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Die Bucket- List!

Das ultimative Must- have: „Die Liste vor der Kiste!“

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Bevor es irgendwann unerwartet ganz leise an der Tür klopft …

Es geht doch wirklich absolut nichts über perfekte Planung und bestens durchorganisierte Menschen haben selbstverständlich Ihren elektronischen, bzw. digitalen Timer immer am Mann, bzw. an der Frau und zwar in Form eines Smartphones. Akribisch getaktet, bloß keine Minute mit Sinnlosigkeiten, geschweige denn Stille und Nichtstun verschwenden und immer hart am Wind der Viel- und Vollbeschäftigung segeln! Umso voller der eigene Terminkalender, umso bedeutender fühlt sich der Mensch, umso gefühlt inhaltsvoller und erfolgreicher das eigene Leben. Umso verplanter und schneller die Zeitschleife der eigenen Existenz mancher Menschen abläuft, umso mehr Wichtigkeit wird damit in das hinein interpretiert, was man intensiv, bewusst und genussvoll erleben sollte, weniger hingegen sollte man das Leben abarbeiten wie das tägliche Pensum im Steinbruch.

Ganz wichtig und das ultimative Must- have ist mittlerweile die „Bucket- List“, die Löffel- Liste oder Liste vor der Kiste bevor man schlicht und ergreifend den Löffel abgibt. Diese Abhak- Listen für´s angeblich ultimative Lebensglück bevor man denn irgendwann einmal von dieser Welt abdankt, verbreiten sich mittlerweile wie viraler Schwachsinn und das geht mittlerweile tatsächlich schon so weit, dass man zum Geburtstag gefragt wird, ob man denn zwischenzeitlich wenigstens einen Großteil der eigenen Bucket- List abhaken konnte.

Hab ich da irgendwie etwas nicht mitgekriegt? Ist an mir etwa völlig vorbei gerutscht, dass wir offensichtlich ein Mindesthaltbarkeits- Datum haben oder der Akku des Lebens nur eine äußerst begrenzte und sehr überschaubare Lebensdauer hat? Ja, geht´s denn noch?!!!

Wo es früher mal fast bewundernd hieß: „Wie in Deinem Alter noch …!“, wobei dabei die Altersgrenze völlig im Unklaren blieb, wird man heute auf die Liste vor der Kiste angesprochen! Vermeintliches Lebensglück zum Abarbeiten und Abhaken, am besten noch im elektronischen Timer gespeichert, damit man´s bloß nicht vergisst und keinen Termin verpasst! Jetzt weiß ich endlich, was mir definitiv (nicht) fehlt im Leben …

Was sich mir dabei völlig verschließt: Gibt man den Löffel sofort ab, wenn die Liste vor der Kiste abgearbeitet ist oder lebt man solange, bis die Liste vollständig abgehakt worden ist? Und was passiert, wenn ich die Liste endlich durch habe und mir eine neue Löffel- Liste vorschwebt. Darf ich dann nochmal ran oder gibt´s hier nur eine einzige Chance? Gibt es für eine vollständig abgearbeitete Bucket- List eigentlich Bonus- Punkte für was auch immer oder wirkt sich das im Endergebnis garnicht aus? Tja, und was ist, wenn ich gar keine Liste vor der Kiste habe? Lebe ich dann ewig bis mir das passende einfällt oder habe ich dann garnicht gelebt? Das wichtigste jedoch überhaupt: Brauche ich zwingend eine Bucket- List als Wegweiser, um Lebensglück zu entdecken oder führe ich ein trauriges und glückloses Leben gänzlich ohne Löffel- Liste? Ist es vielleicht nicht sogar vielmehr so, dass ich ein weitaus intensiveres und glücklicheres Leben führe, wenn ich mich spontan überraschen lasse, anstatt mich anhand eines Abhak- Zettels auf der Suche nach dem Glück leiten zu lassen und mich von dieser Liste vor der Kiste abhängig zu machen?

Ganz ehrlich? Ich brauche, um ein intensives, bewusstes, glückliches und einfach tolles Leben zu führen weder einen elektronischen Timer, noch eine Liste vor der Kiste! Ich lebe ungeplant und ohne jegliches Zeitgefühl; ich „DARF“ und „WILL“, anstatt einem ich „muss“; ich esse, wenn ich Hunger habe; steige morgens aus meinem Bett, wenn ich ausgeschlafen habe, und ich genieße ausgiebig und intensiv alles das, was mir das Leben an Überraschungen und Herausforderungen schenkt. Ich gestalte mir meine Welt, wie sie mir gefällt und das ist gut so. Für mich persönlich ein Leben in absoluter Gelassenheit, Harmonie, Inspiration, Freiheit und Bewusstsein. Eine Liste vor der Kiste? Ja, klar unbedingt, auf alle Fälle und mit absoluter Sicherheit definitiv nicht!

Und die Sache mit dem „Was Du in Deinem Alter …?“ korrigieren wir mal ein bisschen, zumal die Epigenetik es äußerst erfolgreich als Errungenschaft der Lebensverlängerung geschafft hat, den Alterungsprozess bei Mäusen mit Hilfe von reprogrammierten Zellen um ein Drittel zu verzögern und jetzt versucht, diese Kenntnisse auf den Mensch zu übertragen. Aber auch egal! Gestorben wird ohnehin – und das eindeutig ohne Liste vor der Kiste – erst mit 120 Jahren und einem Tag. Denn wer will diese Welt bitte schon an seinem 120. Geburtstag verlassen?

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Menschenkinder!

„Kinder der neuen Zeit“

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Mensch, lass Dein Kind doch endlich wieder Kind sein!

Sie wurden vor 1970 geboren? Wie haben Sie es eigentlich geschafft unbeschadet, heil und noch halbwegs am Stück Ihre Kindheit und Jugend zu überleben? Meinen herzlichsten Glückwunsch zu dieser nahezu unschlagbaren Leistung

Im Prinzip lehne ich pauschalierte Sprüche á la „Früher war sowieso alles besser!“ oder „Bei uns war die Welt noch in Ordnung!“ grundsätzlich und konsequent ab. Es gibt jedoch Begegnungen und Ereignisse, die auch mich gelegentlich dazu veranlassen, zurückzublicken und kritisch zu hinterfragen, wie ich es eigentlich geschafft habe, ohne nennenswerte Schäden davonzutragen, meine Kindheit und Jugend zu überleben, und dabei auch noch alleine und eigenverantwortlich gelernt habe, geradeaus zu laufen und täglich aufs neue meine Schule zu finden ohne dabei versehentlich im Dschungel- Dickicht des Amazonas zu landen. In Anbetracht der heute offensichtlich allerorts und permanent lauernden immensen Gefahren und offenbar tödlichen Bedrohungen, zusätzlich befeuert durch die allgegenwärtige Medien- Berichterstattungen, ein für mich greifbares wahres und kaum noch nachvollziehbares Wunder!

Denke ich an meine eigene Kindheit und Jugend zurück, fallen mir sofort unzählige Begegnungen und Erlebnisse, Abenteuer und Erinnerungen ein, die nach elterlichen Maßstäben vielleicht nicht immer ungefährlich und risikoarm waren, die jedoch maßgeblich dazu beigetragen haben, mich zu dem werden zu lassen, was ich heute bin: Spontan, sicher, offen, mutig, tolerant, eigenverantwortlich, selbständig und mit gnadenlosem Optimismus und viel Selbstironie gesegnet. Mal richtig auf die Nase legen? Ja klar und? Krönchen gerade rücken, Pflaster aufs Knie, aufstehen und weiter geht’s!

Für uns war kein Baum war zu hoch; die Untermieter in Form von Zecken und Flöhen haben wir beim gemeinsamen Igel- Kuscheln dezent übersehen; die an den Waden festgesaugten Blutegel beim Angeln im Bach sind irgendwann von alleine abgefallen und die plattgewalzten Pfennigstücke, die wir auf die Schienen einer Bimmelbahn gelegt hatten, habe ich noch jahrelang wie einen Schatz gehütet. Ein verlassenes Haus war der aufregendste Abenteuer- Spielplatz; wir haben, wenn wir durstig waren, Wasser aus dem Bach im Wald getrunken; ungewaschene Himbeeren direkt vom Busch und Kirschen vom Baum, dabei großzügig die proteinreiche Fleischeinlage in Form von Würmchen ignoriert; hingebungsvoll haben wir mit dem Einmachglas Froschlaich aus dem Weiher gefischt, um zu studieren, wie daraus Frösche entstehen und mein Haustier war ein selbstgefangener grottenhässlicher grau- brauner Molch in einem bepflanzten Terrarium.

Kein Mensch hat sich Gedanken hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung und eventuellen Toxizität und drohenden Gefahren von Fingerfarben, Knetgummi, Klebstoffen (Richtig, da gab´s doch mal einen in einer silbernen Blechdose, der roch so unwiderstehlich nach Marzipan, da musste doch auch unbedingt mal probiert werden, ob der auch so schmeckt, wie er riecht!) und Lacken, geschweige denn der Ernährung gemacht. Gegessen wurde das was schmeckt – egal ob vom heimischen Tisch oder direkt vom Obstbaum und Strauch! Unsere Ernährung wurde nicht misstrauisch und kritisch aufgrund der Inhaltsstoffe beäugt und hinsichtlich des Nährwertes mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln aufgepeppt; Laktose-, Fruktose- und Gluten- Unverträglichkeiten, heute fast schon ähnlich der Erhebung in den Adelsstand, gab´s auch nicht; unser IQ und EQ stand noch nicht auf dem Prüfstand und zur öffentlichen Diskussion und es gab auch noch keine angeblich verhaltensauffälligen Kinder, die täglich mehrfach mittels Ritalin & Co. auf Empfehlung eines Arztes ruhiggestellt werden mussten.

Keiner von uns hat jemals eine kinderpsychologische Praxis von innen gesehen (Gab´s das damals überhaupt schon?) und niemandem wurde vorgehalten, er sei zu laut und zu hyperaktiv, geschweige denn deshalb verhaltensauffällig: Wir waren Kinder, durften uns auch noch als solche (daneben) benehmen und die ganz große weite Welt für uns meistens allein und unbeaufsichtigt entdecken!

Wir haben bei Wetten für fünf D- Mark ein Wasserglas mit fünf Kaulquappen leergetrunken; mindestens ein Knie war immer mit einem Pflaster bedeckt oder gerade verschorft und wir waren stundenlang verschwunden, ohne dass unsere Eltern genau wussten, wo wir eigentlich genau waren und was wir so alles anstellten; wir haben mit wildfremden Menschen für zehn D- Mark pro Eimer Weinbergschnecken eingesammelt und wir sind am Wochenende und in den Ferien erst nachhause gekommen, wenn es draußen dunkel wurde.

Wir hatten noch das, was man echte Freunde nennt und nicht wie heute anonyme Follower auf Facebook, Twitter und Instagram; wir haben dicht- und zusammengehalten wie Pech und Schwefel und kein Mensch hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, inwieweit unsere Kumpel intellektuell akzeptabel und mit dem eigenen gesellschaftlichen Status kompatibel sind oder eben nicht. Man hat uns weder per Auto in die Schule gebracht, noch abgeholt, sondern wir sind mit dem Fahrrad gefahren oder gelaufen; es gab keine allmächtige Nabelschnur in Form eines Handys und unsere Zeit nach der Schule war nicht von unseren Eltern verplant, sondern gehörte uns allein. Für uns gab es genau zwei Dinge, die unser Leben bestimmten: Schule und Freizeit und letzteres haben wir ausgiebig genossen!

Nur am Rande bemerkt: Meine Eltern haben mich weder verwahrlosen lassen, noch mich vernachlässigt; ich komme auch nicht aus einer bildungsfernen Familie, in der die Kinder sich selbst überlassen waren und meine Eltern waren auch keine Anhänger der damals vielfach propagierten anti- autoritären Erziehung. Wofür ich meinen Eltern jedoch heute noch dankbar bin: Sie waren für mich da, wenn ich sie gebraucht habe, aber sie haben mich frühzeitig abgenabelt, mich an der langen Leine ins Leben geschubst und einfach nur Kind sein lassen!

Ich bin mir absolut sicher, auch unsere Eltern haben sich Sorgen um uns gemacht, des öfteren mit Blick auf unsere eigene Risikobereitschaft die Luft angehalten und sich ganz bestimmt Gedanken gemacht, wenn wir wieder einmal spurlos und unauffindbar verschwunden waren. Unsere Eltern haben jedoch niemals versucht, uns unsere Lernerfahrungen – positiv wie auch negativ – zu nehmen, uns einzuschränken, zu gängeln und über Gebühr zu bevormunden. Das einzige Sicherheitsnetz war meine Familie, mein Zuhause und eine von meinem Vater sicherheitshalber abgeschlossene Haftpflichtversicherung nachdem ein Bauarbeiter, der einen leeren Bierkasten geschultert hatte, versehentlich auf ein Paar abgestellte Rollschuhe auf dem Treppenabsatz eines Supermarktes getreten war und dabei eine unfreiwillige Landung in den Eingang des Ladens hingelegt hatte, wobei ein ordentlicher Kollateralschaden entstanden war.

Alles in allem war es, sicherlich auch für meine Eltern, eine höchst aufregende, spannende und ereignisreiche Zeit, die ich keinesfalls missen möchte und auf die ich richtig stolz bin, denn ich habe sie unbeschadet überstanden und überlebt und ich habe sie als Kind erlebt und gelebt!

Nahezu ein jeder wird schon einmal dieses wundervolle Zitat, das ich sehr liebe, gehört oder gelesen haben:

Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern sie nur von unseren Kindern geliehen.
(Indianisches Sprichwort)

So schön dieses indianische Sprichwort jedoch auch ist, haben wir uns jemals kritisch und objektiv gefragt, was für Menschen wir unserer Erde mit den von uns heute geborenen Kindern schenken? Wir hinterlassen mit unseren Nachkommen, Kindern und Enkelkindern, unübersehbar Spuren in unserer Welt.

Sind diese Spuren es jedoch wirklich wert, erneut begangen zu werden, ihnen zu folgen oder ist die Zeit eher reif, endlich neue Pfade zu suchen? Machen wir aus unseren Kindern wirklich mit dem, was wir Ihnen zeigen, sagen und in ihre Zukunft mitgeben, selbständige, bewusste, achtsame und eigenverantwortliche Menschen? Geben wir unseren Kindern tatsächlich das bestmögliche mit auf ihren Weg ins Leben und ihre Zukunft? Oder sind wir auf dem besten Weg aus ihnen passive, unsichere und angepasste, ängstliche und verhuschte Wesen, unselbständige und zögerliche Duckmäuschen zu machen, die sich bei Risiken und Herausforderungen lieber mit zugehaltenen Augen in die hinterste Ecke verkriechen in der Hoffnung von allerorts lauernden Gefahren und Bedrohungen verschont zu bleiben? Oder bescheren wir der Welt mit unseren Kindern mit ihren iPods, iPhones und iPads die Generation „i“ oder etwas reduzierter: Die Generation ICH, ICH, ICH?

Wird unsere Welt zukünftig mit unseren Kindern zu dem werden, was wir uns für sie wünschen und was wir alle in Zukunft überlebensnotwendig brauchen? Werden unsere Kinder überhaupt die Kraft und Stärke entwickeln können, unser aller Hoffnungen und Erbe zu tragen und schlussendlich auch umzusetzen und zu realisieren? Oder ist es nicht eher so, dass wir in unserer Unfähigkeit und unserem Unwillen zur Veränderung, Weiterentwicklung und zu mehr Bewusstsein, diese Last an unsere Kinder weitergeben?

Die besten Fragen an das Leben und die Gesellschaft, bzw. deren Entwicklungsstand, stellt das bewusste Erleben des Lebens selbst – nackt, schonungslos, kritisch und konfrontierend mit dem eigenen Selbst und dem eigenen aufgestellten Weltbild. Auch nach jahrelanger härteerprobter Praxisarbeit und unzähligen, manches Mal wirklich kuriosen und denkwürdigen Begegnungen mit den unterschiedlichsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten und Charakteren, gibt es auch bei mir noch Situationen und Ereignisse bei denen mir wirklich die Worte fehlen und ich zunächst einmal über das soeben Erlebte gründlich und intensiv nachdenken muss, um mir selbst plausibel erscheinende Antworten auf drängende Fragen geben zu können.

Was mich zu der kleinen Rückschau in Richtung meiner Kindheit veranlasst hat, war ein kleines Erlebnis, das widersprüchlicher und gegensätzlicher nicht hätte sein können, eigentlich fast unbedeutend und doch sehr aufschluss- und erkenntnisreich, fast sogar aufrüttelnd. Diese Begegnungen, teilweise wirklich schräg und fast schon gruselig, veranlasste mich dazu kritisch zu hinterfragen: In welcher Welt leben wir eigentlich heute und was hinterlassen wir für die Zukunft in unseren Kindern?

Ein jeder der Kinder im Zahnspangenalter hat, wird sicherlich den allgemeinen Run auf die bunten Sammelbildchen, angeboten von einer bekannten Supermarkt- Kette, kennen. Obwohl ich selbst keine Kinder im Zahnspanngen- Alter habe, hatte ich mir nach getätigtem Einkauf immer die Karten von der Kassiererin aushändigen lassen und sie an gut sichtbar vor der Kasse und im Eingang des Ladens postierte Kinder verschenkt, die einen jeden Kunden bereits mit glänzenden Augen angesichts der Vorfreude auf die zu erwartenden Sammelkarten fixierten. Ein besonders ertragreicher Tag schien für die Kiddies grundsätzlich samstags zu sein, da an diesem Tag offensichtlich besonders viele Kunden Lebensmittel einkaufen und die zu erwartende Ausbeute an erhamsterten Sammelkarten erheblich größer zu sein schien.

Also ließ ich mir, sofern ich einmal an einem Freitagabend in den Supermarkt ging, die Karten aushändigen und hortete sie bis zum nächsten Samstag- Einkauf. Nachdem ich also meinen Einkauf bezahlt hatte, erhielt ich eine Handvoll der begehrten Karten. Am Ende der Kasse in Richtung Ausgang stand ein kleines Mädchen, ca. 6 Jahre alt, erwartungsfreudig strahlend, Handy griffbereit im Anschlag und sprach mich sofort an, ob ich ihr die Sammelkarten schenken würde. Ich habe ihr die Karten in die Hand gedrückt und meinte: „Wenn Du einen Moment wartest, ich habe im Auto noch einen ganzen Stapel davon liegen, wenn Du die auch haben magst, gebe ich sie Dir gerne!“ Was antwortet die Kleine mir da todernst mit absoluter Todesverachtung im Blick: „Ja, die Karten nehme ich gern, aber ich darf mit Ihnen nicht sprechen und auch nichts von Ihnen annehmen, meine Mutter hat gesagt, dann werde ich von Ihnen sofort entführt und missbraucht, das machen alle Erwachsenen mit Kindern!“ Meine Reaktion, ansonsten eher nicht mit Wortfindungsstörungen gesegnet? Null! Meine Kinnlade klappte in diesem Moment nach unten und mir blieb jeder weitere Kommentar im Hals stecken! Mein erster Gedanke: „Ja, geht´s denn noch?“

Da steht ein kleines Mädchen ganz allein stundenlang im Einkaufsgetümmel in einem Supermarkt, um ihr völlig fremde Menschen anzusprechen und die heißbegehrten Sammelbildchen einzusammeln (Damit hat ihre Mutti offensichtlich keinerlei Problem!). Im Gegenzug wird dem Kind jedoch bereits im Vorfeld suggeriert, bloß mit niemandem zu sprechen und nichts von Fremden anzunehmen, da sie sonst garantiert entführt und missbraucht wird! Wie paradox und widersprüchlich ist das denn? Was mich an dem ganzen Vorfall zutiefst geschockt und getroffen hat war die Tatsache, dass hier die Angst und Befürchtung im Hinblick auf eine eventuell drohende Entführung, sowie eines fiktiven Missbrauchs nicht als vage Möglichkeit oder aber rein fiktive mögliche Bedrohung in den Raum gestellt wurde, sondern nach dem „wenn-/dann- Prinzip“ und „So isses!“ als unumstößliche Tatsache: „Wenn Du mit jemandem sprichst oder etwas annimmst, dann wirst Du entführt und missbraucht!“

Schlagartig ist mir kurioserweise in diesem Moment sofort der ehemals nahezu täglich im Fernsehen zu sehende Clip „Na, Du hast aber einen schönen Hasen; komm ich zeig Dir mal einen richtigen Hasen!“ eingefallen. Unabhängig davon, dass dieser Kurzfilm, der die latente Gefahr von Entführung und Missbrauch aufzeigen und davor warnen soll, nahe der Grenzdebilität angesiedelt ist, dürften aller Wahrscheinlichkeit hier Wahn und Wirklichkeit relativ realitätsfern auseinander liegen. Mal ganz ehrlich: Welche verantwortungsvolle und resolute Mutter überlässt freiwillig einem derart schmierigen Typen, der so ziemlich jedwedes schräge Klischee hinsichtlich eines Entführers und Kindesmissbrauch- Täters bedient, ihre kleine Tochter, um ihr von ihm einen „richtigen Hasen“ zeigen zu lassen?

Die Kleine wartete dann geduldig im Eingang des Supermarktes bis ich mit den Karten in der Hand zurückkam, nahm diese freudestrahlend entgegen und erklärte mit ernsthaft, wenn ich wieder einmal Karten gesammelt hätte, könnte ich sie auch gerne unter ihrer Handynummer anrufen. Wenn ich nicht zu weit weg wohnen würde, könnte sie auch gerne bei mir zuhause vorbeikommen und die Sammelkarten direkt abholen oder sie könnte sich auch samstags zu einer fest verabredeten Uhrzeit mit mir auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt treffen, da könnte ich ihr dann die Karten geben. Es versteht sich von selbst, dass ich das Angebot sofort dankend abgelehnt habe, aber wie war das an dieser Stelle noch mal mit dem Thema Angst vor Entführung und Missbrauch?

Nachdem ich diese denkwürdige Begegnung für mich persönlich vorerst abgehakt hatte, setzte ich meinen Wochenendeinkauf fort, dieses Mal die große Filiale einer Drogeriemarkt- Kette in der Innenstadt. In der langen Schlange vor der Kasse stehend, wartet direkt hinter mir eine Mutter mit ihrer ca. 4- jährigen Tochter. Nun ja, ich gebe gerne zu, man hört anderen Menschen nicht uneingeladen bei Gesprächen zu, aber manches Mal sehe auch ich über solche Prinzipien dezent hinweg, zumal sich das Gespräch zwischen Mutter und Tochter sehr interessant gestaltete.

Die Kleine: „Duuu, Mama, sag mal, wie heißt meine kosmische Mutter noch mal?“ (Wie bitte, was für eine Mutter? Kosmisch? Jetzt verspricht es aber wirklich interessant zu werden!) Die Mutter: „Lena, das weißt Du doch, das habe ich Dir doch schon so oft erzählt, das war Miranlaya, das ist doch die Frau von Metatron!“ (Aaah ja, jetzt wird es so richtig spannend!) Töchterchen an Mama: „Und wo hat mich Miranlaya gekriegt?“ Mutti todernst: „Aber das weißt Du doch auch schon lange, das war auf dem Stern Centra- R!“ (Häää, wo bitte?) Neue Frage an Mama: „Und wo ist das?“ (Tja, kluges Kind, das würde mich jetzt aber auch brennend interessieren!) Mutti: „Na das liegt doch gleich neben Sirius und das gehört zu Aldebaran!“ Mäuschen an Mama: „Und wo ist das?“ Mutti hinter mir: „Das weißt Du doch, da warst Du doch schon einmal, das ist ganz weit weg im Universum!“ (Ich glaub´s doch jetzt nicht wirklich!)

Neugierig geworden, was da gerade offensichtlich von einem anderen Stern genau hinter mir steht, drehte ich mich zu Mutti mit Töchterchen um. Auf den ersten Blick eigentlich recht normal aussehend, aber nach diesem Statement kann ich mich gewisser Zweifel doch nicht so recht erwehren. Die Mutter lächelt mich leicht verstrahlt und etwas weltentrückt an und meint dann doch ernsthaft: „Wissen Sie, meine Tochter ist ein echtes Sternenkind aus dem Universum und sie ist, nachdem sie ihr letztes Leben auf ihrem Heimatstern verbracht hat, als inkarnierte Lichtsaat in diesem Leben zu mir auf die Erde gekommen. Sie will immer wieder wissen, wer ihre kosmischen Eltern sind und wo sie herkam! Ist doch irgendwie süß, gell?!“

Mein erster Gedanke: „Aaaah ja, passt schon! Wahrscheinlich doch nicht ganz so normal, wie sie auf den ersten Blick aussieht!“ Ich bemühte mich wirklich redlich um einen ernsten Gesichtsausdruck ohne in schallendes Gelächter auszubrechen und fragte die stolze Lichtsaat- Mutti: „Und Sie selbst stammen von der Erde?“ Mama: „Neiiin, wo denken Sie hin! Ich war bereits vor zweieinhalbtausend Jahren auf Centra- R ihre Ur- Mutter und jetzt haben wir uns endlich nach langer Suche wiedergefunden! Diese Kinder sind ganz anders, als die von der Erde, so hochsensibel und empfindsam, eben echte Lichtsaaten- Kinder. Sie erziehen sich selbständig, denn sie ganz allein wissen, was gut für sie ist und was sie wirklich brauchen. Sie hüten schließlich das Ur- Wissen der Menschheit und bringen Millionen Jahre altes elementares Wissen zu uns auf die Erde!“

Okay, jetzt ist es wirklich amtlich: Eindeutig nicht normal! Um das ganze nicht weiter ausufern zu lassen, zumal wir bereits einige höchst interessierte Mithörer mit begeistertem Grinsen im Gesicht in der Warteschlange begrüßen durften, habe ich mich entschieden, Mutti nicht zu fragen, was es denn bitteschön mit der kosmischen Mutter Miranlaya auf sich hat und wer denn nun eigentlich tatsächlich der Erzeuger ihrer auf einem anderen Stern zwischen Sirius und Aldebaran als Lichtsaat geborenen Tochter ist.

Ich unterscheide niemals in Bezug auf Menschen zwischen Kulturen, Nationalitäten, Religionszugehörigkeit oder Hautfarbe, für mich ist alles und allein entscheidend, dass ich mit einem Menschen kommuniziere, ihn dabei achte, wertschätze und respektiere. Ich liebe nichts mehr, als Begegnungen mit anderen und andersdenkenden Menschen, den kommunikativen Austausch mit ihnen, das immer weiter von und mit ihnen Lernen, das gegenseitige Verstehen, auch wenn man nicht immer eine gemeinsame Sprache spricht.

Die beiden Erlebnisse an diesem Samstag hätten gegensätzlicher und widersprüchlicher nicht sein können. Was jedoch die beiden Begegnungen gemeinsam haben: Zwei Mütter, völlig unterschiedlich, eine davon zwar körperlich nicht anwesend, jedoch fast spürbar präsent in ihrer völlig überzogenen, eingrenzenden und nahezu paranoiden Angst vor drohender Entführung und Missbrauch, offensichtlich überbehütend, nahezu mit panischen Wahnvorstellungen gesegnet, die ihrer Tochter offenbar suggeriert hat, dass unsere Welt und damit unsere Gesellschaft gefährlich, uneinschätzbar und überaus schlecht ist und allerorts uneinschätzbare Gefahren lauern.

Die zweite Mutter: Offensichtlich mit einer unfassbaren Realitätsferne gesegnet, augenscheinlich infiziert mit einem, den klaren Blick schwer eintrübenden Virus des esoterischen Kuriositätenkabinetts, dabei völlig weltentrückt und in der Realität ver- rückt, redet ihrer kleinen Tochter ein, sie stamme nicht von der Erde, sondern sei in Form einer Sternenstaubsaat, mit immensem Millionen Jahre altem Wissen gesegnet, als Sternenkind einer Miranlaya und eines Vaters namens Metatron von einem, gleich neben Sirius und Aldebaran, zu ihr gekommen.

Keine Frage, man kümmert sich aufopferungs- und hingebungsvoll um seine Kinder. Bereits die Kleinsten besitzen ein kindergerechtes Handy, zumeist auch einen altersgerechten Computer, gelegentlich sogar schon eine Prepaid- Kreditkarte, haben einen Facebook- Account, Xing wird bereits anvisiert, besuchen einen elitären Kindergarten, der allen Bedürfnissen gerecht wird, in dem sie bereits mit zwei Jahren Chinesisch lernen und für den man sich bereits gleich nach der Geburt auf die ellenlange Warteliste setzen ließ. In der anspruchsvollen Schule für Hochbegabte wurden die lieben Kleinen bereits angemeldet, als sie gerade mal krabbeln konnten und der Weg durch´s Studium auf einer Elite- Uni ist ebenso, wie der spätere Karriere- und Beruf(ung-)sweg in Forschung, Finanzen und Wirtschaft dank Papi´s Vitamin- B (= Beziehungen) bereits bei der Einschulung in Planung.

Neben der „richtigen“ Schule und Universität, wird sich darüber hinaus auch aufopferungsvoll und vollumfänglich um die Freizeit der Kinder gekümmert. Selbstverständlich werden die Freunde und vor allen Dingen deren Eltern der Kleinen hinsichtlich der Kompatibilität des eigenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status hinterfragt und vorsorglich ausgesiebt. Man bleibt eben lieber unter sich und sorgt dafür, dass dies auch so bleibt, schließlich soll aus dem eigenen Kind ja mal was werden und früh genug ist niemals zu früh!

Was man früher etwas geringschätzig und leicht abwertend als „Eislauf- und Ballett- Mütter“ bezeichnete, wird heute von gleichgesinnten profilierungssüchtigen Über- Mami´s begeistert gegenseitig beklatscht. Da werden Kinder im Krabbelalter bereits zum Baby- Casting für die trendy Kinderpflege- Linie geschleppt, Fotos an jede nur erdenkliche Kinder- Modell- Agentur verschickt, und die Kleinen zum nächsten Fotoshooting dorthin geschleift und spätestens mit sechs Jahren wird der Nachwuchs beim Casting zu „DSDS- Kids“ und „Supertalent“, angesichts des in den Augen (Und vor allen Dingen im Gehör!) der stolzen Eltern förderungswürdigen und überragenden Gesangstalents, vorgestellt, sowie täglich der Facebook- Account mit Bildern aus jeder Lebenslage gefüttert. Bereits zum Recall werden mit stolz geschwellter Brust die ersten Interviews gegeben und vorsorglich Ausschau nach einem zukünftigen Pressesprecher und Medienberater gehalten.

Der Nachwuchs wird weitgehendst verplant für Nachhilfestunden, Musik- und Gesangsunterricht, zusätzliche Fremdsprachen werden gelernt, Reiten gilt schon aus nahezu nicht mehr zu tolerierende Ausnahme, dafür steht jedoch Tennis, Golf und Tanzen ganz hoch im Kurs und in Malkursen wird der perfekte Pinselstrich und das stilsichere Anmischen von Farben alter Meister geübt. Blockflöte und Schlagzeug werden heute eher der pöbeligen Unterschicht zugeschrieben, wenn schon ein Musikinstrument, dann muss es wenigstens Geige, Oboe, Cello oder Piano sein und dies darüber hinaus möglichst virtuos gelehrt von einem empfohlenen unglaublich bekannten und sündhaft teuren Privat- Lehrer, der mindestens ebensolche Erfolge ausschließlich in den ersten Opernhäusern und auf angesehenen Bühnen und Festspielen vorweisen muss.

Heimliches Standardwerk in Bezug auf Erziehung und Förderung ist hierbei oftmals Amy Chua´s „Die Mutter des Erfolgs: Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte“. Dass Amy Chua den Inhalt Ihres zu Papier gebrachten geistigen Ergusses in punkto Militär- Drill in ihren Augen erziehungsresistenter Kinder bereits revidiert hat und das ganze sich als Fake erwiesen hat, wird von den Über- Mami´s hierbei gerne übersehen. Kritik- resistent wird weiter das Leben der lieben Kleinen in die richtigen Bahnen gelenkt, komme da was wolle!

Glücklich darf sich ein jedes dieser Kinder schätzen, wenn Mutti noch nicht auf die grandiose Idee gebracht wurde, die in den USA so verbreiteten und gern genutzten Peilsender zwecks 24- Stunden- Rundum- Überwachung, in die Kleidung der Kinder einzunähenden oder ein Armbändchen mit GPS- Sender anzulegen, die dann ganz bequem von der heimischen Couch aus per Satelliten- System über ein Labtop kontrolliert werden können. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die eigenen Kiddies sich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort aufhalten und bloß keine Dummheiten machen. Das ganze ist nur noch steigerungsfähig durch einpflanzbare RFID- Chips, die mittels einer Injektion unter der Haut platziert werden. Genau, jetzt bewegen wir kommunikativ uns auf Augenhöhe; wir sprechen genau über den lesbaren Chip, den man auch Ihrem Familien- Wuffi beim Tierarzt Ihrer Wahl eingepflanzt hat!

Das Phänomen der mittlerweile völlig abstrusen und ins monströse überzogenen Angst der Eltern vor Gewalt, Entführung und Missbrauch im Hinblick auf Ihre Kinder hat bereits so sehr um sich gegriffen, dass Wissenschaftler dafür einen Namen kreiert haben: Die Eltern- Paranoia oder –Hysterie! Was die meisten Eltern und vor allen Dingen insbesondere Mütter dabei völlig außer acht lassen: Sie projizieren damit nicht nur ihre eigenen, vielfach in medialen Berichterstattungen ausgeschlachteten Entführungsfälle wie z.B. im Fall der kleinen Madeleine McCann, zumeist völlig überzogenen und wahnhaften Ängste auf Ihre Kinder, sondern suggerieren den Kleinen, die Welt sei immens schlecht und ausnahmslos alle Menschen sind abgrundtief böse.

Aus einem wünschenswerten und vertretbaren Maß an Misstrauen, Kritikfähigkeit und Skepsis, einer gesunden Aufmerksamkeit und natürlichen Wachheit, wird hier eine hoch- neurotische und nahe der Grenzen zur Paranoia befindliche Angst erzeugt. Durch die Überwachung der Kleinen, möglichst rund um die Uhr, damit den überbesorgten Eltern auch bloß kein Schnieferchen entgeht, bauen sich die Eltern ein Kontroll-System auf, das sich beim näheren Hinsehen als eine illusionäre Pseudo- und Scheinsicherheit erweist.

Was diesen Wandel im Hinblick auf unsere Kinder bewirkt hat? Heute werden in vielen Familien die Kinder stellvertretend für das eigene oftmals fehlende Glück angesehen. Kinder tragen bereits frühzeitig die Verantwortung, die verlorenen Träume ihrer Eltern für sie leben und verwirklichen zu müssen. Sie werden als eine Art von Besitz oder Bestandteil ihrer Eltern angesehen, den es mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht zu behüten und zu bewahren gilt. Hierbei wird den Kindern vielfach eine so hohe Bedeutung, ähnlich einem unermesslichen persönlichen Schatz, beigemessen, dass die Entwicklung, das Handeln und Entscheiden wie ein Augapfel gehütet und entsprechend akribisch kontrolliert wird.

Kinder brauchen keine Rund- um- die Uhr- Kontrolle, sondern die liebevolle Anleitung und Hilfe ihrer Eltern. Ganz im Gegenteil wirkt sich die permanente Kontrolle in nahezu wahnhafter Angst- Paranoia vor dem, was alles geschehen könnte, äußerst negativ auf den normalen Drang nach Selbständigkeit und Autonomie aus. Wir nehmen unseren Kindern damit jede Chance gegenüber kommenden Herausforderungen und ersticken das natürliche Bedürfnis, zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln, selbst zu erleben und zu entscheiden, sich im Vergleich und Wettbewerb mit anderen Kindern zu messen und sich gegenseitig herauszufordern, bereits im Keim.

Die Welt braucht keine „neuen“ Kinder mit einem „neuen“ Bewusstsein, sondern vielmehr Eltern mit Weitblick, Mut und Verständnis für deren naturgegebenen Bedürfnisse. Wir sollten ganz schnell verinnerlichen, dass unsere Kinder weder unser Privatbesitz, noch verantwortlich für unser eigenes unerfülltes Lebensglück und unsere eigenen verpassten Chancen und Möglichkeiten sind. Durch eine permanente Rundum- Kontrolle können wir sie niemals vor dem beschützen, vor was wir selbst uns fürchten. Unsere Kinder haben ein Recht darauf, frei von Ängsten, Befürchtungen ihrer Eltern zu leben und zu starken, selbstbewussten und achtsamen Menschen mit Durchsetzungsvermögen und Eigenverantwortung heranzuwachsen.

Herzlichst
Jutta A. Lotz- Hentschel
Praxis „Ansavita“

Game over!

„Das endgültige GAME OVER“

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Das Ende aller Ausreden!

Wie viele Argumente und Ausreden liefern Sie sich eigentlich noch immer täglich selbst, um Ihre bequeme und warmgekuschelte Komfortzone nicht verlassen und sich eingestehen zu müssen, dass Sie nicht in der gefühlten Champions League Ihres Lebens mitspielen, sondern eher auf der Reservebank der Kreisliga sitzen?

Fakt ist unbestritten: Sie wurden geboren, aber haben Sie sich auch wirklich für das wahre Leben mit allen sich bietenden Facetten, Chancen, Herausforderungen und Möglichkeiten entschieden? Haben Sie bereits vor sich selbst kapituliert und resigniert oder schwimmen Sie bereits bewusst gegen den Strom? Was hindert Sie daran, Ihre Visionen und Ziele sehr erfolgreich in die Tat umzusetzen und endlich Ihr Leben in seiner ganzen sich bietenden Vielfalt und Fülle zu (er-)leben? Welcher faulen Ausrede bedienen Sie sich eigentlich bevorzugt, um sich Ihre persönliche Kapitulation vor dem Leben selbst zu erklären, weiterhin zu rechtfertigen, zu relativieren und und vehement schönzureden?

Die Bezeichnung „Komfortzone“ hört sich zunächst einmal sehr nach Stabilität und Sicherheit, einem überaus luxuriösen und sorgenfreien Umfeld an. Was jedoch gerne übersehen wird: Auch eine selbstgewählte latente Opferhaltung und das eigens eingeredete angebliche Elend können zu einer gefühlten Komfortzone werden, einem Lebensbereich, den man kennt, der berechenbar und transparent erscheint, an den man sich gewöhnt hat, der zur Routine geworden ist und an dem man dauerhaft festhält. Die Problematik hierbei ist, dass die gefühlte und gelebte Komfortzone immer kleiner und enger wird; die Grenzen, in denen wir uns bewegen, unser Reich Leben immer weiter einschränken. Da wir in unserer selbstauferlegten Starre und aufgrund einer fehlenden übergeordneten Betrachtung uns das ganze noch immer als (Norm-)ale Entwicklung erklären, nehmen wir nahezu kritiklos diesen Zustand an und akzeptieren diesen ohne auch nur einen einzigen Schritt in Richtung Befreiung aus dieser Einzelhaft in unserem Seelengefängnis zu gehen.

Im Laufe vieler Jahre meiner Praxisarbeit gibt es wohl kaum eine kreative und phantasievolle Antwort auf die Frage „Was hindert Sie eigentlich daran, endlich ein glückliches, bewusstes, sinnliches, intensives und erfolgreiches Leben zu leben?“, die ich noch nicht von meinen ratsuchenden Klienten gehört habe. Ich musste dabei leider feststellen, dass gefühlte „Opfer“ in der Regel erheblich mehr Energie in ihre Erklärungsversuche, weshalb sie ihr Drama weiter pflegen und aufrechterhalten, legen, als in die Schilderung einer möglichen Vision eines sinnerfüllten und glücklichen Lebens. Geschafft haben es in die Nominierungen der Top- Ten- Liga der ultimativen Ausreden diese zehn Aussagen.

Mein persönlicher Top- Favorit der zündendsten Pseudo- Argumente: „Weil ich Steinbock, Löwe oder sonst was mit Aszendent XY, Sonne im vierzehnten Haus und einem ganz bedrohlichen Lilith- Aspekt und Mond und Saturn im geht-nicht-mehr habe, bin ich gezwungen, grundsätzlich immer auf Nummer sicher zu gehen und deshalb keinerlei Risiko einzugehen!“

Die Auflistung dessen, was man alles angeblich naturgegeben und schicksalhaft nicht kann oder können soll und wozu man angeblich nicht in der Lage ist, weil man ausgerechnet in diesem oder jenem Sternzeichen mit einem Aszendenten im was auch immer geboren wurde, ist hierbei unüberschaubar lang, wird auch entsprechend kreativ gestaltet und permanent auf alle erdenklichen Lebenslagen ausgeweitet. Untermauert und zementiert wird das ganze gerne mit Hilfe eines hauseigenen, zumeist hoch- ambitionierten Hobby- Astrologen, der in periodischen Abständen gerne mal um Rat gefragt wird und das ganze Elends- Szenario noch entsprechend befeuert, protegiert und bestätigt.  

Besonders gut kommt bei mir auch an: „In fünfzehn Jahren gehe ich ohnehin in Rente, das ziehe ich jetzt noch voll durch und dann fange ich erst einmal so richtig an zu leben, die Zeit kriege ich bis dahin auch irgendwie noch rum!“

Bedenkt man, dass zwischen der Geburt und dem eigenen Tod das liegt, was man gemeinhin Leben nennt, sollten Sie sich an dieser Stelle selbst eingestehen, dass Sie lediglich versuchen, die noch verbleibenden Jahre bis zu Ihrem unausweichlichen Lebensende irgendwie rumzukriegen, aber mit Sicherheit diese nicht intensiv und sinnerfüllt erleben! Aspiranten dieser Couleur rate ich immer besonders gerne zu dem Film „Das Beste kommt zum Schluß !“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson. In diesem Film treffen sich zwei an Krebs erkrankte Männer, die nur noch sechs Monate zu leben haben und die angesichts des eigenen Todes eine Bucket- List mit den wichtigsten Taten, Herausforderungen und Begegnungen erstellen, die sie unbedingt noch bis zu ihrem Tod erleben und vollenden wollen. Ein sehr zu Herzen gehender und aufrüttelnder Film, der uns die Endlichkeit unseres eigenen Lebens vor Augen führt, aber auch wie trivial, unachtsam und sorglos wir mit dem Thema Lebenszeit umgehen, als wäre unser Leben nie endend und beliebig verlängerbar.  

Ein für mich wirklich einleuchtendes und überzeugendes Argument: „Am 20.Dezember 2012 sollte ohnehin schon mal die Welt untergehen, das passiert irgendwann ganz bestimmt, und da lohnt sich doch jetzt kein Einsatz mehr!“

Und was haben Sie gemacht, als Sie am 21.Dezember 2012 morgens aufgewacht sind und die Welt sich wider Erwarten noch immer drehte? Bedenken Sie bitte bei Ihren Überlegungen, dass in immer wiederkehrenden periodischen Abfolgen auch in der Vergangenheit immer wieder mal ein drohender Weltuntergang vorausgesagt wurde. Und? Es ist absolut nichts passiert und uns gibt es noch immer! Wie also möchten Sie in Zukunft Ihr Leben gestalten und wie möchten Sie es erleben? Schaumgebremst und sehr verhalten mit dem Blick auf den nächsten drohenden Weltuntergang oder endlich frei, intensiv, glücklich und sehr sinnlich und sinnerfüllt?    

„Ich bin doch schon seit zwanzig Jahren in meiner miesen Beziehung, das lohnt doch nicht mehr jetzt noch einmal nach etwas anderem zu suchen, bei anderen Paaren sieht es auch nicht anders aus!“

Greift man täglich zu einem Hammer, um sich mit Genuss auf den Daumen zu schlagen, gewöhnt man sich auch irgendwann einmal an den einsetzenden Schmerz! Wen interessiert wirklich, ob andere täglich zum Hammer greifen; müssen Sie deshalb das gleiche tun? Geben Sie sich nicht mit dem zufrieden, was Sie bereits bestens kennen, sondern nur mit dem, was Sie wirklich glücklich und intensiv, leidenschaftlich und mit Hingabe leben möchten. Sie haben nicht Ihre am Nullpunkt dümpelnde Beziehung aufgegeben und akzeptiert, realisieren Sie bitte, Sie geben sich selbst damit auf und verraten Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse und damit sich selbst täglich aufs neue!  

„Ich habe nie in meinem Leben den richtigen Partner gefunden, der das nötige Kleingeld, das super- tolle, vollständig bezahlte große Haus und die Luxus- Karosse besitzt; seine Aufmerksamkeit ausschließlich in mich, selbstverständlich mit allen Exklusivrechten, tollen  Urlauben und dem Einkaräter zum ersten gemeinsamen Weihnachtsfest investiert, mich immerwährend auf Händen trägt und mir das Gefühl gibt, seine Göttin zu sein. Deshalb habe ich aufgegeben, überhaupt noch zu hoffen, den Richtigen finden!“

Sie sollten sich endlich eingestehen, dass Sie noch immer dem naiven Märchen von der Prinzessin auf der Erbse und damit einem völlig unrealistischen Traum hinterherlaufen! Glauben Sie wirklich, dass ein vorzeigbares Haus, ein Auto der Luxusklasse und tolle Urlaube in Edel- Refugien die Qualität einer glücklichen Beziehung ausmachen? Halten Sie weiterhin an diesem unerfüllbaren Traum fest, empfehle ich Ihnen im Gegenzug: Träumen Sie weiter alleine vom unerreichbaren Glück in Ihrem Leben in Ihrem einsamen Wolkenkuckucksheim oder fangen Sie alternativ endlich damit an, Ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen! Steigen Sie endlich und für immer aus der selbst geschaffenen Abhängigkeit aus, sich ausschließlich über materiellen Besitz zu definieren und der Unterordnung gegenüber einer Norm, was man angeblich alles, inklusive einem erfolgreichen und vorzeigbarem Mann und viel Blingbling am Ringfinger, besitzen muss, um sich selbst bestätigt, dazugehörig und wertgeschätzt zu fühlen. Verinnerlichen Sie bitte endgültig, dass ein glückliches, bewusstes und intensives Leben absolut nichts mit der Anhäufung von materiellem Besitz gemein hat und man dies alles auch für kein Geld dieser Erde käuflich erwerben kann. Lebensqualität und Intensität, Glück und Erfülltheit, Achtsamkeit und Zufriedenheit sind ein Geschenk des Lebens an uns. Der Preis dafür ist, sich von einigen Dingen endgültig zu verabschieden, die uns bisher keinen Meter weiter gebracht haben. Ein Abschied von zumeist selbst eingeredetem Mangeldenken, blankem Egoismus, Paradigmen, begrenzenden Verhaltensmustern, selbst auferlegten Glaubenssätzen und althergebrachten Strukturen.  

„Meine astrologische Konstellation in meinem Geburtshoroskop ist derart ungünstig, deshalb kann ich in diesem Leben gar kein Glück haben!“

Sie sollten sich darüber im klaren sein, dass Ihr ursprüngliches Geburtshoroskop niemals Ihr Leben bestimmt, sondern ausschließlich Sie selbst bestimmen welchen Weg Sie gehen möchten! Indem Sie sich in die Abhängigkeit von nicht beeinflussbaren Aspekten, wie einer imaginären astrologischen Konstellation begeben, haben Sie vor dem Abenteuer Leben bereits restlos kapituliert und sich die Verantwortung für Ihr Leben, Ihre ganz persönliche Macht, restlos abnehmen lassen. Wachen Sie endlich auf, werden Sie aktiv und vor allen Dingen, fangen Sie endlich an eigenverantwortlich zu leben! Sie wurden geboren, um zu leben und nicht um lebenslang auf den unausweichlichen Tod zu warten!  

„Ich habe solch ein mieses Karma aus einem meiner früheren Leben, das kriege ich in diesem Leben ohnehin nicht mehr los!“

Karma bedeutet immer eine Lernaufgabe und nicht etwa lebenslanger Fluch! Sie entscheiden immer und grundsätzlich selbst: Sind Sie endlich bereit zu lernen und Ihr Leben als Ihr größtes Abenteuer und Herausforderung zu sehen oder stehen Sie sich auch weiterhin mit Vorsatz und Ignoranz Ihrer Aufgabe, das Leben in seiner ganzen Fülle und seinem Reichtum zu erleben, mit beiden Füssen auf Ihrer (Lebens-)Bremse? Die Welt wartet auf nichts anderes als Ihre Antwort, setzen Sie endlich das Signal: Ich nehme mit Hingabe die Herausforderung an und ich will mein Leben sinnerfüllt und intensiv erleben !  

„Ich wünsche mir einfach, was ich haben will und mache dafür täglich 100 Affirmationen an das Universum, da wird sich irgendwann schon was ändern!“

Hier stellt sich für mich die ganz einfache Frage: Wann ist zum einen irgendwann und mal ganz ehrlich, haben Sie jemals jemandem die Hand schütteln dürfen, dem tatsächlich das vollumfänglich geliefert wurde, was er sich im kosmischen Supermarkt bestellt hat? Nein? Meine Gratulation, ich ebenfalls noch nicht! Und ganz ehrlich? Realisieren Sie bitte endgültig, dass es die Geschenke- Abwurfstelle des Universums nichts gibt und bisher noch nicht einmal eine Wunsch- Hotline nach oben geschaltet wurde. Wann hören Sie endlich damit auf noch an dieses naiv- kindliche Märchen zu glauben und daran eisern festzuhalten. Gestehen Sie sich möglichst heute noch ein, dass nichts, absolut nichts, in Ihrem Leben passieren wird, außer Sie werden selbst aktiv, bewegen Ihr Hinterteil und verlassen endlich Ihre gut geheizte und überaus bequeme Kuschelzone, die schon zu lange zum Seelenknast geworden ist !

„Bis jetzt ist alles immer nur schlechter geworden und wer weiß, was da noch kommt. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich (nicht) habe!“

Kein Problem: Mit diesem Mangeldenken gesegnet, sollten Sie sich jedoch bereits jetzt mit dem Gedanken anfreunden, auch noch das letzte bisschen, das Sie heute noch besitzen, zu verlieren! Sie sollten sich ganz schnell mit der Tatsache anfreunden, dass Sie immer genau das bekommen, mit was Sie sich am meisten mental beschäftigen: Mangel oder Fülle, Glück oder Drama, alles oder nichts, Sie haben die ganz große Auswahl und entscheiden! Lieber weiter mit Mundwinkeln, die tiefer hängen als die Unterkante Ihres Kiefers, durch´s Leben schleichen und sich weiter hinter Ausflüchten und Ausreden verstecken oder endlich aufrecht, hoch erhobenen Hauptes und mit Siegerlächeln im Gesicht machtvoll und eigenverantwortlich durch das Leben schreiten? Sie sollten sich endlich entscheiden! Sagen Sie endlich „JA!“ zum Leben oder weiterhin „NEIN!“ zur Herausforderung Ihr Leben in seiner Vielfalt zu erleben?

„Ich habe mich ohnehin schon daran gewöhnt, dass ich im Leben niemals Glück haben werde, das war schon bei meinen Eltern, Großeltern, Ur- Großeltern so, das habe ich halt geerbt!“

Zum einen gibt es keine genetische Disposition zum lebenslang gepachteten Unglück und Drama und haben Sie zum anderen schon einmal darüber nachgedacht, dass man ein angebotenes Erbe auch einfach ablehnen kann ohne dafür in der Hölle zu landen oder Minus- Punkte auf dem eigenen Karma- Konto anzusammeln? Gestehen Sie sich am besten heute noch ein, dass Sie sich und Ihre Lebensziele mit dieser ultimativen faulen Ausrede täglich und bereitwillig selbst verraten! Nicht Ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern bestimmen bis auf weiteres Ihr Leben, sondern Sie. Sie allein besitzen die Exklusivrechte an Ihrem Film „Leben“! Entscheiden Sie bitte endlich selbst, wie dieser heißen soll: „Vom Winde verweht!“ oder doch lieber „Grandioses und sinnliches Geschenk Leben!“

Ein mehr als auffälliges Kuriosum ist, dass sich nahezu alle Menschen, die täglich ihren ganz persönlichen „Bacillus Opferitis“ oder die abgrundtiefe und selbstgeschaffene Drama- Suhle pflegen, wie eine erstrebenswerte Eigenschaft, gerne in kollektiven Elends- Netzwerken und Opfer- Allianzen bewegen. Im Durchschnitt kennt ein jeder, der sein Opfer- Dasein derart hingebungsvoll düngt und weiterhin nährt, noch mindestens ein halbes Dutzend weitere Menschen, denen es mindestens ebenso schlecht geht, wenn nicht sogar schlimmer. Als Synergieeffekt dieses kollektiven Beweinens und Bejammerns des irdischen und angeblich schicksalhaften Daseins und der immerwährenden Benachteiligung, wird die eigene Trägheit und Bequemlichkeit schöngeredet, relativiert, schlussendlich als normal betrachtet und gemeinsam akribisch nach Beweisen für diesen Zustand gesucht. Im Hinblick auf das eigene Opfer- Dasein stellt man sich nicht mehr die zwingend notwendige Frage nach dem „Wie?“ auf der Spurensuche nach der ultimativen Lösung der Herausforderung, sondern sucht ausschließlich und grundsätzlich nur die Antwort nach dem „Warum?“ und vor allen Dingen „Wer?“. Ein selbst ernanntes Opfer sucht keinen Weg aus dem Dilemma, sondern vielmehr die Begründung und Rechtfertigung dafür, warum es Opfer geworden ist und wer dafür im außen verantwortlich gemacht werden könnte.

Man trifft sich oft und gerne mit ebenso bedauernswerten und bedürftigen Gleichgesinnten, tauscht sich unablässig aus, bejault und beklatscht mit Hingabe gegenseitig die Tatsache, wie sehr man doch vom Leben benachteiligt wurde und wie angeblich unverdient gut es doch nur den anderen gehe. Den farbenprächtigen Schilderungen des eigenen bedauernswerten Elends sind hier keinerlei Grenzen gesetzt, ganz im Gegenteil befeuern sich die zahlreichen Mitglieder dieser kollektiven Elends- Netzwerke im Zuge der Gruppendynamik gegenseitig und tragen damit maßgeblich zur Akzeptanz der angeblichen Gründe und vor allen Dingen, der Suche nach Schuldzuweisungen gegenüber in der Regel abwesenden Dritten, weshalb man ehemals gewählte Ziele und Visionen angeblich nicht erreichen konnte, bei. Fakt ist definitiv: Jaulen ist Kult und mittlerweile gesellschaftsfähig! Man betrauert kollektiv das gemeinsame Schicksal und akzeptiert ergeben das schier Unvermeidliche und Unausweichliche.

Was ebenfalls auffällt: Diese kollektiven Opfer- Allianzen scheinen einen hervorragend gedüngten Nährboden für jedwede Ergüsse und Kreationen des esoterischen Absurdistans und einen nahezu unerschütterlichen Glauben an die kosmische Spontan- und Wunderheilung, bzw. magische Wunscherfüllung des Universums zu bieten. In ihrer nahezu naiven Realitätsferne und einem kindlichen Wunschdenken erleben die Mitglieder dieser Drama- Netzwerke nicht mehr das Leben bewusst mit all seinen Facetten, Möglichkeiten und Herausforderungen, sondern warten hingegen bewegungslos und starr auf die freundliche Zauberfee, die ihnen ihre Wunschträume möglichst schnell und vollständig erfüllt und das ganze gerne über Nacht „all inclusive“ und passgenau auf dem güldenen Tablett serviert.

Durchforsten auch Sie noch immer jede Woche akribisch die Liste der Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt auf der Suche nach dem neuesten überaus erfolgversprechenden und hochgelobten Werk aus dem Bereich des „Wünsch Dir das Leben super- glücklich und rosarot!“, um sofort im Anschluss daran die Buchhandlung Ihrer Wahl zu stürmen? Wundervoll! Jeder Erfolgsautor dieses Genres wird Sie als Traumkunden und treuen Käufer seiner geistigen Ergüsse lieben und schätzen. Sie können jetzt bereits sicher sein, dass zumindest der Wunsch des Autoren mit dem reißenden Absatz seines Werkes, zu dem auch Sie maßgeblich in Ihrer Euphorie beigetragen haben, in Erfüllung gegangen ist.

Mal ganz ehrlich: Wie viele dieser Wunsch- Standard- Werke stehen bei Ihnen bereits zerlesen und mittlerweile recht eingestaubt im Regal? Glauben Sie tatsächlich noch immer an das wundersame Märchen, der kosmische Supermarkt des Universums warte nur darauf, seine Tore zu öffnen, um seine Gaben an Sie zu verteilen? Ist Ihnen jemals nach Lesen der Anleitung zum erfolgreichen Wünschen und anschließendem Praktizieren der empfohlenen 100 Affirmationen pro Tag die kosmische Fee erschienen, um Ihnen mit devot gesenktem Haupt die Erfüllung Ihres Herzenswunsches sogleich auf dem Silbertellerchen zu präsentieren? Wie? Sie warten noch immer vergeblich? Sie sollten an dieser Stelle weniger darüber nachdenken, ob Sie vielleicht doch einen Fehler hinsichtlich der Formulierung oder Absendung Ihres Herzenswunsches an den Supermarkt des Universums gemacht haben, sondern vielmehr darüber, dass Sie in Ihrem naiven Wunschdenken einer unreifen Illusion, bzw. einem gigantischen Selbstbetrug erlegen sind.

Leider muss ich Sie an dieser Stelle, auch wenn Sie das vielleicht bis jetzt trotz inzwischen eventuell leise aufkommender Zweifel nicht wahrhaben wollten, einer Ihrer vielleicht letzten Illusionen berauben: Zum einen existiert der kosmische Supermarkt des Universums definitiv nicht, der sehnlichst erwartete magische Liefer- Service wird auch nicht bei Ihnen klingeln und ob Sie täglich 100 oder aber 1.000 Affirmationen an das Universum schicken oder es besser gleich bleiben lassen, spielt ebenfalls keinerlei Rolle, denn die vielgepriesene magische Wunscherfüllung gibt es nicht und wird es auch niemals geben! Ein kleines Licht des Trostes, auf das Ihnen dieses auf dem Weg des Erwachens Licht spenden möge, sei Ihnen an dieser Stelle mitgegeben: Seien Sie jetzt bitte nicht traurig, das Geld, das Sie für diese Bücher ausgegeben haben, ist nicht wirklich verloren, das besitzt jetzt nur ein anderer!

Sie sind jetzt endlich aus Ihrem Dornröschen- Schlaf erwacht und wieder auf dem Boden der Realität angekommen? Wundervoll, dann haben Sie jetzt bereits den ersten und vielleicht schwersten, aber auch wichtigsten Schritt in Ihr befreites Leben und eine zukünftig sinnerfüllte Zukunft getan! Verabschieden Sie sich bitte endgültig von illusorischen Wunschträumen und kindlichem Glauben an Märchen, Rituale und Zauberformeln, die ohnehin nicht funktionieren, sondern Ihnen lediglich immer wieder aufs neue bestätigen, niemals Glück im Leben verdient zu haben. Hören Sie endlich damit auf, Ihr angeblich desaströses Geburtshoroskop und Ihr übles Erbe in Form eines miesen Karmas als Ausrede für Ihre eigene Trägheit und Bequemlichkeit verantwortlich zu machen. Verschwenden Sie nicht länger Ihr wertvolles Potenzial und Ihre ungeahnten Ressourcen damit, weiterhin Ihre Opfersuhle täglich neu zu pflegen, zu zementieren und Ihr bisher erreichtes eingeschränktes Limit als ultimative und höchstmögliche Königsklasse zu relativieren. Hören Sie endlich auf damit, sich selbst täglich neue Ausreden und Argumente dafür zu liefern, weshalb Sie nicht das Leben führen, das Sie gerne führen würden und nicht der Mensch sind, der Sie so gerne wären!

Der nächste Schritt zurück ins Leben: Wachen Sie endlich aus dem kollektiven und komatösen Tiefschlaf auf und fangen Sie damit an endgültig Formulierungen, wie z.B. „wenn …“ und „eigentlich …“ aus Ihrem Wortschatz zu streichen. Wenn nicht heute, wann dann? Eigentlich müsste man endlich damit beginnen richtig intensiv zu leben, anstatt nur zu funktionieren und sich weiterhin im Kriechgang durch das Leben zu bewegen und sich lediglich mit der gefühlten unteren Hälfte des Mittelmaßes zufrieden zu geben! Der gefasste Vorsatz klingt zunächst wirklich sehr gut und zukunftsträchtig, wenn … Tja, wenn da nicht das kleine Wörtchen „eigentlich“ wäre! Denn jetzt kommt die ultimative Frage nach dem „wann“! Wann wollen Sie Ihr persönliches Projekt „Leben“ endlich beginnen und voll durchstarten? Wann wollen Sie endlich damit beginnen das zu erleben, was Sie sich bis jetzt mit Vorsatz bewusst vorenthalten haben? Wann möchten Sie endlich so richtig durchstarten?

Wenn am 20.Dezember 2012 die Welt nicht untergeht, Sie endlich Ihre Wohnung renoviert haben, der Garten neu bepflanzt ist, Sie das Renteneintrittsalter erreicht haben, Sie irgendwann den richtigen Partner gefunden haben, die Kinder endlich das Elternhaus verlassen haben, es Ihrem Seelenleben und Ihrer Psyche endlich wieder besser geht oder wenn Sie bereits tot sind? Wann ist wann und was muss in Ihrem Leben entscheidendes passieren, damit Sie endlich aktiv werden und beginnen, Ihr Leben nach Ihren Vorstellungen, Ihren Zielen und Visionen und Ihrer Antwort auf der Suche nach dem Sinn Ihres Lebens selbst zu gestalten und vor allen Dingen zu leben? Bedenken Sie bitte: Nichts ist so gerecht verteilt auf dieser Welt wie die Zeit! Ein jeder Mensch besitzt immer nur 24 Stunden pro Tag dieses überaus kostbaren Gutes und lebt aktuell immer nur dieses eine Leben! Beschäftigen Sie sich ab sofort nicht mehr mit unwichtigem Ballast, der Sie nur weiterhin auf der Stelle treten und dabei ausbrennen lässt, sondern endlich mit dem, was wirklich wichtig und erstrebenswert ist: Mit Ihrem zukünftig sinnerfüllten und sinnlichen Projekt Leben!

Eventuell fällt Ihnen die Antwort auf die gestellte Frage hinsichtlich des „Wann?“ etwas leichter, wenn Sie sich darüber im klaren sind, dass Ihr Leben nicht ewig währt und es niemals den falschen Zeitpunkt gibt, das richtige zu tun. Liefern Sie sich selbst nicht mehr täglich faule Ausreden, um nicht endlich aktiv zu werden und weiterhin Ihre Lethargie und Bewegungslosigkeit zu pflegen. Hören Sie endlich auf damit, Menschen, die mit Vorsatz und bewusst weit unter ihrem Potenzial leben und anstatt zu agieren nur reagieren, als leuchtendes Beispiel auf den Opfer- Thron Ihres eigenen Versagens zu heben und sie weiterhin tatkräftig darin zu unterstützen, indem Sie gemeinsam mit ihnen ihr angeblich so bedürftiges Schicksal bejammern, beweinen und unablässig diskutieren, wer von Ihnen die schlechtesten Karten des Lebens gezogen hat. Lassen Sie sich nicht länger von der negativen, besserwisserischen und pessimistischen Haltung und Denkstruktur von selbsternannten Opfern beeinflussen und weiterhin einreden, das lebenslang gepachtete Elend sei leider schicksalhaft und dagegen können man definitiv nichts tun.

Ich rate Ihnen mit sofortiger Wirkung zur fristlosen Kündigung Ihrer Mitgliedschaft in Ihrem ganz persönlichen kollektiven Elends- Netzwerk. Die lange Mitgliedschaft war zwar bisher umsonst, könnte Sie jedoch den sehr kostbaren Sinn Ihres Lebens kosten! Ich kann Sie dahingehend beruhigen, dass Sie mit Sicherheit keinerlei Risiken oder Nebenwirkungen bei einem sofortigen Entzug befürchten müssen. Ganz im Gegenteil werden Sie in der Lage sein, unbeeinflusst und eigenverantwortlich aus dem gemeinschaftlichen Drama- Dasein auszusteigen und bisher begangene und ausgetretene Pfade zu verlassen, um endlich eine grundlegend positive Veränderung Ihres Bewusstseins in Richtung Transformation mit Blick auf das angestrebte Ziel „Ich und mein neues Leben!“ beginnen zu können. Sie können ganz beruhigt sein: Sie werden absolut nichts verlieren, nichts hergeben müssen und nichts vermissen, ganz im Gegenteil haben Sie die ganz große Chance auf den bisher lediglich erhofften Hauptgewinn. Das Los hierfür haben Sie bereits in der Tasche, greifen Sie endlich danach und holen Sie sich jetzt das ab, was Ihnen schon immer gehört: Ihr glückliches und sinnliches Leben!

Nichts und niemand kann Sie daran hindern, heute noch damit zu beginnen, Ihre persönlichen Träume und Visionen zu verwirklichen, mit einer Ausnahme: Sie selbst! Fangen Sie endlich an, Ihr Leben und Ihr Lebensglück selbst zu bestimmen und hören Sie nicht mehr auf die Menschen, die Ihnen täglich erzählen, Sie hätten doch schon alles erreicht, was wirklich glücklich macht. Was Sie persönlich unter Lebensglück, Lebensqualität und Intensität definieren, bestimmen ausschließlich Sie selbst und niemals Ihr Partner, nicht Ihr Chef, keinesfalls Ihr bester Freund und schon garnicht Ihr Nachbar! Diese essentiell wichtige Entscheidung treffen Sie täglich allein und in jeder Minute Ihres Lebens neu: Wie will ich leben, wer will ich sein, was ist der Sinn meines Lebens und was brauche ich, um ein sinnerfülltes und glückliches Leben zu führen! Schreiben Sie bitte nicht länger Ihre Hoffnungen, Träume und Visionen als unerfüllbare Illusion ab, sondern fangen Sie vielmehr damit an, sie zu leben, zu fühlen und geben Sie Ihrem Leben endlich einen einzigartigen Sinn und fühlbare Sinnlichkeit, Qualität und Intensität, Glück und Erfolg. Es stellt sich hierbei nicht die Frage, welches zukünftige Ziel Sie für sich gewählt haben, sondern vielmehr welcher Mensch Sie werden müssen, um das angestrebte Ziel auch tatsächlich zu erreichen.

Verinnerlichen Sie bitte: Nichts und niemand kann Sie daran hindern und Sie bremsen, das zu verwirklichen, was allein Sie unter ultimativem Lebensglück verstehen und definieren. Realisieren Sie bitte: Alles was Sie benötigen, besitzen Sie bereits; Sie waren bisher nur nicht in der Lage dieses Potenzial zu erkennen und dieses sinnvoll und zielgerichtet für sich selbst einzusetzen. Als Kompensation dieses Mangels haben Sie sich zumeist ausschließlich über das außen konkurrierend definiert, jedoch niemals Ihre ganz eigene Vision von Ihrem Leben gelebt. Die Definition, was Lebensglück und Sinn des Lebens bedeuten könnte, wird zumeist daran bemessen, was andere besitzen, verwirklichen und erleben. Ein folgenschwerer und fataler Fehler, da hierbei die gesamte Aufmerksamkeit und Fixierung für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse nur noch ins außen gerichtet und hierüber gewertet, jedoch nicht mehr auf das wesentliche, die eigene Definition eines Lebenszieles, ins innen gelenkt werden. Ein Wettbewerb mit der mühseligen Einzelanstrengung, unbedingt mithalten und womöglich sogar konkurrieren zu wollen, bei dem man angesichts der eigenen vermeintlichen Defizite und des gefühlten und erlebten angeblichen Mangels nur überaus schlecht abschneiden kann. Was dabei gerne übersehen wird: Durch die Anhäufung materiellen Besitzes wird oftmals lediglich eine öffentliche Zurschaustellung nicht gelebter und nicht umgesetzter guter Vorsätze signalisiert. Hier heißt es nicht etwa „Ich bin, was ich bin!“, sondern vielmehr „Ich bin, was ich besitze und zeige!“. Im Umkehrschluss bedeutet dies, wir bewerten uns selbst nicht mehr als tatsächlich wertvoll, sondern definieren uns selbst als bedürftig angesichts eines selbst eingeredeten, für uns jedoch im Vergleich mit dem außen, offensichtlichen und erkennbaren Mangels.

Betroffene angeblich Bedürftige beschäftigen und fokussieren sich nicht mehr auf das Erleben der tatsächlich vorhandenen Fülle und dem eigenen Reichtum, sondern nur noch mit einem imaginären Mangel nach dem Prinzip und verinnerlichten Glaubenssatz: „Warum haben andere immer alles und ich nichts?“. Kurioserweise wird die Definition „Alles haben!“ und „Reich sein!“ zumeist ausschließlich an materiellem Besitz festgemacht. Aus diesem Grund sollten wir an dieser Stelle zunächst einmal den Begriff „Reichtum“ genauer beleuchten. Fragen Sie einen Menschen, der sein halbes Leben in Armut auf der Strasse gelebt hat und völlig mittellos ist, was für ihn Reichtum bedeutet, wird er Ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach antworten: „Alles was mehr ist als nichts!“. Fragen Sie hingegen einen materiell und finanziell sehr gut gestellten Mitmenschen das gleiche, wird er Ihnen vielleicht die Antwort geben: „Wenn ich meine erste angesparte Million auf dem Kontoauszug sehen kann!“ Reichtum hat jedoch absolut nichts mit finanziellem  Sicherheitsdenken, dem Kontostand und versorgt sein zu tun, sondern vielmehr mit dem, was wir ganz persönlich als Fülle und Sinn des Lebens definieren. Reich ist ein Mensch, der anderen etwas von sich gibt und verschenkt: Verständnis, Sensibilität, Mitgefühl und Empathie, aber auch vielleicht auch Zeit, Aufmerksamkeit und Raum schenken für ein intensives Gespräch, für zwischenmenschlichen Austausch und für ein einander nah sein. Reichtum erwartet und fordert nichts, sondern gibt in der Fülle des eigenen gefühlten und erlebten Reichtums!

„Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, welcher viel gibt!“

(Erich Fromm (1900-80), amerikanischer Psychoanalytiker dt. Herkunft)

Reichtum bedeutet, ein Zeichen in die Welt zu setzen und Spuren in ihr zu hinterlassen; endlich das langjährige Herzensprojekt in Angriff zu nehmen und ein Buch mit Gedichten zu schreiben oder nach Jahren wieder zu beginnen, sich künstlerisch zu betätigen, zu malen und vielleicht mit Gleichgesinnten die erträumte Galerie zu eröffnen. Reichtum kann auch bedeuten, mit befreundeten Familien endlich das Mehrgenerationenhaus neuester ökologischer Technologie zu planen und entstehen zu lassen, von dem man schon immer gemeinsam geträumt hat. Reichtum bedeutet für manche Menschen auch, im eigenen Garten genau das komfortable Insekten- Hotel zu bauen, das schon so lange als Bauplan auf dem Reißbrett existiert hat und das jetzt endlich realisiert werden will. Reichtum bedeutet, die eigenen Lebensträume und -ziele zu erspüren, sich darüber klar zu werden, für was das eigene Herz wirklich brennt und Wege zu suchen, diese endlich nach langen Jahren zu realisieren und in die Welt zu tragen.

Da wir aufgrund einer fokussierten Zentrierung auf ein selbst konstruiertes Mangeldenken genau das anziehen, was im Prinzip für uns nicht erstrebenswert ist und ein exaktes inneres Bild davon in unserem Unterbewusstsein erschaffen, nämlich einem latenten gefühlten Mangel, wird sich nach und nach eine tatsächlich reale Bedürftigkeit in allen Bereichen nahezu selbständig in allen Lebensbereichen manifestieren. Das bedeutet schlussendlich, Sie werden auch das kleine bisschen realen Reichtum, das Sie noch besitzen, endgültig verlieren ausschließlich aufgrund der Tatsache und Überzeugung, dass Sie unerschütterlich und fest nicht nur an den Mangel glauben, sondern darüber hinaus Ihren Fokus und Ihre gesamte Aufmerksamkeit darauf gelegt haben, was Sie im Prinzip alles nicht mehr wollen und damit weiteren Mangel erschaffen und anziehen. Ein gutgedüngter Nährboden, um weiterhin unerschütterlich am Mangel festzuhalten und diesen weiter in seinem Wachstum zu nähren!

In dem erfolglosen Bestreben und vagen Hoffnung nach einer grundlegend positiven Veränderung ohne hierbei jedoch die Bereitschaft zu eigenen Aktivität zu entwickeln, beherrschen die Betroffenen nicht mehr Ihr Leben, sondern kontrollieren und verwalten nur noch den erschaffenen Mangel und vergrößern hiermit das, was sie nicht mehr wollen und was sie dauerhaft daran hindert den entscheidenden Schritt zu wagen. Die Angst noch mehr zu verlieren und aufzugeben als bereits geschehen, verhindert somit aktiv jeden Handlungsspielraum. Ausschließlich das endgültige Loslassen des Mangeldenkens und der eigenen Bedürftigkeit, dem Ausstieg aus dem selbstgewählten Opfer- Dasein, gibt Raum für neues, erfüllendes und unerwartetes. Opfer sind kaum noch in der Lage sich vorzustellen und zu visualisieren, dass auf sie noch etwas anderes wartet, als sie bereits bisher kennen gelernt und gelebt haben: Das eigentliche Leben! Geben wir hier jedoch die selbstgewählte Kontrolle und das Festhalten am Drama ab, werden auch wir nicht mehr vom Mangel festgehalten. Ergo: Alles was und woran wir festhalten, hält uns ebenfalls dauerhaft fest und wir gehen hiermit in eine aktive Verhinderung, anstatt dieses Potenzial für eine aktive und grundlegende Veränderung und Transformation zu nutzen!

Für betroffene Menschen, die verinnerlichten Glaubenssätzen unterliegen und diese zu ihrer ganz eigenen Philosophie, nahezu einer Religion, gemacht haben, sprengen diese Endlosspirale nur durch einen radikal veränderten Blickwinkel auf sich selbst und die tatsächlichen Gegebenheiten, nämlich die Ursachen und Gründe für die Tatsache, dass sie ihr Leben nicht mehr eigenverantwortlich, sinnlich und selbstbestimmt leben, sondern sich vom Leben, den Umständen und dem selbsterschaffenen Mangeldenken erleben lassen. Selbst erstrebenswert erscheinende Ziele und Visionen können aufgrund der eigenen Verstrickung in einer dauerhaften Opferrolle nicht mehr uneingeschränkt positiv formuliert werden. Anstatt „Ich will eine emotional erfüllte und glückliche Partnerschaft erleben!“ oder „Ich will in Fülle und Reichtum leben!“, erfährt auch diese zunächst positive Absichtserklärung eine äußerst negative und destruktive Ausrichtung in Richtung „Ich will weg vom Alleinsein!“ oder „Ich will keinen Mangel mehr in meinem Leben!“ oder aber auch gerne „Ich will nie mehr kämpfen!“. Eine grundlegend positive Wandlung wird nur möglich sein, wenn Sie endgültig und für immer damit aufhören sich unablässig mit den Fragen zu beschäftigen, was Sie zukünftig alles nicht mehr wollen, sondern sich vielmehr die Antworten auf die Fragen geben, was Sie tatsächlich leben und erleben möchten. Ein radikaler und endgültiger Abschied für immer vom bisher negativen „Weg wollen von …!“ und hin zu einem zukünftig positiven „Ich will … !“

„Wer sich dauerhaft einer Visualisierung des schier Unmöglichen

verweigert, wird niemals auch nur das ihm Mögliche erreichen!“

Es genügt nicht, lediglich eventuell mögliche erstrebenswerte Ziele vor Augen zu haben. Nur die multidimensionale Betrachtung aus einer neuen Perspektive und die klare Definition einer Vision, bzw. eines Zieles gibt einer tatsächlich auch möglichen Realisierung den dafür notwendigen Raum. Nutzen Sie ihr zur Verfügung stehendes inneres Potenzial, indem Sie sich sofort von allen vagen und schwammigen Aussagen mit Blick auf die Hintertüre zum Tiefkeller der eigenen Ausflüchte und Ausreden in Form von „eigentlich-“, „vielleicht-“ und „eventuell- Sätzen“, sowie ein Leben im Konjunktiv mit halbgaren und vagen Aussagen wie „Ich sollte, ich müsste und ich könnte …!“ für immer verabschieden und diese durch eine deutliche, kraftvolle, radikale und überaus klare Absichtserklärung ersetzen: „Ich will, ich werde und ich darf!“

 

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel