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Die Bucket- List!

Das ultimative Must- have: „Die Liste vor der Kiste!“

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Bevor es irgendwann unerwartet ganz leise an der Tür klopft …

Es geht doch wirklich absolut nichts über perfekte Planung und bestens durchorganisierte Menschen haben selbstverständlich Ihren elektronischen, bzw. digitalen Timer immer am Mann, bzw. an der Frau und zwar in Form eines Smartphones. Akribisch getaktet, bloß keine Minute mit Sinnlosigkeiten, geschweige denn Stille und Nichtstun verschwenden und immer hart am Wind der Viel- und Vollbeschäftigung segeln! Umso voller der eigene Terminkalender, umso bedeutender fühlt sich der Mensch, umso gefühlt inhaltsvoller und erfolgreicher das eigene Leben. Umso verplanter und schneller die Zeitschleife der eigenen Existenz mancher Menschen abläuft, umso mehr Wichtigkeit wird damit in das hinein interpretiert, was man intensiv, bewusst und genussvoll erleben sollte, weniger hingegen sollte man das Leben abarbeiten wie das tägliche Pensum im Steinbruch.

Ganz wichtig und das ultimative Must- have ist mittlerweile die „Bucket- List“, die Löffel- Liste oder Liste vor der Kiste bevor man schlicht und ergreifend den Löffel abgibt. Diese Abhak- Listen für´s angeblich ultimative Lebensglück bevor man denn irgendwann einmal von dieser Welt abdankt, verbreiten sich mittlerweile wie viraler Schwachsinn und das geht mittlerweile tatsächlich schon so weit, dass man zum Geburtstag gefragt wird, ob man denn zwischenzeitlich wenigstens einen Großteil der eigenen Bucket- List abhaken konnte.

Hab ich da irgendwie etwas nicht mitgekriegt? Ist an mir etwa völlig vorbei gerutscht, dass wir offensichtlich ein Mindesthaltbarkeits- Datum haben oder der Akku des Lebens nur eine äußerst begrenzte und sehr überschaubare Lebensdauer hat? Ja, geht´s denn noch?!!!

Wo es früher mal fast bewundernd hieß: „Wie in Deinem Alter noch …!“, wobei dabei die Altersgrenze völlig im Unklaren blieb, wird man heute auf die Liste vor der Kiste angesprochen! Vermeintliches Lebensglück zum Abarbeiten und Abhaken, am besten noch im elektronischen Timer gespeichert, damit man´s bloß nicht vergisst und keinen Termin verpasst! Jetzt weiß ich endlich, was mir definitiv (nicht) fehlt im Leben …

Was sich mir dabei völlig verschließt: Gibt man den Löffel sofort ab, wenn die Liste vor der Kiste abgearbeitet ist oder lebt man solange, bis die Liste vollständig abgehakt worden ist? Und was passiert, wenn ich die Liste endlich durch habe und mir eine neue Löffel- Liste vorschwebt. Darf ich dann nochmal ran oder gibt´s hier nur eine einzige Chance? Gibt es für eine vollständig abgearbeitete Bucket- List eigentlich Bonus- Punkte für was auch immer oder wirkt sich das im Endergebnis garnicht aus? Tja, und was ist, wenn ich gar keine Liste vor der Kiste habe? Lebe ich dann ewig bis mir das passende einfällt oder habe ich dann garnicht gelebt? Das wichtigste jedoch überhaupt: Brauche ich zwingend eine Bucket- List als Wegweiser, um Lebensglück zu entdecken oder führe ich ein trauriges und glückloses Leben gänzlich ohne Löffel- Liste? Ist es vielleicht nicht sogar vielmehr so, dass ich ein weitaus intensiveres und glücklicheres Leben führe, wenn ich mich spontan überraschen lasse, anstatt mich anhand eines Abhak- Zettels auf der Suche nach dem Glück leiten zu lassen und mich von dieser Liste vor der Kiste abhängig zu machen?

Ganz ehrlich? Ich brauche, um ein intensives, bewusstes, glückliches und einfach tolles Leben zu führen weder einen elektronischen Timer, noch eine Liste vor der Kiste! Ich lebe ungeplant und ohne jegliches Zeitgefühl; ich „DARF“ und „WILL“, anstatt einem ich „muss“; ich esse, wenn ich Hunger habe; steige morgens aus meinem Bett, wenn ich ausgeschlafen habe, und ich genieße ausgiebig und intensiv alles das, was mir das Leben an Überraschungen und Herausforderungen schenkt. Ich gestalte mir meine Welt, wie sie mir gefällt und das ist gut so. Für mich persönlich ein Leben in absoluter Gelassenheit, Harmonie, Inspiration, Freiheit und Bewusstsein. Eine Liste vor der Kiste? Ja, klar unbedingt, auf alle Fälle und mit absoluter Sicherheit definitiv nicht!

Und die Sache mit dem „Was Du in Deinem Alter …?“ korrigieren wir mal ein bisschen, zumal die Epigenetik es äußerst erfolgreich als Errungenschaft der Lebensverlängerung geschafft hat, den Alterungsprozess bei Mäusen mit Hilfe von reprogrammierten Zellen um ein Drittel zu verzögern und jetzt versucht, diese Kenntnisse auf den Mensch zu übertragen. Aber auch egal! Gestorben wird ohnehin – und das eindeutig ohne Liste vor der Kiste – erst mit 120 Jahren und einem Tag. Denn wer will diese Welt bitte schon an seinem 120. Geburtstag verlassen?

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Ein letztes Mal?

„Stell Dir vor, wenn es kein morgen mehr gäbe …“

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Es dürfte wohl kaum jemanden auf dieser Welt geben, der gerade angesichts des bedeutenden Datums 11.September nicht an ein „Gibt es morgen noch ein morgen?“ und „…was wäre wenn?“ denkt. Auch wenn wir täglich mit immer neuen Schreckensmeldungen und gefühlten Endzeit- Nachrichten hinsichtlich weltweiter Katastrophen, Unruhen, Kriegen und persönlicher Schicksale überflutet werden und uns diese manches Mal kaum noch berühren, macht uns dieses einprägsame Ereignis, das nunmehr schon so lange Jahre zurückliegt, noch immer sehr, sehr betroffen und nachdenklich – was wäre, wenn es tatsächlich kein „morgen“ mehr gäbe? Gerade das lang zurückliegende Ereignis des 11.September 2001 zeigt uns immer wieder, dass wir endlich sind, uns nur ein zeitlich begrenztes Leben zur Verfügung steht und wir oftmals sehr unbewusst und auch unachtsam leben, gerade im Umgang mit unseren Mitmenschen, so als ob es wirklich kein „morgen“, sondern vielmehr ein „immer“ gäbe und wir eine garantierte und verbriefte Option auf die Unendlichkeit hätten, die beliebig verlängerbar ist.

 

„Wenn ich wüsste …“

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
dass ich dich einschlafen sehe,
würde ich dich liebevoller zudecken
und zu Gott beten, deine Seele zu beschützen.

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
dass ich dich zur Tür hinausgehen sehe,
würde ich dich umarmen, dir einen Kuss geben
und dich zurückrufen für noch einen.

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
dass ich deine Stimme höre,
ich würde jede deiner Gesten und Worte auf Video aufzeichnen,
um sie mir jeden Tag wieder ansehen zu können.

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
würde ich eine Minute oder zwei innehalten
und dir „Ich liebe dich“ sagen, anstatt davon auszugehen,
dass du das auch ohne meine Worte weißt.  

Wenn ich wüsste, es ist das letzte Mal,
würde ich diesen Tag mit dir teilen.
Jetzt bin ich mir so sicher, dass wir noch so viele haben,
dass ich diesen ahnungslos verstreichen lasse.

Es gibt immer ein Morgen,
um eine Verletzung wieder gutzumachen,
und wir bekommen immer eine zweite Chance,
um das Leben in Ordnung zu bringen.
Es gibt immer noch einen Tag, um „Ich liebe dich“ zu sagen,
und immer noch eine Chance
für ein „Kann ich etwas für dich tun?“

 Aber nur für den Fall, dass ich falsch liege,
und es bleibt nur der heutige Tag,
möchte ich dir sagen, wie sehr ich dich liebe,
und ich hoffe, wir vergessen nie:
Das Morgen ist niemandem versprochen,
weder Jung noch Alt.
Heute könnte deine letzte Gelegenheit sein,
um deine Lieben ganz fest zu umarmen.
 

Wenn du auf morgen wartest,
wieso tust du’s nicht heute?
Denn falls morgen nicht mehr kommt,
wirst du den Tag bereuen,
an dem du dir keine Zeit genommen hast
für ein Lächeln, eine Umarmung oder einen Kuss,
weil du zu beschäftigt warst,
um jemandem etwas zu geben,
was sich im Nachhinein als sein letzter Wunsch herausstellt.  

Halte deine Lieben heute ganz fest,
flüstere ihnen ins Ohr,
sag ihnen, wie sehr du sie liebst,
und dass du sie für immer in deinem Herzen behalten wirst.

 Nimm dir die Zeit zu sagen: „Es tut mir Leid“,
„Bitte verzeih mir“,„Danke“ oder „Ist in Ordnung“.
Und wenn es kein Morgen gibt,
musst du das heute nicht bereuen.

(aus: Worauf kommt es an im Leben? Erzählungen und Gedichte auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Autoren: Ulrike Vornweg-Elzner und Thomas Euteneuer)

 

Ich wünsche allen ein achtsames und respektvolles Leben mit dem Bewusstsein, dass es sicherlich für uns alle morgen auch erneut ein neues „Morgen“ geben wird, wir jedoch zukünftig sehr aufmerksam und bewusst damit umgehen sollten. Denn irgendwann einmal wird es für einen jeden von uns kein neues „Morgen“ mehr geben; genießen wir also gemeinsam sinnlich und sinnvoll das „Heute, hier und jetzt“ mit dem Bewusstsein an ein endliches und vergängliches „Morgen“!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis Ansavita