einsatz der kreativsten Argumentationen, die im übrigen nur dem Zementieren der eigenen Überzeugung dienen, weshalb etwas nicht funktionieren soll, gefightet und völlig sinn- und nutzlos enorme Zeit und Energie verschwendet, die äußerst sinnvoll und effizient in Lösungsansätze investiert werden könnte. Das ganze gestaltet sich einfach nur unfassbar anstrengend, enorm kräftezehrend und diese Klientel ist zumeist zu 100% beratungsresistent!

Diese Menschen suchen für so ziemlich alles und oftmals auch nichts eine 100%- Geling- und Erfolgs- Garantie, um auch nur ansatzweise die Bereitschaft zum Überdenken eines möglichen Lösungsweg in Betracht zu ziehen. In der Regel wird endlos hinsichtlich der Entstehung und Grundursache, dem weiteren Verlauf, den Auswirkungen und Einschränkungen und vor allen Dingen der Spurensuche nach dem Verursacher, Täter und Urheber des Problems, endlos debattiert, jedoch nahezu null Energie in realistische und gangbare Lösungswege und –ansätze gelegt. Jeder noch so gut durchdachte Vorschlag wird sofort verworfen oder im günstigsten Fall mit einem „Ja, aber …!“ beschieden und anschließend mit fadenscheinigen Argumenten als angeblich undurchführbar verworfen und uneingeschränkt in die mentale Tonne getreten!

Mein nicht unbegründeter Verdacht: Hätten diese Menschen irgendwann mal kein Problem mehr, das sie endlos wälzen, analysieren, von allen Seiten ausgiebig beleuchten und dieses anschließend bis an die Grenzen der Unkenntlichkeit atomisieren können, hätten sie endlich mal ein echtes Problem mit dem sie sich intensiv auseinandersetzen und beschäftigen könnten: Sich selbst!

Wie Sie diese „Ja, aber- Menschen“, denen nicht nur nicht zu helfen ist, sondern die sich auch nicht helfen lassen und ihr Problem gerne behalten und dieses weiter kultivieren wollen, schon zumeist beim Ansatz erkennen? Hier eine Auflistung der entlarvenden Aussagen, wenn wieder mal einer dieser Problem- Kultivierer um die Ecke biegt und Sie um Ihren Rat fragt!

Ein Gestalter hat keine Probleme, sondern sieht in allem eine Herausforderung!

Ein Bewahrer hingegen sucht erst gar keine Herausforderung, sondern sieht in allem und nichts ein großes Problem, das es (nicht) zu lösen gibt!

 

Ein Gestalter zaubert immer einen Plan A, B, C oder D aus der mentalen „Tasche“ und wenn der nicht funktioniert, gibt es noch genügend Alternativen, die dann zur Verfügung stehen!

Ein Bewahrer hat erst gar keinen Plan und sucht auch keine Alternative, da er gar keine Lösung für das Problem suchen und finden will!

 

Ein Gestalter hat immer gute Argumente, weshalb etwas funktioniert!

Ein Bewahrer hat immer und grundsätzlich Ausreden, weshalb ein Lösungsansatz nicht funktionieren wird!

 

Ein Gestalter hat für alles eine Lösung und widmet dieser alle zur Verfügung stehende Energie, jedoch verschwendet er keinerlei Ressourcen in die Analyse eines Problems oder dessen Ursache!

Ein Bewahrer findet in jedem Lösungsansatz ein weiteres Problem, das es ausgiebig zu analysieren gilt!

 

Der Gestalter überprüft seine eigenen Leistungen auf Kompatibilität mit den angestrebten Zielen!

Der Bewahrer vergleicht sich und seine Leistungen nur mit den Leistungen anderer im außen!

 

Das Motto des Gestalters lautet „Es mag durchaus schwierig sein, aber es ist möglich!“

Das Motto des Bewahrers lautet hingegen: „Es ist möglich, aber es ist definitiv nicht machbar, weil es zu schwierig ist!“

 

Der Gestalter ist immer selbst ein Teil der Lösung!

Der Bewahrer ist grundsätzlich selbst Teil eines Problems!

 

Der Gestalter sieht sein Scheitern als Aufforderung zum nächsten Versuch und um etwas beim nächsten Mal besser zu machen!

Der Bewahrer sieht sein Scheitern als ultimatives Signal, dass etwas grundsätzlich nicht möglich ist und daher etwas nur scheitern kann!

 

Der Gestalter missioniert nicht den Rest der Welt mit möglichen Lösungsansätzen und Problemlösungen!

Der Bewahrer missioniert den Rest der Welt mit Lösungsansätzen und Problemlösungen, die er für sich selbst kategorisch ablehnt!

 

Der Gestalter braucht keine Ratgeber im außen, um Lösungsansätze zu finden!

Der Bewahrer beschäftigt einen ganzen Hofstaat von Beratern und Ratgebern ohne dabei jemals eine Lösung in Betracht zu ziehen!

 

Der Gestalter liebt den Sieg über schwierige Herausforderungen!

Der Bewahrer liebt das Scheitern, zumal ihm dieses bestätigt, dass er Recht hatte!

Mein Rat an Sie: Tun Sie sich selbst den großen Gefallen und verschwenden Sie zukünftig nicht mehr Ihre wertvolle Ressourcen „Zeit“ und „Energie“ in Menschen, die Sie unendlich mit ihren zumeist hausgemachten und selbst kreierten Problemen beschäftigen, die sie weder lösen, noch überdenken wollen.

Realisieren Sie bitte: Bewahrer und Hüter fühlen sich sehr wohl damit, andere immer wieder mit für sie selbst unlösbaren Problemen ausgiebig zu beschäftigen. Sie werden hierbei gnadenlos als Entertainer, emotionaler Müllabladeplatz und universelle Abraumhalde von Ihrem Gegenüber missbraucht und ausgenutzt, jedoch absolut nichts mit Ihrem selbstlosen Einsatz bewirken. Ganz im Gegenteil werden Sie sich selbst aufgrund des erlittenen Energie- Verlusts sehr schlecht fühlen.

Kommt das nächste Mal einer dieser Menschen um die Ecke und bittet Sie, sich seinen Problemen anzunehmen und ihn hinsichtlich eines möglichen Lösungsansatzes zu beraten, antworten Sie ihm einfach folgendes: „Tut mir leid, das geht leider im Moment nicht, denn ich habe ein großes Problem, mit dem ich mich gerade intensiv auseinandersetze und das meine ganze Energie und Einsatz erfordert!“ Bietet der Bewahrer dann seine offensichtlich so selbstlose und altruistische Hilfe an, erinnern Sie ihn einfach daran, dass auch er mit seinem Problem und der Suche nach Lösungen so sehr beschäftigt sein dürfte, dass Sie sein Angebot unmöglich annehmen können und lehnen Sie dankend ab!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Einfach anders sein …

„Außergewöhnlich gewöhnlich und abnormal normal“

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Das Märchen vom kleinen schwarzen Schaf, das so gerne wie alle anderen sein wollte!

Und wie alle Märchen, beginnt auch dieses mit: Es war einmal …

Ein kleines schwarzes Schäfchen wurde in eine große Herde von weißen Schafen geboren. Seine Eltern waren ebenfalls beide schneeweiß wie all die anderen Schafe, und niemand konnte sich so recht erklären, weshalb ausgerechnet dieses kleine Lämmchen als einziges von unendlich vielen schwarz war.

Nachdem sich das kleine Lämmchen von der anstrengenden Geburt etwas ausgeruht und noch ein wenig in der warmen Mulde mit seiner Mutter gekuschelt hatte, nahm es all seinen Mut zusammen, und lief freudig neben ihr über die Wiese, um dort endlich alle anderen zu begrüßen. Es sprang fröhlich auf die anderen kleinen Lämmchen zu, überglücklich gleich so viele ebenso kleine neue Freunde gefunden zu haben.

Zunächst hatten alle das kleine Schäfchen neugierig, wenn auch etwas reserviert, aus der Ferne beobachtet. Als es ihnen jedoch näher kam, flüchteten alle zu ihren Müttern und liefen dann gemeinsam mit all den anderen ans äußerste Ende der Weide. Das kleine Schäfchen dachte zunächst an ein lustiges Spiel und rannte allen anderen Schafen und Lämmern hinterher. Doch wieder passierte genau das gleiche. Alle anderen liefen sofort in die genau entgegengesetzte Richtung.

Das kleine Schäfchen kam mit seinen noch so kurzen Beinen garnicht hinter den anderen her und rief deshalb laut: „Hey, wartet doch auf mich. Ich will doch mitspielen!“ Da blieb das Leittier, ein großer und mächtiger Schafsbock, stehen. Er drehte sich nach dem kleinen Lämmchen um, schaute es sehr böse an und sagte laut: „Verschwinde, wir wollen nichts mit Dir zu tun haben!“ Das kleine Lämmchen blieb erschrocken stehen, sah ängstlich den großen Schafsbock an und sagte verständnislos:“ Aber warum denn nur? Ich bin doch einer von Euch. Ich bin doch nur ein Schaf und genauso wie Ihr alle!“ Der große Schafsbock, schon merklich ruhiger, aber noch immer sehr abweisend und feindselig, sah das kleine Schäfchen ruhig an und sagte nach einer ganzen Weile: „Nein, das bist Du nicht! Wir alle sind weiß, das siehst Du ja wohl, und Du als einziger bist schwarz und deshalb wirst Du niemals einer von uns sein!“

Das kleine Lämmchen lief ganz langsam zu seiner Mutter zurück, sah sie traurig an und sagte mit leiser Stimme: „Mama sag, warum darf ich nicht einer von ihnen sein? Ich bin doch ebenso ein Schaf wie sie alle, nur eben noch ganz klein!“ Die Mutter stupste das Lämmchen an, sah ihm tief in die Augen: „Ja, mein Kleines, Du bist ein Schaf wie alle anderen. Aber alle weißen Schafe werden immer nur sehen, dass Du schwarz bist. Für sie bist Du anders und deshalb lehnen Dich alle ab. Für mich allerdings bist Du außergewöhnlich und etwas ganz besonderes eben weil Du schwarz bist.“

Das kleine Schäfchen dachte lange nach und sagte dann: „Mama, werde ich deshalb niemals zu allen anderen gehören?“ Die Mutter blickte ihrem Lämmchen liebevoll in die Augen: „So ist es, mein Kleines! Du wirst für immer anders sein, ein schwarzes Schaf, und aus diesem Grund werden Dich auch alle anderen immer ablehnen. Sie sehen nicht in Dein großes Herz, und sie wollen nicht sehen, dass Du genauso bist wie sie alle. Sie werden immer nur als Besonderheit Dein schwarzes Fell sehen!“

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Text: © Jutta A. Lotz- Hentschel

Alle Jahre wieder …

„Der alljährliche Friedhof der Kuscheltiere hat wieder seine Pforten geöffnet“

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Kommen Sie ruhig näher, treten Sie ein und fühlen Sie sich wie in jedem Jahr ganz wie zuhause!

Wenn sich Gewissen und Bewusstsein temporär verabschieden, kann man davon ausgehen, es ist demnächst wieder mal soweit: Es weihnachtet! Alle Jahre wieder auf´s neue beschäftigt mich die überaus wichtige und umtriebige Frage: Wie hätten Sie denn gerne Ihr diesjähriges (pelziges) Weihnachtsgeschenk? Was darf´s denn dieses Mal nettes sein: Vergast, erschlagen, per Stromschlag getötet, durch Genickbruch gemeuchelt oder doch lieber bei lebendigem Leib das Fell über die puscheligen Ohren gezogen? Wuffi und Hauskatze nach „Methode Chinoise“ brutal vor dem Haus ihrer Besitzer eingefangen und in das Auto der Tierfänger gezerrt, oder darf es doch lieber etwas üppiger und edler in Form eines kuscheligen Marderhundes oder gar Waschbärs aus staatlichen Zuchtbetrieben sein?

Wie bitte? Das wollen Sie garnicht so genau wissen, weil es Ihnen dann immer ziemlich übel wird und ihnen das Wissen um diese Praktiken den ohnehin schon recht miesen Tag endgültig versaut? Nein, das gehört meines Erachtens unbedingt mit dazu, denn schließlich sollen Sie Ihre neue „Pelz- Leiche“ auch wirklich mit Überzeugung und Genuss tragen, und hierzu gehört nicht nur das Wissen um die die Frage „Was?“, sondern insbesondere die Antwort auf das „Wie?“ Wie bitte, Sie sind schon seit Jahren Fördermitglied bei Greenpeace, dem WWF und Peta und spenden sogar immer wieder regelmäßig zu Weihnachten an einige kleinere lokale Tierschutzorganisationen und das örtliche Tierheim? Sie haben sogar die Petition gegen Massentierhaltung und Legebatterien unterschrieben, lehnen seit neuestem Fleischkonsum ab und sind aus moralisch- ethischen Gründen Vegetarier oder Veganer geworden? Spitzenklasse, das nenne ich wirklich selbstlosen Einsatz mit Weitblick! Ich bin wirklich nachhaltig beeindruckt, das haben Sie ganz toll gemacht und Ihre Eltern sind ganz bestimmt auch enorm stolz auf Sie. Aber glauben Sie ernsthaft, Sie könnten sich auf diese Weise am gängigen Ablasshandel beteiligen, um so Ihr eventuell und gelegentlich aufkeimendes schlechtes Gewissen freizukaufen? Nein, das nehme ich Ihnen definitiv nicht ab, zumal der klerikale Ablasshandel schon vor sehr langer Zeit abgeschafft wurde und ich mich an Ihrer Stelle definitiv nicht auf die alljährlich pünktlich zu Weihnachten stattfindende päpstliche General- Absolution „Urbi et Orbi“ verlassen würde!

Nur nochmals zum verinnerlichen: In dem Wort „Gewissen“ versteckt sich auch immer das Wörtlein „WISSEN“ und gegenüber diesem können Sie sich aufgrund von angeblichen Nicht- Wissen und Unkenntnis dieses Mal definitiv nicht verstecken, denn in diesem Jahr gibt es meine Bewusstseins- Antipelz- Offensive zwecks GeWISSENserweiterung einiger weniger noch immer angeblich Unwissender bereits pünktlich vor dem demnächst stattfindenden Weihnachtsfest! Sie können sich also demzufolge jederzeit noch pünktlich zum Geschenke verteilen in unendlicher Vielfalt für alles mögliche, mit Ausnahme von Echt- Pelz, entscheiden und damit endlich mal authentisch und bewusst, vor allen Dingen ohne weitere Leichen auf Ihrem Karma- Weg zu hinterlassen, mit Ihren Lieben das diesjährige Weihnachtsfest verbringen. Meine dringende Empfehlung: Denken Sie bitte hierüber nochmals ganz genau nach! Und jetzt zum wesentlichen, bzw. der Wahrheits- und Bewusstseins- Offensive und dem moralisch- ethischen Wake- up.  Fangen wir also mal ganz locker und flockig mit den unzweifelhaften Fakten an …

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Nein, jetzt nicht eben mal kurz kotzen gehen, das können Sie gerne anschließend erledigen, wenn sich Ihr Gewissen wieder zu Wort meldet. Einfach zurücklehnen und entspannt weiterlesen und idealerweise dabei reflektieren und mitdenken!

Schlendert man demnächst, Spekulatius, Dominosteine und Gewürz- Lebkuchen gibt es ja immerhin schon seit dem Spätsommer in allen Supermärkten und an jeder Ecke, ergo müsste es bald wieder soweit sein, aufmerksam und interessiert durch die dann schon zumeist weihnachtlich geschmückten und frühzeitig festlich illuminierten Strassen unserer Innenstädte, fällt auf, dass in nahezu jedem Geschäft, das Bekleidung oder Accessoires anbietet, wieder verstärkt Pelze oder aber zumindest Bekleidungsstücke mit Pelz- Applikationen und Pelz- Besatz angeboten werden. Mich persönlich überkommen da zumeist, wenn auch weitgehend ungewollt, sofort Erinnerungen an Stephen King´s „Friedhof der Kuscheltiere“. … aber das war auch nur ein Film zum schön gruseln, hier geht es um´s wahre Leben, respektive einen völlig sinnlosen Tod!

Auch wenn Sie mich jetzt für etwas leicht durchgeknallt halten: Die Vorweihnachtszeit ist immer die Jahreszeit, in der ich meinen Wuffi von sonst entspannten Innenstadt- Besuchen fernhalte und Luna zuhause bis zu meiner Rückkehr in ihrem Körbchen mit ihrer lila Quietsche- Maus als Gesellschaft kuschelt. Schliesslich trägt auch mein Hundi Fell (= Pelz) und ich möchte ihr den Anblick angesichts ausgestellter Artgenossen (Jaaa, das was Gae- Wolf heisst, war in Wahrheit zu Lebzeiten tatsächlich mal ein Artgenosse von Luna! Nur, mal ehrlich, Gae- Wolf hört sich irgendwie geländegängiger und weitaus beruhigender an, als eben ganz profan Hund!) in Prävention eines eventuell zu erwartenden Traumas, nicht zumuten!

Mit ein Grund, weshalb ich nie, wirklich niemals, noch nicht einmal unter Androhung von schwerster Folter und ähnlichem Unbill, die Ausstellungen der „Körperwelten“ von Gunther von Hagen, der für mich so ein klitzekleines bisschen Ähnlichkeit mit Frankenstein hat, besuchen würde. Allerdings bin ich in diesem Fall schon wieder ein wenig morbide. Denn mich würde unbedingt mal interessieren, woher er die ganzen Leichen hatte, aus denen er dann filetierte Schaustücke für seine gruselige Wanderausstellung fertigte. Was man da sieht, hat ja schliesslich auch alles mal tatsächlich gelebt. Ob die alle wussten, wo sie mal landen und ein jeder Besucher ihr Innenleben, gut ausgeleuchtet und vorteilhaft präsentiert, mit Gänsehaut im Nacken bestaunen kann? Oder gab es da etwa Bares zu Lebzeiten inklusive Dauerkarte für die Ausstellung bis ans zu erwartende Lebensende? Ich darf da irgendwie garnicht drüber nachdenken, aber ganz, ganz ehrlich, interessieren würde es mich doch brennend!

Aber zurück zum Thema: Selbst wer sich angesichts aggressiver Anti- Pelz- Kampagnen, wie z.B. von PETA oder öffentlicher, teilweise recht handfester, Reaktionen privater Anti- Pelz- Aktivisten, etc. nicht traut, das begehrte pelzige Beutestück seiner Wahl in seiner vertrauten Heimatstadt zu erwerben, wird schnell u.a. bei AMAZON und einer Vielzahl von Online- Shops etablierter Internet- Anbietern fündig. Im Hause AMAZON kann dann auch gleich noch überaus diskret die allseits verpönte Gänsestopfleber- Pastete oder hochtrabend und kulinarisch korrekt „Foie Gras“, das derzeit aktuelle Angebot „Mousse de Foie d´Oie Truffée“ oder verständlich für den Hausgebrauch „Gänsestopfleber- Mousse mit Trüffel“ (Sorry, jetzt könnte ich mich an dieser Stelle mal eben kurz aus ethisch- moralischen Gewissensgründen beherzt übergeben. Sehr empfehlens- und lesenswert hierzu auch mein Beitrag „Ach, Du arme Gans!“), mitbestellt werden ohne sich eventuell dem zu erwartenden Spießrutenlauf im Geschäft und schiefen Blick des ebenfalls dort befindlichen ethisch bewussten Nachbarn aussetzen zu müssen. Eine kleine Anmerkung meinerseits: Ich wünsche den Bestellern dieser vermeintlich kulinarischen „Köstlichkeit“ an dieser Stelle, damit Sie endlich auch mal aufgrund eigener Erfahrungen mitreden können, aus tiefstem Herzen im nächsten Leben die Wiedergeburt als Mastgans! 

Galt dieser mehr als fragwürdige Mode- Trend doch angesichts einer weltweit aggressiven Aufklärung, PETA sei an dieser Stelle für die oftmals heroischen Einsätze nochmals zutiefst gedankt, und einer verstärkten Anti- Pelz- Bewegung jahrelang und bis vor kurzem noch als absolutes „No Go“. Nicht nur die gerne als körnerfressenden Öko- Spinner in Bio- Latschen bezeichneten Aktivisten sprachen sich vehement und energisch gegen das Tragen von Pelzen und Pelz- besetzten Accessoires aus, selbst VIP´s der A- Liga, wie Eva Mendes, Elisabetta Canalis oder die Sängerin Pink waren sich nicht zu schade, die Kampagnen von PETA aktiv zu unterstützen und demonstrativ bei pressewirksamen Auftritten nur noch im Kunstpelz zu erscheinen. Die Gemeinde West Hollywood ging sogar soweit, hier ein Gesetz zu verabschieden, das den Kauf und das Tragen von Pelzen strafbewehrt verbietet.

Nur ganz Mutige wagten sich lange Zeit noch mit Kaninchen- Muff in die Öffentlichkeit, legten aber bereits vorsorglich angesichts wüster Beschimpfungen im Schwerstbeleidigungs- Niveau und schlimmerem die gegen die Kälte Pelz- bewehrten Ohren an. Sehr populär und beliebt waren in der Vergangenheit des öfteren vor allen Dingen Rot- Kreuz- Altkleider- Container, in denen die noch in Besitz befindlichen Pelz- Kreationen gerne in Nacht- und Nebel- Aktionen heimlich, still und ganz leise versenkt und entsorgt wurden. Schlug denn doch das schlechte Gewissen und die eigene Reflektion im Hinblick auf das PETA- Zitat „Wenn Du Pelz zum Warmhalten brauchst, hast Du ein Problem!“ an, so wollte auf jeden Fall niemand mehr seinen manchmal jahrelang ans Herz gewachsenen Pelz öffentlich spazieren tragen und sich damit selbst als latenten Bewusstseins- Verweigerer outen.

Besonders auffallend und die endgültige Absage an gute Vorsätze und die Trendwende der Vorjahre war jedoch bereits der Umstand, dass große Modehäuser wie Fendi, Versace, Gucci & Co. auf den diesjährigen Herbst-/Winter- Shows erneut verstärkt Pelze, wenn schon nicht als Jacke oder Mantel, denn doch in Form von Innenfutter, Applikationen und Besatz, präsentierten. Wen wundert es also, dass dekadente „Ober- Wichtig´s“ des Promi- Olymps wie z.B. Paris Hilton, Heidi Klum, Sylvie Meis, Donatella Versace oder auch Jennifer Lopez, aufgrund offensichtlich mangelnder Reflektion und Weitblicks und / oder mangels Masse des denkenden Organs zwischen den Ohren weiterhin über jedem einleuchtenden Argument stehen und nach wie vor ihr Image und Äußeres durch Echt- Pelze aufwerten. Hier gilt augenscheinlich das Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, agiert sich´s gänzlich ungeniert!“

Besonders bemerkens- und überdies denkenswert die Show von Donatella Versace anlässlich der diesjährig stattfindenen Fashion Week: Um das ganze besonders üppig und dekadent zu präsentieren, trampelten dort die Models über einen Echtpelz- bezogenen Catwalk! Okay, dass die verpflichteten Models hierbei ohnehin nicht viel Mitspracherecht genießen dürften und überdies aufgrund einer mehr als üppigen Apanage für diesen Auftritt das Gewissen ohnehin weitgehend abschalten, dürfte wohl einem jedem klar sein; dass jedoch die Zuschauer angesichts dieser Entgleisung auch noch rauschenden Beifall zollten und sich gegenseitig abklatschten, dass man auch in diesem Jahr wieder dabei sein durfte, ist mir persönlich völlig unerklärlich und auch definitiv nicht näher nachvollziehbar.

Da sich nun einmal nicht ein jeder gleich einen Pelzmantel oberster Preiskategorie leisten kann oder auch will, die Nachfrage jedoch grundsätzlich den Markt reguliert und sich auch Otto- Normal- Verbraucher gerne dem Hauch des Luxus- Feelings hingibt, werden nun massenkompatibel, wie zum Beispiel im Hause Bogner (www.bogner.com) Pelze verstärkt weiterhin und für jeden erschwinglich in Form von Pelzkrägen, Innenfutter und Verbrämungen angeboten. Trösten Sie sich bitte an dieser Stelle nicht mit der lahmen Ausrede „Ist doch nur ein klitzekleines bisschen Pelz!“. Nein, reden Sie sich das ganze bitte jetzt nicht selbst besser verdaulich: NUR ein klitzekleines bisschen gibt es bei Echtpelz ebenso wenig, wie nur ein klitzekleines bisschen schwanger!

Einem jeden Konsumenten sei sein ganz persönliches Bogner- Fire & Ice- Feeling wirklich gerne gegönnt, daher hier schon einmal ein Vorschlag zur Beruhigung des eigenen Gewissens, sofern sich dieses nicht bereits in den Winterschlaf verabschiedet hat und das ultimative Argument für den kritischen und ethisch korrekten Nachbarn, falls dieser Sie auf Ihren Kragen aus Pelz ansprechen sollte: „Macht doch nichts, das Tier war ja schon tot, als ich den Pelz gekauft habe!“ oder könnte auch ganz gut ankommen: „In der Steinzeit wurden schließlich auch schon Pelze getragen!“ und im schlimmsten Fall: „Frau Sonia Bogner trägt das schließlich auch!“ Sie halten das ganze emotionale Getue um den Schutz von Pelztieren noch immer für von heuchlerischen und selbsternannten Gutmenschen inszeniert und von moralistischen Instanzen, wie Tierschutzorganisationen und moralin- sauren Öko- Spinnern etwa aus Sozialneid propagiert? Sorry, aber dann sind Sie noch weitaus schlimmer, als Ihr Nachbar das ohnehin von Ihnen bereits glaubt!

Mal ganz ehrlich: Glauben Sie nicht auch, dass das Tier, dessen Pelz Sie jetzt an Ihrer Jacke oder Ihrem Mantel spazieren tragen, diesen viel dringender gebraucht hätte als Sie? Glauben Sie tatsächlich ernsthaft, Ihr bisheriges Image und gesellschaftliches Ansehen hätten sich durch das Tragen von Pelz in irgend einer Form verändert? Positiv mit absoluter Sicherheit nicht, das kann ich Ihnen jetzt bereits versichern. Sollten Sie hier anderer Ansicht sein und tatsächlich die Auffassung vertreten, das Tragen von Echtpelz würde maßgeblich und nachhaltig zur positiven Image- Politur beitragen und Sie im gesellschaftlichen Ansehen in die ersehnte und bisher nicht erreichte Königsklasse katapultieren, rate ich Ihnen dringend, als guten Vorsatz für das neue Jahr, einen Termin bei einem adäquaten Psycho- Analytiker oder Psychiater Ihrer Wahl ins Auge zu fassen, denn Sie haben wirklich ein Problem, das man sich unbedingt mal näher anschauen sollte. Vielleicht ist da ja noch etwas korrigierbar …

Mit dem Tragen von Pelz tragen Sie nur zu einem bei: Zu Ihrer eigenen Peinlichkeit, Ihrer eigenen zur Schau gestellten Ignoranz und Arroganz, völlig fehlendem Bewusstsein und als Helfershelfer der Pelz- Industrie, zu unvorstellbaren Grausamkeiten, sowie zur Selbstbefriedigung Ihres kleinen narzisstischen Egos. Glauben Sie nunmehr noch immer nicht, dass Pelz Sie definitiv nicht zu einem besseren Menschen macht, Ihnen kein besseres Image verleiht und verstecken Sie sich noch immer hinter dem Argument, schließlich habe man schon in der Steinzeit Pelze getragen und, last but not least als Gipfelsturm der Heuchelei, finanzieren Sie schließlich mit dem Kauf Ihres Pelzes auch das Einkommen und den Arbeitsplatz der Menschen, die in China sonst noch ärmer wären, als sie es bereits sind, sollten Sie sich den nachfolgenden Beitrag ansehen.

Liebäugeln Sie danach noch immer auch in diesem Jahr mit dem Kauf eines Pelz- Produktes oder aber sollte ein ebensolches Stück auf Ihrem Weihnachts- Wunschzettel stehen oder aber Sie noch immer nicht überzeugt sein, empfehle ich Ihnen vorsorglich und dringend einen Blick in diesen Filmbeitrag – live, in Farbe und aus der allerersten Reihe – aus chinesischen Pelztier- Farmen und Tier- Märkten zu werfen. Zur Warnung: Ich empfehle Ihnen an dieser Stelle dringend Ihre Kinder, bevor Sie die Play- Taste betätigen, nach draußen zum Spielen zu schicken, da dieser Beitrag meines Erachtens für eine Kinder- Seele mehr als ungeeignet ist!

„China´s grausame Pelz- Industrie“

Ihnen sind dabei die Tränen gekommen, haben Sie vielleicht sogar bitterlich geweint oder hatten Sie spontan das tiefe Bedürfnis, trotz ansonsten sehr friedfertiger Gesinnung, den Arbeitern das gleiche anzutun, was sie diesen armen, geschundenen Tieren zufügen? Das ist gut so, denn mir erging es nicht anders als Ihnen! Sie haben den Film wirklich zu Ende gesehen?  Wunderbar, das sollten Sie auch!  Sie haben sich anschließend übergeben? Hervorragend, dann haben Sie den Film nicht nur gesehen, sondern haben auch Mitgefühl und Empathie kennen gelernt und zugelassen! Sie möchten auch jetzt noch immer einen Pelz oder ein Accessoire mit Pelzbesatz? Dann ist Ihnen leider wirklich nicht mehr zu helfen! Ich rate Ihnen nochmals eine Nacht über Ihre Entscheidung zu schlafen und die Filme nochmals zu sehen. Entscheiden Sie sich dann dagegen, noch einmal in Ihrem Leben Pelz, in welcher Form auch immer, zu tragen, kann ich Sie zu Ihrem Entschluss nur beglückwünschen. Entscheiden Sie sich dann noch dagegen, jemals wieder Foie Gras, bzw. Gänse- und Entenstopfleber zu essen, keinen lebenden Hummer und keine Flusskrebse mehr in kochendes Wasser zu werfen, keine Produkte mehr mit Gänsedaunen aus Lebendrupf zu kaufen und intensiv über Ihre Entscheidung und Ihre Kaufabsicht nachzudenken, bevor Sie konsumieren, sind Sie auf dem allerbesten Weg wieder das zu werden, was Sie aller Wahrscheinlichkeit einmal vor vielleicht langen Jahren einmal waren: 

Ein mitfühlender Mensch mit tiefem Bewusstsein, Reflektion und Empathie!

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis “Ansavita”

Quelle Bild (Alexandra Kamp): www.peta.de

Ach, Du arme Gans!

Eine mehr als zweifelhafte Erfolgs- Story oder das Grauen hat einen Namen:

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„Lebendrupf  und Gänsestopfleber (Foie Gras)!“

Nachdem viele unserer Kinder und Enkel mittlerweile der Ansicht sind, Kühe seien alle lila, Kabeljau und Goldbarsch hätten von Natur aus die Form von Fischstäbchen ohne Gräten, Fleisch käme aus der Tiefkühltruhe und Milch komme ausschließlich aus dem Tetra- Pack, wundert es nicht, dass leider viele die Gans nur noch fertig gerupft, wahlweise mit oder ohne Füllung, knusprig gebraten und in handlich mundgerechte Stücke zerlegt, kennen. Grundsätzlich sei einem jedem sein Gänsebraten in der Vor- und Weihnachtszeit, wenn er ihn denn für sein Seelenheil und trotz drohender Verdauungsbeschwerden bis zur eigenen Darmverschlingung im Zuge heimischer Völlerei unbedingt braucht, wirklich von Herzen gegönnt. Jedoch machen sich die wenigsten angesichts der eher saisonal alljährlich wiederkehrenden Tradition Gedanken hinsichtlich der Tatsache, dass das, was da in der Bratröhre gemütlich vor sich hinschmurgelt und anschließend auf dem Teller landet, auch irgendwann tatsächlich einmal gelebt hat.

Man kann sich an dieser Stelle natürlich zur Beruhigung des Gewissens und zwecks Erhalt der eigenen Naivität und Ignoranz an Hans A. Piper´s „Märchen von der Gänseliesel“ festhalten und sich noch immer einreden, dass solch ein Gänseleben doch überaus lustig sein muss oder man orientiert sich eisern an dem Grundsatz: „Erst kommt das Fressen und dann die Moral!“

Spätestens seit einer seit Jahren, gerne von vorzugsweise selbsternannten Gourmets und den „Ich bin`s !“ dieser Welt als Schlachtgebrüll überzeugter Tierschützer, veganer Körnerfresser und einer sinnsuchenden Öko- Fraktion abgebügelt, erbittert geführten Diskussion hinsichtlich einem französischen nationalen Kulturgut, der „Foie Gras“ oder etwas weniger elitär und zu gut deutsch, der Gänsestopfleber, die zwischenzeitlich und glücklicherweise in einigen Ländern verboten wurde, hinterfragen immer mehr Menschen nicht nur, was sie eigentlich essen, sondern vielmehr stellen sich viele die kritische Frage: „Unter welchen Bedingungen hat einmal das gelebt, was ich da gerade auf meinem Teller habe und zu essen gedenke?“

Verabschieden Sie sich also bitte am besten bereits zu Beginn und bevor Sie weiterlesen schon mal von allen Märchen und Gute-Nacht-Geschichten wie „Die goldene Gans“ der Gebrüder Grimm, die Ihnen von Ihrer Omi immer vor dem Einschlafen in Ihrer Kindheit erzählt oder vorgelesen wurden. Zum besseren Verständnis und zur Verdeutlichung: Das Wort Märchen ist abgeleitet von dem mittelhochdeutschen Begriff „Maere“, was so viel wie unglaubhafte Kunde oder erfundene Nachricht bedeutet. Bei Märchen handelt es sich also demzufolge um phantasievoll ausgeschmückte Erzählungen, in denen die Naturgesetze aufgehoben werden und zumeist Wunder das Szenario beherrschen. Selbstkritisch sollten wir uns dafür eingestehen: Dem Alter, wo wir noch an Märchen glaubten, dürften wir zwischenzeitlich entwachsen sein, halten wir uns heute also lieber an nackte Fakten.

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„Wie schön könnte doch eigentlich das Gänseleben sein!“

Ursprünglich aus der Arktis und Subarktis stammend, heute jedoch in Gesamt- Europa beheimatet, monogam in lebenslanger Einehe mit dem geliebten Partner „Konkurrenz gibt es nicht am Markt, wir sehen ohnehin alle gleich aus!“, einträchtig nebeneinander über die Wiese watschelnd, gerne auch mit einem Tümpel zum Planschen in der Nähe, denn immerhin gehören Gänse zu der Familie der Entenvögel, friedliebende Pflanzen- Verwerter, besonders gerne in einer WG mit vielen Gleichgesinnten lebend und beim gemeinsamen nächtlichen Gruppenkuscheln vereint. Eigentlich könnte das Gänse- Leben auch in Zukunft so richtig schön, herrlich friedlich und beschaulich im Kreise vertrauter Artgenossen sein! Tja, eigentlich …

Aus bestinformierten Insider- Kreisen war zu erfahren: „Okay, es gab da mal einen rüpeligen und chronisch übellaunigen Typen mit rotbraunem Fell, buschigem Schweif und spitzen Ohren, der uns Gänsen gelegentlich zu schaffen machte und uns zumeist nachts gerne mal einen unerwarteten Besuch abstattete, jedoch eher weniger, um uns eine „Gute Nacht“ zu wünschen. Das passiert jedoch nur noch ganz selten in bevorzugt ländlichen und recht einsamen Gegenden und manchmal, das sagen wir nicht ohne Stolz, haben auch wir gewonnen!“ Irgendwann in grauen Vorzeiten entdeckten dann die Menschen ihre bis heute gepflegte Vorliebe, besonders in der Weihnachtszeit, für besagten schmackhaft knusprigen Gänsebraten, gerne mit Rotkraut und Knödelchen. „Nun ja, auch das haben wir überlebt, schließlich geht auch das wie in jedem Jahr irgendwann mal vorüber!“ Trotzdem waren das einst friedliche und glückliche Zeiten für alle Gänse, als es damals noch hieß:

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„Fuchs, Du hast die Gans gestohlen!“

Was den Gänsen mittlerweile jedoch bereits seit Jahren das Leben zu einer wahren Hölle werden lässt, ist nicht etwa der altbekannte Erzfeind Fuchs, sondern es ist eine ganz andere, überaus dekadente, gewissenlose, gierige, umtriebige und nimmersatte Spezies: Es ist der Mensch! 

Was sich noch immer bei besonders hartleibigen und unbelehrbaren Konsumenten zu halten scheint, ist die Vorstellung, einem echten Gourmet bleibe der Zutritt zum Olymp der genußsüchtigen Feinschmecker auf ewig verschlossen, spricht er sich gegen den Konsum von Gänseleberpastete oder in kulinarischen Kreisen auch gerne als „Foie Gras“ bezeichnet, aus. Gerne werden hierbei die Augen vor dem grausamen Schicksal und Leben zwangsweise ernährter und gemästeter Gänse verschlossen, wobei mittlerweile so ziemlich jedem die Bilder aus Gänsemast- Produktionen bestens bekannt und vertraut sein dürften. Noch einmal gerne zur Erinnerung: Die bedauernswerten Tiere werden mittels eines in den Schlund eingeführten Schlauches mehrfach täglich zwangsweise gestopft bis ihre Leber auf das zehnfache, völlig verfettet, angeschwollen ist!

Viele Tiere sterben bereits während dieser Zwangsmast aufgrund von Organversagen, Atemnot und inneren Verletzungen. Nicht umsonst wurde mittlerweile diese Quälerei in vielen Ländern verboten. Doch auch wenn diese ganz besonders verachtenswerte Grausamkeit bei uns per Tierschutzgesetz untersagt wurde, dürfen trotzdem weiterhin Produkte aus Gänsemast- Produktionen nach Deutschland importiert und vertrieben werden. Besonders denkwürdig ist hierbei, dass krankhaft veränderte Organe tierischen Ursprungs per Gesetz in Deutschland überhaupt nicht in den Handel gebracht, geschweige denn zum Verzehr freigegeben werden dürfen, da diese ein hohes Gesundheitsrisiko bergen. Angesichts dieser Tatsachen: Wohl bekomm´s, Gourmets dieser Welt! Ihr Bluthochdruck vergangener Jahre, Ihre ohnehin viel zu hohen Cholesterinwerte, Ihr massives Übergewicht aufgrund unreflektierten Fraßes und Völlerei ohne Grenzen, und selbstverständlich Ihr Hausarzt, der seit neuestem ein Auto der oberen Luxusklasse fährt, und nicht zu vergessen die Pharma- Industrie mit ihrer sehr gut aufgestellten Produkt- Palette gegen solche selbstverursachten Luxus- Krankheiten, werden es Ihnen von ganzem Herzen auch zukünftig danken und Ihnen sicherlich einen würdigen Nachruf angesichts Ihres zu erwartenden frühzeitigen Ablebens spendieren!

Besonders ignorant beim Vertrieb von Gänsestopfleber- Pastete zeigt sich hierbei auch in diesem Jahr erneut und deutlich verstärkt das Unternehmen Amazon, das trotz enormer Proteste, wieder eine Vielzahl von Gänseleber- Produkten diverser Anbieter im Programm hat. Das Argument seitens Amazon, man könne hier nicht auf die Entscheidungsfreiheit der Kunden einwirken, da entsprechend große Nachfrage bestünde, scheint hier eher vorgeschoben und schmeckt noch fader, als die angebotenen Gänseleber- Produkte. Allerdings hat Amazon zumindest in diesem einem Punkt definitiv Recht: Es wird nichts angeboten, was der Kunde nicht auch verlangt und kauft!

So bietet beispielsweise auch weiterhin ohne jegliches schlechtes Gewissen das bekannte Unternehmen Lacroix nach wie vor Gänseleber- Paté über Amazon an. Und weil anscheinend die Gänsestopfleber zu Weihnachten gehört, wie beispielsweise die Legende vom Weihnachtsmann, den heiligen drei Königen und dem Christkind, empfiehlt das Galeries Lafayette in Berlin auch in diesem Jahr für die Weihnachts- Feiertage in Ergänzung zum geheiligten Gourmet- Menue für den verwöhnten kulinarischen Gaumen neben allerlei geflügeligem und (Ja, was dachten Sie denn jetzt bitte?) selbstverständlich wieder die allseits begehrte Foie Gras und dieses Mal auch Confit de Canard, also demzufolge Enten- Stopfleber!

Schöngeredet wird einer der Anbieter dieser Produkte, das französische Familienunternehmen Castaing, dann in Bezug auf die Produktion von Entenleber- Pastete folgendermaßen: „Die Enten leben 100% in der Natur und stammen hauptsächlich aus der Mulard Race. Und trotz der zu Recht sehr kontrovers diskutierten Technik wird das Stopfen bei Castaing traditionell nach wie vor von Hand durchgeführt. Dabei geht es dem Unternehmen vornehmlich nicht um Masse, sondern um Qualität!“ Ich bin überzeugt davon, den Enten dürfte es, wie auch den Gänsen, ziemlich egal sein, ob sie maschinell oder von Hand, was offensichtlich auch noch als ganz besonderes Güte- und Qualitäts- Merkmal des Unternehmens Castaing interpretiert wird, gewaltsam gestopft werden. Fakt ist hierbei allein, dass es sich sowohl in Enten- wie auch Gänsezuchten um höchst tierquälerische Praktiken zwecks Ausbildung einer mehr als bedenklichen Fettleber, die dann in den Pasteten Verwendung findet, handelt. Der peinlichen und unsäglichen Dekadenz des verwöhnten Gourmets sei an dieser Stelle Rechnung getragen!

Die einziges Möglichkeit hier endgültig Einhalt zu gebieten, ist das Vermeiden ausnahmslos aller Produkte relevanter Unternehmen, die nach wie vor Produkte aus Gänse- und Entenstopfleber anbieten. Hier auf Einsicht und Handlung unserer politischen Elite und auf ein endgültiges Einfuhrverbot im Hinblick auf Gänsestopfleber- Produkte zu hoffen, dürfte so vielversprechend sein, wie das Vorhaben, ein Kamel durch ein Nadelöhr zu zwängen. Ganz im Gegenteil hat die Gänsestopf- Industrie in Frankreich anlässlich der alljährlich stattfindenden  Lebensmittelmessen zum wiederholten Mal versucht, bei der man eigentlich schon vor Jahren auf die Anbietung von Produkten aus Gänsestopfleber verzichten wollte, die EU mit einer drohenden beispiellosen Massenarbeitslosigkeit zu erpressen. Haben frühere Produktionsländer wie Polen, Tschechien oder aber auch das südliche Österreich die Produktion von Gänsestopfleber eingestellt und verboten, wird nach wie vor in Ungarn und Frankreich weiter produziert.

Sind Sie noch immer als Gourmet von Welt der festen Überzeugung, auch in diesem Jahr nicht ohne Ihre Gänsestopfleber Weihnachten wirklich genießen zu können, sollten Sie sich wenigstens, bevor Sie sich den Teller füllen, mit der Ausgangsbasis dessen, was Sie mit mehr als zweifelhaftem Genuss zu Ihrer Ernährung zählen und was Sie sich in Kürze einzuverleiben gedenken, doch etwas vertraut machen. Also gehen wir´s mal locker an, schlage ich vor:

„Stopfleber in Frankreich“ – eine Undercover- Recherche von Animal Equality 

 

Bedenkt man hierbei, dass gerade Ungarn, bereits seit dem 01.Mai 2004 EU- Mitgliedsstaat, sein Bruttoinlandsprodukt zu weit mehr als 70% aus EU- Fördermitteln deckt, wäre es ein leichtes, hier besagten Geldhahn zuzudrehen und Ungarn zu einem grundlegenden Umdenken und vor allen Dingen Handeln zu zwingen. Leider sieht hier die EU, wie üblich seit Jahren offensichtlich völlig betriebsblind, weiterhin tatenlos zu!

Auch wenn sich begrüßenswerterweise viele Konsumenten gegen diesen zweifelhaften Genuss ausgesprochen haben, gibt es noch immer ein weiteres grausames und viel zu selten beachtetes Leiden unserer bedauernswerten Gans. Blicken wir noch einmal über die Grenzen zu unserem EU- Nachbarn Ungarn hinüber, müssen wir feststellen, dass dort etwas passiert, vor dem viele teilweise aus Unkenntnis, aber auch oftmals aufgrund purer Ignoranz beide Augen fest verschließen: Die Gänsedaunen- Produktion aus Lebendrupf! Neben Ungarn praktizieren auch China, Polen und Frankreich nach wie vor diese grausame Prozedur zur Gewinnung von Gänsedaunen. Wie bitte? Noch nie etwas davon gehört? Dann wird es aber langsam Zeit, dass Sie aufgeklärt werden, woher oftmals die seidenweichen Daunen stammen, auf die Sie nächtens Ihr müdes Haupt zur Ruhe betten. Und hier geht es zur eventuellen Füllung Ihres neuen Daunen- Kissens, bzw. Ihrer ersehnten Daunen- Steppdecke:

„Gänserupfen – Daunen um jeden Preis“

Der Inhalt des Films dürfte damit wohl endgültig und ein für alle Mal das Ende aller Illusionen, Gänse würden eventuell rasiert, die Daunen anlässlich der regelmäßig stattfindenden Mauser eingesammelt, bzw. gewonnen oder aber die Daunen nur nach erfolgter Schlachtung verwendet werden, zerstören.

Laut Tierschutzgesetz dürfen nur die Daunen geschlachteter Tiere weiter verwendet werden, nicht jedoch in Ungarn, Polen, Frankreich oder, dort pfeift man ohnehin auf so ziemlich alles und nichts, China. Hier werden Millionen Tieren im Akkord von Rupfer- Brigaden, die durch das Land reisen, bis zu vier Mal in ihrem ohnehin kurzen Leben die Daunen vor der Mauser ausgerissen, wobei extrem große Verletzungen von bis zu zehn Zentimeter langen und stark blutenden Risswunden entstehen, die dann ohne Betäubung grob mit einer Nadel und einem Faden wieder zugenäht werden. Teilweise verenden die Tiere dabei aufgrund ihrer großen Verletzungen elendig. Nicht nur, dass die gewonnenen Daunen in Kissen und Decken als Füllmaterial Verwendung finden, ein Großteil geht hiervon auch an die Bekleidungsindustrie zur Fertigung und Befüllung von Daunenjacken, Handschuhen und Mänteln.

Aufgrund von massiven Protesten namhafter Tierschutzorganisationen hat die Europäische Union, vertreten durch das wissenschaftliche Gremium der EFSA, der European Food Safety Athority, nunmehr intensiv über das Kämmen und Bürsten von Gänsen nachgedacht, das von Praktikern der Gänsedaunen- Industrie als unrentabler Unsinn bezeichnet wurde. Hinzufügen muss man an dieser Stelle sicherlich nicht, dass man, wie nicht anders zu erwarten, innerhalb der Europäischen Union noch immer über eine adäquate und praktikable Lösung nachdenkt und nachdenkt und nachdenkt, jedoch keinesfalls handelt. Anstatt hier zu einer klaren und eindeutigen Entscheidung zu kommen, hat man nunmehr die grandiose Idee und Schlupfloch für die EU- subventionierten Gänsedaunen- Produzenten aufgegriffen, dass man Gänsedaunen angeblich erheblich schonender beim Rupfen während der Mauser gewinnen könnte, da die Daunen dann erheblich lockerer in der Haut sitzen und, man höre und staune, das Wohlbefinden der Tier insgesamt damit nicht beeinträchtigen würde.

Woher diese Erkenntnis stammt und inwieweit hier eine repräsentative Umfrage unter betroffenen Gänsen stattgefunden hat, ist leider nicht bekannt! Auf jeden Fall dürfte diese Erklärung ebenso sinnvoll sein, wie die Behauptung, dass es mit Sicherheit keine Schmerzen bereitet, wenn man Ihnen täglich eintausend Haare mit dem zündenden Argument, einhundert davon würden ja ohnehin täglich von selbst ausfallen, ausreißen würde! Unbestrittener  Fakt ist hingegen, dass die betroffenen Tiere bei der Mauserrupf ebenso entsetzlich und qualvoll leiden müssen, wie beim bisherigen Lebendrupf. Hier kann es nur eine einzig sinnvolle Konsequenz und Entscheidung geben: EU- weit keinerlei Lebend- und Mauserrupf von Gänsen, ein uneingeschränktes Einfuhrverbot für Gänsedaunen aus Lebend-, bzw. Mauserrupf und keinerlei Ausnahme, wie immer diese auch aussehen mag. Aufgrund zahlreicher Proteste verlagert sich seit Jahren daher die Produktion von Lebendrupf- Daunen nunmehr von Ungarn, Polen und Frankreich zunehmend gen Osten. Und ja, zu 100% richtig geraten: Nach China! Dass China es grundsätzlich in punkto Tierschutz nicht, na ja, ganz so eng sieht, ist weit über die Grenzen hinaus bestens bekannt, ebenso dass sich hier wohl kaum etwas in absehbarer Zeit verändern dürfte.

Ebenso unglaubwürdig erscheinen hier die einschlägigen Erklärungsversuche vieler etablierter Unternehmen, u.a. bekannte Outdoor- Ausrüster, die Großabnehmer von Daunen aus der Gänsemastproduktion ist. Den Unternehmen ist sehr wohl die Herkunft der Daunen bekannt, man will jedoch auch weiterhin keinesfalls auf deren Verwendung verzichten, verweist jedoch Veganer, die grundsätzlich Gänsedaunen- Produkte ablehnen, großmütig auf die Alternative der hauseigenen, mit synthetischen Füllstoffen isolierten, Kollektion. Diesbezügliche magere und eher halbherzige Statements, man engagiere sich für langfristige Lösungen, könne nur sehr schwer die Produktionskette nachverfolgen und kontrollieren und man werde die Öffentlichkeit über die weitere Entwicklung auf dem laufenden halten, nehme ich persönlich nicht allzu ernst und ziehe in diesem Fall für mich persönlich die Konsumenten- Notbremse: Konsequent und radikal kein Kauf von Daunen- Produkten ohne wenn und aber, und zwar solange bis nachweislich (!!!) keinerlei Daunen mehr aus Gänsemastproduktionen in Form von Lebendrupf  bei der Herstellung, bzw. Befüllung von Bekleidungsstücken und Bettwaren, wie Kissen und Decken verwendet werden !

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von führenden Anbietern am Markt, die Kissen und Decken, ohne Daunenfüllung im Programm führen. Sollten Sie sich also mit einer Neuanschaffung derselben beschäftigen, rate ich Ihnen zu einem virtuellen Spaziergang zum Beispiel auf den Webseiten der Unternehmen http://www.grueneerde.com, http://www.hessnatur.com oder auch http://www.kissenwelt.de. Dort werden Kissen und Steppdecken mit alternativen natürlichen Materialien, Micro- Kügelchen oder aber auch Schaumstoff- Flocken angeboten, die im Hinblick auf den Schlafkomfort und die Pflege, insbesondere für Allergiker, sehr empfehlenswert und überdies ökologisch nachhaltig sind. Auch gibt es zwischenzeitlich bereits führende Fachgeschäfte und bekannte Outdoor- Ausrüster, die gefütterte Jacken und Mäntel anstatt wie bisher mit Daunen, mit synthetischem Isolationsmaterial gefüllt, anbieten und für die mit absoluter Sicherheit keine arme und bedauernswerte Gans ihre Federn lassen muss.

Mein ganz persönliches Fazit: Da grundsätzlich die Prinzipien, bzw. das Angebot des Marktes aufgrund der Nachfrage des Konsumenten geregelt wird, ist hier die kritische Eigenreflektion und Bewußtein eines jeden Einzelnen und eine konsequente Auseinandersetzung mit der Thematik als solches gefragt. Solange wir uns noch selbst einreden, Foie Gras, bzw. Produkte aus Gänseleber würden unser aller Gourmet- Dasein bereichern oder Kissen und Decken mit Daunenfedern- Füllungen würden die Schlafqualität günstig beeinflussen, müssen wir uns leider eingestehen, dass wir uns weiterhin unendliches und grausames Tierelend schönreden und ignorant wegsehen. Wir sorgen uns unablässig um das Wohlergehen unserer Haustiere und kein, manches Mal auch völlig sinnentleerter, Aufwand ist hoch genug, um uns selbst das Gefühl eines bewusst denkenden und handelnden Menschen zu geben. Wir sind entsetzt ob der Grausamkeiten gegenüber vergifteten und erschlagenen Straßenhunden, die anlässlich einer längst in Vergessenheit geratenen Säuberungsaktion anlässlich der Fußball- Weltmeisterschaft in der Ukraine, zum Opfer gefallen sind und die teilweise lebendig verbrannt wurden. Wir sind stolz darauf, aktives Mitglied bei Greenpeace, Peta, Vier Pfoten und unzähligen weiteren Natur- und Umweltschutzorganisationen zu sein und setzen uns intensiv mit dem Schutz der Eisbären, der Robben und einer Verringerung des CO2- Ausstoßes auseinander. So lobenswert diese Aktivitäten auch sind, sollten wir jedoch endlich damit beginnen, nicht nur über den eigenen Tellerrand hinwegzusehen, sondern insbesondere zu hinterfragen, wie und auf wessen Kosten wir weiterhin weitgehendst unbedacht unsere eigene Komfortzone und Bequemlichkeit pflegen. Ich empfehle hier allen ausnahmslos dringend das Verinnerlichen des Zitats von Mahatma Gandhi: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünscht für diese Welt!“

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Detox your life!

„Wenn weniger mehr ist“

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Was wir definitiv nicht brauchen!

Noch einmal zur Erinnerung für alle diejenigen, die noch immer und unverbesserlich der Ansicht sind, uns täglich nach ihren Vorstellungen zwangsweise missionieren und belehren zu müssen.

Wir brauchen definitiv keine selbsternannten Super- Gurus, die uns für „Nur viel Bares ist wahres!“ erklären, wer wir sind und wer wir sein könnten ohne uns jemals zu fragen, wer wir wirklich sein wollen.

Wir brauchen auch keine Lebens- Bedienungsanleitung, die wir nur noch einmal durchlesen müssen, um zu erfahren, wo bei uns die Stop- Taste ist.

Wir brauchen für unser kleines narzisstisches Ego auch keine Fan- Gruppe, die schon deshalb Standing Ovations gibt und uns liked, nur weil wir mal geniest haben, und wir brauchen auch definitiv keine innovative, wissenschaftlich fundierte, computergestützte, individuelle, ganzheitliche und als absolut unverzichtbar angepriesene Anleitung zum Selbstmanagement, um für das Überleben im angeblich so gefährlichen Lebens- Dschungelcamp Update 2.0 trainieren zu können.

Wir brauchen auch niemanden, der uns täglich beteuert, dass wir für ihn der ultimative Lebensretter sind, ohne den er sich frühzeitig schon eine Kugel in den Kopf gejagt hätte oder ohne unseren Beistand längst am Strick des eigenen selbst gezimmerten Galgens baumeln würde! Kapiert es endlich: Wir retten immer und grundsätzlich nur uns selbst!

Was wir brauchen ist nur eines: Den Mut zur unabdingbaren Stille und Einsamkeit, in der wir endlich wieder unserem eigenen Seelen- Geflüster lauschen können, das uns sagt, wer wir wirklich sind und was wir tatsächlich brauchen, um ganz in Einklang und Balance wir selbst zu sein!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Einfach nur ein Wort?

„Ein kleines und fast vergessenes Zauberwort mit großer Wirkung!“

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Sicherlich erinnert sich ein jeder von uns, der bereits seit langem den Kinderschuhen entwachsen ist und auch schon geraume Zeit alleine über die Strasse und den Zebrastreifen gehen darf, an den gestrengen Blick unserer Eltern und Großeltern, wenn uns der Schoko- Osterhase, das Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk überreicht wurde. Übersahen wir diesen eindringlichen Blick unserer Erziehungsberechtigten kam sogleich der verbale Nachschlag in Form von „Naaaa, und wie heißt das Zauberwort?“ Aaaah ja, richtig! Da war doch noch etwas ganz wichtiges: „Danke!“

In der Kindheit manches Mal geäußert, um einer anschließend nachhaltigen Strafpredigt und gelegentlich auch schlimmeren Sanktionen zu entgehen, kannten wir trotz allem die Wirkung dieses Zauberwortes, zumindest war damit das Osterei oder das Geburtstagsgeschenk der ansonsten nervigen Tante, gesegnet mit einer Stimme wie eine Kreissäge und immer so komisch muffelnd nach Mottenkugeln, die uns immer zur Begrüßung ein feuchtes Küsschen auf die Wange drücken wollte, schon mal sicher. Auf jeden Fall können wir zur Ehrenrettung unserer Eltern und Großeltern und angesichts deren Bemühungen um eine zumeist einigermaßen gelungene Erziehung schon mal behaupten, dass wir das Zauberwort „Danke!“ zumindest irgendwann, auch wenn´s schon recht lange her ist, einmal gelernt haben! 

Ein geäußertes „Danke!“ ist nicht nur das Signal von gutem Benehmen und Zeichen dafür, dass wir nicht mit dem D- Zug durch die Kinderstube gerauscht sind und aus einem einigermaßen zivilisierten „Stall“ kommen, sondern vielmehr signalisiert man damit in der Regel grundsätzlich Respekt und Achtung, Wertschätzung und Höflichkeit anderen gegenüber. Die Signalwirkung eines für Dritte hörbaren Dankes sollte also nicht unterschätzt werden, zumal sie die eigene Persönlichkeit ungemein positiv unterstreicht und einfach sympathisch ist.

Ein paar kleine und nahezu unbedeutende Erlebnisse an einem fast alltäglichen Nachmittag haben mich mittlerweile jedoch sehr nachdenklich werden und mich hinsichtlich der fast schon philosophischen Frage sinnieren lassen: Wo bitteschön ist unser ehemaliges „Danke!“ geblieben? Wohlgemerkt spreche ich hier nicht über Ausnahmesituationen anlässlich der Entgegennahme eines Präsentes oder im Anschluss an eine Einladung, sondern vielmehr in ganz alltäglichen Situationen. Einfach weil uns jemand die Tür aufhält oder den heruntergefallenen Schlüssel aufhebt. Einfach eine Geste der Freundlichkeit, des meines Erachtens Mensch- Sein, des guten Benehmens und der Höflichkeit. Wir haben uns offensichtlich mittlerweile schon so sehr an eine Welt und ein kollektives Miteinander ohne ein freundliches und sympathisches „Dankeschön!“ gewöhnt, dass es uns fast nicht mehr auffällt und nahezu selbstverständlich geworden ist; ein ehrlich gemeintes „Danke!“ somit leider fast schon gefühlt zum Unwort geworden ist. Fast grotesk mutet hierbei an, dass man geradezu auffällt, wenn man dieses Zauberwort nicht nur „in memoriam“ kennt, sondern es sogar noch wie selbstverständlich, insbesondere gegenüber Fremden, aussprechen kann!

Ein „fast“ ganz normaler Einkaufsnachmittag in der Innenstadt: Ein Besuch in meiner bevorzugten Parfümerie, die ich mit den Worten „Einen schönen guten Tag!“ betrete. Eine Reaktion oder Antwort? Wo denken Sie hin; das wäre jetzt aber wirklich zuviel verlangt; nun ja, vielleicht beim nächsten Mal! Immerhin registriert mich die Verkäuferin mit einem sehr saloppen „Naaaaa, unn wie isses???!“ Okay, ich habe wirklich noch immenses Glück gehabt, sie hätte auch gleich sagen können „Verpiss Dich zügig und subito, merkst Du eigentlich nicht, dass Du uns gerade störst?“ Nun ja, ich habe durchaus Verständnis dafür, dass ein jeder mal einen miesen Tag haben kann, auch wenn ich mit der Dame aufgrund der Tatsache, dass sie mich bereits mehrere Mal in der Vergangenheit bedient hatte, in Anbetracht dieser mehr als lässigen Wortwahl nicht gerade ein Kumpel- ähnliches Verhältnis eingehen wollte! Nachdem ich meine Wahl getroffen hatte, steuerte ich die Kasse an, um meinen Einkauf zu bezahlen. Die Verkäuferin widmet sich wieder dem aufgrund meines offensichtlich recht störenden Besuches unterbrochenen Pläuschchens mit ihren Kolleginnen. Ich deponiere selbst die Ware auf den Tresen (Daran haben wir uns ja bereits im Supermarkt um die Ecke gewöhnt!) und lege das Geld dazu. Die Kassiererin tippt meine Einkauf in die Kasse, wirft mir lässig das restliche Wechselgeld auf den Tresen, knallt meine Einkaufstüte daneben und…. Ja, was denken Sie denn bitte???! Glauben Sie etwa ernsthaft, Sie hätten, nachdem Sie lediglich das bezahlt haben, was Sie auch gekauft haben, auch noch Anspruch auf ein „Danke!“ oder sogar ein „Beehren Sie uns bald wieder!“, bzw. gar ein fröhliches „Auf Wiedersehen!“ Weit gefehlt und wovon träumen Sie eigentlich nachts? Schließlich sind Sie lediglich zahlender Kunde in dem Geschäft und nicht die Oma mit dem ersehnten alljährlichen Osterei!

Knappe zehn Minuten später Laden Nummer 2: Eine stadtbekannte Esoterik- Buchhandlung mit absoluter Monopolstellung – hoher Eigenanspruch, bestens sortiertes Angebot, das ganze mit leisem, jedoch unüberhörbar meditativem indischem Hintergrund- Geluller in Patchouli- beduftetem Ambiente (Der Geruch haftet übrigens bei feuchter Witterung in den Klamotten wie schlechtes Benehmen, weshalb mein Hund nur unter Protest und vorzugsweise liegend zum Betreten dieses heiligen Aschrams zu bewegen ist!) und leise vor sich hin plätschernden Zimmerbrunnen! Ich steuere die nächstbeste freie Verkäuferin an; mein freundliches „Guten Tag!“ wird eher träge gelangweilt, unkommentiert und mit hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis genommen und lediglich mit einem leicht gedehnten „Jaaa?“ beantwortet. Okay, sicherlich auch einen miesen Tag erwischt, liegt vielleicht an dem Nieselregen und der eher kühlem Außentemperatur! An der Kasse erlebe ich anschließend ein Déja Vu: Hatte ich das nicht alles schon mal vor kurzen exakt identisch erlebt? Ware mit einem genervten Killerblick einpacken, Wechselgeld auf den Verkaufstresen schmeißen, Tüte daneben knallen und dann… Nichts, null, niente, garnichts! Kennen die sich irgendwie alle untereinander oder sollte das tatsächlich echte Seelenverwandtschaft sein?

Eine weitere Viertelstunde später Laden Nummer 3: Erneut eine bekannte Großbuchhandlung! Ich steuere sofort die Ausgabe für bestellte Bücher an, um meine reservierte Lektüre abzuholen. Ein junger Mann hinter der Theke sieht mich zwar, ignoriert jedoch kommentarlos mein „Guten Tag!“ und blättert hochkonzentriert und genüsslich in der ausliegenden Hochglanz- Hauspostille.  Nach endlosen 10 Minuten warten, gefühlte 100 Minuten, klappt er endlich seine interessante Lektüre zu und schlurft im betont lässigen Schleichgang zu mir. Ich nochmals vernehmlich „Guten Tag!“, er „Jaaa, was iss?“ – langsam beschleicht mich das Gefühl, ich müsste mich vor Äußerung meiner Kaufabsichten ob dieser offensichtlich mehr als unpassenden Störung beim Lesen seiner augenscheinlich äußerst interessanten Lektüre dringendst entschuldigen. Ich „Für mich wurden diverse Bücher reserviert, die ich gerne abholen würde!“, ein bereits leicht genervtes „Name?“ Ich: „Ich habe leider jetzt nicht alle Titel im Kopf, aber sie sind unter meiner Kundennummer für mich reserviert! Meine Kundennummer lautet …“,weiter kam ich leider nicht mehr. Der „freundliche“ Verkäufer schon mit leicht gereiztem und bedrohlichen Unterton  „Neee, Ihr Name ?“

Also habe ich bereitwillig dem Herrn meinen Namen genannt und dann erlebte ich nahezu identisch das gleiche Szenario wie in den zuvor besuchten Geschäften: Meine Bücher wurden vor mir auf den Tisch geworfen, eine gewisse Verachtung im Blick des Verkäufers konnte ich an dieser Stelle wirklich nicht mehr ignorieren, zahlen, Bücher in eine Tüte schmeißen und diese vor mir auf die Theke knallen, das war´s! Einzig die Frage, nachdem mir die Bücher ziemlich übellaunig auf den Tresen geworfen wurden „Noch mal reinsehen oder gleich kaufen?“ und die Ansage, nachdem ich ihm meine Kreditkarte zwecks Zahlung ausgehändigt und er mir das Lesegerät zugeschoben hatte, „Pin- Nummer!“ lockerten die weitgehendst unverbindliche Kommunikation dann doch etwas auf! Mein abschließendes „Tut mir wirklich sehr leid, dass ich Sie offensichtlich beim Lesen gestört habe!“ kommentierte der „freundliche“ Herr mit einem hörbaren tiefen Durchatmen und beherztem Griff nach links in Richtung Hauspostille, um sich erneut seiner unfreiwillig unterbrochenen Lektüre zu widmen. Okay, schenken wir uns auch hier ein „Danke!“, „Auf Wiedersehen!“ oder aber launiges „Tschüssikowski!“  – man kann sich schließlich so ziemlich an alles gewöhnen, auch an die Tatsache, dass das einzige was stört und offensichtlich endgültig den Tag versaut, der Kunde ist! 

Hier ein „Danke!“ oder gar eine Winzigkeit an mehr zu erwarten, käme wohl wirklich einer illusionären Hoffnung meinerseits und darüber hinaus persönlichen Zumutung für dieses Traum- Exemplar eines beseelten Verkäufers gleich. Man kann sich jetzt trefflich hinsichtlich der Tatsache streiten, inwieweit sich eine chronische Übellaunigkeit im Laufe einer längeren Karriere in den Abgründen des Verkaufs von selbst einstellt oder aber ob eine derartige Charakteristik Grundvoraussetzung für eine Einstellung als Verkäufer/in ist. Eines dürfte jedoch klar sein: Es scheint den Job irgendwie auf unerklärliche Art erträglicher zu machen und offensichtlich nachhaltig abzurunden, da sich sonst nicht ein Großteil des im Verkauf tätigen Personals diese Eigenschaft teilen würden!

An der Eingangstür des Geschäftes, inzwischen mit vollem Einkaufskorb und zwei Tüten beladen angekommen, versuchte ich mit einer nahezu akrobatischen Glanzleistung dieselbige zu öffnen. Im Verlauf dieser Aktion blieb ich mit meiner vollen Tüte Obst am Handgriff der Tür hängen, der Boden der Tüte zerriss und der gesamte Inhalt verteilte sich infolgedessen auf dem Boden und unter den Regalen des Eingangsbereiches. Während ich leicht hektisch bemüht war, meine kullernden Äpfel und Tomaten wieder einzusammeln, blieb mein Blick auf Bodenhöhe an einem Paar sauberen, blank gewienerten dunkelbraunen Herrenschuhen hängen. Vor mir stand ein älterer Herr, vielleicht Anfang Sechzig, in seinen Händen ein rundes halbes Dutzend meiner Äpfel und Tomaten. Er legte das Obst in meinen Einkaufskorb und half mir anschließend mit einem freundlichen Lächeln beim Aufstehen. Ich lächelte ihn ebenfalls an und sagte „Vielen Dank für Ihre Hilfe!“ In diesem Moment verschwand das freundliche Lächeln aus dem Gesicht des Unbekannten, er runzelte die Stirn, als ob er konzentriert nachdenken würde – ich schwör´s an dieser Stelle, ich hatte ihm ganz bestimmt nicht etwa ein unmoralisches Angebot unterbreitet – und meinte dann ganz ernst: „Mein Gott, wann habe ich das eigentlich das letzte Mal gehört?“ Ich fragte ihn, wie ich das verstehen müsse und er antwortete ganz ernst „Na ja, ich kann mich eigentlich nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt das Wort Danke gehört habe. Ist das nicht wirklich traurig?“

Obwohl zwischenzeitlich restlos bedient und auch nicht gerade, was sicherlich verständlich ist, mit bester Laune gesegnet, hielt ich auf meinem Nachhauseweg noch kurz bei einem Lebensmittelmarkt, um noch ganz schnell ein paar fehlende Kleinigkeiten für das geplante Abendessen einzukaufen. Vor mir an der Kasse stand ein kleiner Junge, vielleicht 7 oder 8 Jahre alt, der eine Tiefkühl- Pizza auf das Band gelegt hatte. Die Kassiererin zieht die Pizza über den Scanner und sagt „3,98 Euro bitte !“ Der Kleine fängt an umständlich in seinen Taschen zu wühlen und befördert nach fast endlosem Suchen, schon sichtlich nervös und leicht blass um die Nase € 3,50 aus den Tiefen seiner Jeans zutage. Die Kassiererin „Du, da musst Du schon noch etwas drauf legen, die Pizza kostet € 3,98!“  Der Kleine wühlt weiter vergeblich in den Tiefen seiner Hosentaschen und sagt schon leicht weinerlich zu der Kassiererin „Ich habe aber nur das, was ich da hingelegt habe!“ Die Kassiererin mit schon leicht angenervtem Tonfall „Tjaaa, dann muss die Pizza wohl heute hier bleiben!“ Da fängt der Kleine herzzerreißend an zu heulen „Ich hab´ aber so ´nen Hunger und meine Mama kommt erst um acht heim und ich hab´ jetzt nicht mehr Geld dabei!“

Angesichts dieses Szenarios gab es wohl kaum eine Frau in der Schlange hinter mir, die nicht das gleiche dachte wie ich „Los, Du dumme Nuß an der Kasse, gib dem Zwergi die Pizza, davon geht der Laden auch nicht gleich pleite!“ Angesichts des immer verzweifelter heulenden Kleinen, der sich zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr einkriegen konnte und einer mittlerweile mit einer fast schon hysterischen Tonlage gesegneten Kassiererin, hatte ich endgültig die Nase voll: Portemonnaie auf und 50 Cent auf´s Band geklatscht! Ich: „So, es reicht endgültig. Die Pizza gehört jetzt ihm!“ Die Tränen versiegten schlagartig und der Kleine sah mich mit großen Augen an. Die Kassiererin mit spitzem Fingerzeig auf den Kleinen „Ist das etwa Ihrer?“ Ich: „Für die nächsten 60 Sekunden ja und jetzt geben Sie ihm seine Pizza, wenn ich bitten darf!“ Der Kleine dreht sich freudestrahlend zu mir um, winkt mich ein Stück weit zu sich nach unten, gibt mir, die ersehnte Pizza triumphierend unter den Arm geklemmt, ein Küsschen auf die Wange und sagt doch glatt mit Killerblick in Richtung Kassiererin „Danke, Mami!“ Unglaublich, was dieses kleine Zwerglein mit diesem kurzen Wort ausgelöst hat: Meine Laune steigerte sich um hundert Punkte, die Kassiererin brachte sogar ein leichtes ansatzweises Lächeln über die Lippen, die Frauen in der Schlange hinter mir klatschten Beifall und sammelten noch ganz schnell € 2,– ein, denn ohne Cola schmeckt nun mal so eine Pizza nur halb so gut und irgendwie gehören Pizza und ´ne Cola zusammen!

Wieder zuhause angekommen, ließ ich die Erlebnisse des Nachmittags noch einmal Revue passieren: Richtig, der Mann in der Buchhandlung hatte definitiv Recht, wie traurig ist doch unsere Welt und unsere Gesellschaft geworden, dass das Wort „Danke!“ fast völlig im Vergessen verschwunden ist und sich kaum noch jemand daran erinnert, geschweige es denn ausspricht. Dabei tut ein freundliches, vielleicht noch mit einem kleinen Lächeln ausgesprochenes, „Danke!“ eigentlich so gut, es ist unverbindlich, zeigt jedoch Höflichkeit, Respekt und Achtung und tut auch weniger weh, als eventuelles Bohren beim nächsten Zahnarzttermin. Offensichtlich tun sich jedoch immer mehr Menschen immer öfter sehr schwer damit, anderen mit Respekt, Achtung, Höflichkeit und gutem Benehmen zu begegnen. Ich möchte nicht soweit gehen, hier von einer gestiegenen allgemeinen Verrohung unserer Gesellschaft zu sprechen, obwohl man diesen Gedanken ruhig in einem gesonderten Beitrag bei passender Gelegenheit aufgreifen sollte, sondern vielmehr mit kritischem Blick auf ganz alltägliche Begegnungen: Ich halte einer mit Mülltüte und Einkaufskorb beladenen Nachbarin die Türe auf – ein eventuelles „Danke!“ – wovon träumen Sie eigentlich nachts? Ich verschicke ein Präsent an eine langjährige gute Freundin, nachdem ich über zwei Wochen hinsichtlich des Erhalts noch immer nichts von ihr gehört habe, greife ich zum Hörer. Auf meine Frage, ob denn mein Päckchen angekommen sei, die Antwort „Jaaa, iss schon letzte Woche gekommen!“ – ein „Danke“? Nein, das wäre wirklich schon zuviel des guten, das Päckchen ist ja auch so angekommen! Ich verschicke immer wieder per Post und Mail Geburtstagsgrüße, Blumen oder Präsente an Menschen, die mir am Herzen liegen; in rund 60% der Fälle erhalte ich wenigstens noch eine Bestätigung bezüglich des Erhalts, lediglich ca. 40% halten es auch nur ansatzweise für nötig, sich auch noch dafür zu bedanken. Eine mehr als traurige Bilanz, jedoch auch die Bestätigung dafür, dass sich doch noch rund 40% der Empfänger an das berühmte Zauberwort und die unmissverständliche Aufforderung unserer Eltern und Großeltern erinnern.

Ein kleines Wort mit nur fünf Buchstaben, das jedoch eine immens große und unschätzbare Wirkung hat. Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt bedankt oder vielleicht dem Menschen, der immer für Sie da ist und Sie in jeder Lebenslage unterstützt, einfach nur gesagt „Danke, dass es Dich gibt und Du jetzt für mich da bist!“ Schon lange nicht mehr oder noch nie? Dann wird es aber langsam Zeit sich wieder daran zu erinnern: „Naaa, und wir heißt das Zauberwort?“ Aaah ja, richtig: „Danke!“

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis Ansavita

 

 

Game over!

„Das endgültige GAME OVER“

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Das Ende aller Ausreden!

Wie viele Argumente und Ausreden liefern Sie sich eigentlich noch immer täglich selbst, um Ihre bequeme und warmgekuschelte Komfortzone nicht verlassen und sich eingestehen zu müssen, dass Sie nicht in der gefühlten Champions League Ihres Lebens mitspielen, sondern eher auf der Reservebank der Kreisliga sitzen?

Fakt ist unbestritten: Sie wurden geboren, aber haben Sie sich auch wirklich für das wahre Leben mit allen sich bietenden Facetten, Chancen, Herausforderungen und Möglichkeiten entschieden? Haben Sie bereits vor sich selbst kapituliert und resigniert oder schwimmen Sie bereits bewusst gegen den Strom? Was hindert Sie daran, Ihre Visionen und Ziele sehr erfolgreich in die Tat umzusetzen und endlich Ihr Leben in seiner ganzen sich bietenden Vielfalt und Fülle zu (er-)leben? Welcher faulen Ausrede bedienen Sie sich eigentlich bevorzugt, um sich Ihre persönliche Kapitulation vor dem Leben selbst zu erklären, weiterhin zu rechtfertigen, zu relativieren und und vehement schönzureden?

Die Bezeichnung „Komfortzone“ hört sich zunächst einmal sehr nach Stabilität und Sicherheit, einem überaus luxuriösen und sorgenfreien Umfeld an. Was jedoch gerne übersehen wird: Auch eine selbstgewählte latente Opferhaltung und das eigens eingeredete angebliche Elend können zu einer gefühlten Komfortzone werden, einem Lebensbereich, den man kennt, der berechenbar und transparent erscheint, an den man sich gewöhnt hat, der zur Routine geworden ist und an dem man dauerhaft festhält. Die Problematik hierbei ist, dass die gefühlte und gelebte Komfortzone immer kleiner und enger wird; die Grenzen, in denen wir uns bewegen, unser Reich Leben immer weiter einschränken. Da wir in unserer selbstauferlegten Starre und aufgrund einer fehlenden übergeordneten Betrachtung uns das ganze noch immer als (Norm-)ale Entwicklung erklären, nehmen wir nahezu kritiklos diesen Zustand an und akzeptieren diesen ohne auch nur einen einzigen Schritt in Richtung Befreiung aus dieser Einzelhaft in unserem Seelengefängnis zu gehen.

Im Laufe vieler Jahre meiner Praxisarbeit gibt es wohl kaum eine kreative und phantasievolle Antwort auf die Frage „Was hindert Sie eigentlich daran, endlich ein glückliches, bewusstes, sinnliches, intensives und erfolgreiches Leben zu leben?“, die ich noch nicht von meinen ratsuchenden Klienten gehört habe. Ich musste dabei leider feststellen, dass gefühlte „Opfer“ in der Regel erheblich mehr Energie in ihre Erklärungsversuche, weshalb sie ihr Drama weiter pflegen und aufrechterhalten, legen, als in die Schilderung einer möglichen Vision eines sinnerfüllten und glücklichen Lebens. Geschafft haben es in die Nominierungen der Top- Ten- Liga der ultimativen Ausreden diese zehn Aussagen.

Mein persönlicher Top- Favorit der zündendsten Pseudo- Argumente: „Weil ich Steinbock, Löwe oder sonst was mit Aszendent XY, Sonne im vierzehnten Haus und einem ganz bedrohlichen Lilith- Aspekt und Mond und Saturn im geht-nicht-mehr habe, bin ich gezwungen, grundsätzlich immer auf Nummer sicher zu gehen und deshalb keinerlei Risiko einzugehen!“

Die Auflistung dessen, was man alles angeblich naturgegeben und schicksalhaft nicht kann oder können soll und wozu man angeblich nicht in der Lage ist, weil man ausgerechnet in diesem oder jenem Sternzeichen mit einem Aszendenten im was auch immer geboren wurde, ist hierbei unüberschaubar lang, wird auch entsprechend kreativ gestaltet und permanent auf alle erdenklichen Lebenslagen ausgeweitet. Untermauert und zementiert wird das ganze gerne mit Hilfe eines hauseigenen, zumeist hoch- ambitionierten Hobby- Astrologen, der in periodischen Abständen gerne mal um Rat gefragt wird und das ganze Elends- Szenario noch entsprechend befeuert, protegiert und bestätigt.  

Besonders gut kommt bei mir auch an: „In fünfzehn Jahren gehe ich ohnehin in Rente, das ziehe ich jetzt noch voll durch und dann fange ich erst einmal so richtig an zu leben, die Zeit kriege ich bis dahin auch irgendwie noch rum!“

Bedenkt man, dass zwischen der Geburt und dem eigenen Tod das liegt, was man gemeinhin Leben nennt, sollten Sie sich an dieser Stelle selbst eingestehen, dass Sie lediglich versuchen, die noch verbleibenden Jahre bis zu Ihrem unausweichlichen Lebensende irgendwie rumzukriegen, aber mit Sicherheit diese nicht intensiv und sinnerfüllt erleben! Aspiranten dieser Couleur rate ich immer besonders gerne zu dem Film „Das Beste kommt zum Schluß !“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson. In diesem Film treffen sich zwei an Krebs erkrankte Männer, die nur noch sechs Monate zu leben haben und die angesichts des eigenen Todes eine Bucket- List mit den wichtigsten Taten, Herausforderungen und Begegnungen erstellen, die sie unbedingt noch bis zu ihrem Tod erleben und vollenden wollen. Ein sehr zu Herzen gehender und aufrüttelnder Film, der uns die Endlichkeit unseres eigenen Lebens vor Augen führt, aber auch wie trivial, unachtsam und sorglos wir mit dem Thema Lebenszeit umgehen, als wäre unser Leben nie endend und beliebig verlängerbar.  

Ein für mich wirklich einleuchtendes und überzeugendes Argument: „Am 20.Dezember 2012 sollte ohnehin schon mal die Welt untergehen, das passiert irgendwann ganz bestimmt, und da lohnt sich doch jetzt kein Einsatz mehr!“

Und was haben Sie gemacht, als Sie am 21.Dezember 2012 morgens aufgewacht sind und die Welt sich wider Erwarten noch immer drehte? Bedenken Sie bitte bei Ihren Überlegungen, dass in immer wiederkehrenden periodischen Abfolgen auch in der Vergangenheit immer wieder mal ein drohender Weltuntergang vorausgesagt wurde. Und? Es ist absolut nichts passiert und uns gibt es noch immer! Wie also möchten Sie in Zukunft Ihr Leben gestalten und wie möchten Sie es erleben? Schaumgebremst und sehr verhalten mit dem Blick auf den nächsten drohenden Weltuntergang oder endlich frei, intensiv, glücklich und sehr sinnlich und sinnerfüllt?    

„Ich bin doch schon seit zwanzig Jahren in meiner miesen Beziehung, das lohnt doch nicht mehr jetzt noch einmal nach etwas anderem zu suchen, bei anderen Paaren sieht es auch nicht anders aus!“

Greift man täglich zu einem Hammer, um sich mit Genuss auf den Daumen zu schlagen, gewöhnt man sich auch irgendwann einmal an den einsetzenden Schmerz! Wen interessiert wirklich, ob andere täglich zum Hammer greifen; müssen Sie deshalb das gleiche tun? Geben Sie sich nicht mit dem zufrieden, was Sie bereits bestens kennen, sondern nur mit dem, was Sie wirklich glücklich und intensiv, leidenschaftlich und mit Hingabe leben möchten. Sie haben nicht Ihre am Nullpunkt dümpelnde Beziehung aufgegeben und akzeptiert, realisieren Sie bitte, Sie geben sich selbst damit auf und verraten Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse und damit sich selbst täglich aufs neue!  

„Ich habe nie in meinem Leben den richtigen Partner gefunden, der das nötige Kleingeld, das super- tolle, vollständig bezahlte große Haus und die Luxus- Karosse besitzt; seine Aufmerksamkeit ausschließlich in mich, selbstverständlich mit allen Exklusivrechten, tollen  Urlauben und dem Einkaräter zum ersten gemeinsamen Weihnachtsfest investiert, mich immerwährend auf Händen trägt und mir das Gefühl gibt, seine Göttin zu sein. Deshalb habe ich aufgegeben, überhaupt noch zu hoffen, den Richtigen finden!“

Sie sollten sich endlich eingestehen, dass Sie noch immer dem naiven Märchen von der Prinzessin auf der Erbse und damit einem völlig unrealistischen Traum hinterherlaufen! Glauben Sie wirklich, dass ein vorzeigbares Haus, ein Auto der Luxusklasse und tolle Urlaube in Edel- Refugien die Qualität einer glücklichen Beziehung ausmachen? Halten Sie weiterhin an diesem unerfüllbaren Traum fest, empfehle ich Ihnen im Gegenzug: Träumen Sie weiter alleine vom unerreichbaren Glück in Ihrem Leben in Ihrem einsamen Wolkenkuckucksheim oder fangen Sie alternativ endlich damit an, Ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen! Steigen Sie endlich und für immer aus der selbst geschaffenen Abhängigkeit aus, sich ausschließlich über materiellen Besitz zu definieren und der Unterordnung gegenüber einer Norm, was man angeblich alles, inklusive einem erfolgreichen und vorzeigbarem Mann und viel Blingbling am Ringfinger, besitzen muss, um sich selbst bestätigt, dazugehörig und wertgeschätzt zu fühlen. Verinnerlichen Sie bitte endgültig, dass ein glückliches, bewusstes und intensives Leben absolut nichts mit der Anhäufung von materiellem Besitz gemein hat und man dies alles auch für kein Geld dieser Erde käuflich erwerben kann. Lebensqualität und Intensität, Glück und Erfülltheit, Achtsamkeit und Zufriedenheit sind ein Geschenk des Lebens an uns. Der Preis dafür ist, sich von einigen Dingen endgültig zu verabschieden, die uns bisher keinen Meter weiter gebracht haben. Ein Abschied von zumeist selbst eingeredetem Mangeldenken, blankem Egoismus, Paradigmen, begrenzenden Verhaltensmustern, selbst auferlegten Glaubenssätzen und althergebrachten Strukturen.  

„Meine astrologische Konstellation in meinem Geburtshoroskop ist derart ungünstig, deshalb kann ich in diesem Leben gar kein Glück haben!“

Sie sollten sich darüber im klaren sein, dass Ihr ursprüngliches Geburtshoroskop niemals Ihr Leben bestimmt, sondern ausschließlich Sie selbst bestimmen welchen Weg Sie gehen möchten! Indem Sie sich in die Abhängigkeit von nicht beeinflussbaren Aspekten, wie einer imaginären astrologischen Konstellation begeben, haben Sie vor dem Abenteuer Leben bereits restlos kapituliert und sich die Verantwortung für Ihr Leben, Ihre ganz persönliche Macht, restlos abnehmen lassen. Wachen Sie endlich auf, werden Sie aktiv und vor allen Dingen, fangen Sie endlich an eigenverantwortlich zu leben! Sie wurden geboren, um zu leben und nicht um lebenslang auf den unausweichlichen Tod zu warten!  

„Ich habe solch ein mieses Karma aus einem meiner früheren Leben, das kriege ich in diesem Leben ohnehin nicht mehr los!“

Karma bedeutet immer eine Lernaufgabe und nicht etwa lebenslanger Fluch! Sie entscheiden immer und grundsätzlich selbst: Sind Sie endlich bereit zu lernen und Ihr Leben als Ihr größtes Abenteuer und Herausforderung zu sehen oder stehen Sie sich auch weiterhin mit Vorsatz und Ignoranz Ihrer Aufgabe, das Leben in seiner ganzen Fülle und seinem Reichtum zu erleben, mit beiden Füssen auf Ihrer (Lebens-)Bremse? Die Welt wartet auf nichts anderes als Ihre Antwort, setzen Sie endlich das Signal: Ich nehme mit Hingabe die Herausforderung an und ich will mein Leben sinnerfüllt und intensiv erleben !  

„Ich wünsche mir einfach, was ich haben will und mache dafür täglich 100 Affirmationen an das Universum, da wird sich irgendwann schon was ändern!“

Hier stellt sich für mich die ganz einfache Frage: Wann ist zum einen irgendwann und mal ganz ehrlich, haben Sie jemals jemandem die Hand schütteln dürfen, dem tatsächlich das vollumfänglich geliefert wurde, was er sich im kosmischen Supermarkt bestellt hat? Nein? Meine Gratulation, ich ebenfalls noch nicht! Und ganz ehrlich? Realisieren Sie bitte endgültig, dass es die Geschenke- Abwurfstelle des Universums nichts gibt und bisher noch nicht einmal eine Wunsch- Hotline nach oben geschaltet wurde. Wann hören Sie endlich damit auf noch an dieses naiv- kindliche Märchen zu glauben und daran eisern festzuhalten. Gestehen Sie sich möglichst heute noch ein, dass nichts, absolut nichts, in Ihrem Leben passieren wird, außer Sie werden selbst aktiv, bewegen Ihr Hinterteil und verlassen endlich Ihre gut geheizte und überaus bequeme Kuschelzone, die schon zu lange zum Seelenknast geworden ist !

„Bis jetzt ist alles immer nur schlechter geworden und wer weiß, was da noch kommt. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich (nicht) habe!“

Kein Problem: Mit diesem Mangeldenken gesegnet, sollten Sie sich jedoch bereits jetzt mit dem Gedanken anfreunden, auch noch das letzte bisschen, das Sie heute noch besitzen, zu verlieren! Sie sollten sich ganz schnell mit der Tatsache anfreunden, dass Sie immer genau das bekommen, mit was Sie sich am meisten mental beschäftigen: Mangel oder Fülle, Glück oder Drama, alles oder nichts, Sie haben die ganz große Auswahl und entscheiden! Lieber weiter mit Mundwinkeln, die tiefer hängen als die Unterkante Ihres Kiefers, durch´s Leben schleichen und sich weiter hinter Ausflüchten und Ausreden verstecken oder endlich aufrecht, hoch erhobenen Hauptes und mit Siegerlächeln im Gesicht machtvoll und eigenverantwortlich durch das Leben schreiten? Sie sollten sich endlich entscheiden! Sagen Sie endlich „JA!“ zum Leben oder weiterhin „NEIN!“ zur Herausforderung Ihr Leben in seiner Vielfalt zu erleben?

„Ich habe mich ohnehin schon daran gewöhnt, dass ich im Leben niemals Glück haben werde, das war schon bei meinen Eltern, Großeltern, Ur- Großeltern so, das habe ich halt geerbt!“

Zum einen gibt es keine genetische Disposition zum lebenslang gepachteten Unglück und Drama und haben Sie zum anderen schon einmal darüber nachgedacht, dass man ein angebotenes Erbe auch einfach ablehnen kann ohne dafür in der Hölle zu landen oder Minus- Punkte auf dem eigenen Karma- Konto anzusammeln? Gestehen Sie sich am besten heute noch ein, dass Sie sich und Ihre Lebensziele mit dieser ultimativen faulen Ausrede täglich und bereitwillig selbst verraten! Nicht Ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern bestimmen bis auf weiteres Ihr Leben, sondern Sie. Sie allein besitzen die Exklusivrechte an Ihrem Film „Leben“! Entscheiden Sie bitte endlich selbst, wie dieser heißen soll: „Vom Winde verweht!“ oder doch lieber „Grandioses und sinnliches Geschenk Leben!“

Ein mehr als auffälliges Kuriosum ist, dass sich nahezu alle Menschen, die täglich ihren ganz persönlichen „Bacillus Opferitis“ oder die abgrundtiefe und selbstgeschaffene Drama- Suhle pflegen, wie eine erstrebenswerte Eigenschaft, gerne in kollektiven Elends- Netzwerken und Opfer- Allianzen bewegen. Im Durchschnitt kennt ein jeder, der sein Opfer- Dasein derart hingebungsvoll düngt und weiterhin nährt, noch mindestens ein halbes Dutzend weitere Menschen, denen es mindestens ebenso schlecht geht, wenn nicht sogar schlimmer. Als Synergieeffekt dieses kollektiven Beweinens und Bejammerns des irdischen und angeblich schicksalhaften Daseins und der immerwährenden Benachteiligung, wird die eigene Trägheit und Bequemlichkeit schöngeredet, relativiert, schlussendlich als normal betrachtet und gemeinsam akribisch nach Beweisen für diesen Zustand gesucht. Im Hinblick auf das eigene Opfer- Dasein stellt man sich nicht mehr die zwingend notwendige Frage nach dem „Wie?“ auf der Spurensuche nach der ultimativen Lösung der Herausforderung, sondern sucht ausschließlich und grundsätzlich nur die Antwort nach dem „Warum?“ und vor allen Dingen „Wer?“. Ein selbst ernanntes Opfer sucht keinen Weg aus dem Dilemma, sondern vielmehr die Begründung und Rechtfertigung dafür, warum es Opfer geworden ist und wer dafür im außen verantwortlich gemacht werden könnte.

Man trifft sich oft und gerne mit ebenso bedauernswerten und bedürftigen Gleichgesinnten, tauscht sich unablässig aus, bejault und beklatscht mit Hingabe gegenseitig die Tatsache, wie sehr man doch vom Leben benachteiligt wurde und wie angeblich unverdient gut es doch nur den anderen gehe. Den farbenprächtigen Schilderungen des eigenen bedauernswerten Elends sind hier keinerlei Grenzen gesetzt, ganz im Gegenteil befeuern sich die zahlreichen Mitglieder dieser kollektiven Elends- Netzwerke im Zuge der Gruppendynamik gegenseitig und tragen damit maßgeblich zur Akzeptanz der angeblichen Gründe und vor allen Dingen, der Suche nach Schuldzuweisungen gegenüber in der Regel abwesenden Dritten, weshalb man ehemals gewählte Ziele und Visionen angeblich nicht erreichen konnte, bei. Fakt ist definitiv: Jaulen ist Kult und mittlerweile gesellschaftsfähig! Man betrauert kollektiv das gemeinsame Schicksal und akzeptiert ergeben das schier Unvermeidliche und Unausweichliche.

Was ebenfalls auffällt: Diese kollektiven Opfer- Allianzen scheinen einen hervorragend gedüngten Nährboden für jedwede Ergüsse und Kreationen des esoterischen Absurdistans und einen nahezu unerschütterlichen Glauben an die kosmische Spontan- und Wunderheilung, bzw. magische Wunscherfüllung des Universums zu bieten. In ihrer nahezu naiven Realitätsferne und einem kindlichen Wunschdenken erleben die Mitglieder dieser Drama- Netzwerke nicht mehr das Leben bewusst mit all seinen Facetten, Möglichkeiten und Herausforderungen, sondern warten hingegen bewegungslos und starr auf die freundliche Zauberfee, die ihnen ihre Wunschträume möglichst schnell und vollständig erfüllt und das ganze gerne über Nacht „all inclusive“ und passgenau auf dem güldenen Tablett serviert.

Durchforsten auch Sie noch immer jede Woche akribisch die Liste der Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt auf der Suche nach dem neuesten überaus erfolgversprechenden und hochgelobten Werk aus dem Bereich des „Wünsch Dir das Leben super- glücklich und rosarot!“, um sofort im Anschluss daran die Buchhandlung Ihrer Wahl zu stürmen? Wundervoll! Jeder Erfolgsautor dieses Genres wird Sie als Traumkunden und treuen Käufer seiner geistigen Ergüsse lieben und schätzen. Sie können jetzt bereits sicher sein, dass zumindest der Wunsch des Autoren mit dem reißenden Absatz seines Werkes, zu dem auch Sie maßgeblich in Ihrer Euphorie beigetragen haben, in Erfüllung gegangen ist.

Mal ganz ehrlich: Wie viele dieser Wunsch- Standard- Werke stehen bei Ihnen bereits zerlesen und mittlerweile recht eingestaubt im Regal? Glauben Sie tatsächlich noch immer an das wundersame Märchen, der kosmische Supermarkt des Universums warte nur darauf, seine Tore zu öffnen, um seine Gaben an Sie zu verteilen? Ist Ihnen jemals nach Lesen der Anleitung zum erfolgreichen Wünschen und anschließendem Praktizieren der empfohlenen 100 Affirmationen pro Tag die kosmische Fee erschienen, um Ihnen mit devot gesenktem Haupt die Erfüllung Ihres Herzenswunsches sogleich auf dem Silbertellerchen zu präsentieren? Wie? Sie warten noch immer vergeblich? Sie sollten an dieser Stelle weniger darüber nachdenken, ob Sie vielleicht doch einen Fehler hinsichtlich der Formulierung oder Absendung Ihres Herzenswunsches an den Supermarkt des Universums gemacht haben, sondern vielmehr darüber, dass Sie in Ihrem naiven Wunschdenken einer unreifen Illusion, bzw. einem gigantischen Selbstbetrug erlegen sind.

Leider muss ich Sie an dieser Stelle, auch wenn Sie das vielleicht bis jetzt trotz inzwischen eventuell leise aufkommender Zweifel nicht wahrhaben wollten, einer Ihrer vielleicht letzten Illusionen berauben: Zum einen existiert der kosmische Supermarkt des Universums definitiv nicht, der sehnlichst erwartete magische Liefer- Service wird auch nicht bei Ihnen klingeln und ob Sie täglich 100 oder aber 1.000 Affirmationen an das Universum schicken oder es besser gleich bleiben lassen, spielt ebenfalls keinerlei Rolle, denn die vielgepriesene magische Wunscherfüllung gibt es nicht und wird es auch niemals geben! Ein kleines Licht des Trostes, auf das Ihnen dieses auf dem Weg des Erwachens Licht spenden möge, sei Ihnen an dieser Stelle mitgegeben: Seien Sie jetzt bitte nicht traurig, das Geld, das Sie für diese Bücher ausgegeben haben, ist nicht wirklich verloren, das besitzt jetzt nur ein anderer!

Sie sind jetzt endlich aus Ihrem Dornröschen- Schlaf erwacht und wieder auf dem Boden der Realität angekommen? Wundervoll, dann haben Sie jetzt bereits den ersten und vielleicht schwersten, aber auch wichtigsten Schritt in Ihr befreites Leben und eine zukünftig sinnerfüllte Zukunft getan! Verabschieden Sie sich bitte endgültig von illusorischen Wunschträumen und kindlichem Glauben an Märchen, Rituale und Zauberformeln, die ohnehin nicht funktionieren, sondern Ihnen lediglich immer wieder aufs neue bestätigen, niemals Glück im Leben verdient zu haben. Hören Sie endlich damit auf, Ihr angeblich desaströses Geburtshoroskop und Ihr übles Erbe in Form eines miesen Karmas als Ausrede für Ihre eigene Trägheit und Bequemlichkeit verantwortlich zu machen. Verschwenden Sie nicht länger Ihr wertvolles Potenzial und Ihre ungeahnten Ressourcen damit, weiterhin Ihre Opfersuhle täglich neu zu pflegen, zu zementieren und Ihr bisher erreichtes eingeschränktes Limit als ultimative und höchstmögliche Königsklasse zu relativieren. Hören Sie endlich auf damit, sich selbst täglich neue Ausreden und Argumente dafür zu liefern, weshalb Sie nicht das Leben führen, das Sie gerne führen würden und nicht der Mensch sind, der Sie so gerne wären!

Der nächste Schritt zurück ins Leben: Wachen Sie endlich aus dem kollektiven und komatösen Tiefschlaf auf und fangen Sie damit an endgültig Formulierungen, wie z.B. „wenn …“ und „eigentlich …“ aus Ihrem Wortschatz zu streichen. Wenn nicht heute, wann dann? Eigentlich müsste man endlich damit beginnen richtig intensiv zu leben, anstatt nur zu funktionieren und sich weiterhin im Kriechgang durch das Leben zu bewegen und sich lediglich mit der gefühlten unteren Hälfte des Mittelmaßes zufrieden zu geben! Der gefasste Vorsatz klingt zunächst wirklich sehr gut und zukunftsträchtig, wenn … Tja, wenn da nicht das kleine Wörtchen „eigentlich“ wäre! Denn jetzt kommt die ultimative Frage nach dem „wann“! Wann wollen Sie Ihr persönliches Projekt „Leben“ endlich beginnen und voll durchstarten? Wann wollen Sie endlich damit beginnen das zu erleben, was Sie sich bis jetzt mit Vorsatz bewusst vorenthalten haben? Wann möchten Sie endlich so richtig durchstarten?

Wenn am 20.Dezember 2012 die Welt nicht untergeht, Sie endlich Ihre Wohnung renoviert haben, der Garten neu bepflanzt ist, Sie das Renteneintrittsalter erreicht haben, Sie irgendwann den richtigen Partner gefunden haben, die Kinder endlich das Elternhaus verlassen haben, es Ihrem Seelenleben und Ihrer Psyche endlich wieder besser geht oder wenn Sie bereits tot sind? Wann ist wann und was muss in Ihrem Leben entscheidendes passieren, damit Sie endlich aktiv werden und beginnen, Ihr Leben nach Ihren Vorstellungen, Ihren Zielen und Visionen und Ihrer Antwort auf der Suche nach dem Sinn Ihres Lebens selbst zu gestalten und vor allen Dingen zu leben? Bedenken Sie bitte: Nichts ist so gerecht verteilt auf dieser Welt wie die Zeit! Ein jeder Mensch besitzt immer nur 24 Stunden pro Tag dieses überaus kostbaren Gutes und lebt aktuell immer nur dieses eine Leben! Beschäftigen Sie sich ab sofort nicht mehr mit unwichtigem Ballast, der Sie nur weiterhin auf der Stelle treten und dabei ausbrennen lässt, sondern endlich mit dem, was wirklich wichtig und erstrebenswert ist: Mit Ihrem zukünftig sinnerfüllten und sinnlichen Projekt Leben!

Eventuell fällt Ihnen die Antwort auf die gestellte Frage hinsichtlich des „Wann?“ etwas leichter, wenn Sie sich darüber im klaren sind, dass Ihr Leben nicht ewig währt und es niemals den falschen Zeitpunkt gibt, das richtige zu tun. Liefern Sie sich selbst nicht mehr täglich faule Ausreden, um nicht endlich aktiv zu werden und weiterhin Ihre Lethargie und Bewegungslosigkeit zu pflegen. Hören Sie endlich auf damit, Menschen, die mit Vorsatz und bewusst weit unter ihrem Potenzial leben und anstatt zu agieren nur reagieren, als leuchtendes Beispiel auf den Opfer- Thron Ihres eigenen Versagens zu heben und sie weiterhin tatkräftig darin zu unterstützen, indem Sie gemeinsam mit ihnen ihr angeblich so bedürftiges Schicksal bejammern, beweinen und unablässig diskutieren, wer von Ihnen die schlechtesten Karten des Lebens gezogen hat. Lassen Sie sich nicht länger von der negativen, besserwisserischen und pessimistischen Haltung und Denkstruktur von selbsternannten Opfern beeinflussen und weiterhin einreden, das lebenslang gepachtete Elend sei leider schicksalhaft und dagegen können man definitiv nichts tun.

Ich rate Ihnen mit sofortiger Wirkung zur fristlosen Kündigung Ihrer Mitgliedschaft in Ihrem ganz persönlichen kollektiven Elends- Netzwerk. Die lange Mitgliedschaft war zwar bisher umsonst, könnte Sie jedoch den sehr kostbaren Sinn Ihres Lebens kosten! Ich kann Sie dahingehend beruhigen, dass Sie mit Sicherheit keinerlei Risiken oder Nebenwirkungen bei einem sofortigen Entzug befürchten müssen. Ganz im Gegenteil werden Sie in der Lage sein, unbeeinflusst und eigenverantwortlich aus dem gemeinschaftlichen Drama- Dasein auszusteigen und bisher begangene und ausgetretene Pfade zu verlassen, um endlich eine grundlegend positive Veränderung Ihres Bewusstseins in Richtung Transformation mit Blick auf das angestrebte Ziel „Ich und mein neues Leben!“ beginnen zu können. Sie können ganz beruhigt sein: Sie werden absolut nichts verlieren, nichts hergeben müssen und nichts vermissen, ganz im Gegenteil haben Sie die ganz große Chance auf den bisher lediglich erhofften Hauptgewinn. Das Los hierfür haben Sie bereits in der Tasche, greifen Sie endlich danach und holen Sie sich jetzt das ab, was Ihnen schon immer gehört: Ihr glückliches und sinnliches Leben!

Nichts und niemand kann Sie daran hindern, heute noch damit zu beginnen, Ihre persönlichen Träume und Visionen zu verwirklichen, mit einer Ausnahme: Sie selbst! Fangen Sie endlich an, Ihr Leben und Ihr Lebensglück selbst zu bestimmen und hören Sie nicht mehr auf die Menschen, die Ihnen täglich erzählen, Sie hätten doch schon alles erreicht, was wirklich glücklich macht. Was Sie persönlich unter Lebensglück, Lebensqualität und Intensität definieren, bestimmen ausschließlich Sie selbst und niemals Ihr Partner, nicht Ihr Chef, keinesfalls Ihr bester Freund und schon garnicht Ihr Nachbar! Diese essentiell wichtige Entscheidung treffen Sie täglich allein und in jeder Minute Ihres Lebens neu: Wie will ich leben, wer will ich sein, was ist der Sinn meines Lebens und was brauche ich, um ein sinnerfülltes und glückliches Leben zu führen! Schreiben Sie bitte nicht länger Ihre Hoffnungen, Träume und Visionen als unerfüllbare Illusion ab, sondern fangen Sie vielmehr damit an, sie zu leben, zu fühlen und geben Sie Ihrem Leben endlich einen einzigartigen Sinn und fühlbare Sinnlichkeit, Qualität und Intensität, Glück und Erfolg. Es stellt sich hierbei nicht die Frage, welches zukünftige Ziel Sie für sich gewählt haben, sondern vielmehr welcher Mensch Sie werden müssen, um das angestrebte Ziel auch tatsächlich zu erreichen.

Verinnerlichen Sie bitte: Nichts und niemand kann Sie daran hindern und Sie bremsen, das zu verwirklichen, was allein Sie unter ultimativem Lebensglück verstehen und definieren. Realisieren Sie bitte: Alles was Sie benötigen, besitzen Sie bereits; Sie waren bisher nur nicht in der Lage dieses Potenzial zu erkennen und dieses sinnvoll und zielgerichtet für sich selbst einzusetzen. Als Kompensation dieses Mangels haben Sie sich zumeist ausschließlich über das außen konkurrierend definiert, jedoch niemals Ihre ganz eigene Vision von Ihrem Leben gelebt. Die Definition, was Lebensglück und Sinn des Lebens bedeuten könnte, wird zumeist daran bemessen, was andere besitzen, verwirklichen und erleben. Ein folgenschwerer und fataler Fehler, da hierbei die gesamte Aufmerksamkeit und Fixierung für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse nur noch ins außen gerichtet und hierüber gewertet, jedoch nicht mehr auf das wesentliche, die eigene Definition eines Lebenszieles, ins innen gelenkt werden. Ein Wettbewerb mit der mühseligen Einzelanstrengung, unbedingt mithalten und womöglich sogar konkurrieren zu wollen, bei dem man angesichts der eigenen vermeintlichen Defizite und des gefühlten und erlebten angeblichen Mangels nur überaus schlecht abschneiden kann. Was dabei gerne übersehen wird: Durch die Anhäufung materiellen Besitzes wird oftmals lediglich eine öffentliche Zurschaustellung nicht gelebter und nicht umgesetzter guter Vorsätze signalisiert. Hier heißt es nicht etwa „Ich bin, was ich bin!“, sondern vielmehr „Ich bin, was ich besitze und zeige!“. Im Umkehrschluss bedeutet dies, wir bewerten uns selbst nicht mehr als tatsächlich wertvoll, sondern definieren uns selbst als bedürftig angesichts eines selbst eingeredeten, für uns jedoch im Vergleich mit dem außen, offensichtlichen und erkennbaren Mangels.

Betroffene angeblich Bedürftige beschäftigen und fokussieren sich nicht mehr auf das Erleben der tatsächlich vorhandenen Fülle und dem eigenen Reichtum, sondern nur noch mit einem imaginären Mangel nach dem Prinzip und verinnerlichten Glaubenssatz: „Warum haben andere immer alles und ich nichts?“. Kurioserweise wird die Definition „Alles haben!“ und „Reich sein!“ zumeist ausschließlich an materiellem Besitz festgemacht. Aus diesem Grund sollten wir an dieser Stelle zunächst einmal den Begriff „Reichtum“ genauer beleuchten. Fragen Sie einen Menschen, der sein halbes Leben in Armut auf der Strasse gelebt hat und völlig mittellos ist, was für ihn Reichtum bedeutet, wird er Ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach antworten: „Alles was mehr ist als nichts!“. Fragen Sie hingegen einen materiell und finanziell sehr gut gestellten Mitmenschen das gleiche, wird er Ihnen vielleicht die Antwort geben: „Wenn ich meine erste angesparte Million auf dem Kontoauszug sehen kann!“ Reichtum hat jedoch absolut nichts mit finanziellem  Sicherheitsdenken, dem Kontostand und versorgt sein zu tun, sondern vielmehr mit dem, was wir ganz persönlich als Fülle und Sinn des Lebens definieren. Reich ist ein Mensch, der anderen etwas von sich gibt und verschenkt: Verständnis, Sensibilität, Mitgefühl und Empathie, aber auch vielleicht auch Zeit, Aufmerksamkeit und Raum schenken für ein intensives Gespräch, für zwischenmenschlichen Austausch und für ein einander nah sein. Reichtum erwartet und fordert nichts, sondern gibt in der Fülle des eigenen gefühlten und erlebten Reichtums!

„Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, welcher viel gibt!“

(Erich Fromm (1900-80), amerikanischer Psychoanalytiker dt. Herkunft)

Reichtum bedeutet, ein Zeichen in die Welt zu setzen und Spuren in ihr zu hinterlassen; endlich das langjährige Herzensprojekt in Angriff zu nehmen und ein Buch mit Gedichten zu schreiben oder nach Jahren wieder zu beginnen, sich künstlerisch zu betätigen, zu malen und vielleicht mit Gleichgesinnten die erträumte Galerie zu eröffnen. Reichtum kann auch bedeuten, mit befreundeten Familien endlich das Mehrgenerationenhaus neuester ökologischer Technologie zu planen und entstehen zu lassen, von dem man schon immer gemeinsam geträumt hat. Reichtum bedeutet für manche Menschen auch, im eigenen Garten genau das komfortable Insekten- Hotel zu bauen, das schon so lange als Bauplan auf dem Reißbrett existiert hat und das jetzt endlich realisiert werden will. Reichtum bedeutet, die eigenen Lebensträume und -ziele zu erspüren, sich darüber klar zu werden, für was das eigene Herz wirklich brennt und Wege zu suchen, diese endlich nach langen Jahren zu realisieren und in die Welt zu tragen.

Da wir aufgrund einer fokussierten Zentrierung auf ein selbst konstruiertes Mangeldenken genau das anziehen, was im Prinzip für uns nicht erstrebenswert ist und ein exaktes inneres Bild davon in unserem Unterbewusstsein erschaffen, nämlich einem latenten gefühlten Mangel, wird sich nach und nach eine tatsächlich reale Bedürftigkeit in allen Bereichen nahezu selbständig in allen Lebensbereichen manifestieren. Das bedeutet schlussendlich, Sie werden auch das kleine bisschen realen Reichtum, das Sie noch besitzen, endgültig verlieren ausschließlich aufgrund der Tatsache und Überzeugung, dass Sie unerschütterlich und fest nicht nur an den Mangel glauben, sondern darüber hinaus Ihren Fokus und Ihre gesamte Aufmerksamkeit darauf gelegt haben, was Sie im Prinzip alles nicht mehr wollen und damit weiteren Mangel erschaffen und anziehen. Ein gutgedüngter Nährboden, um weiterhin unerschütterlich am Mangel festzuhalten und diesen weiter in seinem Wachstum zu nähren!

In dem erfolglosen Bestreben und vagen Hoffnung nach einer grundlegend positiven Veränderung ohne hierbei jedoch die Bereitschaft zu eigenen Aktivität zu entwickeln, beherrschen die Betroffenen nicht mehr Ihr Leben, sondern kontrollieren und verwalten nur noch den erschaffenen Mangel und vergrößern hiermit das, was sie nicht mehr wollen und was sie dauerhaft daran hindert den entscheidenden Schritt zu wagen. Die Angst noch mehr zu verlieren und aufzugeben als bereits geschehen, verhindert somit aktiv jeden Handlungsspielraum. Ausschließlich das endgültige Loslassen des Mangeldenkens und der eigenen Bedürftigkeit, dem Ausstieg aus dem selbstgewählten Opfer- Dasein, gibt Raum für neues, erfüllendes und unerwartetes. Opfer sind kaum noch in der Lage sich vorzustellen und zu visualisieren, dass auf sie noch etwas anderes wartet, als sie bereits bisher kennen gelernt und gelebt haben: Das eigentliche Leben! Geben wir hier jedoch die selbstgewählte Kontrolle und das Festhalten am Drama ab, werden auch wir nicht mehr vom Mangel festgehalten. Ergo: Alles was und woran wir festhalten, hält uns ebenfalls dauerhaft fest und wir gehen hiermit in eine aktive Verhinderung, anstatt dieses Potenzial für eine aktive und grundlegende Veränderung und Transformation zu nutzen!

Für betroffene Menschen, die verinnerlichten Glaubenssätzen unterliegen und diese zu ihrer ganz eigenen Philosophie, nahezu einer Religion, gemacht haben, sprengen diese Endlosspirale nur durch einen radikal veränderten Blickwinkel auf sich selbst und die tatsächlichen Gegebenheiten, nämlich die Ursachen und Gründe für die Tatsache, dass sie ihr Leben nicht mehr eigenverantwortlich, sinnlich und selbstbestimmt leben, sondern sich vom Leben, den Umständen und dem selbsterschaffenen Mangeldenken erleben lassen. Selbst erstrebenswert erscheinende Ziele und Visionen können aufgrund der eigenen Verstrickung in einer dauerhaften Opferrolle nicht mehr uneingeschränkt positiv formuliert werden. Anstatt „Ich will eine emotional erfüllte und glückliche Partnerschaft erleben!“ oder „Ich will in Fülle und Reichtum leben!“, erfährt auch diese zunächst positive Absichtserklärung eine äußerst negative und destruktive Ausrichtung in Richtung „Ich will weg vom Alleinsein!“ oder „Ich will keinen Mangel mehr in meinem Leben!“ oder aber auch gerne „Ich will nie mehr kämpfen!“. Eine grundlegend positive Wandlung wird nur möglich sein, wenn Sie endgültig und für immer damit aufhören sich unablässig mit den Fragen zu beschäftigen, was Sie zukünftig alles nicht mehr wollen, sondern sich vielmehr die Antworten auf die Fragen geben, was Sie tatsächlich leben und erleben möchten. Ein radikaler und endgültiger Abschied für immer vom bisher negativen „Weg wollen von …!“ und hin zu einem zukünftig positiven „Ich will … !“

„Wer sich dauerhaft einer Visualisierung des schier Unmöglichen

verweigert, wird niemals auch nur das ihm Mögliche erreichen!“

Es genügt nicht, lediglich eventuell mögliche erstrebenswerte Ziele vor Augen zu haben. Nur die multidimensionale Betrachtung aus einer neuen Perspektive und die klare Definition einer Vision, bzw. eines Zieles gibt einer tatsächlich auch möglichen Realisierung den dafür notwendigen Raum. Nutzen Sie ihr zur Verfügung stehendes inneres Potenzial, indem Sie sich sofort von allen vagen und schwammigen Aussagen mit Blick auf die Hintertüre zum Tiefkeller der eigenen Ausflüchte und Ausreden in Form von „eigentlich-“, „vielleicht-“ und „eventuell- Sätzen“, sowie ein Leben im Konjunktiv mit halbgaren und vagen Aussagen wie „Ich sollte, ich müsste und ich könnte …!“ für immer verabschieden und diese durch eine deutliche, kraftvolle, radikale und überaus klare Absichtserklärung ersetzen: „Ich will, ich werde und ich darf!“

 

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Das Brett vor dem Kopf mit Ansage!

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In der Nacht von Samstag auf Sonntag war es wieder einmal soweit: Die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit! Wie üblich eine Stunde, 60 Minuten oder 3.600 Sekunden – eigentlich lächerlich geringfügig und doch gefühlt für mich ein echtes Schwergewicht.

Auch wenn ich ZEITlos lebe, keine Uhr besitze, seit Jahren keine Geburtstage feiere und mein Alter für mich persönlich völlig irrelevant ist; ich weder darüber nachdenke, was wir für einen Wochentag haben und keinerlei Zeitgefühl mehr besitze und ich das ganze reduziert habe auf die Maxime „Wenn es hell ist, ist es Tag und wenn es dunkel ist, ist es Nacht!“, ist diese eine Stunde Zeitverschiebung für mich für mindestens vier Wochen die absolute Hölle.

Vier Wochen Privat- Hölle bedeuten für mich: Ich werde morgens nicht munter und nachts nicht müde; meine Konzentration sinkt auf den mit meinen persönlichen Ansprüchen äußerst unverträglichen und inkompatiblen Nullpunkt; meine Aktivitäten dümpeln nur noch vor sich hin und ich bin schlicht und einfach komplett lahmgelegt als ob mir jemand den Fuß auf die Leitung gestellt hat. Ich habe Kopfschmerzen, mein Kreislauf ist im kleinen Fußzeh zu finden und mir ist morgens speiübel – und nein, ich bin nicht schwanger!

Sonst eine echte Frohnatur, lerne ich meine eigene schlechte Laune bestens kennen und das völlig grundlos. Morgens bereits schon bestens drauf, darf mich für die nächsten vier Wochen möglichst niemand für die ersten zwei Stunden ansprechen, da ich sonst den Killerblick bekomme, was meine ohnehin schon schlechte Laune nur noch weiter befeuert und sich nicht gerade förderlich auswirkt. Ich brauche täglich ein sehr ausgedehntes Mittagsschläfchen, ohne das garnichts mehr geht; ich schlage für die nächsten Tage die Zeit eher tot, als dass ich sie sinnvoll fülle und – besonders auffällig – ich laufe die nächsten drei Tage nicht, ich schlurfe! Ansonsten sehr auf ausgewähltes Soul- Food, Essen ist für mich Seelen- Nahrung, bedacht, esse ich in den nächsten Tagen alles das, was ich persönlich lediglich als Überlebens- Fraß bezeichne. Also definitiv mehr Food, als Soul …

Die Wissenschaft hat schon vor Jahren festgestellt, dass die Zeitumstellung Gift für Körper, Geist und Seele ist, und zwischenzeitlich wurde auch realisiert, dass wir nicht etwa Energie sparen, sondern  hierdurch ganz im Gegenteil mehr Energie verbrauchen. Was jedoch eine Stunde plus/minus tatsächlich mit der inneren Uhr und dem ganz eigenen Biorhythmus veranstalten kann, erlebe ich jedesmal auf´s neue. Und beim nächsten Mal? Bleibe ich persönlich ganz einfach bei der MEZ und tue einfach so, als ob es weder eine Winter-, noch eine Sommerzeit gibt! … und bitte, was ist schon Zeit?

 

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“