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Gelassenheit finden!

„Gelassenheit finden im es einfach sein lassen!“

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Manches Mal sind es eben nur die kleinen Dinge, die uns den richtigen Weg zeigen!

 

Ich hoffe doch sehr, dass es bei Ihnen neben dem alljährlich pünktlich mit spätestens dem ersten Advent startendem vorweihnachtlichem und mit viel Schwere überfrachtetem „Ich muss noch dringend …!“, auch noch genügend Raum für ein entspanntes, leichtes und sehr positiv gestimmtes „Ich darf jetzt endlich …!“ und „Ich will …!“  gibt.

Ich kenne unglaublich viele Menschen, die sich mittlerweile, irgendwie steht gerade die Vorweihnachtszeit und insbesondere der Monat Dezember aus mir völlig unbekannten Gründen als Synonym für enorme Hektik und Stress, radikal und konsequent gegen ein „müssen“ und für ein entspanntes „dürfen“ entschieden haben. Der Fokus liegt dabei nicht mehr starr zentriert und ausgerichtet auf das Ziel, sondern vielmehr, verbunden mit weitgehendst planloser Spontanität, purer Sinnlichkeit und bewusstem Genuss auf allen Ebenen, auf dem Weg zum Ziel: Das Glück in der Einfachheit, in der Langsamkeit und vor allem den kleinen Dingen bewusst erleben! 

Nicht mehr die unüberhörbar tickende Uhr fest im gehetzten Blick, sondern dafür die wertvolle Ressource Zeit bewusst genießend. Kein „Ich komme in spätestens zwei Stunden zurück!“, sondern ein entspanntes „Ich bin dann mal weg!“. Rückkehr wann bitte? Man wird sehen, aber auf jeden Fall immer open end

Ein störungsfreies und entspannendes Mittagsschläfchen? Ja, unbedingt und so oft wie möglich! Wie lange? Schaun wir mal, wann wir ausgeruht und dann wieder wach sind … 

Sie essen bereits Ihr ganzes Leben lang abends um 19.00h und das nur, weil es schon immer so war? Nein, ab heute wird gegessen, wenn wir Hunger oder zumindest Appetit haben, und das bestimmen mit Sicherheit nicht die tickende Uhr und irgendwelche uralten traditionellen Gewohnheiten in memoriam!

Sie liegen äußerst bequem auf der gemütlichen Couch, genießen die Stille und lesen ein sehr inspirierendes und interessantes Buch. Im Hintergrund klingelt zum wiederholten Mal ziemlich laut das Telefon. Okay, Ihre Eltern haben Ihnen irgendwann einmal beigebracht, ist man zuhause, muss man auch ans Telefon gehen wenn es läutet. Das habe auch ich selbst irgendwann einmal so in etwa gelernt! Sie haben überhaupt keine Lust sich von der Couch zu erheben oder auch nur nach dem Telefon zu greifen, um sich irgendwelchen völlig sinnentleerten und somit absolut entbehrlichen Gesprächen chronisch Gelangweilter, die bereits zu Beginn zu 100% unter pure Zeitverschwendung verbucht werden können, hinzugeben? Dann lassen Sie es doch einfach sein und bleiben Sie gelassen und tiefenentspannt auf der Couch liegen! Irgendwann einmal legt sich so ziemlich jedes hartnäckige Klingeln und dafür gibt es schließlich schon recht lange die Vorzüge eines Anrufbeantworters oder einer Voice- Box! 

So ziemlich ausnahmslos jeder, der Ihnen mit Beginn der Vorweihnachtszeit über den Weg läuft, hat selbstverständlich schon seinen Weihnachtsbaum gesichert und den passenden Christbaum- Schmuck dafür aus dem Keller in die Wohnung geschleppt; die Lichterketten vom Vorjahr entwirrt; die Aufbewahrungsdosen für das Selbstgebackene griffbereit nebst umfangreichen Zutaten für die geplanten Weihnachts- Plätzchen in der Küche stehen und garantiert frühzeitig auch ausnahmslos alle Geschenke eingekauft? Fast jeder hat selbstredend dieses Mal die Weihnachts- Präsente für die ganze Familie und alle Freunde und Bekannten ganz besonders aufwendig und hingebungsvoll eingepackt und als kleines Extra obendrauf jetzt schon mal vorsorglich alle Weihnachtskarten geschrieben und vorfrankiert? Absolut keine Lust dazu? Dann lassen Sie es doch einfach bleiben! Sind Sie etwa jeder und unterwerfen Sie sich grundsätzlich jedem nur erdenklichen Gruppendruck nur weil das alle anderen so handhaben?

Jeder weiß schon jetzt bei wem er wann und wie die Feiertage verbringen wird; was aller Wahrscheinlichkeit nach an Heiligabend wie in jedem Jahr gegessen wird; was an diesem Abend, wie all die Jahre zuvor auch, für eine Weihnachtsmusik gespielt wird; wann an wen die Geschenke überreicht werden und prognostisch, was man von wem aller Voraussicht nach wieder mal ganz grauenhaftes und völlig sinnloses geschenkt bekommt? Sie möchten sich in diesem Jahr so garnicht festlegen, und das weder was kommende Einladungen und Pflicht- Besuche anbelangt, noch was Sie wann essen möchten? Dann lassen Sie es doch einfach bleiben!

Selbst wenn wir den schlimmsten anzunehmenden Fall in Betracht ziehen und Sie an Heiligabend mangels Ambitionen und fehlender Muse eine Pizza aus der Tiefkühltruhe ziehen, um sie anschließend in den Backofen zu schieben, wird Ihnen dabei kaum jemand kritisch über die Schulter sehen, und Ihnen mahnend zuraunen „Nein, nein, nein, das tut man nicht! Schließlich ist heute doch Weihnachten!“ und Sie dafür anschließend in der Hölle landen. Wenn Sie Appetit auf eine Pizza haben, kann so etwas auch an Heiligabend richtig toll schmecken und mit einem gedeckten Tisch, Besteck und Kerzen beachtlich und sehr festlich zelebriert werden! Also was soll´s?

Wer sagt Ihnen eigentlich in diesem, wie in jedem Jahr zuvor, dass Sie sich im Weihnachts- Getümmel stundenlang entnervt durch die Geschäfte quälen müssen, um auch noch die allerletzte Gans oder Ente zu ergattern? Sie danach gefühlt eine halbe Ewigkeit in der Küche stehen, um das ganze auch noch in einigermaßen genießbare Form zu bringen; den Tisch festlich für die aufmarschierende gesamte Verwandtschaft in zumeist Fussballteam- Stärke, die sich zumeist mit den Worten „In diesem Jahr bist Du dran! (Aaaah ja und wer sagt das?!!!) selbst einlädt, decken müssen und schon vor dem Gelage frustriert daran denken, dass Sie das ganze plus einem völlig eingesifften Schlachtfeld Küche anschließend alleine spülen, putzen und aufräumen müssen. Eventuell zu erwartende Hilfe? Nein, wo denken Sie denn hin! Schließlich hatten Sie sich Gäste eingeladen und keine dienstbaren Geister, und im übrigen soll man ja bekanntlich gehen, wenn´s am schönsten ist. Fazit: Taktisch und strategisch klug verschwinden die meisten Gäste also grundsätzlich vor dem Abräumen, Spülen und der dann notwendigen Grundreinigung der Küche! Keine Lust dazu und Sie sind schon bei dem Gedanken daran mehr als restlos bedient? Dann lassen Sie es doch einfach in diesem Jahr!

Wer sagt Ihnen eigentlich, dass Sie sich das alles antun MÜSSEN, hingegen definitiv niemand nach dem tatsächlich WOLLEN fragt? Richtig, allein Sie selbst und sonst absolut niemand! Wer redet Ihnen auch in diesem Jahr, machen Sie den ganzen Weihnachts- Budenzauber dieses Mal nicht mit, das anschließend schlechte Gewissen ein und lässt Sie in den nächsten drei Monaten bei der gesamten Verwandtschaft mental kniend Abbitte leisten? Richtig, niemand außer Sie selbst! Keine Lust dazu? Dann lassen Sie es doch einfach und pfeifen Sie drauf!

Mein ultimativer Ratschlag für dieses Jahr: So weit wie möglich raus aus den selbstauferlegten VerPFLICHTungs- Fallen, und hinein in ein bewusstes, entspanntes, genussvolles und selbstbestimmtes sich treiben lassen! Werden Sie zum für andere völlig unberechenbaren, selbstbestimmten und unplanbaren Individualisten, der sich nur nach einem orientiert: An einem ich WILL und ich DARF, jedoch keinesfalls einem selbstauferlegten oder gar fremdbestimmten „Du musst …!“! 

Fangen Sie endlich damit an, und das am besten heute noch, auch die kleinen Highlights, spontanen Überraschungen und sinnlichen Momente in ungehemmter Freiheit zu genießen. So wie es Ihnen gefällt und so wie Sie es für richtig erachten, und nicht wie andere oder gar Sie selbst Ihnen das verordnen und auferlegen. Ohne jegliches schlechte Gewissen, ohne Erklärungsversuche und Entschuldigungen und ohne Ausreden und Relativierungen: Gelassenheit finden im es einfach gut sein lassen! … und was sich für Sie gut anfühlt oder Ihnen tatsächlich ganz besonders gut tut, bestimmen allein und exklusiv Sie selbst!

Herzlichst und Ihnen allen eine wunderbare, genussvolle und entspannte Adventszeit

Jutta Lotz- Hentschel

 

Magisches Basilikum!

„Basilikum: Mehr als nur ein schmackhaftes Topic für Tomaten und Mozzarella!“

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It´s magic: Ich musste feststellen, auch das weite Feld der Psychologie (… und offensichtlich auch ich persönlich) muss noch viel lernen! Wer bislang das Kräutlein Basilikum lediglich als unverzichtbares und wohlschmeckendes Beiwerk zu Tomaten und Mozzarella kannte, hinkt nach neuesten Erkenntnissen, wie auch ich, offensichtlich weitgehendst unwissend und hoffnungslos, aufgrund völlig fehlendem Basis- Wissen, hinterher! 

Ein jeder dürfte in der Vergangenheit schon einmal die Begriffe Burn- Out (chronische Überforderung), Bore Out (chronische Unterforderung), Stress und/oder Mobbing, wenn nicht persönlich erlebt, so doch zumindest gehört haben. Betroffene begeben sich in der Regel, aufgrund ärztlicher Empfehlung, nachdem sie ihre körperlichen Symptome einigermaßen im Griff haben und wieder einigermaßen geradeaus laufen können, in psychologische, bzw. psychotherapeutische Behandlung. Nach neuesten (pseudo- und grenz-) wissenschaftlichen Erkenntnissen wird diese sich zuweilen im Bereich der persönlichen Odyssee bewegenden Reise durch die unterschiedlichsten Arzt- und Therapeuten- Praxen, angefangen vom sonst bei Grippe und Magen-/ Darmbeschwerden zuständigen Hausarzt, bis hin zu Internisten, Hals- Nasen- Ohren- Spezialisten, Neurologen, Psychologen, Psycho- Analytikern, bzw. Psychotherapeuten nicht mehr notwendig sein, denn man kann dem ganzen jetzt bereits vorbeugen und sehr effizient und zielgerichtet entgegenwirken.

Nachdem auch ich in meiner Praxis eine Vielzahl von Klienten berate und coache, die unter den oben beschriebenen Beschwerden bis hin zu Seelen- Qualen oftmals bereits seit Jahren zutiefst leiden, muss auch ich mir nunmehr eingestehen: Ich hinke offensichtlich neuesten Erkenntnissen im Hinblick auf die heilerischen und therapeutischen Möglichkeiten, respektive Präventivmaßnahmen dieser mittlerweile nahezu zur Volksseuche gewordenen Leiden hoffnungslos hinter! An dieser Stelle schon mal ein schuldbewusstes „Mea Culpa!“ angesichts meiner augenscheinlichen Unwissenheit! 

Es klingt so einfach und selbstverständlich, ich wundere mich über mich selbst, dass ich auf dieses so universell einsetzbare und dabei so probate und einfache (Haus-) Mittel nicht selbst gekommen bin. Keinesfalls möchte ich meinen Lesern und selbstverständlich auch meinen Praxis- Klienten diese mehr als revolutionäre Erkenntnis und Methode vorenthalten.

Man nehme also hierzu:

–  einen Topf Basilikum (bevorzugt aus der Bio- Abteilung des ortsansässigen Supermarktes!) 

– eine durchgefärbte schwarze (Um Gottes Willen, bloß keine andere Farbe verwenden. Man weiß ja nie was passiert!) Kerze plus passendem Kerzenhalter 

– ein getrocknetes Lorbeerblatt (Kennen Sie ja sicherlich auch noch als Zutat zu selbstgemachtem Rotkraut!) 

–  eine kleine Flasche reines Lavendelöl (das, wonach Oma immer schon so schlimm roch!) 

–  Küchenpapier, Mörser, Streichhölzer und einen kleinen Stoffbeutel (Die Farbe und Beschaffenheit des Stoffs scheinen hierbei völlig irrelevant zu sein!) 

… und jetzt kommt´s: Bei abnehmendem Mond (… und bitte nur dann!) zupfen Sie zur Mittagszeit (Bloß nicht früher oder aber später!) die frischen Blättchen von der Basilikum- Pflanze liebevoll ab; diese werden dann auf dem Küchenpapier zum Trocknen ausgelegt (… aaah ja, dafür braucht man das also. Ich muss da selbst ganz genau mitlesen, um Ihnen bloß nichts falsches zu raten, was unangenehme oder schlimmere Folgen nach sich ziehen könnte. Sicher ist sicher, denn hier geht´s ja offensichtlich nicht nur um belanglose Pillepalle!) Bloß nicht in der Sonne trocknen (Davor wird ganz dringend abgeraten!), dafür lieber einen nicht ganz so heißen und trockenen Ort auswählen. Nach ca. 1-2 Tagen sind die Basilikumblättchen getrocknet und das Ritual kann beginnen. Also, Ihr Lieben, auf geht´s frohgemut und vor allen Dingen mit ganz viel Mut und Enthusiasmus! Irgendwie, finde ich, gehört das unbedingt dazu und schaden kann´s meines Erachtens ganz bestimmt nicht! Es ist ja schliesslich „Magic!“. 

Schaffen Sie eine ruhige und entspannte Atmosphäre und weihen Sie die schwarze Kerze (Bitte nochmals: Bloß keine andere Farbe verwenden, damit auch wirklich nichts schief gehen kann. Da wird immer wieder drauf hingewiesen, also scheint es wirklich immens wichtig zu sein!) mit dem Lavendelöl. Das geschieht, indem man einen Tropfen des Lavendelöls auf die Fingerspitzen der rechten Hand gibt und die in der linken Hand befindliche (Also nochmals dringend zur Erinnerung: Nur auf eine schwarze Kerze!) Kerze vom Kerzenende bis zum Docht hin sanft damit bestreicht. Nach jedem Strich mit den Fingerspitzen dabei die Kerze um eine Viertelumdrehung weiter drehen und das ganze insgesamt 4x wiederholen. Dazu muss man offensichtlich wissen: Das viermalige Wiederholen steht für die vier Elemente; danach ist die Kerze aktiviert und magisch aufgeladen. It´s schon ein bisschen grusel- magic! Das mögen jedoch nur die ganz Unwissenden, wie mich, so empfinden; für echte Kenner und Hardliner der Ritual- Szene scheint das fast normal zu sein. Wer sich jetzt spätestens noch nicht wie eine echte Hexe fühlt, hat meiner Meinung nach selbst schuld! Inwieweit sich hier ein edler Zauberstab á la Bibi Blocksberg und ein passendes Gewand förderlich auswirken könnten, wurde mir leider vorenthalten, aber schaden kann´s mit Sicherheit nicht! Solche Extra- Zutaten müssen sich doch irgendwie über´s Internet bestellen lassen. Mein Tipp: Einfach mal googeln! Ach übrigens, sorry, das vergaß ich in meiner Begeisterung ganz zu erwähnen: Das Magic- Ritual scheint sich eindeutig besser für meine weiblichen Geschlechtsgenossinen zu eignen, als für Männer. Die Betriebsanleitung liest sich eindeutig und unzweifelhaft „weiblich“, also offensichtlich nur oder weitgehendst für Mädels geeignet oder dann besonders wirksam. Meine Überlegung hingegen: Vielleicht neigen aber auch Frauen eher zu solch einem Budenzauber und Männer denken da ganz praktisch in Richtung „Ich schlag meinem Gegner bei Gelegenheit und wenn´s draußen dunkel ist einfach komplett die Zähne ein!“ etwas reduzierter und weitaus pragmatischer! 

Und weiter geht´s: Jetzt die Kerze im Kerzenhalter befestigen und anzünden. Als nächstes dann das Lorbeerblatt und die getrockneten Basilikumblätter in den Mörser geben und mit dem dazu gehörigen Stößel fein zermahlen. Unbedingt darauf zu achten ist, dass Sie den Mahlvorgang nur links herum ausüben (Ich weiß zwar nicht, was passiert, wenn Sie sich in der Richtung irren sollten, aber lassen wir´s einfach besser, nehmen es einfach mal so hin und denken an dieser Stelle nicht weiter drüber nach!) Während Sie die Blättchen also links (!!!) herum zermahlen, muss folgender Zauberspruch 9x (Oh mein Gott, geht´s vielleicht auch noch öfter?!) laut (!!!) aufgesagt werden (Hier empfehle ich dringend eine Strichliste zu führen, das scheint nämlich enorm wichtig zu sein. Und bitte, das ist jetzt nur so ein merkwürdiges und unerklärliches Gefühl von mir und steht nicht in der Bedienungsanleitung: Keinesfalls dabei lachen, bloß nicht und unter keinen Umständen!). Also, Mädels, gehen wir´s mal ganz mutig gemeinsam mit dem Gefühl des echten Profis an: 

„Aus Neid wird Liebe, aus Hass Harmonie!

Den Zauber ich schmiede, so stark wie noch nie!

Du königlich Gewächs vereinst Dich nun, mit dem Erfolg für all mein Handeln und Tun!

Wend ab von mir böse Menschen schnell, damit mein Leben wird lichtvoll und hell!

So sei es, so sei es, so sei es! “

Das ganze fühlt und hört sich jetzt aber schon ein bisschen gruselig und grenzwertig an, gell? … und bitte: Bloß keinen zuhören lassen! Es reicht schon völlig, dass Sie solch einen geballten Schwachsinn überhaupt aussprechen, das müssen jetzt nicht auch noch Dritte mit anhören. Und weil´s so prickelnd und schön gruselig ist, war es jetzt auch das noch lange nicht.Da kommt nämlich noch etwa ganz entscheidendes, denn jetzt muss das Zeug ja auch schliesslich zum Front- Einsatz kommen, um endlich Wunder bewirken zu können. 

Also: Nachdem die Blättchen jetzt sicherlich so fein wie Puderzucker sind (Immerhin muss der Spruch ja 9x dabei aufgesagt werden und bitte, ganz wichtig, nicht einfach nur mal nebenbei so herunterleiern, sondern hierfür ein bisschen Ernsthaftigkeit und Pathos in die Stimme legen, immerhin geht´s hier auch um was!), wird dieses (Das ist jetzt nicht mehr einfach nur Lorbeer und Basilikum, nein, wir haben ja jetzt magisches hex- hex gemacht!) „magisch aufgeladenes“ Pulver in das Stoffbeutelchen gefüllt. 

Dringend empfohlen wird, niemandem, wirklich wirklich absolut niemandem, ganz egal was auch passiert und sei es die Androhung schwerer Folter, von Ihrem magischen Ritual zu erzählen. Man sollte lt. Empfehlung solche Dinge besser für sich behalten, damit die Rituale (Wie, da gibt´s noch mehr davon? Die kenne ich ja noch gar nicht!) ihre Wirkung voll und ganz entfalten können. (Ganz vertraulich unter uns gesagt: Erzählen Sie von dem Budenzauber Ihrem Psychologen, bzw. Psychotherapeuten, wird er Sie aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Diagnose „wahnhafte Paranoia“ und einer Anfangsdosis von 5mg Haloperidol in die geschlossene Psychiatrie einweisen!) 

Jetzt brauchen Sie ganz viiiel Zeit und Geduld: Die Kerze muss bis ganz zum Schluß vollständig abbrennen; bloß nicht auspusten, das soll angeblich den Kerzengeist verschrecken und ihn infolge dessen stinksauer machen. Ich persönlich habe diesen Typen zwar auch noch nicht kennengelernt, aber auf jeden Fall hört sich das ganze schon mal sehr bedrohlich und gefährlich an. Ergo: Das gesamte Procedere kann also dauern und dauern und nochmals dauern! Aber wir sind ja noch jung, knackig und Hexen sind ja angeblich unsterblich und für die Ewigkeit gemacht. Wir haben also daher durchaus die benötigte Zeit und Muse und mit einem Tässchen frischem Kaffee im Anschlag stehen wir das ganze auch noch durch … Schliesslich dient das ganze ja einem wichtigen und höheren Ziel und Zweck und bitte, was ist schon Zeit? 

Ist die Kerze dann endlich nach einer gefühlten Ewigkeit vollständig abgebrannt, gehen wir jetzt lässig in Aktion, um das Ding zu rocken. Das „magisch aufgeladene“ Pulver, schon bei dieser Bezeichnung kriege ich persönlich Gänsehaut, kommt jetzt endlich zum Einsatz. Also all Ihr widerlichen Mobber, nervtötenden Stressoren und ekelhaften Kotzbrocken dieser Erde gut aufgepasst und schon mal vorsorglich die Ohren angelegt; Ihr seid jetzt mehr als überreif und gehört schon bald der Geschichte und Historie an, denn wir blasen zur ultimativen Attacke! Gegenwehr absolut sinn- und zwecklos!

So gehen Sie weiter vor: Sobald Sie am nächsten Morgen das Haus in Richtung Arbeitsplatz verlassen, unbedingt das Säckchen mit dem „magisch aufgeladenen“ Pülverchen mitnehmen (Bloß nicht vergessen, denken Sie lieber dabei an die bevorstehende magische Schlacht und den Schlagabtausch mit Ihren bisherigen und in Kürze vergangenen Widersachern. In einen Krieg zieht man ja schliesslich auch nicht unbewaffnet und schwenkt schon beim ersten gefallenen Schuss die weisse Kapitulations- Flagge!) Empfohlen wird an dieser Stelle, etwas früher als sonst am Arbeitsplatz zu erscheinen, damit Sie noch etwas Ruhe haben, das Wundermittel im Raum zu verteilen. Sie sollten jetzt also bereits das Frühaufstehen fest einplanen, das Pulver muss nämlich jeden (!!!) Tag angewandt werden, damit es auch wirklich dauerhaft wirkt und das funktioniert dann folgendermaßen: 

Etwas von dem „magisch aufgeladenen“ Pulver in die Handflächen geben und in Gedanken sagen:

„Du lichtvolles Pulver, verbreite Dich schnell, damit in diesen Räumen die Schwingung wird hell!“

 Wow, was für eine krasse Kampf- Ansage! Klingt das nicht irgendwie nach ultimativem Sieg auf allen Ebenen und echtem Befreiungsschlag? Das macht doch irgendwie so richtig was her … So in etwa muss sich Harry Potter gefühlt haben, wenn er Lord Voldemort gegenübersteht, um ihn mit Schwung dahin zurück zu schicken, wo er hergekommen ist. Einfach grandios und unbesiegbar! Übrigens: Kaum zu glauben, was das Gefühl der Machtergreifung doch persönlich verändert, hat man erst einmal die richtigen Waffen zur Hand!

… und jetzt starten wir den General- Angriff: Ein wenig von dem magischen Zauber- Pülverchen von der Handfläche in den Raum pusten, und jetzt bloß keine Skrupel an dieser Stelle. Die Putzkolonne kommt schließlich jeden Abend und saugt und wischt Staub, also bloß keine Hemmungen! Angeblich soll man sofort, neben dem durchdringenden Basilikumduft (Was ich definitiv für durchaus möglich halte!) eine gravierende positive Veränderung der Energie und Schwingung erfahren und vor allen Dingen spüren! Wooow, was für ein Knaller- Effekt ungeahnten Ausmaßes … Einfach nur magic!

Das Kraut plus Lorbeerblatt soll negative Energien sofort blitzartig abwenden und die reine, pure Herzensliebe anziehen. Treffen also Ihre nervigen Kollegen ein, sollten diese Sie mit einem locker- flockigen und für Sie völlig ungewohnten „Einen wundervollen und berauschenden guten Morgen, meine Lieben!“ fröhlich pfeifend mit Sonnenschein im Gesicht begrüßen und Sie anschließend in die betriebseigene Kantine zum Kaffee einladen (Das wäre übrigens an deren Stelle jetzt spätestens der Moment, an dem ich misstrauisch werden würde!). Angeblich sollen lt. Bedienungsanleitung für das Pülverchen Hektik und Stress sofort rapide abnehmen und bisherige Mobber und Kotzbrocken, denen Sie lieber ganz weit aus dem Weg gegangen sind, zu Ihren besten Kumpels forever mutieren, Sie nie mehr die Mittagspause freiwillig oder gezwungenermassen alleine in der Kantine am Tisch in der hintersten Ecke verbringen müssen, Ihnen nie mehr eine undurchdringliche Mauer der Ablehnung seitens mobbender Kollegen und Kolleginnen gegenübersteht, Ihr Vorgesetzter, bisher ein mehr als cholerischer und profilneurotischer Kotzbrocken der Extra- Klasse, Ihnen nur noch lobend ob Ihres selbstlosen täglichen Arbeitseinsatzes anerkennend auf die Schulter schlägt und Sie sofort für die nächste Gehaltserhöhung und Beförderung vorschlägt, und Sie die bereits vor langer Zeit geschriebene innere Kündigung im internen mentalen Shredder versenken können! Mal ehrlich: Das hört sich doch wirklich nach zukünftig fast schon paradiesischen Zuständen an, nicht wahr?! 

Ich habe zwar das ganze noch nicht durchgezogen, aber ich bin wirklich maßlos beeindruckt und habe sofort auf meinem Einkaufszettel Lorbeerblätter, frisches Basilikum, Lavendelöl und eine schwarze Kerze, durchgefärbt versteht sich, notiert. Ich habe zwar keine mobbenden Kollegen, keinen echten Kotzbrocken als Chef und zu meiner Praxis gehört auch keine Kantine, aber sicher ist sicher, das ziehe ich jetzt auch in meiner Praxis radikal und konsequent voll durch. Man weiß ja nie, was einem so alles begegnet und „positive vibrations“ haben ja immer was!

Was enorm bemerkenswert ist: Das „It´s magic- Pülverchen“ soll angeblich auch besonders gut gegen den bösen Blick helfen! Aaah ja, also universell einsetzbar! Da einem der aber nicht nur in geschlossenen Räumen, ganz besonders von dem chronisch übellaunigen Kollegen in der Ecke gegenüber und Kotzbrocken- Cheffe zuteil wird, stellt sich für mich die logische Frage, wie bewerkstelligt man das mit dem „Pülverchen in die Luft blasen“ auf der Straße ohne dabei unangenehm aufzufallen? Praktikable Vorschläge hierzu werden gerne entgegen genommen! 

Mein ganz persönliches Fazit: Auch wenn hier streckenweise eine ganz wichtige und wesentliche Erkenntnis zur Behandlung und Prävention von Stress- Symptomen, zum Burn Out- und/oder Bore Out- Syndrom oder aber Mobbing bisher an mir vorbei gegangen sein sollte, werde ich auch weiterhin sicherheitshalber in meiner Praxis Beratungen zum Thema „Nie mehr Opfer!“ und „Wege aus der Opferhaltung!“ anbieten. Auf jeden Fall, sicher ist sicher und man weiß ja nie, werde ich zukünftig all meinen Klienten und ratsuchenden Mandanten die Rezeptur für das „It´s magic- Pülverchen“ in die Hand drücken. Schließlich bin ich immer und grundsätzlich gegenüber neuesten Erkenntnissen und themenbezogener Weiterbildung überaus aufgeschlossen und das Wohl meiner Klienten liegt mir generell sehr am Herzen! It´s magic!

Herzlichst

Jutta A. Lotz- Hentschel

Praxis Ansavita

Quelle/Ritual: Magazin „Zukunftsblick“, Ausgabe 08/2010