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Gute Vorsätze!

„Und alle Jahre wieder ein neuer Versuch!“

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Habe ich etwas verpasst oder ist denn schon Silvester?

So wie bereits mittlerweile Ende Mai eines jeden Jahres der Sommerschlussverkauf beginnt, wir im Hochsommer Ski- Stiefel kaufen können und pünktlich ab Ende August Dominosteine und Lebkuchen erhältlich sind, beginnt in diesem Jahr offensichtlich ein weiteres Phänomen extrem früh: Die Überlegungen hinsichtlich der möglichen Auswahl eventuell guter Vorsätze für das kommende Jahr! Inwieweit diese Vorhaben, die zumeist immer recht vollmundig, umso mehr Publikum und Zuhörer, umso besser und offensichtlich auch gefühlt glaubhafter für den eigenen Kampfgeist, angekündigt werden, dann auch tatsächlich realisiert werden, spielt dabei zunächst keine übergeordnete Rolle. Hauptsache ein guter Vorsatz zum Jahreswechsel und das ganze bitte mit viel Getöse und noch mehr Überzeugungskraft in die launige Runde geworfen!

Weshalb überhaupt gute Vorsätze zum Jahreswechsel, wie auch kollektiv verordnet fröhlich und lustig sein müssen, nur weil der Kalender als Datum in jedem Jahr den 11.November und die Uhr 11.11h anzeigt und eine echte Spaß- Bremse, der da nicht begeistert mitmacht? Warum eigentlich in jedem Jahr das gleiche Geblubber mit genau denselben Absichts- Beteuerungen um exakt die gleichen Themen, von denen man zumeist bereits im voraus genau weiß, dass man das ganze spätestens vierzehn Tage nach Jahresbeginn unisono in die Tonne getreten und aufgrund eigenem Unwillen oder völliger Undurchführbarkeit beerdigt hat?

Tja, weil es sich irgendwie gegenüber anderen, die sich sowieso noch nie an ihre guten Neujahres- Vorsätze gehalten haben, erst einmal genial gut und heldenhaft anhört und vor allen Dingen zunächst so kinderleicht und easy peasy anfühlt! Träume sind nach Auffassung von Sigmund Freud Schäume und sieht das mit Worten aus? Oder heißt es da nicht doch eher: Was gebe ich schon auf mein Gequatsche von vorgestern oder letzte Woche, respektive dem Silvester- Abend so kurz vor Mitternacht!

Aus solch einer Diskussion kann man dann schon mal aufgrund der dann noch vorhandenen eigenen Überzeugung und vollmundiger Absichts- Bekundungen gefühlt als echter Held hervorgehen. Die Außenwirkung wird zumeist ebenfalls in der eigenen anfänglichen Begeisterung und Euphorie überidealisiert und fast ähnlich einer Nominierung auf dem Weg zum Oscar für die Rolle des besten Hauptdarstellers wahrgenommen. Tja, wenn man´s denn wirklich komplett durchzieht und vor allen Dingen auch dabei bleibt … Zumeist fatal unterschätzt wird hierbei die enorme Fallhöhe des fast vorausberechenbaren Scheiterns!

Ich denke, so ausnahmslos jeder – nun ja, wir laufen nun mal nicht über´s Wasser und müssen uns auch nicht bücken, um morgens nicht mit dem Heiligenschein und den Engels- Flügelchen am Türrahmen hängen zu bleiben – kennt das alljährliche Spielchen. Am letzten Tag des Jahres noch hoch- motiviert und zu wirklich großen Heldentaten wild entschlossen, wird dann die vermeintlich letzte Zigarette unter dem mitleidigen Blick aller anderen anwesenden Raucher im Aschenbecher mit den Worten „Das war meine letzte Kippe, ich schwör´s; ab jetzt ist endgültig Schluss mit der Quarzerei und das lebenslang!“ ausgedrückt. Ein steiles Statement und eine todesmutige Absichtserklärung, bei dem jedem gestandenen Genuss- Qualmer die gerade angezündete Zigarette wieder ausgeht, zumal fast jeder Raucher zumeist bereits eine beachtliche „Das war meine letzte Fluppe- Karriere“ hinter sich hat und daher weiß, dass das Vorhaben zwar zunächst gut klingt, aber dieses bisher immer bereits nach einer Woche Entzugs- Kriechgang bis auf weiteres verworfen und wieder aufgegeben wurde.

Spätestens am nächsten Morgen kündigen wir selbstlos und altruistisch an, freiwillig einen ganz langen Spaziergang mit dem familieneigenen Wuffi zu unternehmen, schließlich braucht der Kleine ja auch mal Auslauf, um sich sofort an der Tanke an der nächsten Strassenecke flugs eine Packung der Lieblings- Zigarettenmarke zu besorgen. Wir übersehen dabei dezent, dass das Wetter sich mittlerweile von einem anfänglich leichten Nieselregen in einen ausgemachten Dauerregen verschlechtert hat und unser Wuffi schon recht kläglich und triefnass aus der Wäsche guckt und immer wieder zurück in Richtung warme Wohnung zieht. Nix da, eine Runde geht noch, das reicht gerade mal für noch ´ne Fluppe und damit keiner was merkt, denn das wäre ja echt peinlich, haben wir uns vorsorglich an der Tankstelle gleich noch das hammerharte Eukalyptus- Mundspray besorgt. Sicher ist sicher und man weiß ja schließlich nie!

Oder die wirklich kernige Ansage „Ab morgen gehe ich 3x in der Woche ins Fitness- Studio!“. Wow, was für ein Statement, das jeden überzeugten Couch- Potatoe mit hartnäckigem Hüftgold vor Neid erblassen lässt! Um zu bekräftigen, dass wir´s wirklich ernst meinen, ziehen wir lässig den bereits ausgefüllten Vertrag für das Sport- Studio aus der Schreibtisch- Schublade, unterschreiben ihn vor Zeugen, legen ihn gefaltet in ein vorfrankiertes Briefkuvert und bitten einen Anwesenden, den Brief auf dem Nachhauseweg für uns in den nächsten Briefkasten zu versenken. Am 1. Januar gibt´s dann noch ein bisschen Schonfrist, weil das Sport- Studio ohnehin am Neujahrstag geschlossen ist, aber morgen geht´s ganz bestimmt los und wir freuen uns schon wirklich riesig drauf!

Im Laufe des Nachmittags des ersten Arbeitstages im neuen Jahr stellt sich dann bereits bei dem Gedanken, dass nach Feierabend das anvisierte Sport- Studio seinen mahnenden Ruf in unsere Richtung aussendet, ein leises Unwohlsein ein. Nach dem Verlassen des Büros auf dem Weg zum Auto fällt uns dann blitzartig ein, dass zuhause dringend der Kühlschrank gefüllt werden muss. Also fahren wir noch ganz schnell zum Einkaufen und weil es zu dieser Uhrzeit dort ziemlich voll ist, gestaltet sich die Shopping- Tour auch dementsprechend zeitaufwendig. Beim Einpacken der Einkäufe nehmen wir verstärkt das überdeutliche Grummeln unseres Magens zur Kenntnis, das eindeutig Hunger signalisiert. Sofort stellt sich die Frage: „Hungrig Sport treiben? Neee, geht mal garnicht!“ Also erst einmal nachhause und etwas essen. Dort angekommen werden dann erst einmal in aller Ruhe die Einkäufe ausgepackt und in die Schränke geräumt und dann die Bratpfanne angeheizt. Nach einer Stunde genüsslicher und höchst dekadenter Völlerei liegen wir neben einem leeren Teller auf der Couch, und entscheiden uns mit dem für uns sehr einleuchtenden Argument „Morgen ist auch noch ein Tag und pappensatt bringt Sport ohnehin nichts und schlägt außerdem total ungesund auf den Magen und belastet nur den Kreislauf!“ gegen das Sport- Studio.

Am nächsten Tag bremsen uns dann leider völlig unerwartet zwei Überstunden aus. Am übernächsten Tag ist es leider die überraschende Einladung zu einem kleinen Umtrunk mit Kollegen. Am darauffolgenden Tag hat die beste Freundin Geburtstag und lädt zum Pizza- Essen ein, usw.. So gerät das gesamte Vorhaben im Laufe der kommenden Tage nach und nach im Dunkel der Vergessenheit. Tja, bis wir die Abbuchung des fälligen Monatsbeitrages für das Sport- Studio auf dem Kontoauszug entdecken. Richtig, da war doch noch was! Lassen wir mal den ersten Monat des neuen Jahres vorüberziehen und fangen am besten am nächsten Ersten an, fest in die innere Ghetto- Faust versprochen! Na ja, und weil irgendwie immer irgendetwas dazwischen kommt, das uns vom Gang ins Sport- Studio abhält, zieht auch der zweite und der dritte Monat sportlich ungenutzt ins Land.

So kommt es, dass wir Monat für Monat einen Club für sportliche Aktivitäten und Leibesertüchtigung sponsern ohne diesen ein einziges Mal von innen gesehen zu haben, zumal wir in unserer anfänglichen Selbstüberschätzung und Euphorie gleich einen Jahres- Vertrag unterschrieben haben. Also wird der Vertrag sofort gekündigt, für ein Jahr Mitgliedsbeiträge entrichtet und damit hat sich das ganze wieder bis auf weiteres erledigt. Wie sagte meine Omi immer? „Irgendwas ist immer, das uns davon abhält das zu tun was wir tun wollten!“

Oder die Sache mit dem Abnehmen! Nach endloser Völlerei und reichlich Alkohol- Genuss entsagen wir an diesem Abend öffentlich vor allen anwesenden Silvester- Gästen jeglichen kulinarischen Ausreißern bis wir 15kg abgenommen haben. Ein echt starkes Statement, das man für voll nehmen sollte, schließlich meinen wir das ganze sehr ernst! Am ersten Tag des neuen Jahres fällt es aufgrund leichter Übelkeit und einem mittelschweren Kater noch relativ leicht sich ausschließlich von übrig gebliebenen Salaten und Mineralwasser über Wasser zu halten. Doch am ersten Arbeitstag geht´s schon los, was ein Durchhalten wirklich fast zur Unmöglichkeit macht. Hatte der Chef doch am 31.Dezember seinen runden Geburtstag und lädt nach Feierabend die gesamte Belegschaft zu dem neuen und super- schicken Italiener zum Essen ein. Völlerei und Genuss pur! Das anschließend große Versprechen, nachdem wir wie ein gestrandeter Wal im Bett liegen und nur noch darauf warten, dass Greenpeace klingelt, um uns ins Meer zurück zu rollen, dass Morgen wirklich und endgültig Schluss mit der ungehemmten Fresserei ist. Versprochen und das so was von …

Nach insgesamt drei Tagen nebst allen Begleiterscheinungen, wie chronischer Übellaunigkeit und einer leichten Tendenz zur Aggression ist es dann erneut soweit. Die Schwiegereltern haben die gesamte Familie am Wochenende zum Raclette eingeladen. Unabhängig davon, dass Raclette schon ewig nicht mehr auf der heimischen Speise- Karte zur Disposition stand und sich das immer so gemütlich gestaltet, kann man hier unmöglich absagen ohne dabei sehr unangenehm aufzufallen. Eine Absage oder der Verweis auf eine Diät würde von Ihrer Schwiegermutter als persönliche Schwerstbeleidigung interpretiert und schließlich haben Sie auch noch Ihren guten Ruf als „Best Schwiegertochter forever!“ zu verteidigen. Also was soll´s, der eine Raclette- Abend wird schon nicht so sehr ins Gewicht fallen! Doch, das tut er und das Ergebnis sehen Sie bereits am nächsten Morgen mit dem Ausschlag Ihrer Waage und einem deutlichen Plus von 1,5 kg! Donnerschlag, das hat gesessen, aber es war auch wirklich so lecker!

So könnte man die Aufzählung der kleinen und großen Erfolglosigkeiten der alljährlich pünktlich zu Silvester gefassten guten Vorsätze endlos weiterführen und so wird es erneut im neuen Jahr wie auch in diesem Jaht den würdigen Nachruf auf all das, was wir uns so vorgenommen und nicht gehalten haben, geben und dieser lautet:

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Empirisch belegt, scheitern rund 92% aller gemachten guten Vorsätze in den ersten 10 Tagen eines neuen Jahres. Da stellt sich die Frage: Was machen die übrigen 8% richtig oder anders? Ganz einfach: Eine fast Geling- Garantie erlangen diejenigen, die ihre Ziele und Vorhaben exakt konkretisieren! D.h. es genügt bei weitem nicht, vage und eher ungenau zu signalisieren mit dem Rauchen aufzuhören, 15kg abzunehmen oder drei Mal wöchentlich ins Sport- Studio zu gehen. Da muss eindeutig schon ein bisschen mehr Butter an die Fische! Ein kleines Beispiel anhand eines echten Klassikers: Das Abnehmen! Umso konkreter das ganze formuliert wird und umso mehr Sie für Ihr wirklich realistisches Vorhaben brennen, es tatsächlich und nicht nur halbherzig erreichen wollen, umso dramatischer steigt die Chance, das Ziel auch zu erreichen.

Also sollte Ihr guter Vorsatz folgendermaßen lauten: Ich werde täglich eine halbe Stunde stramm spazieren gehen; keinen Aufzug mehr nehmen, sondern dafür zu Fuß gehen; auf Fast- Food und Süßigkeiten verzichten; Alkohol meiden und täglich Salat und Obst in meinem Ernährungsplan berücksichtigen. Um mein Ziel zu erreichen, plane ich monatlich X Kilogramm abzunehmen. Das ganze am besten schriftlich formulieren, ausdrucken und gut sichtbar am Kühlschrank befestigen. Nehmen Sie Einladungen ruhig an, aber essen Sie bereits zuhause einen großen Teller Salat, dann können Sie auch gegenüber der bisherigen Völlerei weitgehend standhalten.

Die erste Grundregel für´s Abnehmen: Nie mehr hungrig einkaufen gehen und nur noch einmal in der Woche Lebensmittel einkaufen! … und bitte nur das einkaufen, was auch auf dem Einkaufszettel steht, der Rest ist „No Go!“.

Für alle diejenigen, die sich trotz schriftlicher Absichtserklärung an der Kühlschrank- Front beim Anblick des Kühlschrank- Inhalts nicht bremsen können, rate ich gleich zu Beginn zu einem Besuch im Baumarkt zwecks Erwerbs einer handlichen langen Stahlkette und eines großen Schlosses zum Sichern der Kühlschrank- Tür. Den Schlüssel deponieren Sie am besten bei einem unbestechlichen Freund, der null Mitleid kennt und allen Überredungskünsten widerstehen kann. Für alle, die denn doch nicht so weit gehen möchten, gibt es als Merkhilfe im Kampf gegen den inneren Schweinehund das Diät- Piggy Schweinchen, das man in den Kühlschrank stellt und das laut anfängt zu grunzen, wenn sich das Licht im Kühlschrank einschaltet.

Sie haben jetzt noch exakt 13 Tage Zeit, um pünktlich bis zur Silvesternacht Ihr Ziel, für das Sie brennen und das Sie im neuen Jahr tatsächlich erreichen wollen, und das nicht nur mittels vager und ungenauer guter Vorsätze, die Sie ohnehin nicht einhalten werden, genauestens zu konkretisieren. Also ran, die Uhr tickt …

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Haben Sie ebenfalls keine Lust auf die alljährlichen guten Vorsätze, rate ich Ihnen, machen Sie es einfach alternativlos ebenso wie ich: Niemals gute Vorsätze zu Silvester, never ever, und nicht einmal unter Androhung schwerer Folter! Nicht etwa weil ich meine eigenen guten Vorsätzen nicht einhalte, sondern vielmehr deshalb weil ich noch weitere 364 Tage im Jahr Zeit habe genau das effizient und erfolgreich umzusetzen und zu realisieren, was ich mir vorgenommen habe, und ich mich nicht mit Vorsatz selbst zum Gesinnungs- Sklaven eines einzigen Tag des Jahres mache!

Herzlichst

Jutta Lotz- Hentschel

Wanted!

“Gesucht wird: Die eigene Identität!”

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Von der Beliebigkeit zur unverwechselbaren Exzellenz!

Um von der konturlosen Beliebigkeit der Masse zu einer eigenen, unverwechselbaren und authentischen Identität zu gelangen, bedarf es vor allen Dingen Mut, die bisher sorgsam kultivierte und gehütete Komfortzone zu verlassen und absolute Ehrlichkeit gegenüber sich selbst! Was uns definitiv keinen einzigen Schritt zum Ziel, und damit zu uns selbst, weiterbringen wird, sind wie zumeist bisher Vergleiche und Wettbewerbe mit dem außen, weiterhin faule Kompromisse und Strategie- Spielchen in der illusionären Hoffnung, dass sich wie durch ein Wunder alles ganz von selbst verändert und doch alles so bleibt wie es ist.

Was uns von einer eigenen und eigenwilligen Identität fernhält, ist in der Regel die enorme Angst vor Bewertungen und Verurteilungen aus dem außen, der Befürchtung nicht mehr dazu zu gehören und der Furcht vor dem ausgeschlossen sein. Wir stellen damit Meinungen und Ansichten, Forderungen und Erwartungen im außen über unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse und verleugnen damit uns selbst. Oftmals so lange und so vehement, dass wir uns nicht einmal mehr daran erinnern, wer wir einmal waren und wer wir tatsächlich sein könnten. Haben wir uns bis zur eigenen Unkenntlichkeit verbogen und selbst verleugnet, sollten wir uns eingestehen, dass wir nicht mehr unser eigenes Leben als unverwechselbares Original und Unikat führen, sondern ein Leben als Kopie nach den Maßstäben anderer, die über uns bestimmen. Weshalb dies überhaupt möglich ist und wie es soweit kommen konnte? Ganz einfach: Weil wir selbst es zulassen!

Der Grund hierfür: Wohl kaum einer Frage wird so sehr ausgewichen, wie der nach dem eigenen Selbst! Die Frage nach einem klaren und unverfälschten: Wer bin ich? Nicht das, was wir nur allzu gerne allen Menschen von uns zeigen möchten, weil sie uns so sehen und wahrnehmen möchten und auch so nach unseren Vorstellungen wahrnehmen sollen! Nicht ausschließlich die vorzeigbare Sonnenschein- und Schokoladen- Seite unserer Persönlichkeit, die wir erheblich mehr favorisieren als unsere Schatten, und nicht die Definition unseres Selbst über unseren ausschließlich materiellen Besitzstand, den wir so gerne anderen zeigen und dabei hoffen, dass hier ein wenig Glanz auch auf uns fällt und dabei unserer eigener Wert sich mit dem Preis unseres materiellen Besitzes ebenfalls erhöht.

Was zu einer authentischen und eigenen Identität unabdingbar gehört, sind ausnahmslos alle Facetten unserer Persönlichkeit, unseres so seins. Nehmen wir uns so an, pur, echt und seelennackt, lernen wir uns so wertzuschätzen, zu respektieren, zu lieben und können wir uns endlich wieder selbst von uns begeistern, nimmt die bisher konturlose Gestalt in der Masse die Form einer eigenen Identität, eines „Ich bin und ich darf sein!“ an. Was wir dann leben, ist das Original und die beste Version unseres Selbst!

„Man wird nicht erleuchtet in dem man sich Figuren aus Licht vorstellt, sondern indem man sich der Dunkelheit bewusst wird.“ (Zitat: Carl Gustav Jung)

Was den Blick und den Fokus auf uns selbst völlig vernebelt und verstellt, ist die fast obsessive Aufmerksamkeit auf und in das außen; der konkurrierende Wettbewerb und ewige Vergleich mit der ausschließlichen Fixierung auf das außen. Was wir dabei völlig vergessen, ist hierbei der Blick und die Zentriertheit auf uns selbst. Wir warten auf andere, die uns mit ihrem Licht den Weg in der Dunkelheit weisen und verleugnen dabei das Licht in uns selbst. Wir warten darauf, dass andere uns sagen, wer wir sind und was wir sein könnten. Wir folgen den Spuren anderer und bemerken dabei nicht, dass diese bereits tief ausgetreten sind und wir dabei keine eigenen Spuren mehr hinterlassen.

Du bist nicht mehr Du selbst, sondern Du hast Dich in einer form- und konturlosen Masse eines kollektiven „WIR!“ verloren und aufgegeben. Wann fängst Du erneut an, Dich selbst zu suchen und hast vor allen Dingen auch die Bereitschaft Dich selbst zu finden? Wann fängst Du damit an Dich wieder mit Begeisterung und Hingabe selbst zu entdecken, zu genießen und Dich selbst zu erleben? Wann blickst Du nach vorne und nie mehr zurück? Wann streifst Du endlich das Korsett, das nicht das Deine ist, es niemals war, ab und verbrennst es? Wann realisierst Du endlich, dass Zeit keine Wunden heilt, sondern man sich lediglich an den tiefen Schmerz gewöhnt hat?

Wann begrüßt Du endlich Dich selbst mit einem liebevollen „Hallo!“ in Deinem Leben, in Deiner Grossartigkeit und in Deiner eigenen Identität? Wann bist Du bereit ganz Du selbst zu sein?

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Wann ist wann?

„Später oder doch eher irgendwann einmal?“

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„Irgendwann“ und „später“ bedeutet zumeist NIEMALS!

Das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss und kaum etwas entlarvt Menschen so sehr, wie ihre Sprache und dabei verwendete sehr ungenaue und vage Begriffe, insbesondere wenn es sich dabei um die Notwendigkeit des Konkretisierens handelt!

Wer von seinem Liebsten gefragt wird, ob man gemeinsam zwecks Eheschließung vor den Traualtar treten möchte und „Ja!“ sagt, wird wohl kaum ein Problem damit haben, ein konkretes Datum für den Startschuss beim Standesamt festzulegen. Nicht so hingegen, wenn es sich um die Realisierung der eigenen anvisierten Visionen und Ziele und den Start einer grundlegenden Neu- und Umorientierung handelt. Wird es hier konkret, weichen die meisten dann in den Tieftauch- Bereich der kreativen Ausreden und des Nebulösen aus.

Da ich Menschen, mit denen ich mich unterhalte oder die ich berate, immer und grundsätzlich meine vollumfängliche Aufmerksamkeit schenke, laufen bei mir selbstverständlich alle Äußerungen, Aussagen und dabei verwendeten Begriffe zwecks Analyse des Gesagten hinsichtlich der Überprüfung einer Kompatibilität in Bezug auf klare Überzeugung und eine unverhandelbare Absichtserklärung durch eine Art Nano- Feinfilter. Neben den Begriffen „eventuell“, „vielleicht“ und „eigentlich“, mein ganz persönliches Lieblings- Unwort, gehören zu meinen absoluten Favoriten die wenig konkreten Aussagen „irgendwann“ und „später“. Irgendwann einmal? Später? Wann bitte ist irgendwann und wann findet später tatsächlich statt?

Das beste „Spielfeld“ in punkto Sprach- Analyse, unser Sprachgebrauch ist immer ein Spiegel unserer wahren inneren Überzeugung und Haltung, bietet da ausnahmslos meine Praxis. Zu mir kommen keine Menschen, um mir davon zu berichten, wie gut es ihnen geht oder wie erfolgreich und effizient sie ihre Visionen und Planungen umgesetzt haben. Nein, zu mir kommen Menschen, die sich um- und neuorientieren möchten, die eine erlebte Katastrophe als neue Chance wahrnehmen, die endlich den Sprung von einem Angestellten- Verhältnis in die Selbständigkeit realisieren und hierbei meine fachliche Beratung in Anspruch nehmen möchten.

Nach einer akribischen Analyse nach dem was ist, was bleibt und was beendet werden darf, kommt dann zumeist eine klare Zielsetzung in einzelnen Schritten, um aus einer Vision Realität und Effizienz entstehen zu lassen. Solange Mann/Frau sich noch im Bereich der grauen Theorie bewegt, sprudeln hier innovative Ideen, Gedankenspiele, kreative Planungen und Visionen ohne Limit und in nahezu unbegrenzter Fülle. Bis zu diesem Punkt bewegt man sich in der Regel zumeist noch auf dem Level des Konjunktivs: Man sollte, müsste, könnte …!

Ideen, Planungen und Visionen sind durchaus mit Blick auf Vorhaben, Um- und Neuorientierungen durchaus wünschenswert, ja sogar notwendig, um alle sich bietenden Möglichkeiten und Potenziale ausschöpfen zu können. Kommt das Gespräch dann jedoch zu dem Punkt, an dem es um Entschlossenheit, Eindeutigkeit, Überzeugung und eine klare Absichtserklärung geht, wird es in der Regel wahlweise sehr kreativ bis recht still und bemerkenswert leise. Da nun aber jeder noch so innovativen und kreativen Theorie auch die Vollendung in der Praxis folgen sollte, stellt sich in der letzten Etappe einer Beratung logischerweise auch immer die Frage nach einem realisierbaren Zeitplan, um die einzelnen Schritte des geplanten Vorhabens in Richtung des Ziels auch erfolgreich umsetzen zu können. Die überdeutliche und klare Frage nach dem „Wann?“.

Bleibt eine klare Antwort auf diese wichtige Frage aus oder weicht mein Gegenüber dann einer Konkretisierung aus, ist dies dann zumeist auch der „point of death“, der ultimative Schlußpunkt hinter jeder theoretisch noch so ausgefeilten Vision. Fallen dann im Verlauf einer diesbezüglich folgenden Antwort die beiden Zauberworte „irgendwann“ und/oder „später“, stellt sich für mich nur noch die Frage: „Spielen Sie etwa noch immer oder machen Sie bereits ernst? Wann ist genau und konkret wann?“ „Irgendwann“ oder „später“ kann bedeuten in vier Wochen, in einem Jahr, in zehn Jahren, auf dem Sterbebett oder – und das ist meistens der Fall – bedeuten diese beiden Begriffe nur das eine: „Niemals!“. Die Vision und das anvisierte Ziel fühlen und hören sich zwar theoretisch zunächst sehr gut an, aber das ganze wird in der Praxis zumeist niemals realisiert und umgesetzt werden!

Ein vages, ungenaues und unkonkretes „irgendwann“ oder „später“ signalisiert nicht nur ein „Niemals!“, sondern überdies eindeutig fehlende Überzeugung, einen Mangel an intrinsischer Motivation, ein Ausweichen gegenüber dem Ziel und das Fehlen einer deutlichen und überzeugten Absichtserklärung. Der Schritt von einem „Ich könnte eventuell und müsste eigentlich …!“ hin zu einem überzeugten „Ich will …!“.

„Irgendwann“ und „später“ bedeutet im Prinzip nichts anderes als ein „vielleicht“ oder „eventuell“, ein „Schaun wir mal!“ und „Jein!“ und schlussendlich entsteht daraus ein schleichendes „Niemals!“. Ein „irgendwann“ und „später“ signalisiert keine eindeutige und überzeugte Haltung, sondern vielmehr die sorgsam tapezierte Hintertür des Seelenhauses: Für andere unsichtbar, aber der Hausbesitzer weiß ganz genau, wo er sie findet, wenn sie denn gebraucht wird, um sich selbst und seinen Visionen und theoretischen Zielen erfolgreich auszuweichen! Ich gehe jedoch noch weiter: Mit einem vagen und unkonkreten „irgendwann“ und „später“ verraten wir immer auch Stück weit uns selbst und treten die sich uns bietenden Chancen und Möglichkeiten unser Potenzial auszuleben und die beste Version von uns zu leben mit Füssen. Ein Leben gelebt im Konjunktiv, und im undeutlichen Nebel eines „Ich könnte, würde und sollte …!“. Nur bedenken Sie bitte: Ein jedes vage „später“ und „irgendwann“ erfährt irgendwann zumeist völlig unerwartet einen Schlusspunkt, an dem sich die Frage nach dem „Wann?“ für Sie nicht mehr stellen wird!

Und da das Beste wirklich immer zum Schluss kommt, hat mich zur Frage nach einem grundsätzlichen und konkreten „Wann?“, nicht nur in Bezug auf berufliche Ziele, sondern mit Blick auf ausnahmslos alle Veränderungen in unserem Leben, ein kleiner Filmbeitrag gefunden. Ilja Grzeskowitz ist ein wunderbarer Vortragsredner und er erzählt hier eine kleine, sehr berührende und sehr zu denkende gebende Geschichte aus seinem Leben über das „irgendwann“ und „später“.

 

Stellen Sie sich jetzt bitte selbst die kritische Frage, wann für Sie „Wann?“ ist! Für mich persönlich gilt: „Wann“ ist nicht morgen, nicht übermorgen und nicht in einem Jahr. „Wann“ ist für mich immer und grundsätzlich HEUTE und JETZT, denn es wird niemals einen besseren und günstigeren Zeitpunkt für das wirklich wichtige geben: Uns selbst und unser Leben!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Die Bucket- List!

Das ultimative Must- have: „Die Liste vor der Kiste!“

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Bevor es irgendwann unerwartet ganz leise an der Tür klopft …

Es geht doch wirklich absolut nichts über perfekte Planung und bestens durchorganisierte Menschen haben selbstverständlich Ihren elektronischen, bzw. digitalen Timer immer am Mann, bzw. an der Frau und zwar in Form eines Smartphones. Akribisch getaktet, bloß keine Minute mit Sinnlosigkeiten, geschweige denn Stille und Nichtstun verschwenden und immer hart am Wind der Viel- und Vollbeschäftigung segeln! Umso voller der eigene Terminkalender, umso bedeutender fühlt sich der Mensch, umso gefühlt inhaltsvoller und erfolgreicher das eigene Leben. Umso verplanter und schneller die Zeitschleife der eigenen Existenz mancher Menschen abläuft, umso mehr Wichtigkeit wird damit in das hinein interpretiert, was man intensiv, bewusst und genussvoll erleben sollte, weniger hingegen sollte man das Leben abarbeiten wie das tägliche Pensum im Steinbruch.

Ganz wichtig und das ultimative Must- have ist mittlerweile die „Bucket- List“, die Löffel- Liste oder Liste vor der Kiste bevor man schlicht und ergreifend den Löffel abgibt. Diese Abhak- Listen für´s angeblich ultimative Lebensglück bevor man denn irgendwann einmal von dieser Welt abdankt, verbreiten sich mittlerweile wie viraler Schwachsinn und das geht mittlerweile tatsächlich schon so weit, dass man zum Geburtstag gefragt wird, ob man denn zwischenzeitlich wenigstens einen Großteil der eigenen Bucket- List abhaken konnte.

Hab ich da irgendwie etwas nicht mitgekriegt? Ist an mir etwa völlig vorbei gerutscht, dass wir offensichtlich ein Mindesthaltbarkeits- Datum haben oder der Akku des Lebens nur eine äußerst begrenzte und sehr überschaubare Lebensdauer hat? Ja, geht´s denn noch?!!!

Wo es früher mal fast bewundernd hieß: „Wie in Deinem Alter noch …!“, wobei dabei die Altersgrenze völlig im Unklaren blieb, wird man heute auf die Liste vor der Kiste angesprochen! Vermeintliches Lebensglück zum Abarbeiten und Abhaken, am besten noch im elektronischen Timer gespeichert, damit man´s bloß nicht vergisst und keinen Termin verpasst! Jetzt weiß ich endlich, was mir definitiv (nicht) fehlt im Leben …

Was sich mir dabei völlig verschließt: Gibt man den Löffel sofort ab, wenn die Liste vor der Kiste abgearbeitet ist oder lebt man solange, bis die Liste vollständig abgehakt worden ist? Und was passiert, wenn ich die Liste endlich durch habe und mir eine neue Löffel- Liste vorschwebt. Darf ich dann nochmal ran oder gibt´s hier nur eine einzige Chance? Gibt es für eine vollständig abgearbeitete Bucket- List eigentlich Bonus- Punkte für was auch immer oder wirkt sich das im Endergebnis garnicht aus? Tja, und was ist, wenn ich gar keine Liste vor der Kiste habe? Lebe ich dann ewig bis mir das passende einfällt oder habe ich dann garnicht gelebt? Das wichtigste jedoch überhaupt: Brauche ich zwingend eine Bucket- List als Wegweiser, um Lebensglück zu entdecken oder führe ich ein trauriges und glückloses Leben gänzlich ohne Löffel- Liste? Ist es vielleicht nicht sogar vielmehr so, dass ich ein weitaus intensiveres und glücklicheres Leben führe, wenn ich mich spontan überraschen lasse, anstatt mich anhand eines Abhak- Zettels auf der Suche nach dem Glück leiten zu lassen und mich von dieser Liste vor der Kiste abhängig zu machen?

Ganz ehrlich? Ich brauche, um ein intensives, bewusstes, glückliches und einfach tolles Leben zu führen weder einen elektronischen Timer, noch eine Liste vor der Kiste! Ich lebe ungeplant und ohne jegliches Zeitgefühl; ich „DARF“ und „WILL“, anstatt einem ich „muss“; ich esse, wenn ich Hunger habe; steige morgens aus meinem Bett, wenn ich ausgeschlafen habe, und ich genieße ausgiebig und intensiv alles das, was mir das Leben an Überraschungen und Herausforderungen schenkt. Ich gestalte mir meine Welt, wie sie mir gefällt und das ist gut so. Für mich persönlich ein Leben in absoluter Gelassenheit, Harmonie, Inspiration, Freiheit und Bewusstsein. Eine Liste vor der Kiste? Ja, klar unbedingt, auf alle Fälle und mit absoluter Sicherheit definitiv nicht!

Und die Sache mit dem „Was Du in Deinem Alter …?“ korrigieren wir mal ein bisschen, zumal die Epigenetik es äußerst erfolgreich als Errungenschaft der Lebensverlängerung geschafft hat, den Alterungsprozess bei Mäusen mit Hilfe von reprogrammierten Zellen um ein Drittel zu verzögern und jetzt versucht, diese Kenntnisse auf den Mensch zu übertragen. Aber auch egal! Gestorben wird ohnehin – und das eindeutig ohne Liste vor der Kiste – erst mit 120 Jahren und einem Tag. Denn wer will diese Welt bitte schon an seinem 120. Geburtstag verlassen?

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Einfach anders sein …

„Außergewöhnlich gewöhnlich und abnormal normal“

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Das Märchen vom kleinen schwarzen Schaf, das so gerne wie alle anderen sein wollte!

Und wie alle Märchen, beginnt auch dieses mit: Es war einmal …

Ein kleines schwarzes Schäfchen wurde in eine große Herde von weißen Schafen geboren. Seine Eltern waren ebenfalls beide schneeweiß wie all die anderen Schafe, und niemand konnte sich so recht erklären, weshalb ausgerechnet dieses kleine Lämmchen als einziges von unendlich vielen schwarz war.

Nachdem sich das kleine Lämmchen von der anstrengenden Geburt etwas ausgeruht und noch ein wenig in der warmen Mulde mit seiner Mutter gekuschelt hatte, nahm es all seinen Mut zusammen, und lief freudig neben ihr über die Wiese, um dort endlich alle anderen zu begrüßen. Es sprang fröhlich auf die anderen kleinen Lämmchen zu, überglücklich gleich so viele ebenso kleine neue Freunde gefunden zu haben.

Zunächst hatten alle das kleine Schäfchen neugierig, wenn auch etwas reserviert, aus der Ferne beobachtet. Als es ihnen jedoch näher kam, flüchteten alle zu ihren Müttern und liefen dann gemeinsam mit all den anderen ans äußerste Ende der Weide. Das kleine Schäfchen dachte zunächst an ein lustiges Spiel und rannte allen anderen Schafen und Lämmern hinterher. Doch wieder passierte genau das gleiche. Alle anderen liefen sofort in die genau entgegengesetzte Richtung.

Das kleine Schäfchen kam mit seinen noch so kurzen Beinen garnicht hinter den anderen her und rief deshalb laut: „Hey, wartet doch auf mich. Ich will doch mitspielen!“ Da blieb das Leittier, ein großer und mächtiger Schafsbock, stehen. Er drehte sich nach dem kleinen Lämmchen um, schaute es sehr böse an und sagte laut: „Verschwinde, wir wollen nichts mit Dir zu tun haben!“ Das kleine Lämmchen blieb erschrocken stehen, sah ängstlich den großen Schafsbock an und sagte verständnislos:“ Aber warum denn nur? Ich bin doch einer von Euch. Ich bin doch nur ein Schaf und genauso wie Ihr alle!“ Der große Schafsbock, schon merklich ruhiger, aber noch immer sehr abweisend und feindselig, sah das kleine Schäfchen ruhig an und sagte nach einer ganzen Weile: „Nein, das bist Du nicht! Wir alle sind weiß, das siehst Du ja wohl, und Du als einziger bist schwarz und deshalb wirst Du niemals einer von uns sein!“

Das kleine Lämmchen lief ganz langsam zu seiner Mutter zurück, sah sie traurig an und sagte mit leiser Stimme: „Mama sag, warum darf ich nicht einer von ihnen sein? Ich bin doch ebenso ein Schaf wie sie alle, nur eben noch ganz klein!“ Die Mutter stupste das Lämmchen an, sah ihm tief in die Augen: „Ja, mein Kleines, Du bist ein Schaf wie alle anderen. Aber alle weißen Schafe werden immer nur sehen, dass Du schwarz bist. Für sie bist Du anders und deshalb lehnen Dich alle ab. Für mich allerdings bist Du außergewöhnlich und etwas ganz besonderes eben weil Du schwarz bist.“

Das kleine Schäfchen dachte lange nach und sagte dann: „Mama, werde ich deshalb niemals zu allen anderen gehören?“ Die Mutter blickte ihrem Lämmchen liebevoll in die Augen: „So ist es, mein Kleines! Du wirst für immer anders sein, ein schwarzes Schaf, und aus diesem Grund werden Dich auch alle anderen immer ablehnen. Sie sehen nicht in Dein großes Herz, und sie wollen nicht sehen, dass Du genauso bist wie sie alle. Sie werden immer nur als Besonderheit Dein schwarzes Fell sehen!“

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis „Ansavita“

Text: © Jutta A. Lotz- Hentschel

Ein letztes Mal?

„Stell Dir vor, wenn es kein morgen mehr gäbe …“

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Es dürfte wohl kaum jemanden auf dieser Welt geben, der gerade angesichts des bedeutenden Datums 11.September nicht an ein „Gibt es morgen noch ein morgen?“ und „…was wäre wenn?“ denkt. Auch wenn wir täglich mit immer neuen Schreckensmeldungen und gefühlten Endzeit- Nachrichten hinsichtlich weltweiter Katastrophen, Unruhen, Kriegen und persönlicher Schicksale überflutet werden und uns diese manches Mal kaum noch berühren, macht uns dieses einprägsame Ereignis, das nunmehr schon so lange Jahre zurückliegt, noch immer sehr, sehr betroffen und nachdenklich – was wäre, wenn es tatsächlich kein „morgen“ mehr gäbe? Gerade das lang zurückliegende Ereignis des 11.September 2001 zeigt uns immer wieder, dass wir endlich sind, uns nur ein zeitlich begrenztes Leben zur Verfügung steht und wir oftmals sehr unbewusst und auch unachtsam leben, gerade im Umgang mit unseren Mitmenschen, so als ob es wirklich kein „morgen“, sondern vielmehr ein „immer“ gäbe und wir eine garantierte und verbriefte Option auf die Unendlichkeit hätten, die beliebig verlängerbar ist.

 

„Wenn ich wüsste …“

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
dass ich dich einschlafen sehe,
würde ich dich liebevoller zudecken
und zu Gott beten, deine Seele zu beschützen.

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
dass ich dich zur Tür hinausgehen sehe,
würde ich dich umarmen, dir einen Kuss geben
und dich zurückrufen für noch einen.

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
dass ich deine Stimme höre,
ich würde jede deiner Gesten und Worte auf Video aufzeichnen,
um sie mir jeden Tag wieder ansehen zu können.

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
würde ich eine Minute oder zwei innehalten
und dir „Ich liebe dich“ sagen, anstatt davon auszugehen,
dass du das auch ohne meine Worte weißt.  

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
würde ich diesen Tag mit dir teilen.
Jetzt bin ich mir so sicher, dass wir noch so viele haben,
dass ich diesen ahnungslos verstreichen lasse.

Es gibt immer ein Morgen,
um eine Verletzung wieder gutzumachen,
und wir bekommen immer eine zweite Chance,
um das Leben in Ordnung zu bringen.
Es gibt immer noch einen Tag, um „Ich liebe dich“ zu sagen,
und immer noch eine Chance
für ein „Kann ich etwas für dich tun?“

 Aber nur für den Fall, dass ich falsch liege,
und es bleibt nur der heutige Tag,
möchte ich dir sagen, wie sehr ich dich liebe,
und ich hoffe, wir vergessen nie:
Das Morgen ist niemandem versprochen,
weder Jung noch Alt.
Heute könnte deine letzte Gelegenheit sein,
um deine Lieben ganz fest zu umarmen.
 

Wenn du auf morgen wartest,
wieso tust du’s nicht heute?
Denn falls morgen nicht mehr kommt,
wirst du den Tag bereuen,
an dem du dir keine Zeit genommen hast
für ein Lächeln, eine Umarmung oder einen Kuss,
weil du zu beschäftigt warst,
um jemandem etwas zu geben,
was sich im Nachhinein als sein letzter Wunsch herausstellt.  

Halte deine Lieben heute ganz fest,
flüstere ihnen ins Ohr,
sag ihnen, wie sehr du sie liebst,
und dass du sie für immer in deinem Herzen behalten wirst.

 Nimm dir die Zeit zu sagen: „Es tut mir Leid“,
„Bitte verzeih mir“,„Danke“ oder „Ist in Ordnung“.
Und wenn es kein Morgen gibt,
musst du das heute nicht bereuen.

(aus: Worauf kommt es an im Leben? Erzählungen und Gedichte auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Autoren: Ulrike Vornweg-Elzner und Thomas Euteneuer)

 

Ich wünsche allen ein achtsames und respektvolles Leben mit dem Bewusstsein, dass es sicherlich für uns alle morgen auch erneut ein neues „Morgen“ geben wird, wir jedoch zukünftig sehr aufmerksam und bewusst damit umgehen sollten. Denn irgendwann einmal wird es für einen jeden von uns kein neues „Morgen“ mehr geben; genießen wir also gemeinsam sinnlich und sinnvoll das „Heute, hier und jetzt“ mit dem Bewusstsein an ein endliches und vergängliches „Morgen“!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis Ansavita