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Erinnerungen und mehr …

„Berührbare Erinnerungen!“ 

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Wenn Gefühle und Emotionen zu Materie werden …

Wie anlässlich des Endes eines jeden Jahres fragen wir uns: „Wo ist nur die Zeit geblieben?“ und „Was war es definitiv wert, sich daran noch einmal zu erinnern?“. Blicken wir dann zurück auf das zu Ende gehende Jahr, ziehen wir dabei zumeist das Resümee, wie furchtbar schlimm, beschwerlich, mit Hürden gepflastert, nervenaufreibend, stressig, hektisch und negativ die vergangenen 365 Tage doch wieder einmal waren. In Erinnerung bleibt in der Regel lediglich das, was es nicht mehr wert ist, sich noch einmal daran zu erinnern, vielleicht auch zu reflektieren, noch einmal in Emotionen hinein zu spüren oder etwas aufzugreifen, um es eventuell noch einmal aus einem neuen Blickwinkel zu beleuchten. Einen ganz negativen und fast bitteren Beigeschmack hat für mich dann, zumeist zum Jahresausklang, der Abschluss- Satz: „Na ja, bald haben wir es ja endlich geschafft!“ Was bitte „geschafft“? Arbeiten Sie etwa an 365 Tagen im Jahr im Steinbruch oder ziehen Sie jeden Tag 24 Stunden lang eine schwere Stahlkugel am Fuß hinter sich her? Gibt es in insgesamt 365 Tagen wirklich nichts, woran Sie sich gerne zurückerinnern und sich noch einmal von erlebten Emotionen berühren lassen möchten? Dann war es wirklich für Sie ein verschwendetes Jahr über das man besser nicht mehr nachdenken sollte!

Was wir bei allem Gejammer völlig vergessen, sind all die wunderbaren kleinen und großen Momente, die unsere Seele berührt und unsere innere Sonne zum Strahlen gebracht haben. All die kleinen Erfolge, gemeisterten Lernaufgaben und Herausforderungen, denkwürdigen Ereignisse und berührenden, wertvollen Begegnungen geraten dabei nur allzu leicht in der großen Holzkiste des Vergessens und werden dabei leider völlig entwertet. Das kommende Jahr sollten wir bereits zu Beginn nutzen, positive Erinnerungen zu sammeln und bis zum Jahresende aufzubewahren, um sie noch einmal ganz intensiv und bewusst Revue passieren zu lassen, diese Momente intensiv zu genießen und uns noch einmal selbst zu zeigen, dass es auch ganz viel bemerkenswertes, erinnerungswürdiges und einfach nur schönes gab. Allein unsere intensive und bewusste Rückbesinnung auf diese Augenblicke und unsere Erinnerungen daran zeigt uns, wie selbstverständlich wir bisher in der Vergangenheit oftmals schönes und betrachtenswertes, berührendes und spielerisches, komisches und freudiges, aber auch tiefgehendes und denkwürdiges achtlos und flüchtig haben an uns vorbeiziehen lassen. Gedankenfreie Ablenkung vom wesentlichen und essentiellen, dafür hin zu Ablenkung, Brot und Spiele!

Schade, denn gerade die kleinen und manchmal auch so banalen, kleinen und trivialen Momente bereichern unser Leben so sehr  und lassen auch dann in unserem Herzen die Sonne scheinen, wenn es einmal regnet, schneit und stürmt. Erinnerungen sind wie ein wärmendes und flackerndes Kaminfeuer, das uns freundlich empfängt, wenn wir nachhause kommen und uns Licht schenkt, wenn die Nacht wieder einmal sehr dunkel, einsam und sternenlos erscheint. Um uns noch einmal dieser grandiosen und bemerkenswerten Augenblicke, all die lichten Momente, aber auch eigener großer und kleinerer Erfolge und erbrachter Leistungen bewusst zu werden und uns intensiv an sie zu erinnern, noch einmal in unsere Emotionen hinein zu spüren, rate ich Ihnen zum kommenden Jahresende mit weisem Vorausblick auf das kommende Jahr 2016 zu folgendem.

Kaufen Sie sich ein schönes großes Glas mit Deckel, das Sie zu Ihrem ganz persönlichen Schatzkästlein werden lassen. Schreiben Sie jedes Mal das, was Sie tief emotional berührt, Sie besonders glücklich gemacht oder inspiriert hat, auf einen kleinen Zettel. Falten Sie diesen Zettel und legen Sie ihn sorgsam in das Deckelglas. Sammeln und konservieren Sie auf diese Weise all Ihre besonders schönen und positiven Erinnerungen in Form der beschriebenen Zettelchen in diesem Glas. Zum Ende des Jahres 2016, sinnigerweise vielleicht genau an dem Tag der Jahreswende, leeren Sie ganz in Ruhe und ungestört das nun sicherlich schon bis obenhin volle Glas und nehmen noch einmal jedes Zettelchen in Ihre Hand, entfalten Sie es und lesen und genießen Sie noch einmal all das, was das Jahr 2016 für Sie so bemerkenswert, schön, intensiv, bewusst und einfach nur wunderbar und enzigartig gemacht hat. Sie werden dabei feststellen: Es war wirklich kein einfaches Jahr, wir sind extrem gefordert worden und mit Sicherheit ausnahmslos alle über unsere Grenzen gegangen, aber es war auch wieder ein Jahr voller wunderbarer Momente, intensiver Ereignisse und unerwarteter Begegnungen, die es definitiv wert sind, sie in bester und nachhaltiger Erinnerung zu behalten!

An was ich mich zum Ende dieses Jahres erinnern möchte? Zum Beispiel an all die Menschen, die mir in 365 Tagen auf meinem Weg begegnet sind. Manche sehr laut und ungestüm, andere hingegen sehr leise, fast unbemerkt und doch deutlich in ihrer Präsenz und Intensität wahrnehmbar. Ich möchte mich an all die Momente erinnern, die mein Leben so sehr bereichert haben, und es freundlich, sonnig, staunend und interessant gemacht, aber die mich manches Mal auch traurig, erschüttert und zuweilen auch nachhaltig berührt haben. Jedes Lebewesen, ob groß oder manches Mal auch ganz klein und unscheinbar, und jeder einzelne Moment, der mein Leben einzigartig, achtsam und bemerkenswert gemacht hat, jeder Augenblick und jede Begegnung ist es wert, sich bewusst daran zu erinnern und dafür aus tiefstem Herzen „Danke, dass Du mir begegnet bist!“ zu sagen!

 

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

 

 

 

Gelassenheit finden!

„Gelassenheit finden im es einfach sein lassen!“

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Manches Mal sind es eben nur die kleinen Dinge, die uns den richtigen Weg zeigen!

 

Ich hoffe doch sehr, dass es bei Ihnen neben dem alljährlich pünktlich mit spätestens dem ersten Advent startendem vorweihnachtlichem und mit viel Schwere überfrachtetem „Ich muss noch dringend …!“, auch noch genügend Raum für ein entspanntes, leichtes und sehr positiv gestimmtes „Ich darf jetzt endlich …!“ und „Ich will …!“  gibt.

Ich kenne unglaublich viele Menschen, die sich mittlerweile, irgendwie steht gerade die Vorweihnachtszeit und insbesondere der Monat Dezember aus mir völlig unbekannten Gründen als Synonym für enorme Hektik und Stress, radikal und konsequent gegen ein „müssen“ und für ein entspanntes „dürfen“ entschieden haben. Der Fokus liegt dabei nicht mehr starr zentriert und ausgerichtet auf das Ziel, sondern vielmehr, verbunden mit weitgehendst planloser Spontanität, purer Sinnlichkeit und bewusstem Genuss auf allen Ebenen, auf dem Weg zum Ziel: Das Glück in der Einfachheit, in der Langsamkeit und vor allem den kleinen Dingen bewusst erleben! 

Nicht mehr die unüberhörbar tickende Uhr fest im gehetzten Blick, sondern dafür die wertvolle Ressource Zeit bewusst genießend. Kein „Ich komme in spätestens zwei Stunden zurück!“, sondern ein entspanntes „Ich bin dann mal weg!“. Rückkehr wann bitte? Man wird sehen, aber auf jeden Fall immer open end

Ein störungsfreies und entspannendes Mittagsschläfchen? Ja, unbedingt und so oft wie möglich! Wie lange? Schaun wir mal, wann wir ausgeruht und dann wieder wach sind … 

Sie essen bereits Ihr ganzes Leben lang abends um 19.00h und das nur, weil es schon immer so war? Nein, ab heute wird gegessen, wenn wir Hunger oder zumindest Appetit haben, und das bestimmen mit Sicherheit nicht die tickende Uhr und irgendwelche uralten traditionellen Gewohnheiten in memoriam!

Sie liegen äußerst bequem auf der gemütlichen Couch, genießen die Stille und lesen ein sehr inspirierendes und interessantes Buch. Im Hintergrund klingelt zum wiederholten Mal ziemlich laut das Telefon. Okay, Ihre Eltern haben Ihnen irgendwann einmal beigebracht, ist man zuhause, muss man auch ans Telefon gehen wenn es läutet. Das habe auch ich selbst irgendwann einmal so in etwa gelernt! Sie haben überhaupt keine Lust sich von der Couch zu erheben oder auch nur nach dem Telefon zu greifen, um sich irgendwelchen völlig sinnentleerten und somit absolut entbehrlichen Gesprächen chronisch Gelangweilter, die bereits zu Beginn zu 100% unter pure Zeitverschwendung verbucht werden können, hinzugeben? Dann lassen Sie es doch einfach sein und bleiben Sie gelassen und tiefenentspannt auf der Couch liegen! Irgendwann einmal legt sich so ziemlich jedes hartnäckige Klingeln und dafür gibt es schließlich schon recht lange die Vorzüge eines Anrufbeantworters oder einer Voice- Box! 

So ziemlich ausnahmslos jeder, der Ihnen mit Beginn der Vorweihnachtszeit über den Weg läuft, hat selbstverständlich schon seinen Weihnachtsbaum gesichert und den passenden Christbaum- Schmuck dafür aus dem Keller in die Wohnung geschleppt; die Lichterketten vom Vorjahr entwirrt; die Aufbewahrungsdosen für das Selbstgebackene griffbereit nebst umfangreichen Zutaten für die geplanten Weihnachts- Plätzchen in der Küche stehen und garantiert frühzeitig auch ausnahmslos alle Geschenke eingekauft? Fast jeder hat selbstredend dieses Mal die Weihnachts- Präsente für die ganze Familie und alle Freunde und Bekannten ganz besonders aufwendig und hingebungsvoll eingepackt und als kleines Extra obendrauf jetzt schon mal vorsorglich alle Weihnachtskarten geschrieben und vorfrankiert? Absolut keine Lust dazu? Dann lassen Sie es doch einfach bleiben! Sind Sie etwa jeder und unterwerfen Sie sich grundsätzlich jedem nur erdenklichen Gruppendruck nur weil das alle anderen so handhaben?

Jeder weiß schon jetzt bei wem er wann und wie die Feiertage verbringen wird; was aller Wahrscheinlichkeit nach an Heiligabend wie in jedem Jahr gegessen wird; was an diesem Abend, wie all die Jahre zuvor auch, für eine Weihnachtsmusik gespielt wird; wann an wen die Geschenke überreicht werden und prognostisch, was man von wem aller Voraussicht nach wieder mal ganz grauenhaftes und völlig sinnloses geschenkt bekommt? Sie möchten sich in diesem Jahr so garnicht festlegen, und das weder was kommende Einladungen und Pflicht- Besuche anbelangt, noch was Sie wann essen möchten? Dann lassen Sie es doch einfach bleiben!

Selbst wenn wir den schlimmsten anzunehmenden Fall in Betracht ziehen und Sie an Heiligabend mangels Ambitionen und fehlender Muse eine Pizza aus der Tiefkühltruhe ziehen, um sie anschließend in den Backofen zu schieben, wird Ihnen dabei kaum jemand kritisch über die Schulter sehen, und Ihnen mahnend zuraunen „Nein, nein, nein, das tut man nicht! Schließlich ist heute doch Weihnachten!“ und Sie dafür anschließend in der Hölle landen. Wenn Sie Appetit auf eine Pizza haben, kann so etwas auch an Heiligabend richtig toll schmecken und mit einem gedeckten Tisch, Besteck und Kerzen beachtlich und sehr festlich zelebriert werden! Also was soll´s?

Wer sagt Ihnen eigentlich in diesem, wie in jedem Jahr zuvor, dass Sie sich im Weihnachts- Getümmel stundenlang entnervt durch die Geschäfte quälen müssen, um auch noch die allerletzte Gans oder Ente zu ergattern? Sie danach gefühlt eine halbe Ewigkeit in der Küche stehen, um das ganze auch noch in einigermaßen genießbare Form zu bringen; den Tisch festlich für die aufmarschierende gesamte Verwandtschaft in zumeist Fussballteam- Stärke, die sich zumeist mit den Worten „In diesem Jahr bist Du dran! (Aaaah ja und wer sagt das?!!!) selbst einlädt, decken müssen und schon vor dem Gelage frustriert daran denken, dass Sie das ganze plus einem völlig eingesifften Schlachtfeld Küche anschließend alleine spülen, putzen und aufräumen müssen. Eventuell zu erwartende Hilfe? Nein, wo denken Sie denn hin! Schließlich hatten Sie sich Gäste eingeladen und keine dienstbaren Geister, und im übrigen soll man ja bekanntlich gehen, wenn´s am schönsten ist. Fazit: Taktisch und strategisch klug verschwinden die meisten Gäste also grundsätzlich vor dem Abräumen, Spülen und der dann notwendigen Grundreinigung der Küche! Keine Lust dazu und Sie sind schon bei dem Gedanken daran mehr als restlos bedient? Dann lassen Sie es doch einfach in diesem Jahr!

Wer sagt Ihnen eigentlich, dass Sie sich das alles antun MÜSSEN, hingegen definitiv niemand nach dem tatsächlich WOLLEN fragt? Richtig, allein Sie selbst und sonst absolut niemand! Wer redet Ihnen auch in diesem Jahr, machen Sie den ganzen Weihnachts- Budenzauber dieses Mal nicht mit, das anschließend schlechte Gewissen ein und lässt Sie in den nächsten drei Monaten bei der gesamten Verwandtschaft mental kniend Abbitte leisten? Richtig, niemand außer Sie selbst! Keine Lust dazu? Dann lassen Sie es doch einfach und pfeifen Sie drauf!

Mein ultimativer Ratschlag für dieses Jahr: So weit wie möglich raus aus den selbstauferlegten VerPFLICHTungs- Fallen, und hinein in ein bewusstes, entspanntes, genussvolles und selbstbestimmtes sich treiben lassen! Werden Sie zum für andere völlig unberechenbaren, selbstbestimmten und unplanbaren Individualisten, der sich nur nach einem orientiert: An einem ich WILL und ich DARF, jedoch keinesfalls einem selbstauferlegten oder gar fremdbestimmten „Du musst …!“! 

Fangen Sie endlich damit an, und das am besten heute noch, auch die kleinen Highlights, spontanen Überraschungen und sinnlichen Momente in ungehemmter Freiheit zu genießen. So wie es Ihnen gefällt und so wie Sie es für richtig erachten, und nicht wie andere oder gar Sie selbst Ihnen das verordnen und auferlegen. Ohne jegliches schlechte Gewissen, ohne Erklärungsversuche und Entschuldigungen und ohne Ausreden und Relativierungen: Gelassenheit finden im es einfach gut sein lassen! … und was sich für Sie gut anfühlt oder Ihnen tatsächlich ganz besonders gut tut, bestimmen allein und exklusiv Sie selbst!

Herzlichst und Ihnen allen eine wunderbare, genussvolle und entspannte Adventszeit

Jutta Lotz- Hentschel

 

Gute Vorsätze!

„Und alle Jahre wieder ein neuer Versuch!“

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Habe ich etwas verpasst oder ist denn schon Silvester?

So wie bereits mittlerweile Ende Mai eines jeden Jahres der Sommerschlussverkauf beginnt, wir im Hochsommer Ski- Stiefel kaufen können und pünktlich ab Ende August Dominosteine und Lebkuchen erhältlich sind, beginnt in diesem Jahr offensichtlich ein weiteres Phänomen extrem früh: Die Überlegungen hinsichtlich der möglichen Auswahl eventuell guter Vorsätze für das kommende Jahr! Inwieweit diese Vorhaben, die zumeist immer recht vollmundig, umso mehr Publikum und Zuhörer, umso besser und offensichtlich auch gefühlt glaubhafter für den eigenen Kampfgeist, angekündigt werden, dann auch tatsächlich realisiert werden, spielt dabei zunächst keine übergeordnete Rolle. Hauptsache ein guter Vorsatz zum Jahreswechsel und das ganze bitte mit viel Getöse und noch mehr Überzeugungskraft in die launige Runde geworfen!

Weshalb überhaupt gute Vorsätze zum Jahreswechsel, wie auch kollektiv verordnet fröhlich und lustig sein müssen, nur weil der Kalender als Datum in jedem Jahr den 11.November und die Uhr 11.11h anzeigt und eine echte Spaß- Bremse, der da nicht begeistert mitmacht? Warum eigentlich in jedem Jahr das gleiche Geblubber mit genau denselben Absichts- Beteuerungen um exakt die gleichen Themen, von denen man zumeist bereits im voraus genau weiß, dass man das ganze spätestens vierzehn Tage nach Jahresbeginn unisono in die Tonne getreten und aufgrund eigenem Unwillen oder völliger Undurchführbarkeit beerdigt hat?

Tja, weil es sich irgendwie gegenüber anderen, die sich sowieso noch nie an ihre guten Neujahres- Vorsätze gehalten haben, erst einmal genial gut und heldenhaft anhört und vor allen Dingen zunächst so kinderleicht und easy peasy anfühlt! Träume sind nach Auffassung von Sigmund Freud Schäume und sieht das mit Worten aus? Oder heißt es da nicht doch eher: Was gebe ich schon auf mein Gequatsche von vorgestern oder letzte Woche, respektive dem Silvester- Abend so kurz vor Mitternacht!

Aus solch einer Diskussion kann man dann schon mal aufgrund der dann noch vorhandenen eigenen Überzeugung und vollmundiger Absichts- Bekundungen gefühlt als echter Held hervorgehen. Die Außenwirkung wird zumeist ebenfalls in der eigenen anfänglichen Begeisterung und Euphorie überidealisiert und fast ähnlich einer Nominierung auf dem Weg zum Oscar für die Rolle des besten Hauptdarstellers wahrgenommen. Tja, wenn man´s denn wirklich komplett durchzieht und vor allen Dingen auch dabei bleibt … Zumeist fatal unterschätzt wird hierbei die enorme Fallhöhe des fast vorausberechenbaren Scheiterns!

Ich denke, so ausnahmslos jeder – nun ja, wir laufen nun mal nicht über´s Wasser und müssen uns auch nicht bücken, um morgens nicht mit dem Heiligenschein und den Engels- Flügelchen am Türrahmen hängen zu bleiben – kennt das alljährliche Spielchen. Am letzten Tag des Jahres noch hoch- motiviert und zu wirklich großen Heldentaten wild entschlossen, wird dann die vermeintlich letzte Zigarette unter dem mitleidigen Blick aller anderen anwesenden Raucher im Aschenbecher mit den Worten „Das war meine letzte Kippe, ich schwör´s; ab jetzt ist endgültig Schluss mit der Quarzerei und das lebenslang!“ ausgedrückt. Ein steiles Statement und eine todesmutige Absichtserklärung, bei dem jedem gestandenen Genuss- Qualmer die gerade angezündete Zigarette wieder ausgeht, zumal fast jeder Raucher zumeist bereits eine beachtliche „Das war meine letzte Fluppe- Karriere“ hinter sich hat und daher weiß, dass das Vorhaben zwar zunächst gut klingt, aber dieses bisher immer bereits nach einer Woche Entzugs- Kriechgang bis auf weiteres verworfen und wieder aufgegeben wurde.

Spätestens am nächsten Morgen kündigen wir selbstlos und altruistisch an, freiwillig einen ganz langen Spaziergang mit dem familieneigenen Wuffi zu unternehmen, schließlich braucht der Kleine ja auch mal Auslauf, um sich sofort an der Tanke an der nächsten Strassenecke flugs eine Packung der Lieblings- Zigarettenmarke zu besorgen. Wir übersehen dabei dezent, dass das Wetter sich mittlerweile von einem anfänglich leichten Nieselregen in einen ausgemachten Dauerregen verschlechtert hat und unser Wuffi schon recht kläglich und triefnass aus der Wäsche guckt und immer wieder zurück in Richtung warme Wohnung zieht. Nix da, eine Runde geht noch, das reicht gerade mal für noch ´ne Fluppe und damit keiner was merkt, denn das wäre ja echt peinlich, haben wir uns vorsorglich an der Tankstelle gleich noch das hammerharte Eukalyptus- Mundspray besorgt. Sicher ist sicher und man weiß ja schließlich nie!

Oder die wirklich kernige Ansage „Ab morgen gehe ich 3x in der Woche ins Fitness- Studio!“. Wow, was für ein Statement, das jeden überzeugten Couch- Potatoe mit hartnäckigem Hüftgold vor Neid erblassen lässt! Um zu bekräftigen, dass wir´s wirklich ernst meinen, ziehen wir lässig den bereits ausgefüllten Vertrag für das Sport- Studio aus der Schreibtisch- Schublade, unterschreiben ihn vor Zeugen, legen ihn gefaltet in ein vorfrankiertes Briefkuvert und bitten einen Anwesenden, den Brief auf dem Nachhauseweg für uns in den nächsten Briefkasten zu versenken. Am 1. Januar gibt´s dann noch ein bisschen Schonfrist, weil das Sport- Studio ohnehin am Neujahrstag geschlossen ist, aber morgen geht´s ganz bestimmt los und wir freuen uns schon wirklich riesig drauf!

Im Laufe des Nachmittags des ersten Arbeitstages im neuen Jahr stellt sich dann bereits bei dem Gedanken, dass nach Feierabend das anvisierte Sport- Studio seinen mahnenden Ruf in unsere Richtung aussendet, ein leises Unwohlsein ein. Nach dem Verlassen des Büros auf dem Weg zum Auto fällt uns dann blitzartig ein, dass zuhause dringend der Kühlschrank gefüllt werden muss. Also fahren wir noch ganz schnell zum Einkaufen und weil es zu dieser Uhrzeit dort ziemlich voll ist, gestaltet sich die Shopping- Tour auch dementsprechend zeitaufwendig. Beim Einpacken der Einkäufe nehmen wir verstärkt das überdeutliche Grummeln unseres Magens zur Kenntnis, das eindeutig Hunger signalisiert. Sofort stellt sich die Frage: „Hungrig Sport treiben? Neee, geht mal garnicht!“ Also erst einmal nachhause und etwas essen. Dort angekommen werden dann erst einmal in aller Ruhe die Einkäufe ausgepackt und in die Schränke geräumt und dann die Bratpfanne angeheizt. Nach einer Stunde genüsslicher und höchst dekadenter Völlerei liegen wir neben einem leeren Teller auf der Couch, und entscheiden uns mit dem für uns sehr einleuchtenden Argument „Morgen ist auch noch ein Tag und pappensatt bringt Sport ohnehin nichts und schlägt außerdem total ungesund auf den Magen und belastet nur den Kreislauf!“ gegen das Sport- Studio.

Am nächsten Tag bremsen uns dann leider völlig unerwartet zwei Überstunden aus. Am übernächsten Tag ist es leider die überraschende Einladung zu einem kleinen Umtrunk mit Kollegen. Am darauffolgenden Tag hat die beste Freundin Geburtstag und lädt zum Pizza- Essen ein, usw.. So gerät das gesamte Vorhaben im Laufe der kommenden Tage nach und nach im Dunkel der Vergessenheit. Tja, bis wir die Abbuchung des fälligen Monatsbeitrages für das Sport- Studio auf dem Kontoauszug entdecken. Richtig, da war doch noch was! Lassen wir mal den ersten Monat des neuen Jahres vorüberziehen und fangen am besten am nächsten Ersten an, fest in die innere Ghetto- Faust versprochen! Na ja, und weil irgendwie immer irgendetwas dazwischen kommt, das uns vom Gang ins Sport- Studio abhält, zieht auch der zweite und der dritte Monat sportlich ungenutzt ins Land.

So kommt es, dass wir Monat für Monat einen Club für sportliche Aktivitäten und Leibesertüchtigung sponsern ohne diesen ein einziges Mal von innen gesehen zu haben, zumal wir in unserer anfänglichen Selbstüberschätzung und Euphorie gleich einen Jahres- Vertrag unterschrieben haben. Also wird der Vertrag sofort gekündigt, für ein Jahr Mitgliedsbeiträge entrichtet und damit hat sich das ganze wieder bis auf weiteres erledigt. Wie sagte meine Omi immer? „Irgendwas ist immer, das uns davon abhält das zu tun was wir tun wollten!“

Oder die Sache mit dem Abnehmen! Nach endloser Völlerei und reichlich Alkohol- Genuss entsagen wir an diesem Abend öffentlich vor allen anwesenden Silvester- Gästen jeglichen kulinarischen Ausreißern bis wir 15kg abgenommen haben. Ein echt starkes Statement, das man für voll nehmen sollte, schließlich meinen wir das ganze sehr ernst! Am ersten Tag des neuen Jahres fällt es aufgrund leichter Übelkeit und einem mittelschweren Kater noch relativ leicht sich ausschließlich von übrig gebliebenen Salaten und Mineralwasser über Wasser zu halten. Doch am ersten Arbeitstag geht´s schon los, was ein Durchhalten wirklich fast zur Unmöglichkeit macht. Hatte der Chef doch am 31.Dezember seinen runden Geburtstag und lädt nach Feierabend die gesamte Belegschaft zu dem neuen und super- schicken Italiener zum Essen ein. Völlerei und Genuss pur! Das anschließend große Versprechen, nachdem wir wie ein gestrandeter Wal im Bett liegen und nur noch darauf warten, dass Greenpeace klingelt, um uns ins Meer zurück zu rollen, dass Morgen wirklich und endgültig Schluss mit der ungehemmten Fresserei ist. Versprochen und das so was von …

Nach insgesamt drei Tagen nebst allen Begleiterscheinungen, wie chronischer Übellaunigkeit und einer leichten Tendenz zur Aggression ist es dann erneut soweit. Die Schwiegereltern haben die gesamte Familie am Wochenende zum Raclette eingeladen. Unabhängig davon, dass Raclette schon ewig nicht mehr auf der heimischen Speise- Karte zur Disposition stand und sich das immer so gemütlich gestaltet, kann man hier unmöglich absagen ohne dabei sehr unangenehm aufzufallen. Eine Absage oder der Verweis auf eine Diät würde von Ihrer Schwiegermutter als persönliche Schwerstbeleidigung interpretiert und schließlich haben Sie auch noch Ihren guten Ruf als „Best Schwiegertochter forever!“ zu verteidigen. Also was soll´s, der eine Raclette- Abend wird schon nicht so sehr ins Gewicht fallen! Doch, das tut er und das Ergebnis sehen Sie bereits am nächsten Morgen mit dem Ausschlag Ihrer Waage und einem deutlichen Plus von 1,5 kg! Donnerschlag, das hat gesessen, aber es war auch wirklich so lecker!

So könnte man die Aufzählung der kleinen und großen Erfolglosigkeiten der alljährlich pünktlich zu Silvester gefassten guten Vorsätze endlos weiterführen und so wird es erneut im neuen Jahr wie auch in diesem Jaht den würdigen Nachruf auf all das, was wir uns so vorgenommen und nicht gehalten haben, geben und dieser lautet:

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Empirisch belegt, scheitern rund 92% aller gemachten guten Vorsätze in den ersten 10 Tagen eines neuen Jahres. Da stellt sich die Frage: Was machen die übrigen 8% richtig oder anders? Ganz einfach: Eine fast Geling- Garantie erlangen diejenigen, die ihre Ziele und Vorhaben exakt konkretisieren! D.h. es genügt bei weitem nicht, vage und eher ungenau zu signalisieren mit dem Rauchen aufzuhören, 15kg abzunehmen oder drei Mal wöchentlich ins Sport- Studio zu gehen. Da muss eindeutig schon ein bisschen mehr Butter an die Fische! Ein kleines Beispiel anhand eines echten Klassikers: Das Abnehmen! Umso konkreter das ganze formuliert wird und umso mehr Sie für Ihr wirklich realistisches Vorhaben brennen, es tatsächlich und nicht nur halbherzig erreichen wollen, umso dramatischer steigt die Chance, das Ziel auch zu erreichen.

Also sollte Ihr guter Vorsatz folgendermaßen lauten: Ich werde täglich eine halbe Stunde stramm spazieren gehen; keinen Aufzug mehr nehmen, sondern dafür zu Fuß gehen; auf Fast- Food und Süßigkeiten verzichten; Alkohol meiden und täglich Salat und Obst in meinem Ernährungsplan berücksichtigen. Um mein Ziel zu erreichen, plane ich monatlich X Kilogramm abzunehmen. Das ganze am besten schriftlich formulieren, ausdrucken und gut sichtbar am Kühlschrank befestigen. Nehmen Sie Einladungen ruhig an, aber essen Sie bereits zuhause einen großen Teller Salat, dann können Sie auch gegenüber der bisherigen Völlerei weitgehend standhalten.

Die erste Grundregel für´s Abnehmen: Nie mehr hungrig einkaufen gehen und nur noch einmal in der Woche Lebensmittel einkaufen! … und bitte nur das einkaufen, was auch auf dem Einkaufszettel steht, der Rest ist „No Go!“.

Für alle diejenigen, die sich trotz schriftlicher Absichtserklärung an der Kühlschrank- Front beim Anblick des Kühlschrank- Inhalts nicht bremsen können, rate ich gleich zu Beginn zu einem Besuch im Baumarkt zwecks Erwerbs einer handlichen langen Stahlkette und eines großen Schlosses zum Sichern der Kühlschrank- Tür. Den Schlüssel deponieren Sie am besten bei einem unbestechlichen Freund, der null Mitleid kennt und allen Überredungskünsten widerstehen kann. Für alle, die denn doch nicht so weit gehen möchten, gibt es als Merkhilfe im Kampf gegen den inneren Schweinehund das Diät- Piggy Schweinchen, das man in den Kühlschrank stellt und das laut anfängt zu grunzen, wenn sich das Licht im Kühlschrank einschaltet.

Sie haben jetzt noch exakt 13 Tage Zeit, um pünktlich bis zur Silvesternacht Ihr Ziel, für das Sie brennen und das Sie im neuen Jahr tatsächlich erreichen wollen, und das nicht nur mittels vager und ungenauer guter Vorsätze, die Sie ohnehin nicht einhalten werden, genauestens zu konkretisieren. Also ran, die Uhr tickt …

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Haben Sie ebenfalls keine Lust auf die alljährlichen guten Vorsätze, rate ich Ihnen, machen Sie es einfach alternativlos ebenso wie ich: Niemals gute Vorsätze zu Silvester, never ever, und nicht einmal unter Androhung schwerer Folter! Nicht etwa weil ich meine eigenen guten Vorsätzen nicht einhalte, sondern vielmehr deshalb weil ich noch weitere 364 Tage im Jahr Zeit habe genau das effizient und erfolgreich umzusetzen und zu realisieren, was ich mir vorgenommen habe, und ich mich nicht mit Vorsatz selbst zum Gesinnungs- Sklaven eines einzigen Tag des Jahres mache!

Herzlichst

Jutta Lotz- Hentschel

Wanted!

“Gesucht wird: Die eigene Identität!”

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Von der Beliebigkeit zur unverwechselbaren Exzellenz!

Um von der konturlosen Beliebigkeit der Masse zu einer eigenen, unverwechselbaren und authentischen Identität zu gelangen, bedarf es vor allen Dingen Mut, die bisher sorgsam kultivierte und gehütete Komfortzone zu verlassen und absolute Ehrlichkeit gegenüber sich selbst! Was uns definitiv keinen einzigen Schritt zum Ziel, und damit zu uns selbst, weiterbringen wird, sind wie zumeist bisher Vergleiche und Wettbewerbe mit dem außen, weiterhin faule Kompromisse und Strategie- Spielchen in der illusionären Hoffnung, dass sich wie durch ein Wunder alles ganz von selbst verändert und doch alles so bleibt wie es ist.

Was uns von einer eigenen und eigenwilligen Identität fernhält, ist in der Regel die enorme Angst vor Bewertungen und Verurteilungen aus dem außen, der Befürchtung nicht mehr dazu zu gehören und der Furcht vor dem ausgeschlossen sein. Wir stellen damit Meinungen und Ansichten, Forderungen und Erwartungen im außen über unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse und verleugnen damit uns selbst. Oftmals so lange und so vehement, dass wir uns nicht einmal mehr daran erinnern, wer wir einmal waren und wer wir tatsächlich sein könnten. Haben wir uns bis zur eigenen Unkenntlichkeit verbogen und selbst verleugnet, sollten wir uns eingestehen, dass wir nicht mehr unser eigenes Leben als unverwechselbares Original und Unikat führen, sondern ein Leben als Kopie nach den Maßstäben anderer, die über uns bestimmen. Weshalb dies überhaupt möglich ist und wie es soweit kommen konnte? Ganz einfach: Weil wir selbst es zulassen!

Der Grund hierfür: Wohl kaum einer Frage wird so sehr ausgewichen, wie der nach dem eigenen Selbst! Die Frage nach einem klaren und unverfälschten: Wer bin ich? Nicht das, was wir nur allzu gerne allen Menschen von uns zeigen möchten, weil sie uns so sehen und wahrnehmen möchten und auch so nach unseren Vorstellungen wahrnehmen sollen! Nicht ausschließlich die vorzeigbare Sonnenschein- und Schokoladen- Seite unserer Persönlichkeit, die wir erheblich mehr favorisieren als unsere Schatten, und nicht die Definition unseres Selbst über unseren ausschließlich materiellen Besitzstand, den wir so gerne anderen zeigen und dabei hoffen, dass hier ein wenig Glanz auch auf uns fällt und dabei unserer eigener Wert sich mit dem Preis unseres materiellen Besitzes ebenfalls erhöht.

Was zu einer authentischen und eigenen Identität unabdingbar gehört, sind ausnahmslos alle Facetten unserer Persönlichkeit, unseres so seins. Nehmen wir uns so an, pur, echt und seelennackt, lernen wir uns so wertzuschätzen, zu respektieren, zu lieben und können wir uns endlich wieder selbst von uns begeistern, nimmt die bisher konturlose Gestalt in der Masse die Form einer eigenen Identität, eines „Ich bin und ich darf sein!“ an. Was wir dann leben, ist das Original und die beste Version unseres Selbst!

„Man wird nicht erleuchtet in dem man sich Figuren aus Licht vorstellt, sondern indem man sich der Dunkelheit bewusst wird.“ (Zitat: Carl Gustav Jung)

Was den Blick und den Fokus auf uns selbst völlig vernebelt und verstellt, ist die fast obsessive Aufmerksamkeit auf und in das außen; der konkurrierende Wettbewerb und ewige Vergleich mit der ausschließlichen Fixierung auf das außen. Was wir dabei völlig vergessen, ist hierbei der Blick und die Zentriertheit auf uns selbst. Wir warten auf andere, die uns mit ihrem Licht den Weg in der Dunkelheit weisen und verleugnen dabei das Licht in uns selbst. Wir warten darauf, dass andere uns sagen, wer wir sind und was wir sein könnten. Wir folgen den Spuren anderer und bemerken dabei nicht, dass diese bereits tief ausgetreten sind und wir dabei keine eigenen Spuren mehr hinterlassen.

Du bist nicht mehr Du selbst, sondern Du hast Dich in einer form- und konturlosen Masse eines kollektiven „WIR!“ verloren und aufgegeben. Wann fängst Du erneut an, Dich selbst zu suchen und hast vor allen Dingen auch die Bereitschaft Dich selbst zu finden? Wann fängst Du damit an Dich wieder mit Begeisterung und Hingabe selbst zu entdecken, zu genießen und Dich selbst zu erleben? Wann blickst Du nach vorne und nie mehr zurück? Wann streifst Du endlich das Korsett, das nicht das Deine ist, es niemals war, ab und verbrennst es? Wann realisierst Du endlich, dass Zeit keine Wunden heilt, sondern man sich lediglich an den tiefen Schmerz gewöhnt hat?

Wann begrüßt Du endlich Dich selbst mit einem liebevollen „Hallo!“ in Deinem Leben, in Deiner Grossartigkeit und in Deiner eigenen Identität? Wann bist Du bereit ganz Du selbst zu sein?

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Wann ist wann?

„Später oder doch eher irgendwann einmal?“

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„Irgendwann“ und „später“ bedeutet zumeist NIEMALS!

Das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss und kaum etwas entlarvt Menschen so sehr, wie ihre Sprache und dabei verwendete sehr ungenaue und vage Begriffe, insbesondere wenn es sich dabei um die Notwendigkeit des Konkretisierens handelt!

Wer von seinem Liebsten gefragt wird, ob man gemeinsam zwecks Eheschließung vor den Traualtar treten möchte und „Ja!“ sagt, wird wohl kaum ein Problem damit haben, ein konkretes Datum für den Startschuss beim Standesamt festzulegen. Nicht so hingegen, wenn es sich um die Realisierung der eigenen anvisierten Visionen und Ziele und den Start einer grundlegenden Neu- und Umorientierung handelt. Wird es hier konkret, weichen die meisten dann in den Tieftauch- Bereich der kreativen Ausreden und des Nebulösen aus.

Da ich Menschen, mit denen ich mich unterhalte oder die ich berate, immer und grundsätzlich meine vollumfängliche Aufmerksamkeit schenke, laufen bei mir selbstverständlich alle Äußerungen, Aussagen und dabei verwendeten Begriffe zwecks Analyse des Gesagten hinsichtlich der Überprüfung einer Kompatibilität in Bezug auf klare Überzeugung und eine unverhandelbare Absichtserklärung durch eine Art Nano- Feinfilter. Neben den Begriffen „eventuell“, „vielleicht“ und „eigentlich“, mein ganz persönliches Lieblings- Unwort, gehören zu meinen absoluten Favoriten die wenig konkreten Aussagen „irgendwann“ und „später“. Irgendwann einmal? Später? Wann bitte ist irgendwann und wann findet später tatsächlich statt?

Das beste „Spielfeld“ in punkto Sprach- Analyse, unser Sprachgebrauch ist immer ein Spiegel unserer wahren inneren Überzeugung und Haltung, bietet da ausnahmslos meine Praxis. Zu mir kommen keine Menschen, um mir davon zu berichten, wie gut es ihnen geht oder wie erfolgreich und effizient sie ihre Visionen und Planungen umgesetzt haben. Nein, zu mir kommen Menschen, die sich um- und neuorientieren möchten, die eine erlebte Katastrophe als neue Chance wahrnehmen, die endlich den Sprung von einem Angestellten- Verhältnis in die Selbständigkeit realisieren und hierbei meine fachliche Beratung in Anspruch nehmen möchten.

Nach einer akribischen Analyse nach dem was ist, was bleibt und was beendet werden darf, kommt dann zumeist eine klare Zielsetzung in einzelnen Schritten, um aus einer Vision Realität und Effizienz entstehen zu lassen. Solange Mann/Frau sich noch im Bereich der grauen Theorie bewegt, sprudeln hier innovative Ideen, Gedankenspiele, kreative Planungen und Visionen ohne Limit und in nahezu unbegrenzter Fülle. Bis zu diesem Punkt bewegt man sich in der Regel zumeist noch auf dem Level des Konjunktivs: Man sollte, müsste, könnte …!

Ideen, Planungen und Visionen sind durchaus mit Blick auf Vorhaben, Um- und Neuorientierungen durchaus wünschenswert, ja sogar notwendig, um alle sich bietenden Möglichkeiten und Potenziale ausschöpfen zu können. Kommt das Gespräch dann jedoch zu dem Punkt, an dem es um Entschlossenheit, Eindeutigkeit, Überzeugung und eine klare Absichtserklärung geht, wird es in der Regel wahlweise sehr kreativ bis recht still und bemerkenswert leise. Da nun aber jeder noch so innovativen und kreativen Theorie auch die Vollendung in der Praxis folgen sollte, stellt sich in der letzten Etappe einer Beratung logischerweise auch immer die Frage nach einem realisierbaren Zeitplan, um die einzelnen Schritte des geplanten Vorhabens in Richtung des Ziels auch erfolgreich umsetzen zu können. Die überdeutliche und klare Frage nach dem „Wann?“.

Bleibt eine klare Antwort auf diese wichtige Frage aus oder weicht mein Gegenüber dann einer Konkretisierung aus, ist dies dann zumeist auch der „point of death“, der ultimative Schlußpunkt hinter jeder theoretisch noch so ausgefeilten Vision. Fallen dann im Verlauf einer diesbezüglich folgenden Antwort die beiden Zauberworte „irgendwann“ und/oder „später“, stellt sich für mich nur noch die Frage: „Spielen Sie etwa noch immer oder machen Sie bereits ernst? Wann ist genau und konkret wann?“ „Irgendwann“ oder „später“ kann bedeuten in vier Wochen, in einem Jahr, in zehn Jahren, auf dem Sterbebett oder – und das ist meistens der Fall – bedeuten diese beiden Begriffe nur das eine: „Niemals!“. Die Vision und das anvisierte Ziel fühlen und hören sich zwar theoretisch zunächst sehr gut an, aber das ganze wird in der Praxis zumeist niemals realisiert und umgesetzt werden!

Ein vages, ungenaues und unkonkretes „irgendwann“ oder „später“ signalisiert nicht nur ein „Niemals!“, sondern überdies eindeutig fehlende Überzeugung, einen Mangel an intrinsischer Motivation, ein Ausweichen gegenüber dem Ziel und das Fehlen einer deutlichen und überzeugten Absichtserklärung. Der Schritt von einem „Ich könnte eventuell und müsste eigentlich …!“ hin zu einem überzeugten „Ich will …!“.

„Irgendwann“ und „später“ bedeutet im Prinzip nichts anderes als ein „vielleicht“ oder „eventuell“, ein „Schaun wir mal!“ und „Jein!“ und schlussendlich entsteht daraus ein schleichendes „Niemals!“. Ein „irgendwann“ und „später“ signalisiert keine eindeutige und überzeugte Haltung, sondern vielmehr die sorgsam tapezierte Hintertür des Seelenhauses: Für andere unsichtbar, aber der Hausbesitzer weiß ganz genau, wo er sie findet, wenn sie denn gebraucht wird, um sich selbst und seinen Visionen und theoretischen Zielen erfolgreich auszuweichen! Ich gehe jedoch noch weiter: Mit einem vagen und unkonkreten „irgendwann“ und „später“ verraten wir immer auch Stück weit uns selbst und treten die sich uns bietenden Chancen und Möglichkeiten unser Potenzial auszuleben und die beste Version von uns zu leben mit Füssen. Ein Leben gelebt im Konjunktiv, und im undeutlichen Nebel eines „Ich könnte, würde und sollte …!“. Nur bedenken Sie bitte: Ein jedes vage „später“ und „irgendwann“ erfährt irgendwann zumeist völlig unerwartet einen Schlusspunkt, an dem sich die Frage nach dem „Wann?“ für Sie nicht mehr stellen wird!

Und da das Beste wirklich immer zum Schluss kommt, hat mich zur Frage nach einem grundsätzlichen und konkreten „Wann?“, nicht nur in Bezug auf berufliche Ziele, sondern mit Blick auf ausnahmslos alle Veränderungen in unserem Leben, ein kleiner Filmbeitrag gefunden. Ilja Grzeskowitz ist ein wunderbarer Vortragsredner und er erzählt hier eine kleine, sehr berührende und sehr zu denkende gebende Geschichte aus seinem Leben über das „irgendwann“ und „später“.

 

Stellen Sie sich jetzt bitte selbst die kritische Frage, wann für Sie „Wann?“ ist! Für mich persönlich gilt: „Wann“ ist nicht morgen, nicht übermorgen und nicht in einem Jahr. „Wann“ ist für mich immer und grundsätzlich HEUTE und JETZT, denn es wird niemals einen besseren und günstigeren Zeitpunkt für das wirklich wichtige geben: Uns selbst und unser Leben!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Die Bucket- List!

Das ultimative Must- have: „Die Liste vor der Kiste!“

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Bevor es irgendwann unerwartet ganz leise an der Tür klopft …

Es geht doch wirklich absolut nichts über perfekte Planung und bestens durchorganisierte Menschen haben selbstverständlich Ihren elektronischen, bzw. digitalen Timer immer am Mann, bzw. an der Frau und zwar in Form eines Smartphones. Akribisch getaktet, bloß keine Minute mit Sinnlosigkeiten, geschweige denn Stille und Nichtstun verschwenden und immer hart am Wind der Viel- und Vollbeschäftigung segeln! Umso voller der eigene Terminkalender, umso bedeutender fühlt sich der Mensch, umso gefühlt inhaltsvoller und erfolgreicher das eigene Leben. Umso verplanter und schneller die Zeitschleife der eigenen Existenz mancher Menschen abläuft, umso mehr Wichtigkeit wird damit in das hinein interpretiert, was man intensiv, bewusst und genussvoll erleben sollte, weniger hingegen sollte man das Leben abarbeiten wie das tägliche Pensum im Steinbruch.

Ganz wichtig und das ultimative Must- have ist mittlerweile die „Bucket- List“, die Löffel- Liste oder Liste vor der Kiste bevor man schlicht und ergreifend den Löffel abgibt. Diese Abhak- Listen für´s angeblich ultimative Lebensglück bevor man denn irgendwann einmal von dieser Welt abdankt, verbreiten sich mittlerweile wie viraler Schwachsinn und das geht mittlerweile tatsächlich schon so weit, dass man zum Geburtstag gefragt wird, ob man denn zwischenzeitlich wenigstens einen Großteil der eigenen Bucket- List abhaken konnte.

Hab ich da irgendwie etwas nicht mitgekriegt? Ist an mir etwa völlig vorbei gerutscht, dass wir offensichtlich ein Mindesthaltbarkeits- Datum haben oder der Akku des Lebens nur eine äußerst begrenzte und sehr überschaubare Lebensdauer hat? Ja, geht´s denn noch?!!!

Wo es früher mal fast bewundernd hieß: „Wie in Deinem Alter noch …!“, wobei dabei die Altersgrenze völlig im Unklaren blieb, wird man heute auf die Liste vor der Kiste angesprochen! Vermeintliches Lebensglück zum Abarbeiten und Abhaken, am besten noch im elektronischen Timer gespeichert, damit man´s bloß nicht vergisst und keinen Termin verpasst! Jetzt weiß ich endlich, was mir definitiv (nicht) fehlt im Leben …

Was sich mir dabei völlig verschließt: Gibt man den Löffel sofort ab, wenn die Liste vor der Kiste abgearbeitet ist oder lebt man solange, bis die Liste vollständig abgehakt worden ist? Und was passiert, wenn ich die Liste endlich durch habe und mir eine neue Löffel- Liste vorschwebt. Darf ich dann nochmal ran oder gibt´s hier nur eine einzige Chance? Gibt es für eine vollständig abgearbeitete Bucket- List eigentlich Bonus- Punkte für was auch immer oder wirkt sich das im Endergebnis garnicht aus? Tja, und was ist, wenn ich gar keine Liste vor der Kiste habe? Lebe ich dann ewig bis mir das passende einfällt oder habe ich dann garnicht gelebt? Das wichtigste jedoch überhaupt: Brauche ich zwingend eine Bucket- List als Wegweiser, um Lebensglück zu entdecken oder führe ich ein trauriges und glückloses Leben gänzlich ohne Löffel- Liste? Ist es vielleicht nicht sogar vielmehr so, dass ich ein weitaus intensiveres und glücklicheres Leben führe, wenn ich mich spontan überraschen lasse, anstatt mich anhand eines Abhak- Zettels auf der Suche nach dem Glück leiten zu lassen und mich von dieser Liste vor der Kiste abhängig zu machen?

Ganz ehrlich? Ich brauche, um ein intensives, bewusstes, glückliches und einfach tolles Leben zu führen weder einen elektronischen Timer, noch eine Liste vor der Kiste! Ich lebe ungeplant und ohne jegliches Zeitgefühl; ich „DARF“ und „WILL“, anstatt einem ich „muss“; ich esse, wenn ich Hunger habe; steige morgens aus meinem Bett, wenn ich ausgeschlafen habe, und ich genieße ausgiebig und intensiv alles das, was mir das Leben an Überraschungen und Herausforderungen schenkt. Ich gestalte mir meine Welt, wie sie mir gefällt und das ist gut so. Für mich persönlich ein Leben in absoluter Gelassenheit, Harmonie, Inspiration, Freiheit und Bewusstsein. Eine Liste vor der Kiste? Ja, klar unbedingt, auf alle Fälle und mit absoluter Sicherheit definitiv nicht!

Und die Sache mit dem „Was Du in Deinem Alter …?“ korrigieren wir mal ein bisschen, zumal die Epigenetik es äußerst erfolgreich als Errungenschaft der Lebensverlängerung geschafft hat, den Alterungsprozess bei Mäusen mit Hilfe von reprogrammierten Zellen um ein Drittel zu verzögern und jetzt versucht, diese Kenntnisse auf den Mensch zu übertragen. Aber auch egal! Gestorben wird ohnehin – und das eindeutig ohne Liste vor der Kiste – erst mit 120 Jahren und einem Tag. Denn wer will diese Welt bitte schon an seinem 120. Geburtstag verlassen?

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Giftige Spezies!

„Vorsicht: Toxische Menschen“

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Hohes Gefährdungspotenzial und absolut unverträglich!

Ausnahmslos jeder kennt mindestens einen, wenn nicht sogar mehrere Menschen, dieser ganz besonderen Spezies: Toxisch, giftig, sozial unverträglich, extrem anstrengend und überaus kräftezehrend, Egomanen wie man es sich schlimmer nicht vorstellen kann, besserwisserisch, abgehoben ob der eigenen Grandiosität, und definitiv nicht gerade das, was man einen Menschenfreund nennt, sondern eher vergleichbar mit einem schnell wirksamen Brechmittel auf zwei Beinen. Menschen, denen man nur allzu gern aus dem Weg geht und es sehr ratsam ist, muss man sich unvermeidbar mit ihnen zwangsweise austauschen, dies auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und in äußerst überschaubaren Grenzen zu halten. Toxische Menschen möchte man nicht zum Freund haben und noch weitaus weniger zum Feind, zumal dies recht anstrengungsfrei und sehr schnell möglich ist.

Eines verbindet ausnahmslos alle toxischen Menschen: Sie schlagen zumeist unerwartet zu, sind äußerst giftig, enorm schädlich mit nachhaltiger Wirkung und auch in homöopathisch dosierten Mengen absolut unverträglich! Die ganz schlechte Nachricht: Gegen toxische Menschen gibt es, schon aufgrund des Umstandes, dass es nur möglich ist aus dem wirksamen Gift ein wirkungsvolles Gegengift herzustellen, leider kein verlässliches Serum. Wird man von einer Schlange gebissen, ist es in den seltensten Fällen möglich, die exakte Spezies zu identifizieren. Aus diesem Grund ist man heute durchaus in der Lage, polyvalente Anti-Seren die aus den verschiedensten Schlangengiften als Gegengift, auch ohne vorherige Bestimmung der genauen Gattung, herzustellen und sehr erfolgreich und lebensrettend einzusetzen.

Anders hingegen bei toxischen Menschen. Das einzige, was Sie rettet, wenn Sie dieser gefährlichen und leider auch sehr weit verbreiteten Spezies begegnen? Laufen und zwar ganz schnell und möglichst weit, denn der toxische Mensch hat Sie bereits im Visier und ist jederzeit bereit, Sie in den Würgegriff zu nehmen und dann, oftmals mit bleibenden Spätschäden für den Selbstwert, ohne jegliche Skrupel zuzuschlagen.

Bei einer giftigen Schlange könnte man noch entschuldigend anmerken, dass man sie provoziert hat oder versehentlich auf sie getreten ist, man sie beim Schlafen gestört hat oder sie einfach einen ganz miesen Tag hatte. Bei einem toxischen Menschen bedarf es keinerlei nachvollziehbare Gründe, um sein hochwirksames Gift zu verbreiten. Was diese Menschen höchst toxisch und absolut unverträglich macht, ist allein ihre Lebensphilosophie, die sie gegenüber allem und jedem mit der sprichwörtlich mentalen und emotionalen Brechstange nach der Maxime „… und bist Du nicht willig, brauch ich Gewalt!“ und „Steter Tropfen höhlt auch den härtesten Stein!“ durchsetzen!

Auf den ersten Blick sind toxische Menschen zunächst anfangs immer nett und freundlich, man könnte ihnen, kennt man sie nicht näher, sogar den Anflug von Empathie und Emotionalität unterstellen, auf den ersten Blick zunächst noch recht harmlos, jedoch leider bei näherer Betrachtung und infolge der Spuren, die sie bei ihren Opfern nachhaltig hinterlassen, hoch- giftig und absolut tödlich! Seien Sie sicher: Einem toxischen Menschen sind Begriffe wie Empathie, Mitgefühl oder Skrupel völlig fremd. Etwaige Anflüge von Emotionalität und Empathie sind lediglich gut geschärfte Waffen gegen Sie und sollen Ihnen lediglich den Eindruck vermitteln, man bewege sich mit Ihnen auf mentaler Augenhöhe. Dass dem definitiv nicht so ist, werden Sie sehr schnell feststellen sobald ein Toxiker Ihnen den sprichwörtlichen Absatz ins Genick stellt, um sie zu Fall zu bringen.

Toxische Menschen bewegen sich gegenüber anderen Menschen niemals auf Augenhöhe, sondern sie sehen grundsätzlich auf ihr Gegenüber herab, zumal sie bedenkenlos ausschließlich Opfer links und rechts ihres Weges hinterlassen. Bedauern oder läuternde Einsicht? Eine Entschuldigung und gar ein schlechtes Gewissen oder Bewusstsein angesichts des eigenen Verhaltens? Wo denken Sie denn hin! Ein toxischer Mensch hat zum einen immer und grundsätzlich Recht, daran lässt er keinerlei Zweifel aufkommen, und zum anderen ist er gefühlt die Sonne, um das sich das gesamte Universum, und damit selbstverständlich auch Sie, dreht. Basta und für ihn Ende der Durchsage! Ein toxischer Mensch diskutiert niemals, er befiehlt grundsätzlich und ordnet an. Haben Sie damit im Hinblick auf die Sinnhaftigkeit ein Problem, ist dies eindeutig ihres, jedoch niemals das des Toxikers. Aber er erklärt Ihnen das gerne auf Anfrage, gegebenenfalls auch schriftlich, nochmals ganz langsam, damit auch Sie das ganze verstehen, denn schließlich kann es nur einen geben: Ihn, ihn und nochmals ihn!

Um zu toxischen Menschen einen möglichst weiten Abstand zu halten, stellt sich zunächst die kritische Frage nach deren Identifizierung. Wie erkennt man diese „Toxic People“, um ihnen erst gar keine Chance zu geben, ihr Gift wirksam und nachhaltig zu übertragen? Nachfolgend einige untrügliche Merkmale, die alle toxischen Menschen eint und sie zu Brüdern und Schwestern im Geiste, aber damit auch zur Interessengemeinschaft der ultimativen Kotzbrocken jenseits dieser Hemisphäre werden lässt!

Toxische Menschen sind zumeist große und raumgreifende Rhetoriker, aber in der Regel auch immer pathologische Lügner und Manipulateure par excellence. Gerade weil sie selbst immer das glauben, was sie anderen Menschen als ihre mitunter sehr schräge und äußerst kreative Sicht auf das, was man gemeinhin als Wahrheit bezeichnet, erzählen, sind sie nur dann wirklich zu entlarven, wenn eine Lüge schlussendlich auffliegt. Aber selbst dann werden toxische Menschen noch bestens geübt in der Lage sein, sogar einen kapitalen Absturz zum eigenen Nachteil in eine Gegenoffensive zum eigenen Vorteil zu verwandeln. Bei diesen Menschen gilt grundsätzlich: Treffer und punktgenau versenkt!

Bestens im Dauer- Training beherrschen toxische Menschen auch die besonders perfide Version des Intrigierens, der schamlosen Verleumdung bis hin zum Rufmord auf Raten und die bemerkenswerte Fähigkeit immer wieder die Gerüchteküche ordentlich anzuheizen, um anderen zum Selbstzweck zu schaden, der in der Regel über ausnahmslos alles gestellt werden. Ziel des ganzen Aufwandes: Um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, den eigenen Status, der gefühlt immer deutlich über dem aller anderen Menschen liegt, hervorzuheben und um die eigenen Ziele gnadenlos gegen alle Widerstände durchzusetzen. Hierbei überschreiten toxische Menschen ausnahmslos alle sich bietenden Grenzen. Ein „Nein!“, auch noch so klar und überdeutlich geäußert, gilt für sie nicht, wird von ihnen geflissentlich überhört und schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Für diese Menschen gilt immer und grundsätzlich: Geht nicht, gibt´s generell nicht, alles ist immer möglich!

Das problematische im Umgang mit toxischen Menschen: Sie können niemals Kompromisse eingehen; sie kennen ausschließlich ein schwarz oder weiß, nur ein entweder oder, jedoch niemals ein sowohl als auch. Es geht ihnen hierbei nicht darum, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden, toxischen Menschen geht es nur um das Gewinnen und um den eigenen Standpunkt, den es für sie unter allen Umständen umzusetzen gilt.

Wer im Umgang mit toxischen Menschen auf echte Authentizität, Emotionalität und Empathie hofft, wird bitter enttäuscht werden. Derlei Gefühlsregungen sind ihnen weitgehend unbekannt und werden von ihnen lediglich als äußerst hinderlich hinsichtlich der Durchsetzung ihrer Ziele betrachtet. Auch sind sie an einem ehrlichen Austausch mit anderen Menschen nicht interessiert, ihnen geht es hierbei lediglich um Aufmerksamkeit und schlussendlich die vollumfängliche Zustimmung und das Einknicken ihres Gegenübers.

Was das Thema Egoismus anbelangt, könnte man schon fast behaupten, es wurde von toxischen Menschen erfunden. Nicht nur, dass sie sich immer und grundsätzlich anderen gegenüber überlegen fühlen, nein, sie lassen dies andere Menschen auch deutlich spüren und aufgrund von Konsequenzen erfahren. Wer ihnen widerspricht, wird nicht nur argumentativ so gut wie mundtot gemacht, sondern geht es in einer Diskussion einmal ganz hoch her, wird dieser auch mit Provokationen, Beleidigungen und wüsten Beschimpfungen eingedeckt, damit das eigene grandiose Selbstbild nicht ins Wanken gerät. Toxische Menschen ertragen weder Kritik, noch können sie Zweifel an der eigenen Unantastbarkeit, Grandiosität und Genialität ertragen, geschweige denn dulden. Seine immense Kraft nährt der toxische Mensch nicht etwa aus gemeinsam zu feiernden Erfolgen, sondern immer nur aus den vermeintlichen Fehlern anderer, die dann zu einem gigantischen Weltereignis aufgeplustert und überdramatisiert werden, insbesondere weil Toxiker Neid- zerfressen auf ausnahmslos alles sind, was nicht auf ihrer eigenen Feder stammt.

Hoffen Sie bitte nie, aber auch wirklich niemals darauf, dass Sie einen toxischen Menschen mittels einer Beschwerde mental erreichen oder zur Einsicht hinsichtlich seiner Fehlentscheidung bewegen können. Ganz im Gegenteil bedeutet ausnahmslos jede Kritik gegenüber einem Toxiker ein kapitales Eigentor für Sie selbst, das dann weidlich ausgeschlachtet und weiterhin gegen Sie verwendet wird! Ein kleiner Vergleich, den Sie im Umgang mit einem toxischen Menschen immer beherzigen sollten: Das echte Mitgefühl eines australischen Taipans, der mit zu den giftigsten Schlangen unserer Erde zählt, hält sich ebenfalls mehr als in Grenzen falls er zubeißt, weil Sie ihm versehentlich beherzt auf das Schwanzende getreten haben. Ähnlich gnadenlos verhalten sich toxische Menschen!

Welches Phänomen ausnahmslos allen toxischen Menschen ebenfalls zu eigen ist: Sie selbst ziehen enorme Kraft und Energie aus von ihnen verursachten negativen Situationen und destruktiven Ereignissen, und kontaminieren damit ihr gesamtes Umfeld. Umso mehr Menschen von ihnen klein gemacht, bewusst provoziert und zerstört werden, umso übergriffiger und grenzverletzender wird ihre Aura der Unantastbar- und Unbesiegbarkeit. Man fühlt sich neben solchen Menschen automatisch sehr klein, permanent bedroht, äußerst verletzlich und befindet sich einer latenten Habacht- Position, deren Berechtigung in der Regel sich dann zumeist ganz schnell bestätigt.

Über was man sich grundsätzlich im Umgang mit toxischen Menschen im Klaren sein sollte: Man kann ihnen nicht vertrauen und sollte niemals zuviel von sich selbst preisgeben. Machen Sie sich bewusst: Sie werden immer und überall akribisch durchleuchtet und bei passender Gelegenheit wird Ihnen ausnahmslos jede Schwachstelle, jede Vertraulichkeit und jede noch so mickrige Kleinigkeit um die Ohren geschlagen, schamlos ausgenutzt und gegen Sie verwendet und Ihnen zum Verhängnis werden! Bedenken Sie bitte immer: Toxische Menschen sind wie eine Schmarotzer- Pflanze – sie nähren sich von der Energie ihres vermeintlichen Kontrahenten, und hierzu zählen so ziemlich ausnahmslos alle Menschen auf dieser Erde, zumal Toxiker niemals Freunde, sondern ausschließlich Feinde und Gegner haben. Toxische Menschen werden sich nicht nur über Ihren Niedergang und Ihr vermeintliches Versagen enorm freuen und sich anschließend selbst vor Begeisterung einen Orden verleihen, sie werden ihre Opfer für deren Niederlage sogar aufs tiefste verachten.

Wie Sie einem toxischen Menschen überdeutlich klar machen, dass Sie mit ihm nichts zu tun haben wollen? Ganz einfach: Sagen Sie es ihm und zwar ebenso barrierefrei und unumwunden! Stehen Sie zu Ihrer inneren Wahrheit und Klarheit und sagen Sie ihm: „Ich will mit Dir nichts zu tun haben, weil Du mir nicht gut tust!“. Dieser Mensch wird niemals zu Ihrem bevorzugten Freundeskreis gehören und Sie wären auch niemals sein Freund geworden, sondern eher das nächste auserwählte und potentielle Opfer. Also bitte endgültig Schluss mit einem netten „Wir müssen uns doch alle ganz toll lieb haben und Du darfst niemals werten und beurteilen!“. Doch das dürfen wir ebenso, wie schon alleine die Strasse überqueren und genau das nennt man: Authentizität!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Menschenkinder!

„Kinder der neuen Zeit“

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Mensch, lass Dein Kind doch endlich wieder Kind sein!

Sie wurden vor 1970 geboren? Wie haben Sie es eigentlich geschafft unbeschadet, heil und noch halbwegs am Stück Ihre Kindheit und Jugend zu überleben? Meinen herzlichsten Glückwunsch zu dieser nahezu unschlagbaren Leistung

Im Prinzip lehne ich pauschalierte Sprüche á la „Früher war sowieso alles besser!“ oder „Bei uns war die Welt noch in Ordnung!“ grundsätzlich und konsequent ab. Es gibt jedoch Begegnungen und Ereignisse, die auch mich gelegentlich dazu veranlassen, zurückzublicken und kritisch zu hinterfragen, wie ich es eigentlich geschafft habe, ohne nennenswerte Schäden davonzutragen, meine Kindheit und Jugend zu überleben, und dabei auch noch alleine und eigenverantwortlich gelernt habe, geradeaus zu laufen und täglich aufs neue meine Schule zu finden ohne dabei versehentlich im Dschungel- Dickicht des Amazonas zu landen. In Anbetracht der heute offensichtlich allerorts und permanent lauernden immensen Gefahren und offenbar tödlichen Bedrohungen, zusätzlich befeuert durch die allgegenwärtige Medien- Berichterstattungen, ein für mich greifbares wahres und kaum noch nachvollziehbares Wunder!

Denke ich an meine eigene Kindheit und Jugend zurück, fallen mir sofort unzählige Begegnungen und Erlebnisse, Abenteuer und Erinnerungen ein, die nach elterlichen Maßstäben vielleicht nicht immer ungefährlich und risikoarm waren, die jedoch maßgeblich dazu beigetragen haben, mich zu dem werden zu lassen, was ich heute bin: Spontan, sicher, offen, mutig, tolerant, eigenverantwortlich, selbständig und mit gnadenlosem Optimismus und viel Selbstironie gesegnet. Mal richtig auf die Nase legen? Ja klar und? Krönchen gerade rücken, Pflaster aufs Knie, aufstehen und weiter geht’s!

Für uns war kein Baum war zu hoch; die Untermieter in Form von Zecken und Flöhen haben wir beim gemeinsamen Igel- Kuscheln dezent übersehen; die an den Waden festgesaugten Blutegel beim Angeln im Bach sind irgendwann von alleine abgefallen und die plattgewalzten Pfennigstücke, die wir auf die Schienen einer Bimmelbahn gelegt hatten, habe ich noch jahrelang wie einen Schatz gehütet. Ein verlassenes Haus war der aufregendste Abenteuer- Spielplatz; wir haben, wenn wir durstig waren, Wasser aus dem Bach im Wald getrunken; ungewaschene Himbeeren direkt vom Busch und Kirschen vom Baum, dabei großzügig die proteinreiche Fleischeinlage in Form von Würmchen ignoriert; hingebungsvoll haben wir mit dem Einmachglas Froschlaich aus dem Weiher gefischt, um zu studieren, wie daraus Frösche entstehen und mein Haustier war ein selbstgefangener grottenhässlicher grau- brauner Molch in einem bepflanzten Terrarium.

Kein Mensch hat sich Gedanken hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung und eventuellen Toxizität und drohenden Gefahren von Fingerfarben, Knetgummi, Klebstoffen (Richtig, da gab´s doch mal einen in einer silbernen Blechdose, der roch so unwiderstehlich nach Marzipan, da musste doch auch unbedingt mal probiert werden, ob der auch so schmeckt, wie er riecht!) und Lacken, geschweige denn der Ernährung gemacht. Gegessen wurde das was schmeckt – egal ob vom heimischen Tisch oder direkt vom Obstbaum und Strauch! Unsere Ernährung wurde nicht misstrauisch und kritisch aufgrund der Inhaltsstoffe beäugt und hinsichtlich des Nährwertes mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln aufgepeppt; Laktose-, Fruktose- und Gluten- Unverträglichkeiten, heute fast schon ähnlich der Erhebung in den Adelsstand, gab´s auch nicht; unser IQ und EQ stand noch nicht auf dem Prüfstand und zur öffentlichen Diskussion und es gab auch noch keine angeblich verhaltensauffälligen Kinder, die täglich mehrfach mittels Ritalin & Co. auf Empfehlung eines Arztes ruhiggestellt werden mussten.

Keiner von uns hat jemals eine kinderpsychologische Praxis von innen gesehen (Gab´s das damals überhaupt schon?) und niemandem wurde vorgehalten, er sei zu laut und zu hyperaktiv, geschweige denn deshalb verhaltensauffällig: Wir waren Kinder, durften uns auch noch als solche (daneben) benehmen und die ganz große weite Welt für uns meistens allein und unbeaufsichtigt entdecken!

Wir haben bei Wetten für fünf D- Mark ein Wasserglas mit fünf Kaulquappen leergetrunken; mindestens ein Knie war immer mit einem Pflaster bedeckt oder gerade verschorft und wir waren stundenlang verschwunden, ohne dass unsere Eltern genau wussten, wo wir eigentlich genau waren und was wir so alles anstellten; wir haben mit wildfremden Menschen für zehn D- Mark pro Eimer Weinbergschnecken eingesammelt und wir sind am Wochenende und in den Ferien erst nachhause gekommen, wenn es draußen dunkel wurde.

Wir hatten noch das, was man echte Freunde nennt und nicht wie heute anonyme Follower auf Facebook, Twitter und Instagram; wir haben dicht- und zusammengehalten wie Pech und Schwefel und kein Mensch hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, inwieweit unsere Kumpel intellektuell akzeptabel und mit dem eigenen gesellschaftlichen Status kompatibel sind oder eben nicht. Man hat uns weder per Auto in die Schule gebracht, noch abgeholt, sondern wir sind mit dem Fahrrad gefahren oder gelaufen; es gab keine allmächtige Nabelschnur in Form eines Handys und unsere Zeit nach der Schule war nicht von unseren Eltern verplant, sondern gehörte uns allein. Für uns gab es genau zwei Dinge, die unser Leben bestimmten: Schule und Freizeit und letzteres haben wir ausgiebig genossen!

Nur am Rande bemerkt: Meine Eltern haben mich weder verwahrlosen lassen, noch mich vernachlässigt; ich komme auch nicht aus einer bildungsfernen Familie, in der die Kinder sich selbst überlassen waren und meine Eltern waren auch keine Anhänger der damals vielfach propagierten anti- autoritären Erziehung. Wofür ich meinen Eltern jedoch heute noch dankbar bin: Sie waren für mich da, wenn ich sie gebraucht habe, aber sie haben mich frühzeitig abgenabelt, mich an der langen Leine ins Leben geschubst und einfach nur Kind sein lassen!

Ich bin mir absolut sicher, auch unsere Eltern haben sich Sorgen um uns gemacht, des öfteren mit Blick auf unsere eigene Risikobereitschaft die Luft angehalten und sich ganz bestimmt Gedanken gemacht, wenn wir wieder einmal spurlos und unauffindbar verschwunden waren. Unsere Eltern haben jedoch niemals versucht, uns unsere Lernerfahrungen – positiv wie auch negativ – zu nehmen, uns einzuschränken, zu gängeln und über Gebühr zu bevormunden. Das einzige Sicherheitsnetz war meine Familie, mein Zuhause und eine von meinem Vater sicherheitshalber abgeschlossene Haftpflichtversicherung nachdem ein Bauarbeiter, der einen leeren Bierkasten geschultert hatte, versehentlich auf ein Paar abgestellte Rollschuhe auf dem Treppenabsatz eines Supermarktes getreten war und dabei eine unfreiwillige Landung in den Eingang des Ladens hingelegt hatte, wobei ein ordentlicher Kollateralschaden entstanden war.

Alles in allem war es, sicherlich auch für meine Eltern, eine höchst aufregende, spannende und ereignisreiche Zeit, die ich keinesfalls missen möchte und auf die ich richtig stolz bin, denn ich habe sie unbeschadet überstanden und überlebt und ich habe sie als Kind erlebt und gelebt!

Nahezu ein jeder wird schon einmal dieses wundervolle Zitat, das ich sehr liebe, gehört oder gelesen haben:

Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern sie nur von unseren Kindern geliehen.
(Indianisches Sprichwort)

So schön dieses indianische Sprichwort jedoch auch ist, haben wir uns jemals kritisch und objektiv gefragt, was für Menschen wir unserer Erde mit den von uns heute geborenen Kindern schenken? Wir hinterlassen mit unseren Nachkommen, Kindern und Enkelkindern, unübersehbar Spuren in unserer Welt.

Sind diese Spuren es jedoch wirklich wert, erneut begangen zu werden, ihnen zu folgen oder ist die Zeit eher reif, endlich neue Pfade zu suchen? Machen wir aus unseren Kindern wirklich mit dem, was wir Ihnen zeigen, sagen und in ihre Zukunft mitgeben, selbständige, bewusste, achtsame und eigenverantwortliche Menschen? Geben wir unseren Kindern tatsächlich das bestmögliche mit auf ihren Weg ins Leben und ihre Zukunft? Oder sind wir auf dem besten Weg aus ihnen passive, unsichere und angepasste, ängstliche und verhuschte Wesen, unselbständige und zögerliche Duckmäuschen zu machen, die sich bei Risiken und Herausforderungen lieber mit zugehaltenen Augen in die hinterste Ecke verkriechen in der Hoffnung von allerorts lauernden Gefahren und Bedrohungen verschont zu bleiben? Oder bescheren wir der Welt mit unseren Kindern mit ihren iPods, iPhones und iPads die Generation „i“ oder etwas reduzierter: Die Generation ICH, ICH, ICH?

Wird unsere Welt zukünftig mit unseren Kindern zu dem werden, was wir uns für sie wünschen und was wir alle in Zukunft überlebensnotwendig brauchen? Werden unsere Kinder überhaupt die Kraft und Stärke entwickeln können, unser aller Hoffnungen und Erbe zu tragen und schlussendlich auch umzusetzen und zu realisieren? Oder ist es nicht eher so, dass wir in unserer Unfähigkeit und unserem Unwillen zur Veränderung, Weiterentwicklung und zu mehr Bewusstsein, diese Last an unsere Kinder weitergeben?

Die besten Fragen an das Leben und die Gesellschaft, bzw. deren Entwicklungsstand, stellt das bewusste Erleben des Lebens selbst – nackt, schonungslos, kritisch und konfrontierend mit dem eigenen Selbst und dem eigenen aufgestellten Weltbild. Auch nach jahrelanger härteerprobter Praxisarbeit und unzähligen, manches Mal wirklich kuriosen und denkwürdigen Begegnungen mit den unterschiedlichsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten und Charakteren, gibt es auch bei mir noch Situationen und Ereignisse bei denen mir wirklich die Worte fehlen und ich zunächst einmal über das soeben Erlebte gründlich und intensiv nachdenken muss, um mir selbst plausibel erscheinende Antworten auf drängende Fragen geben zu können.

Was mich zu der kleinen Rückschau in Richtung meiner Kindheit veranlasst hat, war ein kleines Erlebnis, das widersprüchlicher und gegensätzlicher nicht hätte sein können, eigentlich fast unbedeutend und doch sehr aufschluss- und erkenntnisreich, fast sogar aufrüttelnd. Diese Begegnungen, teilweise wirklich schräg und fast schon gruselig, veranlasste mich dazu kritisch zu hinterfragen: In welcher Welt leben wir eigentlich heute und was hinterlassen wir für die Zukunft in unseren Kindern?

Ein jeder der Kinder im Zahnspangenalter hat, wird sicherlich den allgemeinen Run auf die bunten Sammelbildchen, angeboten von einer bekannten Supermarkt- Kette, kennen. Obwohl ich selbst keine Kinder im Zahnspanngen- Alter habe, hatte ich mir nach getätigtem Einkauf immer die Karten von der Kassiererin aushändigen lassen und sie an gut sichtbar vor der Kasse und im Eingang des Ladens postierte Kinder verschenkt, die einen jeden Kunden bereits mit glänzenden Augen angesichts der Vorfreude auf die zu erwartenden Sammelkarten fixierten. Ein besonders ertragreicher Tag schien für die Kiddies grundsätzlich samstags zu sein, da an diesem Tag offensichtlich besonders viele Kunden Lebensmittel einkaufen und die zu erwartende Ausbeute an erhamsterten Sammelkarten erheblich größer zu sein schien.

Also ließ ich mir, sofern ich einmal an einem Freitagabend in den Supermarkt ging, die Karten aushändigen und hortete sie bis zum nächsten Samstag- Einkauf. Nachdem ich also meinen Einkauf bezahlt hatte, erhielt ich eine Handvoll der begehrten Karten. Am Ende der Kasse in Richtung Ausgang stand ein kleines Mädchen, ca. 6 Jahre alt, erwartungsfreudig strahlend, Handy griffbereit im Anschlag und sprach mich sofort an, ob ich ihr die Sammelkarten schenken würde. Ich habe ihr die Karten in die Hand gedrückt und meinte: „Wenn Du einen Moment wartest, ich habe im Auto noch einen ganzen Stapel davon liegen, wenn Du die auch haben magst, gebe ich sie Dir gerne!“ Was antwortet die Kleine mir da todernst mit absoluter Todesverachtung im Blick: „Ja, die Karten nehme ich gern, aber ich darf mit Ihnen nicht sprechen und auch nichts von Ihnen annehmen, meine Mutter hat gesagt, dann werde ich von Ihnen sofort entführt und missbraucht, das machen alle Erwachsenen mit Kindern!“ Meine Reaktion, ansonsten eher nicht mit Wortfindungsstörungen gesegnet? Null! Meine Kinnlade klappte in diesem Moment nach unten und mir blieb jeder weitere Kommentar im Hals stecken! Mein erster Gedanke: „Ja, geht´s denn noch?“

Da steht ein kleines Mädchen ganz allein stundenlang im Einkaufsgetümmel in einem Supermarkt, um ihr völlig fremde Menschen anzusprechen und die heißbegehrten Sammelbildchen einzusammeln (Damit hat ihre Mutti offensichtlich keinerlei Problem!). Im Gegenzug wird dem Kind jedoch bereits im Vorfeld suggeriert, bloß mit niemandem zu sprechen und nichts von Fremden anzunehmen, da sie sonst garantiert entführt und missbraucht wird! Wie paradox und widersprüchlich ist das denn? Was mich an dem ganzen Vorfall zutiefst geschockt und getroffen hat war die Tatsache, dass hier die Angst und Befürchtung im Hinblick auf eine eventuell drohende Entführung, sowie eines fiktiven Missbrauchs nicht als vage Möglichkeit oder aber rein fiktive mögliche Bedrohung in den Raum gestellt wurde, sondern nach dem „wenn-/dann- Prinzip“ und „So isses!“ als unumstößliche Tatsache: „Wenn Du mit jemandem sprichst oder etwas annimmst, dann wirst Du entführt und missbraucht!“

Schlagartig ist mir kurioserweise in diesem Moment sofort der ehemals nahezu täglich im Fernsehen zu sehende Clip „Na, Du hast aber einen schönen Hasen; komm ich zeig Dir mal einen richtigen Hasen!“ eingefallen. Unabhängig davon, dass dieser Kurzfilm, der die latente Gefahr von Entführung und Missbrauch aufzeigen und davor warnen soll, nahe der Grenzdebilität angesiedelt ist, dürften aller Wahrscheinlichkeit hier Wahn und Wirklichkeit relativ realitätsfern auseinander liegen. Mal ganz ehrlich: Welche verantwortungsvolle und resolute Mutter überlässt freiwillig einem derart schmierigen Typen, der so ziemlich jedwedes schräge Klischee hinsichtlich eines Entführers und Kindesmissbrauch- Täters bedient, ihre kleine Tochter, um ihr von ihm einen „richtigen Hasen“ zeigen zu lassen?

Die Kleine wartete dann geduldig im Eingang des Supermarktes bis ich mit den Karten in der Hand zurückkam, nahm diese freudestrahlend entgegen und erklärte mit ernsthaft, wenn ich wieder einmal Karten gesammelt hätte, könnte ich sie auch gerne unter ihrer Handynummer anrufen. Wenn ich nicht zu weit weg wohnen würde, könnte sie auch gerne bei mir zuhause vorbeikommen und die Sammelkarten direkt abholen oder sie könnte sich auch samstags zu einer fest verabredeten Uhrzeit mit mir auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt treffen, da könnte ich ihr dann die Karten geben. Es versteht sich von selbst, dass ich das Angebot sofort dankend abgelehnt habe, aber wie war das an dieser Stelle noch mal mit dem Thema Angst vor Entführung und Missbrauch?

Nachdem ich diese denkwürdige Begegnung für mich persönlich vorerst abgehakt hatte, setzte ich meinen Wochenendeinkauf fort, dieses Mal die große Filiale einer Drogeriemarkt- Kette in der Innenstadt. In der langen Schlange vor der Kasse stehend, wartet direkt hinter mir eine Mutter mit ihrer ca. 4- jährigen Tochter. Nun ja, ich gebe gerne zu, man hört anderen Menschen nicht uneingeladen bei Gesprächen zu, aber manches Mal sehe auch ich über solche Prinzipien dezent hinweg, zumal sich das Gespräch zwischen Mutter und Tochter sehr interessant gestaltete.

Die Kleine: „Duuu, Mama, sag mal, wie heißt meine kosmische Mutter noch mal?“ (Wie bitte, was für eine Mutter? Kosmisch? Jetzt verspricht es aber wirklich interessant zu werden!) Die Mutter: „Lena, das weißt Du doch, das habe ich Dir doch schon so oft erzählt, das war Miranlaya, das ist doch die Frau von Metatron!“ (Aaah ja, jetzt wird es so richtig spannend!) Töchterchen an Mama: „Und wo hat mich Miranlaya gekriegt?“ Mutti todernst: „Aber das weißt Du doch auch schon lange, das war auf dem Stern Centra- R!“ (Häää, wo bitte?) Neue Frage an Mama: „Und wo ist das?“ (Tja, kluges Kind, das würde mich jetzt aber auch brennend interessieren!) Mutti: „Na das liegt doch gleich neben Sirius und das gehört zu Aldebaran!“ Mäuschen an Mama: „Und wo ist das?“ Mutti hinter mir: „Das weißt Du doch, da warst Du doch schon einmal, das ist ganz weit weg im Universum!“ (Ich glaub´s doch jetzt nicht wirklich!)

Neugierig geworden, was da gerade offensichtlich von einem anderen Stern genau hinter mir steht, drehte ich mich zu Mutti mit Töchterchen um. Auf den ersten Blick eigentlich recht normal aussehend, aber nach diesem Statement kann ich mich gewisser Zweifel doch nicht so recht erwehren. Die Mutter lächelt mich leicht verstrahlt und etwas weltentrückt an und meint dann doch ernsthaft: „Wissen Sie, meine Tochter ist ein echtes Sternenkind aus dem Universum und sie ist, nachdem sie ihr letztes Leben auf ihrem Heimatstern verbracht hat, als inkarnierte Lichtsaat in diesem Leben zu mir auf die Erde gekommen. Sie will immer wieder wissen, wer ihre kosmischen Eltern sind und wo sie herkam! Ist doch irgendwie süß, gell?!“

Mein erster Gedanke: „Aaaah ja, passt schon! Wahrscheinlich doch nicht ganz so normal, wie sie auf den ersten Blick aussieht!“ Ich bemühte mich wirklich redlich um einen ernsten Gesichtsausdruck ohne in schallendes Gelächter auszubrechen und fragte die stolze Lichtsaat- Mutti: „Und Sie selbst stammen von der Erde?“ Mama: „Neiiin, wo denken Sie hin! Ich war bereits vor zweieinhalbtausend Jahren auf Centra- R ihre Ur- Mutter und jetzt haben wir uns endlich nach langer Suche wiedergefunden! Diese Kinder sind ganz anders, als die von der Erde, so hochsensibel und empfindsam, eben echte Lichtsaaten- Kinder. Sie erziehen sich selbständig, denn sie ganz allein wissen, was gut für sie ist und was sie wirklich brauchen. Sie hüten schließlich das Ur- Wissen der Menschheit und bringen Millionen Jahre altes elementares Wissen zu uns auf die Erde!“

Okay, jetzt ist es wirklich amtlich: Eindeutig nicht normal! Um das ganze nicht weiter ausufern zu lassen, zumal wir bereits einige höchst interessierte Mithörer mit begeistertem Grinsen im Gesicht in der Warteschlange begrüßen durften, habe ich mich entschieden, Mutti nicht zu fragen, was es denn bitteschön mit der kosmischen Mutter Miranlaya auf sich hat und wer denn nun eigentlich tatsächlich der Erzeuger ihrer auf einem anderen Stern zwischen Sirius und Aldebaran als Lichtsaat geborenen Tochter ist.

Ich unterscheide niemals in Bezug auf Menschen zwischen Kulturen, Nationalitäten, Religionszugehörigkeit oder Hautfarbe, für mich ist alles und allein entscheidend, dass ich mit einem Menschen kommuniziere, ihn dabei achte, wertschätze und respektiere. Ich liebe nichts mehr, als Begegnungen mit anderen und andersdenkenden Menschen, den kommunikativen Austausch mit ihnen, das immer weiter von und mit ihnen Lernen, das gegenseitige Verstehen, auch wenn man nicht immer eine gemeinsame Sprache spricht.

Die beiden Erlebnisse an diesem Samstag hätten gegensätzlicher und widersprüchlicher nicht sein können. Was jedoch die beiden Begegnungen gemeinsam haben: Zwei Mütter, völlig unterschiedlich, eine davon zwar körperlich nicht anwesend, jedoch fast spürbar präsent in ihrer völlig überzogenen, eingrenzenden und nahezu paranoiden Angst vor drohender Entführung und Missbrauch, offensichtlich überbehütend, nahezu mit panischen Wahnvorstellungen gesegnet, die ihrer Tochter offenbar suggeriert hat, dass unsere Welt und damit unsere Gesellschaft gefährlich, uneinschätzbar und überaus schlecht ist und allerorts uneinschätzbare Gefahren lauern.

Die zweite Mutter: Offensichtlich mit einer unfassbaren Realitätsferne gesegnet, augenscheinlich infiziert mit einem, den klaren Blick schwer eintrübenden Virus des esoterischen Kuriositätenkabinetts, dabei völlig weltentrückt und in der Realität ver- rückt, redet ihrer kleinen Tochter ein, sie stamme nicht von der Erde, sondern sei in Form einer Sternenstaubsaat, mit immensem Millionen Jahre altem Wissen gesegnet, als Sternenkind einer Miranlaya und eines Vaters namens Metatron von einem, gleich neben Sirius und Aldebaran, zu ihr gekommen.

Keine Frage, man kümmert sich aufopferungs- und hingebungsvoll um seine Kinder. Bereits die Kleinsten besitzen ein kindergerechtes Handy, zumeist auch einen altersgerechten Computer, gelegentlich sogar schon eine Prepaid- Kreditkarte, haben einen Facebook- Account, Xing wird bereits anvisiert, besuchen einen elitären Kindergarten, der allen Bedürfnissen gerecht wird, in dem sie bereits mit zwei Jahren Chinesisch lernen und für den man sich bereits gleich nach der Geburt auf die ellenlange Warteliste setzen ließ. In der anspruchsvollen Schule für Hochbegabte wurden die lieben Kleinen bereits angemeldet, als sie gerade mal krabbeln konnten und der Weg durch´s Studium auf einer Elite- Uni ist ebenso, wie der spätere Karriere- und Beruf(ung-)sweg in Forschung, Finanzen und Wirtschaft dank Papi´s Vitamin- B (= Beziehungen) bereits bei der Einschulung in Planung.

Neben der „richtigen“ Schule und Universität, wird sich darüber hinaus auch aufopferungsvoll und vollumfänglich um die Freizeit der Kinder gekümmert. Selbstverständlich werden die Freunde und vor allen Dingen deren Eltern der Kleinen hinsichtlich der Kompatibilität des eigenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status hinterfragt und vorsorglich ausgesiebt. Man bleibt eben lieber unter sich und sorgt dafür, dass dies auch so bleibt, schließlich soll aus dem eigenen Kind ja mal was werden und früh genug ist niemals zu früh!

Was man früher etwas geringschätzig und leicht abwertend als „Eislauf- und Ballett- Mütter“ bezeichnete, wird heute von gleichgesinnten profilierungssüchtigen Über- Mami´s begeistert gegenseitig beklatscht. Da werden Kinder im Krabbelalter bereits zum Baby- Casting für die trendy Kinderpflege- Linie geschleppt, Fotos an jede nur erdenkliche Kinder- Modell- Agentur verschickt, und die Kleinen zum nächsten Fotoshooting dorthin geschleift und spätestens mit sechs Jahren wird der Nachwuchs beim Casting zu „DSDS- Kids“ und „Supertalent“, angesichts des in den Augen (Und vor allen Dingen im Gehör!) der stolzen Eltern förderungswürdigen und überragenden Gesangstalents, vorgestellt, sowie täglich der Facebook- Account mit Bildern aus jeder Lebenslage gefüttert. Bereits zum Recall werden mit stolz geschwellter Brust die ersten Interviews gegeben und vorsorglich Ausschau nach einem zukünftigen Pressesprecher und Medienberater gehalten.

Der Nachwuchs wird weitgehendst verplant für Nachhilfestunden, Musik- und Gesangsunterricht, zusätzliche Fremdsprachen werden gelernt, Reiten gilt schon aus nahezu nicht mehr zu tolerierende Ausnahme, dafür steht jedoch Tennis, Golf und Tanzen ganz hoch im Kurs und in Malkursen wird der perfekte Pinselstrich und das stilsichere Anmischen von Farben alter Meister geübt. Blockflöte und Schlagzeug werden heute eher der pöbeligen Unterschicht zugeschrieben, wenn schon ein Musikinstrument, dann muss es wenigstens Geige, Oboe, Cello oder Piano sein und dies darüber hinaus möglichst virtuos gelehrt von einem empfohlenen unglaublich bekannten und sündhaft teuren Privat- Lehrer, der mindestens ebensolche Erfolge ausschließlich in den ersten Opernhäusern und auf angesehenen Bühnen und Festspielen vorweisen muss.

Heimliches Standardwerk in Bezug auf Erziehung und Förderung ist hierbei oftmals Amy Chua´s „Die Mutter des Erfolgs: Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte“. Dass Amy Chua den Inhalt Ihres zu Papier gebrachten geistigen Ergusses in punkto Militär- Drill in ihren Augen erziehungsresistenter Kinder bereits revidiert hat und das ganze sich als Fake erwiesen hat, wird von den Über- Mami´s hierbei gerne übersehen. Kritik- resistent wird weiter das Leben der lieben Kleinen in die richtigen Bahnen gelenkt, komme da was wolle!

Glücklich darf sich ein jedes dieser Kinder schätzen, wenn Mutti noch nicht auf die grandiose Idee gebracht wurde, die in den USA so verbreiteten und gern genutzten Peilsender zwecks 24- Stunden- Rundum- Überwachung, in die Kleidung der Kinder einzunähenden oder ein Armbändchen mit GPS- Sender anzulegen, die dann ganz bequem von der heimischen Couch aus per Satelliten- System über ein Labtop kontrolliert werden können. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die eigenen Kiddies sich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort aufhalten und bloß keine Dummheiten machen. Das ganze ist nur noch steigerungsfähig durch einpflanzbare RFID- Chips, die mittels einer Injektion unter der Haut platziert werden. Genau, jetzt bewegen wir kommunikativ uns auf Augenhöhe; wir sprechen genau über den lesbaren Chip, den man auch Ihrem Familien- Wuffi beim Tierarzt Ihrer Wahl eingepflanzt hat!

Das Phänomen der mittlerweile völlig abstrusen und ins monströse überzogenen Angst der Eltern vor Gewalt, Entführung und Missbrauch im Hinblick auf Ihre Kinder hat bereits so sehr um sich gegriffen, dass Wissenschaftler dafür einen Namen kreiert haben: Die Eltern- Paranoia oder –Hysterie! Was die meisten Eltern und vor allen Dingen insbesondere Mütter dabei völlig außer acht lassen: Sie projizieren damit nicht nur ihre eigenen, vielfach in medialen Berichterstattungen ausgeschlachteten Entführungsfälle wie z.B. im Fall der kleinen Madeleine McCann, zumeist völlig überzogenen und wahnhaften Ängste auf Ihre Kinder, sondern suggerieren den Kleinen, die Welt sei immens schlecht und ausnahmslos alle Menschen sind abgrundtief böse.

Aus einem wünschenswerten und vertretbaren Maß an Misstrauen, Kritikfähigkeit und Skepsis, einer gesunden Aufmerksamkeit und natürlichen Wachheit, wird hier eine hoch- neurotische und nahe der Grenzen zur Paranoia befindliche Angst erzeugt. Durch die Überwachung der Kleinen, möglichst rund um die Uhr, damit den überbesorgten Eltern auch bloß kein Schnieferchen entgeht, bauen sich die Eltern ein Kontroll-System auf, das sich beim näheren Hinsehen als eine illusionäre Pseudo- und Scheinsicherheit erweist.

Was diesen Wandel im Hinblick auf unsere Kinder bewirkt hat? Heute werden in vielen Familien die Kinder stellvertretend für das eigene oftmals fehlende Glück angesehen. Kinder tragen bereits frühzeitig die Verantwortung, die verlorenen Träume ihrer Eltern für sie leben und verwirklichen zu müssen. Sie werden als eine Art von Besitz oder Bestandteil ihrer Eltern angesehen, den es mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht zu behüten und zu bewahren gilt. Hierbei wird den Kindern vielfach eine so hohe Bedeutung, ähnlich einem unermesslichen persönlichen Schatz, beigemessen, dass die Entwicklung, das Handeln und Entscheiden wie ein Augapfel gehütet und entsprechend akribisch kontrolliert wird.

Kinder brauchen keine Rund- um- die Uhr- Kontrolle, sondern die liebevolle Anleitung und Hilfe ihrer Eltern. Ganz im Gegenteil wirkt sich die permanente Kontrolle in nahezu wahnhafter Angst- Paranoia vor dem, was alles geschehen könnte, äußerst negativ auf den normalen Drang nach Selbständigkeit und Autonomie aus. Wir nehmen unseren Kindern damit jede Chance gegenüber kommenden Herausforderungen und ersticken das natürliche Bedürfnis, zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln, selbst zu erleben und zu entscheiden, sich im Vergleich und Wettbewerb mit anderen Kindern zu messen und sich gegenseitig herauszufordern, bereits im Keim.

Die Welt braucht keine „neuen“ Kinder mit einem „neuen“ Bewusstsein, sondern vielmehr Eltern mit Weitblick, Mut und Verständnis für deren naturgegebenen Bedürfnisse. Wir sollten ganz schnell verinnerlichen, dass unsere Kinder weder unser Privatbesitz, noch verantwortlich für unser eigenes unerfülltes Lebensglück und unsere eigenen verpassten Chancen und Möglichkeiten sind. Durch eine permanente Rundum- Kontrolle können wir sie niemals vor dem beschützen, vor was wir selbst uns fürchten. Unsere Kinder haben ein Recht darauf, frei von Ängsten, Befürchtungen ihrer Eltern zu leben und zu starken, selbstbewussten und achtsamen Menschen mit Durchsetzungsvermögen und Eigenverantwortung heranzuwachsen.

Herzlichst
Jutta A. Lotz- Hentschel
Praxis „Ansavita“

Bewahrer oder Gestalter?

„Bewahrer und Hüter oder Gestalter und Reformer“

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Was beide Gruppen grundlegend voneinander unterscheidet!

Ich lerne immer wieder Menschen kennen, die sich pausenlos, unablässig und zumeist ausschließlich nur mit einem beschäftigen: Mit dem Lösen von Problemen, die erst dann zum Problem werden, weil sie das eigentliche Problem nicht angehen und einer möglichen adäquaten Lösung dauerhaft und vehement ausweichen. Die ultimative Lebensverweigerung wird somit zur universellen Lebensphilosophie kultiviert!

Da wird unter Aufbietung aller Kräfte und unter Einsatz der kreativsten Argumentationen, die im übrigen nur dem Zementieren der eigenen Überzeugung dienen, weshalb etwas nicht funktionieren soll, gefightet und völlig sinn- und nutzlos enorme Zeit und Energie verschwendet, die äußerst sinnvoll und effizient in Lösungsansätze investiert werden könnte. Das ganze gestaltet sich einfach nur unfassbar anstrengend, enorm kräftezehrend und diese Klientel ist zumeist zu 100% beratungsresistent!

Diese Menschen suchen für so ziemlich alles und oftmals auch nichts eine 100%- Geling- und Erfolgs- Garantie, um auch nur ansatzweise die Bereitschaft zum Überdenken eines möglichen Lösungsweg in Betracht zu ziehen. In der Regel wird endlos hinsichtlich der Entstehung und Grundursache, dem weiteren Verlauf, den Auswirkungen und Einschränkungen und vor allen Dingen der Spurensuche nach dem Verursacher, Täter und Urheber des Problems, endlos debattiert, jedoch nahezu null Energie in realistische und gangbare Lösungswege und –ansätze gelegt. Jeder noch so gut durchdachte Vorschlag wird sofort verworfen oder im günstigsten Fall mit einem „Ja, aber …!“ beschieden und anschließend mit fadenscheinigen Argumenten als angeblich undurchführbar verworfen und uneingeschränkt in die mentale Tonne getreten!

Mein nicht unbegründeter Verdacht: Hätten diese Menschen irgendwann mal kein Problem mehr, das sie endlos wälzen, analysieren, von allen Seiten ausgiebig beleuchten und dieses anschließend bis an die Grenzen der Unkenntlichkeit atomisieren können, hätten sie endlich mal ein echtes Problem mit dem sie sich intensiv auseinandersetzen und beschäftigen könnten: Sich selbst!

Wie Sie diese „Ja, aber- Menschen“, denen nicht nur nicht zu helfen ist, sondern die sich auch nicht helfen lassen und ihr Problem gerne behalten und dieses weiter kultivieren wollen, schon zumeist beim Ansatz erkennen? Hier eine Auflistung der entlarvenden Aussagen, wenn wieder mal einer dieser Problem- Kultivierer um die Ecke biegt und Sie um Ihren Rat fragt!

Ein Gestalter hat keine Probleme, sondern sieht in allem eine Herausforderung!

Ein Bewahrer hingegen sucht erst gar keine Herausforderung, sondern sieht in allem und nichts ein großes Problem, das es (nicht) zu lösen gibt!

 

Ein Gestalter zaubert immer einen Plan A, B, C oder D aus der mentalen „Tasche“ und wenn der nicht funktioniert, gibt es noch genügend Alternativen, die dann zur Verfügung stehen!

Ein Bewahrer hat erst gar keinen Plan und sucht auch keine Alternative, da er gar keine Lösung für das Problem suchen und finden will!

 

Ein Gestalter hat immer gute Argumente, weshalb etwas funktioniert!

Ein Bewahrer hat immer und grundsätzlich Ausreden, weshalb ein Lösungsansatz nicht funktionieren wird!

 

Ein Gestalter hat für alles eine Lösung und widmet dieser alle zur Verfügung stehende Energie, jedoch verschwendet er keinerlei Ressourcen in die Analyse eines Problems oder dessen Ursache!

Ein Bewahrer findet in jedem Lösungsansatz ein weiteres Problem, das es ausgiebig zu analysieren gilt!

 

Der Gestalter überprüft seine eigenen Leistungen auf Kompatibilität mit den angestrebten Zielen!

Der Bewahrer vergleicht sich und seine Leistungen nur mit den Leistungen anderer im außen!

 

Das Motto des Gestalters lautet „Es mag durchaus schwierig sein, aber es ist möglich!“

Das Motto des Bewahrers lautet hingegen: „Es ist möglich, aber es ist definitiv nicht machbar, weil es zu schwierig ist!“

 

Der Gestalter ist immer selbst ein Teil der Lösung!

Der Bewahrer ist grundsätzlich selbst Teil eines Problems!

 

Der Gestalter sieht sein Scheitern als Aufforderung zum nächsten Versuch und um etwas beim nächsten Mal besser zu machen!

Der Bewahrer sieht sein Scheitern als ultimatives Signal, dass etwas grundsätzlich nicht möglich ist und daher etwas nur scheitern kann!

 

Der Gestalter missioniert nicht den Rest der Welt mit möglichen Lösungsansätzen und Problemlösungen!

Der Bewahrer missioniert den Rest der Welt mit Lösungsansätzen und Problemlösungen, die er für sich selbst kategorisch ablehnt!

 

Der Gestalter braucht keine Ratgeber im außen, um Lösungsansätze zu finden!

Der Bewahrer beschäftigt einen ganzen Hofstaat von Beratern und Ratgebern ohne dabei jemals eine Lösung in Betracht zu ziehen!

 

Der Gestalter liebt den Sieg über schwierige Herausforderungen!

Der Bewahrer liebt das Scheitern, zumal ihm dieses bestätigt, dass er Recht hatte!

Mein Rat an Sie: Tun Sie sich selbst den großen Gefallen und verschwenden Sie zukünftig nicht mehr Ihre wertvolle Ressourcen „Zeit“ und „Energie“ in Menschen, die Sie unendlich mit ihren zumeist hausgemachten und selbst kreierten Problemen beschäftigen, die sie weder lösen, noch überdenken wollen.

Realisieren Sie bitte: Bewahrer und Hüter fühlen sich sehr wohl damit, andere immer wieder mit für sie selbst unlösbaren Problemen ausgiebig zu beschäftigen. Sie werden hierbei gnadenlos als Entertainer, emotionaler Müllabladeplatz und universelle Abraumhalde von Ihrem Gegenüber missbraucht und ausgenutzt, jedoch absolut nichts mit Ihrem selbstlosen Einsatz bewirken. Ganz im Gegenteil werden Sie sich selbst aufgrund des erlittenen Energie- Verlusts sehr schlecht fühlen.

Kommt das nächste Mal einer dieser Menschen um die Ecke und bittet Sie, sich seinen Problemen anzunehmen und ihn hinsichtlich eines möglichen Lösungsansatzes zu beraten, antworten Sie ihm einfach folgendes: „Tut mir leid, das geht leider im Moment nicht, denn ich habe ein großes Problem, mit dem ich mich gerade intensiv auseinandersetze und das meine ganze Energie und Einsatz erfordert!“ Bietet der Bewahrer dann seine offensichtlich so selbstlose und altruistische Hilfe an, erinnern Sie ihn einfach daran, dass auch er mit seinem Problem und der Suche nach Lösungen so sehr beschäftigt sein dürfte, dass Sie sein Angebot unmöglich annehmen können und lehnen Sie dankend ab!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Einfach anders sein …

„Außergewöhnlich gewöhnlich und abnormal normal“

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Das Märchen vom kleinen schwarzen Schaf, das so gerne wie alle anderen sein wollte!

Und wie alle Märchen, beginnt auch dieses mit: Es war einmal …

Ein kleines schwarzes Schäfchen wurde in eine große Herde von weißen Schafen geboren. Seine Eltern waren ebenfalls beide schneeweiß wie all die anderen Schafe, und niemand konnte sich so recht erklären, weshalb ausgerechnet dieses kleine Lämmchen als einziges von unendlich vielen schwarz war.

Nachdem sich das kleine Lämmchen von der anstrengenden Geburt etwas ausgeruht und noch ein wenig in der warmen Mulde mit seiner Mutter gekuschelt hatte, nahm es all seinen Mut zusammen, und lief freudig neben ihr über die Wiese, um dort endlich alle anderen zu begrüßen. Es sprang fröhlich auf die anderen kleinen Lämmchen zu, überglücklich gleich so viele ebenso kleine neue Freunde gefunden zu haben.

Zunächst hatten alle das kleine Schäfchen neugierig, wenn auch etwas reserviert, aus der Ferne beobachtet. Als es ihnen jedoch näher kam, flüchteten alle zu ihren Müttern und liefen dann gemeinsam mit all den anderen ans äußerste Ende der Weide. Das kleine Schäfchen dachte zunächst an ein lustiges Spiel und rannte allen anderen Schafen und Lämmern hinterher. Doch wieder passierte genau das gleiche. Alle anderen liefen sofort in die genau entgegengesetzte Richtung.

Das kleine Schäfchen kam mit seinen noch so kurzen Beinen garnicht hinter den anderen her und rief deshalb laut: „Hey, wartet doch auf mich. Ich will doch mitspielen!“ Da blieb das Leittier, ein großer und mächtiger Schafsbock, stehen. Er drehte sich nach dem kleinen Lämmchen um, schaute es sehr böse an und sagte laut: „Verschwinde, wir wollen nichts mit Dir zu tun haben!“ Das kleine Lämmchen blieb erschrocken stehen, sah ängstlich den großen Schafsbock an und sagte verständnislos:“ Aber warum denn nur? Ich bin doch einer von Euch. Ich bin doch nur ein Schaf und genauso wie Ihr alle!“ Der große Schafsbock, schon merklich ruhiger, aber noch immer sehr abweisend und feindselig, sah das kleine Schäfchen ruhig an und sagte nach einer ganzen Weile: „Nein, das bist Du nicht! Wir alle sind weiß, das siehst Du ja wohl, und Du als einziger bist schwarz und deshalb wirst Du niemals einer von uns sein!“

Das kleine Lämmchen lief ganz langsam zu seiner Mutter zurück, sah sie traurig an und sagte mit leiser Stimme: „Mama sag, warum darf ich nicht einer von ihnen sein? Ich bin doch ebenso ein Schaf wie sie alle, nur eben noch ganz klein!“ Die Mutter stupste das Lämmchen an, sah ihm tief in die Augen: „Ja, mein Kleines, Du bist ein Schaf wie alle anderen. Aber alle weißen Schafe werden immer nur sehen, dass Du schwarz bist. Für sie bist Du anders und deshalb lehnen Dich alle ab. Für mich allerdings bist Du außergewöhnlich und etwas ganz besonderes eben weil Du schwarz bist.“

Das kleine Schäfchen dachte lange nach und sagte dann: „Mama, werde ich deshalb niemals zu allen anderen gehören?“ Die Mutter blickte ihrem Lämmchen liebevoll in die Augen: „So ist es, mein Kleines! Du wirst für immer anders sein, ein schwarzes Schaf, und aus diesem Grund werden Dich auch alle anderen immer ablehnen. Sie sehen nicht in Dein großes Herz, und sie wollen nicht sehen, dass Du genauso bist wie sie alle. Sie werden immer nur als Besonderheit Dein schwarzes Fell sehen!“

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Text: © Jutta A. Lotz- Hentschel